Mortal Kombat wagt mit dem zehnten Teil der Reihe den Sprung auf die aktuellen Konsolengeneration und stellt direkt klar: Hier geht es nicht zimperlich vonstatten. Auch im neusten Teil darf geprügelt werden bis aufs Grundfleisch. Ob Mortal Kombat X der erhoffte Prügelspielsegen ist, lest ihr in unserem Test.
"Man sind die alt geworden", möchte man fast meinen, wenn man die Charaktere der älteren Mortal Kombat's in X wiedersieht. Johnny Cage oder Sub-Zero begegnen uns im Storymodus als gut gealterte Versionen, so funktioniert die Einführung von neuen Charakteren, wie Cassie Cage am besten. Letztere ist, wie der Name schon vermuten lässt, die Tochter von den bekannten Charakteren Johnny Cage und Sonya Blade. Neben altbekannten Gesichtern reihen sich natürlich auch komplett neue Charaktere, wie die Insekten-beherrschende D'Vorah, das Duo Ferra & Torr oder Erron Black, in das Roster ein.
Shinnok muss aufgehalten werden!
Quelle: WB Games
Mortal Kombat X im Test: Sehr, sehr blutig. (1)
Im Storymodus kämpfen wir mit nahezu allen der mehr als 20 verfügbaren Charaktere auf 13 unterschiedlichen Stages. Dabei setzt man bei der 25 Jahre in der Zukunft spielenden Geschichte vor allem auf filmreife Sequenzen mit abstürzenden Helikoptern und Gefechten, die sich im Hintergrund abspielen. Man selbst darf dann in nahezu jeder Situation, in der man nicht aktiv spielt, ein paar Knöpfchen drücken. Die Quick-Time-Events sind gut in Szene gesetzt und ein Teil der Spielerfahrung: Verliert man solche Events, dann geht das Spiel trotzdem weiter, nur dass der Körper des grade in Szene gesetzten Kämpfers ein paar Schläge oder derartiges hinnehmen muss.
Die Kämpfe, der Kern des Spiels, werden dann mit kleinen Intros eingeleitet, die nahtlos von den Zwischensequenzen ineinander übergehen. So kämpfen wir also in der Haut von immer wieder anderen Charakteren gegen die "bösen" Angreifer auf das Erdenreich unter der Regie von Shinnok, der Serienkennern ebenfalls bekannt ist. Dabei darf man sich nicht auf großartig tiefgründige Dialoge einstellen. Hier und da mal eine Konversation und ein paar Sprüche und dann geht's auch schon ab ans Prügeln. Wer sich den Storymodus gibt, wird mit den Zwischensequenzen zusammen, gut und gerne vier bis fünf Stunden beschäftigt sein. Für ein Beat'em Up ordentlich, zumal die Geschichte recht gut inszeniert ist.
"Du bisch protal ey!"
Quelle: WB Games
Mortal Kombat X im Test: Sehr, sehr blutig. (2)
Mortal Kombat steht weder für überdimensionierte 3D Busen, die sich physikalisch korrekt hin- und herbewegen, noch für unblutige Kämpfe. Das zeigt sich anhand der, fast vergessenen und endlich wieder eingeführten, Brutalities und auch den Fatalities. Während man Fatalities am Ende eines Kampfes nutzen kann, um seinen Gegner noch mal, sagen wir sehenswert, fertig zu machen, sind Brutalities ähnlich, müssen aber unter bestimmten Voraussetzungen (nach Kombos etc.) eingesetzt werden, damit sie wirklich funktionieren. Klappen sie, dann wird das Spiel so blutig und übertrieben kreativ auf so brutale Art und Weise.
Beispiel gefällig? So kann Mileena mit einem Fatality am Ende den Gegner nochmals "aufkratzen" und die Gedärme und anderweitige Innereien hervorholen, während sich die obere Hälfte des am Boden liegenden Opfers vom Unterleib löst. Aber auch andere Kämpfer wissen mit überzogener Brutalität ihre Gegner in die Schranken zu Weisen. So ist das Aufschlitzen des Körpers vom Scheitel bis zur Sohle, das Reindrücken von Köpfen in Kreissägeblättern oder das Ausdrücken einer Zigarre im zerteilten Schädel des ehemaligen Kontrahenten nur eine Auswahl von zig verschiedenen "Finishern", wenn man sie so nennen will. Kein Wunder also, dass dem Spiel eine Indizierung in Deutschland bevorsteht – und es hierzulande schon gar nicht erst käuflich erwerbbar ist.
"Alte Damen"-Weitwurf
Quelle: NetherRealm
Mortal Kombat X im Test: Sehr, sehr blutig. (6)
Die Stages, oder auch Arenen, in Mortal Kombat X bieten dank verschiedener Interaktionsmöglichkeiten mit dem Hintergrund weitere Möglichkeiten, um seinen Gegner kreativ zu vermöbeln. Das Gameplay vom zehnten Ableger ist dabei stimmig, die Kämpfer führen ihre Angriffe nach den entsprechenden Tastenkombinationen sehenswert aus und dank der Interaktionsmöglichkeiten wird noch etwas mehr Dynamik ins Spielgeschehen gebracht (lässt sich aber auch optional in den Optionen ausstellen). Vorbei sind die Zeiten, wo wir nur kurze Sprünge zum Gegner hin machen mussten: dank Steinen, Wänden oder ähnlichem, die per Tastendruck quasi als "Sprungbretter" dienen, legt man gute Distanzen zurück.
Wenn das klappt und man gleichzeitig dabei einem Angriff des Gegners ausgewichen ist, freut man sich schon mal. Wer sich nicht freuen wird, ist die Oma in einer der ersten (in der Story vorkommenden) Stages – einem Marktplatz. Schnell wird sie per Tastendruck gegriffen und mit Schwung in den Gegner geklatscht, lustig! Nebenbei gibt es z.B. noch Lianen zum Schwingen oder Feuertröge, die man dem Gegner entgegenwerfen kann. Die Stages sind überraschend interaktiv. Zusätzlich zum allgemeinen Gameplay sei aber noch gesagt, dass die sogenannten X-Ray Moves (Röntgen-Moves) viel zu einfach auslösen dabei aber stark spielentscheidend sein können, da sie eine Menge Schaden verursachen. Es reicht schon die zwei Trigger am Controller zu drücken und schon war es das. Da sind Fatalities bzw. die netten Brutalities eine Ecke schwieriger, da hier bestimmte Tastenabfolgen gefragt sind.
Turm, Krypta oder Online-Lobbies?
Quelle: NetherRealm
Mortal Kombat X im Test: Sehr, sehr blutig. (7)
Wer sich in den Solo-Modi des Spiels ausgetobt hat, darf sich vor den Online-Möglichkeiten, die Mortal Kombat X bietet, erst gar nicht drücken. Die Online-Modi sind relativ vielfältig, von klassischen 1vs1-Kämpfen bis hin zu Turm-Kämpfen, wo man um die meisten Punkte ringt, ist alles dabei. Online zu spielen dürfte grade für Einsteiger der Reihe oder allgemein Beat'em Ups eine Herausforderung darstellen. Knöpfchen drücken wie ein Wilder ist wenig effizient und die meisten Online-Gegner können einem doch schon einiges abverlangen. Das macht durchaus Spaß und motiviert, grade, wenn die Matches nahezu ausgeglichen sind.
Wer sich an die Türme wagt, der hat hier eine gute Auswahl an Herausforderungen. So gibt es Tages, Stunden oder Spezial-Türme, die mit verschiedenen Bedingungen für unterschiedliche Spielerlebnisse – auch gegen die KI – sorgen. Der Schwierigkeitsgrad richtet sich gegen die KI anhand des gewählten Schwierigkeitsgrades in den Einstellungen, da reicht die Palette ganz klassich von Sehr einfach bis Sehr schwer. In den Kämpfen innerhalb der Türme herrschen dann je nach Turmart unterschiedliche Bedingungen. So kann es sein, dass man mal mit "wankender Kamera" kämpfen muss, oder immer mal wieder Medi-Packs spawnen oder Blitze einschlagen. Das ist wohl mit einer der motivierendsten Spielmodi, die Mortal Kombat X zu bieten hat. Wer außerdem Türme schafft, kann diese als Herausforderung an Freunde schicken.
Die Krypta ist ein für sich alleingestellter Spielmodus. Wir bewegen uns aus der Egoperspektive über quadratisch angeordnete Felder über Friedhöfe und kundschaften Höhlen aus. Doch nach was suchen wir dort? Nach freischaltbarem Zeugs. Davon gibt es reichlich. Es lassen sich Beutesäcke, Gräber oder dergleichen für Koins öffnen. Diese Währung verdienen wir in allen Spielmodis im Spiel, in dem wir Kämpfe gewinnen, Herausforderungen abschließen etc.. Als Beute in der Krypta warten dann z.B. Konzeptbilder, Brutalities oder weitere Fatalities für die Kämpfer auf uns. Auch über den Faction War (man schließt sich einer von fünf Fraktionen an und schließt tägliche Herausforderungen ab) können bestimmte Dinge freigeschaltet werden – falls die eigene Fraktion am Ende einer Woche die meisten Punkte verdient hat.
Technische und schwache Seite des blutigen Prüglers
Technisch ist Mortal Kombat X sauber. 60 FPS wurden quasi versprochen und 60 FPS werden auch im Großen und Ganzen gehalten. Das Kampfgeschehen ist immer flüssig und ruckelt nicht, selbst wenn mal mehr auf dem Bildschirm los ist. Einzig bei einigen wenigen Zwischensequenzen in der Story kam es zu kurzen Unregelmäßigkeiten der Bildrate. Wenn man Online spielt, darf man sich über ein flüssiges Spielerlebniss freuen – falls die eigene Leitung oder die des Gegners mitspielt. Grafisch hingegen darf man vom Next-Gen Neuling keine großen Sprünge erwarten im Vergleich mit anderen Titeln der aktuellen Konsolengeneration. Für Mortal Kombat Verhältnisse hat sich allerdings einiges getan. Die Hintergründe der Stages sind hübsch anzusehen, allerdings sind ein paar Texturen (z.B. Bodentexturen) wenig detailliert und auch die Charaktere an sich wirken stellenweise plastikhaft. Dennoch ist das Gebotene an sich gut anzusehen.
Wenn man Mortal Kombat X noch kritisieren muss, dann ist das wegen den Gameplayelementen, die leider nicht so viel Substanz haben. Der Faction War ist eine interessante Sache, bietet aber innerhalb der gewählten Fraktion wenig Alleinstellungsmerkmale oder Besonderheiten – man spielt halt für sich und versucht durch abgeschlossene Herausforderungen seine Fraktion zu pushen. Ebenso hätte die Krypta ein paar mehr interessante Rätsel o.ä. vertragen können, wenn man schon dabei ist, wie auf einem Schachbrett nach und nach allen möglichen Kram freizuschalten. Die wenigen Gegner, die zufällig angesprungen kommen und sich per Knopfdruck töten lassen (man selbst stirbt bei einem Fehler nicht) bieten nur Coins und die Items die man findet, nutzt man eben nur zum Öffnen neuer Passagen. Gut, Mortal Kombat X ist kein Rätselspiel, soll es auch nicht sein, aber etwas mehr Einfallsreichtum in der Krypta wäre die Crème de la Crème gewesen. Ebenso ein paar mehr Stages bzw. Arenen hätten dem Spiel ganz gut getan.
Ein paar abschließende Worte noch zur möglichen Indizierung des Spiels durch die BPjM: Keine Frage, Mortal Kombat X ist ein Spiel, das mit übertriebener, oft unnatürlicher Gewaltdarstellung aufwartet und diese explizit in Szene setzt. Was in dem Spiel alles getan werden kann, um den Gegner zu massakrieren, ist für einige schon über der Grenze des guten Geschmacks. Klar, das Spiel nimmt sich in dem Punkt sicher selbst nicht ernst, heftig sind die Szenen dennoch. Ich habe während der Testphase gemerkt, dass die Spanne zwischen "lustig" und dem Gedanken "Das hat jetzt aber weh getan" teilweise nicht so groß war – das wäre kein Problem. Manche Dinge, wie der Kannibalismus von Charakter Meelina, sind aber regelrecht eklig und auch wenn da nur Pixelblut gefressen wird oder fließt – irgendwie bleibt da immer ein fader Nachgeschmack. Nach den Richtlinien der BPjM blüht Mortal Kombat X keine rosige Zukunft: "Gewalthandlungen wie Mord- und Metzelszenen [werden] selbstzweckhaft und detailliert dargestellt (…) (§ 18 Abs. 1 Satz 2 JuSchG)." Die im Spiel vorhandenen Nahaufnahmen und die zerberstenden Körper (von denen es genug Moves und dazu passende Szenen gibt) werden klar gezeigt und ebenso zynisch kommentiert. Damit dürfte es also nur eine Frage der Zeit sein, bis der Index ruft.