Grim Fandango: Remastered im Test: LucasArts-Klassiker im neuen Gewand

Test Andreas Peter
Grim Fandango: Remastered im Test: LucasArts.Klassiker neu aufgelegt.
Quelle: Double Fine Productions/GOG.com

Der unbestritten größte Trend des Jahres 2014, das konzentrierte Zuwerfen des Zielpublikums mit aufgehübschten HD-Remasters alter Spiele, setzt sich auch dieses Jahr nahtlos fort. Mit Grim Fangando: Remastered erscheint die Neuauflage eines Adventure-Klassikers der altehrwürdigen, heute leider geschlossenen Spieleschmiede LucasArts. Gut oder schlecht gealtert, stellt sich bei solchen Remakes immer die Frage - kann man das heute noch mit Genuss spielen?

Als das Original anno 1998 erschien, war es technisch seiner Zeit weit voraus - mit fein gerenderten 3D-Hintergründen sollte dieses Abenteuer aus der mexikanischen Zwischenwelt die berühmten Lucas Arts Adventures ins neue Jahrtausend befördern. Geklappt hat dieses Unterfangen laut Verkaufszahlen nur eingeschränkt, und im Anschluss folgte leider und dabei konsequenterweise nur noch die große Adventuredürre der Nuller-Jahre.

Grim Fandango: Remastered im Test (2) Quelle: Telltale, GOG.com Grim Fandango: Remastered im Test (2) Die fabelhafte Geschichte von Grim Fangando aus der Feder des Altmeisters Tim Schäfer lässt an Humor und schrägem Setting keine Wünsche offen. Unser Protagonist ist der kürzlich verstorbene Manuel "Manny" Calavera. Bereits fortgeschritten skeletiert arbeitet Manny als Reiseberater der "Dienststelle für organisierte Diplomsenser" in einer Zwischenwelt zwischen echtem Leben und Nirvana. Er verkauft kürzlich Verstorbenen möglichst teure Überfahrten aus diesem mexikanischen Fegefeuer in den Limbus, um sich damit selbst die Mittel für die eigene Reise in die ewige Ruhe zu finanzieren. Aber so richtig klappt das nicht - nur Kunden mit einwandfreiem Lebenslauf bringen richtig Asche in die Zwischenwelt mit, und Manny bekommt nur die Toten ab, die im richtigen Leben moralisch doch einiges auf dem Kerbholz hatten. Da begegnet ihm die rattenscharfe Mercedes und das Untotenschicksal nimmt seinen spannenden Lauf. Kann Manny mit ihr aus der frustrierenden Zwickmühle ausbrechen?

Die Geschichte präsentiert sich zeitlos brilliant geschrieben und vertont in sagenhafter Lucas Arts Qualität - nicht umsonst hat dieses Studio das Adventure Genre bis heute geprägt wie kein anderes. Gute siebzehn Stunden Umfang bietet das Programm dem geneigten Spieler, und die gebotene Rätselkost ist wirklich nicht casual - wie auch, dieses unsägliche Trendwort hat erst Jahre später nach der Erstveröffentlichung des Spiels Einzug in die Gamingszene gehalten. Die Aufgaben sind logisch und fanatsievoll, aber keineswegs simpel - man muß die alte Grübelbirne schon ein wenig anstrengen. Die Dialoge sind zum schreien komisch, das Setting immer noch absolut unverbraucht. Im Gegensatz zu den Neuauflagen von Monkey Island gibt es keinerlei eingebaute Hilfefunktionen für Anfänger im Abenteuer-Genre. Man muss selbst grübeln oder sich ein entsprechendes FAQ aus dem großen, weiten Internet besorgen.

Grim Fandango: Remastered im Test (3) Quelle: Double Fine Productions/GOG.com Grim Fandango: Remastered im Test (3) Neben dem PC erscheint das Spiel auch auf PS4 und PS Vita, was die neu hinzugekommene Steuerung per Gamepad impliziert. Die ist super gelungen, gefällt uns sogar noch besser als die neue Point- und Click-Steuerung, die die PC-Variante dazubekommen hat. Nur das Inventar ist immer noch umständlich zu bedienen. Die Grafik ist trotz breitem "Remasterd"-Label im Titel nur geringfügig aufgebessert worden. Die Spielcharaktere sehen deutlich besser aus, die Hintergründe wurden aber nur leicht auftexturiert. Mittels Tastendruck kann man jederzeit zwischen klassischer und überarbeiteter Ansicht umschalten und dabei staunen, wie ansehnlich die Grafik schon vor siebzehn Jahren war und wie gut sie gealtert ist. Das Programm präsentiert sich im 4:3 Bildschirmformat, wenn man die Ränder wegschaltet und 16:10 einstellt, wirkt das Bild unschön verzerrt. Ein besonderes Schmankerl ist der Entwicklerkommentar, den man sich zu den einzelnen Szenen anhören kann. Darin plaudert der Altmeister Tim Schafer aus dem Nähkästchen. Wäre mehr an Grafikupgrades und frischer Präsentation drinn gewesen? Ja, sicher - aber verbuchen wir die Art der spährlichen Änderungen mal freundlicherweise als Respekt vor der Werktreue.

Meinung

Wertung zu Grim Fandango Remastered (PC)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Grim Fandango Remastered (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
prima KonsolensteuerungPC bekommt endlich Point’n Click-BedienungEntwicklerkommentarspannende Story in unverbrauchtem SzenarioZeitloser Humor, tolle Vertonung
mehr Aufhübschung hötte drinn sein dürfenSpeicherzeiten auf PS4 von der Hölle
Fazit

Auch heute noch macht Grim Fandango Spaß und unterstreicht LucasArts Vormachtsstellung im Genre. Grafisch aber hätte der Remaster hübscher sein können.

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