Steam: Kostenpflichtige Mods stärken die Indie-Szene - Kommentar

Kolumne Sandro Odak
133.000 Menschen protestierten mit einer Online-Petition gegen kostenpflichtige Mods auf Steam. Dabei sind sie elementar für eine lebendige Indie-Szene, findet Sandro Odak.
Quelle: PC Games

Valve trat nur wenige Tage nach der Ankündigung eines neuen Steam-Features auf die Notbremse und rudert zurück: Kostenpflichtige Mods sind vorerst vom Tisch. Schade, findet unser Autor Sandro Odak. Sie hätten für die Hersteller besonders umfangreicher Mods ein leichter Start in die Games-Branche sein können!

Vor wenigen Tagen kündigte Valve Software eine große Neuerung für Steam und die User-Plattform Steam Workshop an. Spieler sollten künftig Mods von Spielen fremder Hersteller gegen Geld im Workshop anbieten können. Die Idee dahinter, so Steam: Jungen Machern und Entwicklern eine Perspektive geben, aus ihrem Hobby einen Job zu machen. Ganz neu ist die Idee nicht. Im Workshop kann man schon heute Kreationen für Valves Onlineshooter Team Fortress 2 verkaufen. Viele beliebte Spiele entstanden aus früher mal kostenlosen Modifikationen. Counter-Strike, Dota, Killing Floor – sie alle gäbe es heute nicht, wenn es die Moddingszene der 2000er Jahre nicht gegeben hätte.

Diese Kultur will auch niemand antasten. Auch ich will weiterhin kostenlose Mods haben. Andere Spielfiguren, verrückte Hintergründe, meinetwegen sogar Elfenflügel – das sollte auch weiterhin nichts kosten. Aber wenn ein Modder oder gar ein ganzes Team sich die Arbeit gemacht hat, ein komplettes Spiel oder einen völlig neuen Modus zu erschaffen, dann sollte er damit auch Geld verdienen können. Denn so wie die Macher von Counter-Strike, Killing Floor und Battlefield 1942: Desert Combat ihren Erfolg nutzten, um in die Spielebranche einzusteigen oder direkt ein eigenes Studio zu gründen, so sollten auch die Modder von heute eine solche Chance bekommen. Sie sind im Prinzip Indie-Entwickler und sollten selbst entscheiden dürfen, ob sie Geld für ihre Dienstleistung verlangen wollen. Die Preise wird der Markt schon von selbst regeln.

Die Fehler?

Aber Valve hat auch Fehler gemacht. Zum einen gab es direkt am ersten Tag Fälle von Betrugsversuchen. Unbekannte gaben sich als Herausgeber von Mods aus, ohne diese eigentlich wirklich hergestellt zu haben. Sie versuchten an der Arbeit anderer mitzuverdienen. Und bei kommerziellen Produkten achten Hersteller noch besser auf die Durchsetzung von Urheberrechten. Wer also seine Mod verkauft, läuft Gefahr von Dritten haftbar gemacht zu werden.

Und dann ist da natürlich die Frage der Gewinnbeteiligung. Der erste Publisher an Valves Seite war Bethesda mit The Elder Scrolls: Skyrim. Der verlangte 45 Prozent der Einnahmen als Lizenzgebühr. Weitere 30 Prozent sackte Valve für den Vertrieb via Steam ein. Übrig blieb Moddern nur ein magerer Ertrag von 25 Prozent. Das kann man gutmütig "falsch kalkuliert" nennen, andere sagen dazu gierig. Hier will Valve nun ansetzen und neu über die Höhe der Gebühren nachdenken.

Die Zukunft?

Erst mal ist Valves Plan vom Tisch. Nicht gut genug durchdacht, heißt es aus dem Hauptquartier. Das Feedback der Spieler war eindeutig. Die Ankündigung trat einen Shitstorm los, den Valve seit Jahren schon nicht mehr ertragen musste. 133.000 Menschen unterzeichneten eine Online-Petition. Sie fluteten die Steam Diskussionsforen und Social Networks. Bisher waren die Macher von Half-Life und Steam immer die "weißen Ritter der Gamesbranche" – die Guten.

Plötzlich sind sie die Bösen. Aber Paid Mods werden wiederkehren. Und das ist gut so. Valve wird sich mit Herstellern von Videospielen zusammensetzen, über die Höhe der Abgaben streiten. Das kann Wochen, Monate, Jahre dauern. Aber irgendwann ist es da, das Patentrezept. Und dann können Modder, die besonders viel Zeit in ihre Mod investiert haben, auch ein bisschen daran verdienen. Bisher vertrauen sie auf Spenden. Aber wer einmal im Internet darauf angewiesen war, dass jemand freiwillig und selbstständig etwas hergibt, der weiß, dass das Internet ein kalter und erbarmungsloser Ort ist. Ja, auch in der wohligen Modding-Szene.

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