Wie misst man die Qualität einer Achterbahn? Natürlich in Dezibel, wenn die Fahrgäste kreischend in die Tiefe stürzen und dabei fast einen Herzkoller bekommen. Herzlich Willkommen bei ScreamRide, wo eine dubiose Firma die Menschheit an ihre Grenzen bringen möchte. Ist der Titel der letzte Schrei oder doch nur für die Abrissbirne tauglich? Wir haben uns ausgiebig damit beschäftigt und liefern das Ergebnis in unserem Test.
Gratulation zum neuen Job! Als suizidgefährdeter Crashtest-Fahrer verdient ihr fortan euren Lebensunterhalt bei dem hochtechnisierten Weltkonzern ScreamWorks Corporation. Diese überaus moderne Firma scheut keinen Kosten und Mühen, durch aufwendig inszenierte Feldversuche die Menschheit und ihren zerbrechlichen Körper an die Grenzen zu bringen. Wie viel G hält der Körper tatsächlich, vor allem mit neuen Schutzanzügen, aus? Wie stark kann man die Stimmbänder beanspruchen, bis der einzelne Proband seine Nerven völlig verliert und desillusioniert kapituliert? Aus diesem Grund steigt man in eine halsbrecherische Achterbahn oder in eine Demolierkugel und lässt sich vom Adrenalinstoß in völlig neue Sphären treiben. Das klingt doch alles ganz verlockend und sowohl die erste Ankündigung, als auch der Trailer zu ScreamRide machten durchaus Lust auf mehr. Das Ergebnis liegt uns nun vor und ist gelinde gesagt mehr als ernüchternd.
Das liegt zum einen an der farblosen, sterilen und weniger lebendigen Präsentation der Arbeitsstätte von ScreamWorks Corporation. Von Inseln über Vulkane und sonstig abartig abgelegenen Orte sieht man eh nur wenig und muss sich dabei auf die klinisch reinen, weiß-grauen Bauten konzentrieren, die sich für die Tests in den Himmel türmen. Auch der Humor verfehlt völlig sein Ziel, wirkt aufgesetzt und befremdlich. Schmunzeln muss man ab und an bezüglich der Animationen nach getaner Arbeit, diese wiederholen sich aber schon nach wenigen Szenen und Missionen. Die Kommentare dagegen sind trocken und völlig witzlos. Das Problem liegt auch ein gewisses Stück am eigentlichen Gameplay, welches einerseits nach relativ kurzer Zeit repetitiv ausfällt und andererseits doch teils happiges vom Spieler abverlangt.
Was ist ScreamRide?
Quelle: Microsoft
Je verrückter, desto besser: ScreamRide setzt auf schier unmögliche Achterbahn Designs.
ScreamRide bietet insgesamt drei Spielmodi. Im ersten düsen die Schrei-Probanden über halsbrecherische Achterbahnen hinweg. Nach und nach kommen immer mehr Elemente wie Turbo, Sprünge und fahren auf zwei Rädern hinzu und verfeinern den Anspruch jeder einzelnen Mission. Denn meist gilt es einen besonders hohen Highscore hinzulegen, welcher durch halsbrecherisches Fahren, Stunts und einer positiven Schreiwertung am Ende erzielt wird. Ihr sitzt selber im Achterbahnwagen und könnt Gas geben, die Bremse ziehen und somit die Fahrt durch Schrauben, Loopings und über Sprungschanzen hinweg beeinflussen. Entgleist das ganze mal, auch egal. Dann schaut man sich die Zerstörung der Umgebung genüsslich an und setzt die Kiste danach wieder auf der Schiene ab, um weiter zu machen. Zahlreiche Nebenaufgaben gehen aber ins Eingemachte und sind zum Teil nur sehr schwer zu meistern. Raffinierte Geschicklichkeitstests, die euch auch durchaus zu mehrmaligen Versuchen mit unterschiedlichen Spielvariationen der einen einzigen Achterbahn zwingen.
Dieselben Bonus-Herausforderungen sorgen auch bei den destruktiven Bowling-Aktionen für viel, viel Frust, aber auch harte Kopfnüsse. In diesem zweiten Modus sitzt man in einer Kugel, einem Gleiter oder einer anderen Art von Zerstörungsobjekt und schleudert dieses dem Levelinventar entgegen. Es gilt möglichst viel Schaden anzurichten. Ganze Türme und Städte wie auch Pyramiden werden zerkleinert und fleißig das Ausmaß der Zerstörungswut genossen. Prinzipiell versuchen die Entwickler diese Abschnitte fortlaufend interessant zu halten und bieten auch versteckte Trefferzonen, die vor allem mit explosiven Fässern oder ähnlichen Kettenreaktionen für eine wahrhaft große Endwertung sorgen können. Wirklich richtig knifflig sind aber, wie auch bei den Achterbahnfahrten, nur die Nebenaufgaben, die immer spezielle Ziele vor Augen haben. Zerstört eine gewisse Anzahl an Bildschirmen, macht entsprechend viel Schaden nachdem die Kugel zweimal aufgekommen ist und vieles, vieles mehr.
Quelle: Microsoft
Achterbahn in den eigenen vier Wänden: Wer will, kann selbst mitfahren.
Die Sandbox dürfte mit Abstand die Motivation am längsten hoch halten. Hier können eigene Achterbahnen und Zerstörungsstätten entworfen werden. Im Laufe der normalen Karriere schaltet man immer mehr Bauobjekte frei und kann damit immer komplexere Welten kreieren. Wer bereits in Minecraft seiner Kreativität freien Lauf gelassen hat, kann sich auch in diesem Vergnügungspark stundenlang mit beschäftigen. Passend zum Geschaffenen, was wirklich mit reichlich Details anreichert werden kann, aber steuerungstechnisch nicht ganz so einfach von der Hand geht, legt ihr eigene Ziele in der Highscore und den einzelnen Bonusmissionen fest. Der Clou daran ist, dass man anschließend sein Werk spielen und die gemachten Vorgaben zunächst einmal selber erreichen muss, bevor man das Werk auch online anderen Spielern zur Verfügung stellt. Die Community dürfte wohl mit Abstand den interessanten Input für ScreamRide liefern, sofern das Spiel von Nachwuchs-Ingenieuren und Bastlern auch gut aufgenommen wird.
