Ja, Gearbox hat sich in den letzten Jahren wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert. Erst ging man mit dem Duke baden, danach vergraulte man Fans mit Colonial Marines. Was also tun? Man besinnt sich auf seine vermeintlich stärkste Hausmarke und spendiert dieser, getreu dem Motto "Miniaufwand = Maxiertrag" einen Port. Das klingt zugegeben ziemlich negativ, ist es leider in manchen Aspekten auch.
Pre-Sequel. Port, Remake – Was denn nun?
Die Next Gen. Eine Geschichte voller Remakes und Ports. Dabei gibt es generell drei verschiedene Ports. Gute, die massig neuen Zusatzcontent bieten und technisch aufgehübscht wurden (hier sei beispielhaft Diablo 3 genannt). Schlechte Ports, die keinen neuen Inhalt bieten und auch technisch nur unmerklich aufgehübscht wurden (ja Square Enix, wir blicken da in deine Ecke) und last but not least: Durchschnittsports bzw. rein technische Ports. Diese bieten keinen neuen Inhalt, aber eine technische Generalüberholung die ihresgleichen sucht (hier sei z.B. GTA 5 als Referenz genannt). Borderlands The (leider technisch not so) Handsome Collection gehört irgendwo zwischen die letzten beiden Kategorien – so viel sei an dieser Stelle schon verraten.
THIS....IS....PANDORA, Take this James Cameron.
Quelle: 2k Games
Borderlands 1 fehlt in der Kollektion.
Willkommen auf Pandora. Nein, nicht da wo blaue Riesenschlümpfe herumrennen, sondern auf der coolen Version von Pandora. Wer auf der Last Gen stark war und sich in Geduld üben konnte, bekommt nun die volle 2/3-Ladung Borderlands. Moment, 2/3? Wieso, warum, weshalb? Nun ja, aus irgendwelchen Gründen verzichteten die Mannen um Randy Pitchford darauf der Handsome Collection auch den Erstling beizulegen. Dieser ist zwar spielerisch der schwächste Teil der "Trilogie" aber rein der Vollständigkeit wegen wäre es eine nette Geste gewesen. So müssen sich fleißige Vault Hunter nun eben mit Borderlands 2 und dem Pre-Sequel begnügen. Macht aber nichts, so kann Gearbox notfalls in einem Jahr noch eine Super Complete Handsome Edition to the Extreme nachschieben und die Marke noch ein wenig mehr schröpfen.
Klingt verbittert? Ist es auch. Als Autor dieser Zeilen muss ich gestehen, ich bin ein riesen Borderlands-Fan und habe alleine in das Hauptspiel von Teil 2 über 300 Stunden verbraten (sowohl solo als auch im Koop). Genau genommen war BL2 das Spiel, welches mich zum Online-Koop-Fan bekehrt hat. Ihr seht, eine ganz besondere Beziehung. Man könnte also sagen, ich bin auf du und du mit jedem Winkel Pandoras.
Für die beiden Zocker, die bislang noch nichts von Borderlands, den Kammerjägern und Pandora gehört haben, gibt es im Folgenden einen kleinen, spoilerfreien Abriss der Handlung: Pandora ist eine ziemlich kaputte Welt. Eine Mischung aus Mad Max, Wilder Westen und das in Zeichentrickoptik. Bevölkert werden die recht unterschiedlichen Areale (von Giftgruben über Gletscher bis Vulkane) von allerhand Gesocks, und wie auch schon bei James Camerons Pandora hat die Flora und Fauna einen Heidenspaß daran, euch den Garaus zu machen. Darüber hinaus trefft ihr auf einige der durchgeknalltesten Typen der Videospielgeschichte. Ihr selbst übernehmt die Rolle eines sogenannten Vault Hunters, oder auch Kammerjäger. Dies bezieht sich nicht etwa darauf, dass ihr der Fauna mit Millionen von Waffen auf den Pelz (die Schuppen oder was auch immer) rückt, dazu später mehr, sondern Jagd nach Vaults macht. Das sind uralte, versteckte Schatzkammern, vermutlich außerirdischen Ursprungs, die demjenigen der sie findet unermessliche Reichtümer und Macht gewähren sollen – oder einen grausamen Tod durch Tentakel oder vergleichbares Geraffel.
Quelle: 2K Games
Wenigstens der Humor bleibt: Wer Borderlands noch nicht kennt, kann ruhig zugreifen.
Wir sprachen eben von Millionen von Waffen, ihr erinnert euch? Dass war keinesfalls übertrieben. Im Hintergrund werkelt bei Borderlands nämlich eine Art Zufallsgenerator, sodass keine Waffe der anderen gleicht und damit macht sich Borderlands, auch wenn es im Kern ein Ego-Shooter mit RPG-Elementen ist, ein Element zu eigen, das bereits seit Diablo und Co immer zieht – Loot!
Damit werdet ihr, entschuldigt die Wortwahl, regelrecht zugeschissen. Egal ob Sniperwumme, Raketenwerfer, Shotgun, Pistole, MP, das alles wahlweise noch mit diversen Elementareffekten wie Feuer (gegen fleischliche Gegner), Säure (gegen Maschinen), Elektro (gegen Schilde) und so weiter und so fort. Waffenfreaks und Stats-Vergleicher erleben hier ihr persönliches Shangri-La. Dem gegenüber steht eine leider etwas fummelige Menübedienung, an die man sich aber gewöhnt.
Als ob das noch nicht genügt, verfügt jeder der wählbaren Charaktere über einen Specialskill (der durch 3 Skilltrees individualisiert werden kann). Ob ihr nun lieber ein Geschütz auf dem Schlachtfeld platziert, eure Gegner mit einer Art Stasisfeld lähmt oder euch in Brand setzt und den Gegner im Nahkampf Tod und Verderben bringt, hier wird jeder glücklich.
Aber zurück zu Handlung. Ihr werdet also vom Chef eines großen Konzerns, der Hyperion Corp., angeheuert, eine dieser Schatzkammern zu finden. Leider stellt sich schnell heraus, dass euer Auftraggeber Handsome Jack eine noch größere Klatsche hat als ihr, aber dafür ein Diamanteinhorn namens Buttstallion. Ihr schließt euch also lieber dem Widerstand an. Der Rest ist ballern, looten, leveln und Chaos. Dazu gibt es eine Reihe umfangreicher Addons, die euch neben Arena-Fights auch eine Großwildjagd oder Dungeons & Dragons Abenteuer mit einer psychopatischen Teenie-Göre als Dungeonmaster bietet. Wer hier keine 100+ Stunden Spaß hat, geht auch zum Lachen in den Keller.
Quelle: 2K Games
Der verrückteste Charakter des Pre-Sequels: Clap-Trap.
Wem das noch nicht genügt, der findet auch das Pre-Sequel auf der Disc (separat anwählbar). Wie der Name schon sagt, spielt dieses nach den Ereignissen von Borderlands 2 und erzählt euch die Vorgeschichte zu Borderlands 2. Klingt komisch? Ist aber so. Leider merkt man diesem Teil, wie so oft bei Gearbox, an, dass es eine Auftragsentwicklung war, die outgesourced wurde. War der Hauptteil noch gespickt mit genialen ausbalancierten Charakteren, fällt das Pre-Sequel sowohl optisch, als auch spielerisch deutlich schlechter aus. Zwar ist es interessant zu sehen, wie aus Handsome Jack, dem kleinen Hyperionangestellten, der größenwahnsinnige Psychpath wurde (den man sogar als Charakter spielen darf), der Rest der auswählbaren Charaktere bleibt aber im Vergleich eher lahm und blass. Entweder ähneln sich die Charaktere sehr stark (Axton/Wilhelm) oder sie nerven schlicht mit ihren (abschaltbaren) Sprüchen, wie z.B. die Baroness, oder aber sie habe witzlose Specialskills die man getrost ignoriert. Einziger Lichtblick im Pre-Sequel ist ganz klar der ClapTrap-Charakter. Diesen würden wir aber nur fortgeschrittenen Spielern empfehlen, macht das Spiel übrigens auch, da er sehr – sagen wir mal "unvorhersehbar" zu spielen ist. Abgerundet wird das Pre-Sequel mit allen bislang erhältlichen Addons, inklusive dem Trip in den Verstand einer Claptrap-Einheit – muss man erlebt haben.
Umfang ist Trumpf, Technik eher stumpf
Quelle: 2K Games
Auf HD aufpoliert, aber technische Macken der Vorgänger übernommen: Peinlich.
Ihr seht also, was den Umfang angeht, muss sich die Handsome Collection nicht verstecken und spielt (trotz zweistelligem Day-1-Patch auf der Xbox One) in einer Liga mit der Master Chief Collection. Wieso wir in der Überschrift trotzdem "(not so) Handsome Collection" getitelt haben? Gute Frage. Ihr erinnert euch, dass wir bereits mehrfach erwähnten, dass die hauseigenen Titel von Gearbox in der Regel einwandfrei sind, wohingegen Auftragsarbeiten und Outgesourctes eher suboptimal sind? Genau das bestätigt sich auch im Nextgen-Port. Der wurde nämlich an externe Studios vergeben. Zwar wurden die Umgebungen recht ordentlich aufgehübscht, was trotz der recht gut alternden Zeichentrickoptik sofort auffällt, aber leider trüben unschöne Texturnachschaufler das Bild. Nicht dramatisch? Wir reden hier von 5-10 Sekunden nach Respawn/Schnellreise, beim Port eines über zwei Jahre alten Spiels, dass dieses Problem auf den Vorgängerkonsolen übrigens nicht hatte. Diese Nachlader betreffen sowohl Borderlands 2 als auch das Pre-Sequel. Unsere, nennen wir sie mal "Outsourcing-Theorie" bestätigt sich noch in weiteren Punkten. Das Pre-Sequel, das schon immer eine externe Entwicklung war, glänzte auch im Lastgen-Test durch technische Mängel. Diese sind im Port leider durch die Bank übernommen worden. Die Auflösung wurde zwar auf 1080p gepusht, aber stabile Frames sehen anders aus. Dazu kamen diverse Bugs, wie Waffen die mitsamt Fadenkreuz auf einmal unsichtbar wurden. Blöde Sache mitten im Gefecht. Ansonsten krankt das Pre-Sequel an denselben Punkten die wir damals schon bemängelten.
Aber man soll ja immer mit positivem Feedback enden. Wer gerade drei Buddies zur Hand hat, darf nun endlich auch im 4er Splitscreen ran, allerdings empfehlen wir euch das erst ab 46" aufwärts.
Anmerkung der Redaktion:
Unser Haupttester hatte die Xbox-Version in der Testmangel, das Zweitfazit beruht auf der PS4-Version. Auf der Xbox One hatten wir einen reproduzierbaren Soundbug, der sich nur durch Spielneustart beheben lies, dann aber immer wieder auftrat. Wir hatten uns einen neuen Charakter erstellt (Krieg The Psycho), Im Lauf des Spiels fiel dann der komplette Sound aus bis auf den Music-Score. Erst nach Neustart war der Sound wieder ok. Allerdings wiederholte sich der Fehler immer wieder. Bei importierten Savegames trat der Fehler nicht auf. Desweiteren verweigerte uns das Spiel im gesamten Testzeitraum den Zugriff auf die Herunterladbaren Inhalte über das entsprechende Hauptmenü.
