Was habe ich geflucht, als Rockstar Games den PC-Release von GTA 5 wieder und wieder verschoben hat. Jetzt ist es da und ich verfluche es noch mehr. Ich bin Haterin aus Leidenschaft und freue mich schon lange darauf, jeden noch so kleinen Makel am gehypten GTA aufzudecken und darauf rumzureiten. Doch das Spiel macht mir da einen Strich durch die Rechnung.
Wie wir getestet haben: Da Grand Theft Auto 5 im Prinzip ein über zwei Jahre altes Spiel ist, haben wir die PC-Version vor allem in Hinblick auf Technik und den Mehrspieler-Modus untersucht. Wollt ihr mehr über die Kampagne erfahren, könnt ihr Details und Kritik in unseren Reviews zur Last-Gen- und Next-Gen-Version nachlesen.
GTA 5 ist wie der feurige Liebhaber, der einen für alle anderen Männer verdirbt und von dem man nicht los kommt. Ich dachte, ich kann es einfach kurz anspielen und mich dann wieder um Skyrim kümmern, das Spiel, das ich seit hunderten Stunden suchte. Stattdessen ergebe ich mich willig den Reizen von Banküberfällen, Rennen und Drogengeschäften. Alles andere, was meine Steam-Bibliothek zu bieten hat, scheint auf einmal angegraut und etwas fade. Dabei mochte ich die meisten meiner Spiele wirklich gern. Nun kommt GTA 5 daher und stellt einfach mal alle in einen großen, schönen Schatten.
Ich hasse dich, GTA, aber ich liebe dich auch
Quelle: PC Games
Mit GTA Online bekommt man fast ein komplettes zweites Spiel.
Ich habe mich damit abgefunden, dass ich längere Zeit nur die Avatare meiner Crews zu sehen bekommen werde, völlig übermüdet auf Arbeit erscheine und soziale Kontakte einschlafen.
Gut, das war jetzt vielleicht ein wenig übertrieben, aber ich wollte so gern eine Haterin sein. Das große GTA 5 kritisieren, mich über die Bugs am Launchday lustig machen, die Spieler auf die Barrikaden treiben. All das blieb aus. Nur ein paar Probleme mit Windows-Usernamen, die Sonderzeichen enthalten. Dann bleibt mir nur noch, mich im Spiel selbst nach Fehlern umzuschauen.
Kotzt mich an: Grafik
Der wohl deutlichste Unterschied zu den Konsolenversionen von GTA 5 ist unbestreitbar die Grafik, die mit der richtigen Maschine auch 4K kann. Ich besitze auch die Playstation 3 Version, darf den Unterschied also live erleben. Und ein bisschen möchte ich weinen vor Glück. Alles ist so wunderbar schön, scharf und großartig. Wie soll ich jemals zurückkehren zu The Elder Scrolls: Skyrim?
Quelle: PC Games
Grafik wie sie kein anderes System packt: GTA 5 ist 4K-fähig.
Nichts, woran ich mich stoßen könnte. Nicht mal eine kleine Textur von einem Papierfetzen, die ich blöd finden könnte. Ich möchte diese verflucht perfekten Grashalme ausreißen und dem schön hässlichen Penner am Straßenrand ins Maul stopfen. Zu allem Überfluss ist die Next-Gen-exklusive Egoperspektive fantastisch umgesetzt. Ich kann problemlos und flüssig zwischen den Perspektiven wechseln und den Gangstern sauber Kugeln in den Kopf jagen. Einzig allein beim Fahren zeigt sich die Egoperspektive ein wenig ungewohnt, aber der Mensch gewöhnt sich ja an alles.
Diese Neuerung lässt mich GTA 5 noch ein bisschen anders erleben. Zwar ändert sich am Spiel selbst nichts, dennoch empfinde ich Egoperspektiven immer etwas persönlicher und bindender in das Spielgeschehen. Ich lenke nicht nur Michael, Trevor oder Franklin, ich kann sie sein und das grandiose Los Santos mit ihren Augen sehen.
Kotzt mich an: Gameplay
Quelle: PC Games
Die Egoperspektive lohnt in Feuergefechten, nicht aber in Fahrzeugen.
Über die Steuerung kann ich, zu meiner völligen Unzufriedenheit, genauso wenig herziehen. Was hab ich schon für beknackte Konvertierungen der Konsolensteuerung auf PC gespielt. GTA 5 gehört nicht dazu und lässt sich in größten Teilen wie sein Vorgänger steuern. Das meiste ist also vertraut und lediglich die Neuerungen kommen hinzu.
Aufgrund der unfassbar vielen Möglichkeiten Einstellungen vorzunehmen, wird es vor allem im Onlinegame schwierig den Überblick über die verschiedenen Menüs zu behalten. So kann es schon öfter vorkommen, dass ich ein paar Minuten hilflos am Straßenrand stehe und durch die Menüs suche, bis mich jemand über den Haufen schießt.
Meine persönliche Erfahrung ist, dass ich bei Rennen wie Schießereien mit der Tastatur besser klar komme als mit dem Gamepad, weshalb mir GTA 5 am PC mehr Spaß macht als an der Konsole, aber da muss sich jeder wohl selbst ausprobieren. Ich habe Mitspieler, die auch am PC zum Gamepad greifen und die Autos so besser kontrollieren können. Es lohnt sich also, es selbst zu versuchen. Wenn ihr gegen die anderen Spieler irgendwelche Punkte machen wollt, könnt ihr es euch nicht leisten, eine Steuerung zu benutzen, mit der ihr nicht so wirklich zurechtkommt.
Kotzt mich an: GTA 5 Online
Quelle: PC Games
Online-Überfälle sind am PC vom ersten Tag verfügbar. Konsolenspieler mussten zwei Jahre warten.
Ich hatte eigentlich noch was anderes vor die Tage. Endlich wird Frühling, die Biergärten öffnen wieder, Blumen blühen, aber ich ziehe die Vorhänge zu, damit die Sonne nicht auf meine Monitore scheint. Der verdammte Onlinemodus lässt mich nicht gehen. Egal welches Rennen, welcher Job, welcher Heist - ich will mitmachen! Wenn man sich mit ein paar Freunden zusammentut und gegen- oder miteinander fährt, schießt und raubt, kann das einfach nichts anderes sein, als absolut spaßig. Alles läuft flüssig und stabil auf den Servern. Bisher ist es mir noch kein einziges Mal passiert, dass es irgendwo laggt oder ich irgendwo raus fliege. Ein bisschen Verbesserungspotenzial gibt es bei den Ladezeiten in den Lobbys, aber die sind auch noch weit weg vom kritischen Bereich.
Selbst die Leute sind nett, die man da so trifft. Die meisten jedenfalls. Ich habe noch nicht einen getroffen, der behauptet hat, mit meiner Mutter geschlafen zu haben. Was wiederum mich davon abhält, die Spieler verbal fertig zu machen, die daran Schuld sind, dass ich sie nicht treffe, dass ich gegen eine Mauer fahre oder was auch immer irgendjemand anderes macht, dass mich vom Sieg abhält. Ich kann niemandem lautstark die Schuld an meinem Versagen geben und das wurmt mich. Seit wann ist denn der Spieler selbst schuld?
Einzig der Verkehr in den Rennen verwirrt mich ab und zu. Sobald es Hindernisse auf einer Strecke zu überwinden gibt, scheinen die NPC-Verkehrsteilnehmer verrückt zu spielen. Einige fahren einfach durch die Barrikaden durch, andere prallen dann doch ab und stellen sich im letzten Moment quer vor die Rampe, über die ich gerade springen will. Das ist aber auch eher witzig als frustrierend.
Zum Schreien
Quelle: PC Games
Yoga? Ich hasse Yoga! Aber in GTA mach ich's.
Falls ich doch mal jemanden anschreien will, gehe ich einfach in den nächsten Laden und brülle den Verkäufer an, damit er die Kohle schneller aus der Kasse kramt. Ich liebe es, über mein Mikro ins Spiel eingreifen zu können. Die Leute auf meinem TeamSpeak-Server hassen es. Singen kann ich auch nicht, tue es aber trotzdem unter der Dusche in meinem Luxusapartment, und eigentlich wäre mir ein männlicher Stripper lieber, aber die Frauen grabe ich trotzdem an - gibt ja alles Extrapunkte.
Hat man sich erst einmal in der Onlinewelt zurecht gefunden, hat man einen bunten Strauß aus Aktivitäten und Jobs zur Verfügung. Ich kann mich manchmal nicht entscheiden, ob ich jetzt zuerst ein Rennen fahren will, oder Gangster über den Haufen ballern. Oder vielleicht doch lieber einen Bankraub starten? Ich hasse das. Ich hasse dich, GTA 5!
Worauf immer ich gerade Lust habe - es findet sich immer jemand, der mitmacht. Manchmal jemand der mir einfach den Arsch aufreißt, dann mal wieder jemand, bei dessen Fahrstil ich mir vorkomme wie Sebastian Vettel. Spaß macht es immer. Irgendwie fehlt mir bei GTA 5 die Lust auf Wutausbrüche, wenn mein Gegner besser ist. Ich kann das alles ganz gelassen mit Humor nehmen und habe wirklich viel mehr Freude daran, als wenn ich mich aufrege und meine Hardware an die Grenzen ihrer Belastbarkeit prügle.
Quelle: PC Games
"Skyrim? Das habe ich da hinten irgendwo in ihrer Steam-Liste gesehen."
So mache ich mich jetzt auf, um den nächsten Bankraub vorzubereiten und jeden einzelnen Schritt so oft mit meinen Mitspielern durchzugehen, bis er perfekt sitzt. Denn GTA 5 treibt mich auch zur Perfektion an und fordert mich als Spielerin und Mitglied eines Teams. Auch etwas ungewohnt. Ich kann doch nur gradlinig meinen Questaufgaben folgen und nun kommt GTA 5 daher und fordert mich heraus, zwingt mich, selbst nachzudenken und mich zu verbessern. Das kotzt mich an.
Über die Autorin: Eigentlich wollte Sandro, der die zwei bisherigen GTA 5 Tests geschrieben hat, auch diesmal ran - aber sein PC stürzt schon in Excel ab. Wir haben uns daher für eine kompetentere PC-Spielerin entschieden: Kathleen ist Skyrim-süchtig, spielt das Elder-Scrolls-Rollenspiel schon mehrere hundert Stunden und hat einen 4K Monitor. Seit sie GTA 5 installiert hat, wurde sie nicht mehr in freier Wildbahn gesichtet.
