Sebastien Loeb Rally Evo: Vorschau: Das Milestone-Problem

Special Sandro Odak
Sebastien Loeb Rally EVO in der Vorschau: Milestone wagt sich erneut an Rallyespiele und programmiert der lebenden Legende Sebastien Loeb eine Hommage.
Quelle: Milestone

Jahrelang entwickelte der italienische Rennspiel-Hersteller Milestone vor allem Motorradrennspiele. Dieses Jahr soll eine Rally-Simulation das Comeback bedeuten: Sebastien Loeb gilt als erfolgreichster Rallyefahrer aller Zeiten. Sein Spiel aber ist ein typisches Milestone-Produkt.

Ein Spiel über eine Legende: Sebastien Loeb. Videospieler mögen zwar der Meinung sein, dass Colin McRae der erfolgreichste Rallyefahrer war, zahlenmäßig übertrifft ihn aber Loeb bei weitem. Zehn Weltmeisterschaftstitel hält er, mehrere Rundrenntitel und sieben Weltrekorde. Er gilt nicht nur als weltbester Rallyefahrer, sondern auch als einer der erfolgreichsten Rennsportler aller Zeiten. Nun kriegt er endlich sein eigenes Spiel.

Grafikdetails und Spiegelungen fallen auf den ersten Blick moderner und besser aus. Quelle: Milestone Grafikdetails und Spiegelungen fallen auf den ersten Blick moderner und besser aus. Acht Rallyes bietet die Simulation Sebastien Loeb Rally EVO, 65 Stages und fünf Rallye Cross Rennen, darunter auch das weltberühmte Bergrennen Pikes Peak. Die Entwickler, die uns in Frankfurt Rede und Antwort standen, konzentrieren sich auf Physik, realistische Animationen und einer akkuraten Fahrzeugsteuerung. Für Next-Gen-Feeling soll eine Enginge sorgen, die dank der Power der Next-Gen mit Partikeleffekten aufwartet. Autos ziehen nun Staubwolken hinter sich her und reagieren auf Sand, Schotter, Wasser und Co.

An Rennwagen soll es nicht mangeln. Milestone wird über 60 Stück ins Spiel integrieren. Die Reichweite von Autotypen ist groß: Rallye-Boliden aus der Zeit der 60er bis zu aktuellen Wagen sollen vorkommen. Wichtig für Simulationsfans ist natürlich eine Innenansicht. Sie wurde bei jedem dieser Wagen berücksichtigt. Wie detailliert die unterschiedlichen Wagen umgesetzt wurden, ist jedoch nicht bekannt.

Trostlosigkeit auf der Strecke

Im bewegten Rennen sieht man von solchen Details aber wenig. Stattdessen gibt es hässliche bis unsichtbare Schranken. Quelle: Milestone Im bewegten Rennen sieht man von solchen Details aber wenig. Stattdessen gibt es hässliche bis unsichtbare Schranken. Auf den ersten Blick wirkt Sebastien Loeb Rally EVO ganz angenehm. Im Detail wirkt der Wagen sehr hübsch designet, die Strecke weiß mit einigen hübschen Effekten aufzuwarten. Doch sobald sich unser Wagen in Bewegung setzt, verschwinden die Details aus der Umgebung. Effekte wie spiegelndes Licht auf Eis oder Wasser sehen zwar schön aus, doch sie stechen bei weitem nicht so heraus, wie in anderen Rennspielen. Stattdessen macht sich mit der Zeit eine relative Ödnis breit. Die Strecken sind auf weiten Teilen eng abgesteckt und werden begrenzt von hässlichen Begrenzungen. Steinharte Schneeverwehungen etwa hindern uns auf der Teststrecke von der Straße abzukommen. Wo diese Schneeverwehungen fehlen, setzt Rally EVO einfach unsichtbare Mauern auf.

Und dann ist da diese Hintergrundmusik. Als wir die Schneestrecke abfahren, spielt im Hintergrund der CD-Player womöglich den Sampler "Die besten GEMA-freien Songs 2001". So einen unaufgeregten, lächerlich unpassenden Soundtrack haben wir schon lange nicht mehr in einem Rennspiel gehört.

Die Präsentation ist dröge wie in jedem anderen Milestone-Rennspiel. Irgendwo im Nimbus zwischen knallharter Simulation und spaßiger Rennaction. Die Präsentation ist dröge wie in jedem anderen Milestone-Rennspiel. Irgendwo im Nimbus zwischen knallharter Simulation und spaßiger Rennaction. Ein typisches Milestone-Problem: Die italienischen Entwickler mögen mittelmäßige bis gute Simulationen bauen. Uns hat gefallen, wie viel man von der Strecke auswendig wissen muss, um sie wirklich meistern zu können. Aber bei Präsentation und Spielgefühl versagen die Macher vollkommen. Sebastien Loeb Rally EVO wirkt in keinem Moment unterhaltend, nicht einmal spannend. Dem Titel fehlt, wie zuletzt auch Ride, ein echtes Game-Feedback. Ein Schadenssystem haben wir zum Beispiel überhaupt nicht gefunden. Prallt der Rallyewagen in doofem Winkel auf eine der betonharten Schneeverwehungen, dreht er sich um die eigene Achse, fliegt durch die Luft und kommt auf allen Vieren wieder auf. Dann fährt man weiter, als sein nichts gewesen. Wir verstehen, dass das nicht das Spielziel ist. Ziel für Simulationsfans ist es, den Kurs meisterlich und ohne Fehler zu durchfahren. Wer aber noch nicht auf diesem Level angelangt ist, findet in unserer Vorschau-Version des Rennspiels noch nicht viel Erbauliches.

Meinung

In eigener Sache: Wir haben Sebastien Loeb Rally EVO auf einem Vorschau-Event von Bandai Namco in Frankfurt angespielt. Die Reisekosten hat der Publisher bezahlt. Dies nahm keinen Einfluss auf den Inhalt des Artikels.

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