Ride: Test: Biker haben es nicht leicht

Test Thomas Pfnür
Ride für Xbox One und Playstation 4 im Test: Ein typisches Milestone-Rennspiel.
Quelle: Milestone

Milestone und Motorradspiele - was fällt dem geneigten Spieler dazu ein? Richtig, mittelmäßige Umsetzungen, deren vorhandenes spielerisches Potential durch inhaltliche und technische Schwächen überdeckt wird. Das war bei MotoGP so, bei MXGP auch und Ride steht hier in nichts nach. Leider.

Spielerisch bleibt Milestone sich treu

Wer eins der Motorradspiele aus dem Hause Milestone kennt, kennt eigentlich auch das Gameplay vom aktuellen Ride. Gewohnt Zugängliches, aber eben auch durchaus Forderndes wird einem da geboten. Ein mehr als bekanntes Spielgefühl. Schalten wir etwa die unzähligen Fahrhilfen ab, verlassen uns also komplett auf unser mehr oder weniger vorhandenes Können, wird das Spiel sehr schnell zu einer anspruchsvollen Simulation. Allerdings mit deutlichen Einschränkungen. Zwar ist Feingefühl im Umgang mit dem Gas genauso Pflicht, wie der dosierte Einsatz der Bremsen, will man nicht ständig auf den Asphalt oder in die Streckenbegrenzung knallen. Dafür nehmen aber, trotz dem durchaus vorhandenen Simulationscharakter, andere Bereiche, wie etwa die Wetterbedingungen oder die Reifenabnutzung, viel zu wenig, um nicht zu sagen praktisch keinen Einfluss auf die Steuerung der Bikes. Mehr als ein Hauch von "Wie-in-echt" kann somit also doch nicht verströmt werden. In der Realität fühlt sich ein Motorrad halt doch anders und deutlich intensiver an, als Ride uns das vermitteln will bzw. kann.

Deutlich mehr vermitteln kann uns der Titel da dann schon den bereits eingangs erwähnten leichten Zugang. Weil hohe Anforderungen ans Feingefühl alleine sicher nicht jeden Spielertyp begeistern werden, greifen die Entwickler von Milestone mal wieder auf das aus diversen anderen Spielen hinlänglich bekannte "Hilfspaket" zurück. Traktionskontrolle, Bremswirkung bzw. Bremsbetätigung, automatisches Getriebe oder sichtbare Ideallinie, jeder kann sich den "Schwierigkeitsgrad" nach seiner eigener Fasson einstellen. Standard, sagt ihr? Richtig, heute wird man wohl kaum mehr ein Rennspiel ohne diese Möglichkeit finden - und Ride bietet sie eben auch.

Die KI ist Milestone-typisch unter aller Kanone. Quelle: Milestone Die KI ist Milestone-typisch unter aller Kanone. Standard ist es übrigens auch, dass mittlerweile in praktisch jeder Motorradumsetzung von Milestone eine absolut unterirdische KI zu finden ist. Wirklich enttäuschend, was uns das italienische Entwicklerhaus, seit Jahren als sogenannte künstliche Intelligenz verkaufen will. Und, oh Wunder, auch das aktuelle Ride bietet dieses tolle "Feature". Nicht nur, dass die CPU-gesteuerten Gegner mal wieder wie besessen auf der Ideallinie kleben und selbige auch nicht verlassen, wenn sich darauf etwa unsere Wenigkeit befindet, nein auch die daraus resultierenden Auffahrunfälle werden kaum nachvollziehbar gewertet. Während wir praktisch bei jeder Berührung gleich mit einem Ausflug in die Botanik bestraft werden, kommen die Computergegner meistens komplett unbescholten und sogar ohne größeren Zeit- bzw. Geschwindigkeitsverlust davon. Das ist nicht nur lächerlich, es nervt vor allem gewaltig. Deshalb auch unsere Warnung: Wer sich hier nicht im Griff hat, der sollte sich einen großen Vorrat an Controllern zu legen oder Ride möglichst schnell wieder aus dem Laufwerk nehmen.

Und weil wir gerade so richtig am herumkritisieren sind: Was soll dieses Schadensystem? Realistisch ist es nicht, nachvollziehbar ist es nicht und optisch hat man das Ganze auch schon schöner umgesetzt gesehen. Also, was soll das? Und warum, zum Henker, mussten die Entwickler dieses total unausgeglichene Strafsystem einführen? Ok, auch bei Ride geht es darum als erster über die Ziellinie zu kommen, von daher sind Strafen bei bestimmen Vergehen in Form von Zusatzsekunden ein durchaus probates und gerechtes Mittel. Oder sagen wir besser, sie wären ein probates und gerechtes Mittel, wenn die Umsetzung passen würde. Aber genau daran hapert es. Selbst nach dem zehnten Rennen war uns nicht klar, welche Streckenabkürzungen denn nun bestraft werden und welche nicht. Das Spiel wird hier doch nicht nach dem guten alten Zufallsprinzip handeln?

Eine Reise um den Globus?

Veränderungen und äußere Einflüsse auf Fahrverhalten sind kaum vorhanden. Quelle: Milestone Veränderungen und äußere Einflüsse auf Fahrverhalten sind kaum vorhanden. Lassen wir mal Zahlen sprechen: Knapp über 100 Bikes von 14 Herstellern, darunter Bekanntheiten wie Suzuki, Kawasaki oder Yamaha, dürfen auf insgesamt 15 Strecken ihre Motorenmuskeln spielen lassen. Bei den Motorrädern gibt es Naked Bikes ebenso wie besonders starke Supersportler - alle aus den Baujahren zwischen 1987 und 2015. Kurz, Zweiradfans sollten nicht wirklich ein Problem haben hier den passenden fahrbaren Untersatz zu finden. Schon größere Probleme werden die "Schrauber" unter euch bekommen, denn gerade die optischen Anpassungsmöglichkeiten beschränken sich doch sehr auf schnöde Marginalien. Ein paar unterschiedlich designte Griffe da, ein paar besondere Spiegel dort, mehr gibt es schon nicht zu finden. Ein wirkliches Individualisieren der Bikes ist somit natürlich kaum möglich. Dafür könnt ihr euch aber zumindest mit dem virtuellen In-Game-Geld ein paar nette technische Upgrades (etwa stärkere Motoren, andere Kupplungsübersetzungen usw.) kaufen. Was übrigens auch dringend nötig ist, wollt ihr in einem der höheren Schwierigkeitsgrade überhaupt eine Chance auf eine der vorderen Platzierungen haben.
Gefahren wird auf offiziellen GP-Kursen genauso, wie auf recht realistisch gezeichneten Stadtstrecken oder fiktiven Bergpässen. Wobei gerade Rennen an der sonnigen Riviera, durch das raue Wales oder im heißen Miami den besonderen Reiz und Charme von Ride ausmachen. Da könnte man dann fast wirklich den Wind im Haar spüren, wenn man mit seiner Ducati Richtung Sonnenuntergang düst. Aber eben nur fast, aber dazu später mehr.

Sehr überschaubar gibt sich die Modi-Auswahl. Was ihr dort so im Menü findet, ist vor allem die bekannte Standardkost, wie etwa simple Onlinerennen mit bis zu 12 Teilnehmern oder recht oberflächliche Zeitfahrten. Schön allerdings, dass zumindest ein Zwei-Personen-Multiplayer mit Split-Screen integriert wurde.

Zuschaltbare Fahrhilfen erleichtern Neulingen den Einstieg. Quelle: Milestone Zuschaltbare Fahrhilfen erleichtern Neulingen den Einstieg. Und natürlich wurde auch an eine Art Karriere gedacht - inklusive der obligatorischen Erstellung eines eigenen Fahrers. In dieser als Welttournee titulierten Spielvariante müsst ihr versuchen bei unterschiedlichen Wettbewerben, darunter sind dann neben den normalen Events auch Beschleunigungs- oder Ausdauerrennen zu finden, durch gutes Abschneiden möglichst viele Credits und Rufpunkte zu gewinnen bzw. zu erfahren. Wie, dieses Belohnungssystem kommt euch bekannt vor? Stimmt, MotoGP aus selben Hause lässt hier ganz laut grüßen. Und analog wie eben bei besagtem Konzernbruder werden auch bei Ride die erspielten Credits für die Verbesserung der Maschine eingesetzt, während die Rufpunkte komplett der Entwicklung des Fahrers zu Gute kommen. Milestone will uns halt nur selten mit etwas Neuem überraschen. Karriereziel ist es, und auch das wird keinen nun wirklich groß verwundern, irgendwann die Rangliste anzuführen und Ride-Weltmeister zu werden. Hört sich alles super an? Und fordernd? Wäre es auch, wenn die Karriere nicht so dermaßen öde und verstaubt präsentiert würde. Und obwohl die Aufgaben und Herausforderungen durchaus abwechslungsreich integriert sind, stellt sich durch das fehlende Drumherum einfach viel zu schnell Langeweile ein. Nein, es will einfach keine rechte Lust aufkommen, mit seinem Alter-Ego von Erfolg zu Erfolg zu düsen.

Technik von vorgestern

Um es gleich mal vorwegzunehmen: Auch optisch erinnert viel an das letztjährig erschienen MotoGP 14. Nicht nur, dass die sieben offiziellen Grand-Prix-Strecken, immerhin die Hälfte aller integrierten Kurse, 1-zu-1 aus dem Konzernbruder übernommen wurden, auch der grafische Rest birgt kaum Unterschiede. Positives, vor allem aber auch negatives.

Gut ist, dass das Spiel jederzeit flüssig läuft und ihr Ruckler oder eine einbrechende Framerate, praktisch nie zu sehen bekommen. Nicht einmal bei den für solche Probleme bekannten Split-Screen-Rennen müsst ihr euch damit auseinandersetzen. Lob dafür. Ebenfalls sehr schön ist, dass die Fahreranimationen weitestgehend passend integriert wurden und die Entwickler viel Arbeit in das realistisch schöne Motorrad-Design gesteckt haben.

Weniger schön, und jetzt beginnt eine lange Liste an negativen Punkten, dass euch dafür ein nerviges Kantenflimmern praktisch bei jedem Rennen begleitet und ihr mehr Zeit vor dem Ladebildschirm als bei den eigentlichen Events verbringt. Nein, die Entwickler wissen nicht annähernd die PS4-Hardware wirklich zu nutzen. Tristes Streckendesign mit langweiligen Hintergründen, keine Details abseits der Ideallinie, wenig bis kein Leben am Asphaltrand, fehlende Weitsicht und teilweise richtig lächerliche Licht- bzw. Wettereffekte lassen uns ein ums andere Mal ungläubig den Kopf schütteln. Da vergisst man manchmal sogar, dass auch die Präsentation des gesamten Spieles kaum mehr zeitgemäß ist. Vieles was uns Milestone hier auf der aktuellen Konsolengeneration anzubieten versucht, wäre ohne Probleme auch auf PS3 möglich gewesen - und das sagt ja schon eigentlich alles.

Zum Abschluss aber noch etwas positives: Der Sound. Eine Ducati klingt wie eine Ducati, eine BMW wie eine BMW - wer ein bisschen Kenner der Motorradszene ist, kann da schon die entsprechenden Unterschiede hören. Grundsätzlich klingt alles sehr satt und realistisch, vor allem aber einfach nur richtig gut. Da macht es mal wieder richtig Spaß die angeschlossene Soundanlage etwas lauter zu drehen und mit dem Motorenlärm neue Freunde in der Nachbarschaft zu gewinnen.

Wie wir getestet haben: Gamezone hat nur die Playstation 4 Version von Ride getestet. Die Xbox One Wertung haben wir entsprechend der Gameplay-Erfahrungen übernommen.

Meinung

Wertung zu Ride (XBO)

Wertung:

5.1 /10

Wertung zu Ride (PS4)

Wertung:

5.1 /10
Pro & Contra
forderndes Gameplay,……mit leichtem Zugang durch zuschaltbare HilfenUmgang mit Bremse und Gas gut umgesetztüber 100 unterschiedliche Bikes von 14 Herstellern15 Strecken, davon ein paar durchaus reizvolle (Riviera, Miami oder Wales)Onlinemodus mit bis zu 12 Teilnehmern und einer MeisterschaftKarriere bietet ein paar abwechslungsreiche Aufgaben, Rennen etc.läuft jederzeit flüssigschön designte Motorräderpassende Fahreranimationenrealistischer Motorensound
äußere Einflüsse aufs Fahrverhalten nicht vorhanden (Wetter, Reifen usw.)teilweise unausgewogene Steuerungschwache KIunlogisches Schadensmodellkaum nachvollziehbares Strafsystem„Pimp my bike“ kaum möglich7 Strecken aus MotoGP übernommen……überhaupt eine sehr überschaubare Auswahl an KursenStandardkost bei der Modi-Auswahllangweilig präsentierte und inszenierte Karriereewig lange Ladezeitenüberwiegend PS3-Grafiklangweilige, altbackene und triste PräsentationStreckendesign ohne wirkliche Detailsnicht wirklich stimmige Wettereffekteständiges Kantenflimmern
Fazit

Ride ist ein typisches Milestone-Rennspiel: Eigentlich knackiges Gameplay trifft auf unterirdische KI und viele weitere Schwächen.

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