Life is Strange: Life is Strange im Test: Ein merkwürdiges Studentenleben

Test Alexander Winkel
Ohne Zeitdruck einfach mal auf die Parkbank setzen und dem Sonnenuntergang zuschauen - selten für Videospiele.
Quelle: PC Games

Die zurückhaltende, eher scheue und wortkarge Fotografie-Studentin Max begibt sich in Life is Strange unfreiwillig in einen originell ausgearbeiteten Mystery-Krimi, der irgendwie auch das Herz berührt. In Tradition der Telltale Games und doch ganz anders begeistert uns der Auftakt des Episoden-Adventures von Square Enix.

Max, zierlich, in sich gekehrt und ziemlich wortkarg, kehrt nach einigen Jahren in ihre alte Heimatstadt Arcadia Bay zurück. Zahlreiche Erinnerungen gehen ihr dabei durch den Kopf und als Spieler wird man unweigerlich mit ihren Gedanken konfrontiert. Die Achtzehnjährige tut sich auch nach einigen Wochen an der Uni weiterhin schwer, wirklich Anschluss zu finden. Die üblichen Teenie-Probleme und Highschool Klischees machen den Einstieg nicht einfach. Hier haben wir den High Society Club der Extraschlauen, dort die gut aussehenden Barbie-Püppchen und unter all diese Leute gesellen sich die Geeks. Auch wenn sich im Hintergrund von Life is Strange bereits die mysteriöse Geschichte zaghaft entfaltet und durch Visionen von Max das Schicksal bereits in seinen Grundzügen für die kommenden Downloads offenbart wird, ist die erste Episode vor allem vom täglichen Leben der Schüler geprägt.

Die erste Episode handelt vom typischen Studentenleben. Quelle: PC Games Die erste Episode handelt vom typischen Studentenleben. Max hängt ihren Gedanken im Unterricht nach, der Dozent ist ihr Schwarm und Vorbild, lästert lautlos über ihre Mitschüler oder gibt hier und dort ein paar nette Kommentare ab und möchte eigentlich nichts mehr als mit ihrer Fotografie beachtet zu werden. Ihr unterhaltet euch mit den Skatern über coole Tricks, tauscht euch mit dem einzig wahren Freund über die neuesten Horrorfilme auf einem USB-Stick aus, erlebt die Beziehungskrisen zwischen Football-Superstar und Cheerleader-Braut und alles weitere, was man sich auf einem amerikanischen Campus so vorstellen kann. Der Spieler lauscht aber nicht nur oder geht seinen Gedanken nach, er kann auch hier und da die Konversationen steuern, Mitschülern helfen oder diese abweisen. Das tolle in Life is Strange ist aber vor allem, dass nicht nur der Sonnenschein ein wollig warmes Gefühl verbreitet, ihr könnt euch auch unendlich Zeit lassen und das Leben so richtig genießen. CD einlegen und aufs Bett flacken, der Musik lauschen oder das warme Wetter im Schatten eines Baumes genießen bzw. genüsslich die Gitarre zupfen.

Die rätselhafte Zeit

Ohne Zeitdruck einfach mal auf die Parkbank setzen und dem Sonnenuntergang zuschauen - selten für Videospiele. Quelle: PC Games Ohne Zeitdruck einfach mal auf die Parkbank setzen und dem Sonnenuntergang zuschauen - selten für Videospiele. Life is Strange ist aber noch viel mehr als ein idyllisch präsentiertes Studentenleben. Das ungelöste Verschwinden von Rachel Amber, einer früher äußerst beliebten Studentin, macht Max durchaus zu schaffen. Nach und nach kommen mysteriöse Details ans Tageslicht und es kommt der Verdacht auf, dass Rachel nicht einfach nur durchgebrannt und abgehauen sein könnte, sondern etwas mehr dahinter steckt. Darüber hinaus trifft Max ihre alte Freundin Chloe wieder. Die aufgeweckte Punker-Braut ist kaum mehr zu erkennen und teilweise ein wenig durchgedreht. Doch erst ihr neuer Stiefvater jagt Max ordentlich Angst ein. Einer vom Militär, der als Security an der Uni seine strengen Regeln durchdrücken möchte und auch Chloe nicht gerade väterlich behandelt. Da sollte vielleicht das Jugendamt mal vorbei schauen.

Über all dem stehen die mysteriösen Visionen, die Max bereits zu Beginn der Episode hat. Ein katastrophales Unwetter, in dem sie sich stets befindet und ein Tornado, der Arcadia Bay zu zerstören bedroht. Kaum hat Max ihre erste Vision als dunklen, düsteren und abschreckenden Tagtraum abgetan, stellt sie fest, dass es auch andere Dinge gibt, die unerklärlich sind. Mit ihrer Willenskraft kann sie die Zeit beliebig oft zurück drehen und somit zum Anfang der Szene zurückkehren. Eine gleichermaßen mysteriöse wie auch praktische Fähigkeit, welche gekonnt in das Abenteuer von Life is Strange eingebaut wurde.

Die Mystery-Story deutet sich nur vage an. Quelle: PC Games Die Mystery-Story deutet sich nur vage an. Oftmals lässt man das Geschehen in Gedanken Revue passieren und erkennt Möglichkeiten, sich anders zu verhalten oder Dinge zu verändern, damit das Schicksal beeinflusst wird. Fällt zunächst eine Schachtel Schraubendreher hinter einen Schrank und bleibt damit unerreichbar, nutzt man nach dem Zurückspulen der Zeit ein Stück Pappe, welches man unter den Schrank schiebt und somit nachher die begehrten Schraubenzieher hervor holen kann. Doch nicht alle Rätsel sind derart einfach und Max muss auf zahlreiche Konversationen und Informationen zurückgreifen, um hier und dort ein paar Dinge beeinflussen zu können. Schön anzusehen, wie Life is Strange einerseits keinen Zeitdruck aufbaut, andererseits aber richtig gute Rätselkost bietet. Auch bei den Konversationen können alle Varianten ausprobiert und die direkten Konsequenzen daraus zunächst einmal genossen werden. Letztendlich entscheidet aber die eigene Persönlichkeit ob man mit Häme über seine Mitschüler lacht oder diesen hier und dort unter die Arme greift. Langfristige Folgen auf den Verlauf der späteren Episoden sind aber nur kaum durchschaubar. Das bietet Platz für viel Überraschung.

Das Leben ist schön

Life is Strange hebt interaktive Segmente durch eine Schraffur hervor. Quelle: PC Games Life is Strange hebt interaktive Segmente durch eine Schraffur hervor. Die erste Episode von Life is Strange macht aber auch in Sachen Präsentation nahezu alles richtig. Interaktive Objekte werden kunstvoll mit Schraffur dargestellt und Max hängt beim Betrachten bereits in ihren Gedanken. Fotos, alte Bücher und andere Dinge wecken Erinnerungen, welche sie durchforstet und dem Spieler ungeniert preisgibt – auch wenn sie gegenüber ihren Mitschülern eher als introvertiert gilt. Alles wird sehr gut vertont wiedergegeben, wobei das komplette Abenteuer aber auf Englisch gehalten ist. Auf deutsche Untertitel hofft man vergebens.

Das herrliche in Life is Strange ist tatsächlich, dass man das alltägliche Leben genießen kann. Die Schüler machen Fotos, wir können auf den Facebook Profilen die neuesten Zeichnungen anschauen und per SMS bleiben wir immer in Kontakt mit den wenigen Freunden, die wir haben. Es wirkt einfach wie ein idyllisches, typischen Studentenleben, das man in vollen Zügen geniest. Dies auch, weil vor allem die Optik gelungen ist und Arcadia Bay, zumindest die wenigen Schauplätze welche in Episode 1 bisher geboten werden, sehr detailliert umgesetzt wurden.

Meinung

Wertung zu Life is Strange (XBO)

Wertung:

8.5 /10

Wertung zu Life is Strange (PS4)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Beschauliches, idyllisches Spiel ohne Zeitdruck, so dass man alles einfach nur genießen kann.Mehrere kleine Storystränge werden bereits geschickt miteinander verwoben und liefern einen äußerst spannenden Hintergrund für Life is Strange.Ihr könnt viele Dinge anschauen und damit Erinnerungen und Gedanken auslösen, die sehr gut vertont wieder gegeben werden.Das Zeitfeature bietet interessante Möglichkeiten in Konversationen und auch bei zahlreichen Dingen, die man beeinflussen kann. Dadurch entstehen interessante Rätsel, die auch durchaus ganz knifflig ausfallen können.Schön inszeniert Schauplätze sorgen für ein wohlig warmes Gefühl und die Tatsache, dass man die ganze Geschichte den Entwicklern auch abnimmt.Wundervolle akustische Untermalung.
Teilweise sind die Rätsel, vor allem die der Hauptquest, recht einfach ausgefallen und man hat sehr schnell durchschaut, wie man das Zeitfeature dafür einsetzen muss.Die einzelnen Charaktere wirken bisweilen sehr klischeehaft.Spiel ist nur in englischer Sprache sowohl schriftlich als auch vertont vorhanden.
Fazit

Die erste Episode von Life is Strange lässt einen genüsslich das merkwürdige Studentenleben auskosten - ohne Hatz und Zeitdruck.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk