The Witcher 3: Wild Hunt ist da und wir haben getestet, ob das Blockbuster-RPG dem Hype gerecht wird. Kann das Ende der Geralt-Trilogie den hohen Erwartungen von Fans standhalten?
Geralt von Riva ist wieder da! Nach jahrelanger Wartezeit - und so manch einer Verschiebung nach hinten, geht die Geschichte des Hexers weiter. Im dritten Teil "Wild Hunt" verschlägt es den vernarbten Monsterjäger erneut in die nördlichen Königreiche, in denen am Ende des Vorgängers ein riesiger Krieg ausgebrochen ist. Und die Vorzeichen für diese Welt sind düster. Neben den menschlichen Heeren drängen auch andere Kräfte herein. Unter anderem die namensgebende "Wilde Jagd". Die Geisterarmee, die auf echten Mythen und Sagen des Mittelalters basiert, soll Verderben verbreiten wo immer sie auftaucht. Klar, dass sich Geralts Wege oft mit der Jagd kreuzen...
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Hintergründe
Quelle: PC Games / Play4
Wiedersehen mit alten Bekannten: Geralt trifft auf seiner Reise alte Freunde, Feinde und Liebschaften.
Im Vordergrund von Witcher 3 steht, wie sollte es auch bei einer Buchumsetzung anders sein, die monumentale Geschichte, die sich über die gesamten drei Teile der Spieleserie zieht. Wild Hunt setzt sechs Monate nach den Ereignissen des zweiten Teils an, Geralt ist also von seiner Amnesie befreit. Sein Hauptziel scheint die Suche nach seinem Mündel Ciri zu sein. In einem kurzen Prolog stellen die Entwickler die kleine als Hexer-Schülerin vor - dabei dürften eigentlich nur Buben ausgebildet werden. Was Ciri so besonders macht, erfahren Spieler erst im Verlauf der Geschichte - dass sie besonders ist, zeigt aber die Tatsache, dass die Wilde Jagd auf der Suche nach ihr ist. Geralt will verhindern, dass das widerspenstige Mädchen, für ihn sowas wie eine Tochter, in die Hände der Geisterarmee fällt - und schließt sich deshalb verschiedenen Fraktionen an, um sie zu finden.
Diese Verbindungen zu Königshäusern und den Einflussreichen erweist sich auch immer wieder als hilfreich. Denn hinter seinem Rücken tuscheln die Leute darüber, dass Mutanten nicht reinen Bluts seien. Mutanten, Magier und andere "Begabte" sind die ausgemachten Sündenböcke der Zeit. Sie werden ausgegrenzt, gejagt, sogar getötet! Zum Glück erweisen sich Hexer aber noch als nützlich genug, um Arbeiten wie die Monsterjagd zu verrichten - so lange trifft Geralt zumindest nur selten auf offene Feindschaften.
Neben der Suche nach Ciri treibt Geralt aber auch das Auffinden alter Bekannter und Freunde an. Allen voran steht seine große Liebe Yennefer, eine Zauberin. Die hatte er wegen seiner Amnesie in den vorherigen Teilen "vergessen" und ging deshalb eine Liebesbeziehung mit Rotschopf Triss Merigold ein. Im dritten Teil der Reihe tauchen beide auf - eine merkwürdige Dreiecksgeschichte entsteht. Hervorragend und nur ein weiterer moralischer Charaktertest für den Spieler.
Erwachsener Spielaufbau
Quelle: Gamezone
Neben Sex zählen vor allem Tabu-Themen wie Krieg, Vertreibung und Rassismus zum erwachsenen Setting.
Oft sprachen wir in der Vergangenheit davon, dass The Witcher besonders erwachsen sei. Im dritten Teil der Reihe stellt CD Projekt RED unter Beweis, dass sie dieses "Genre" noch immer perfekt beherrschen. Und mit erwachsener Handlung meinen wir nicht, dass Blut fließt oder Brüste und Sexszenen zu sehen sind. Nein, viel eher ist der moralische Grundaufbau gemeint. In The Witcher 3 geht es um düstere, erwachsene Themen. Statt auf Ritter zu treffen, die für Prinzessinnen kämpfen, finden wir eine Welt vor, die gebeutelt ist von Krieg. Die Entwickler sprechen Tabuthemen wie Vergewaltigungen, Rassismus und religiösen Wahn an; sie zeigen eine Welt jenseits des Kriegspathos. Die Parallelen zu unserer Zeit sind deprimierend: Wer The Witcher 3 als Gesellschaftskritik verstehen will, bekommt in Zeiten von Sexismus in Internet-Communities, Asyl-Debatten und islamischem Staat einen Spiegel vorgesetzt. Statt glorreicher Heldensagen von Schlachtfeldern erfahren wir Geschichten von Verletzten und Verwundeten. Statt Heldentod und Göttlichkeit warten Leichenfledderei und Exekutionen auf die angeblich so tapferen Recken. An Krieg - egal aus welchen Motiven - ist nichts Schönes und nichts Ehrenhaftes - und das soll jeder erfahren.
Wie man sich dabei verhält bleibt dennoch jedem selbst überlassen. Auch das ist eine der Grundprämissen der Serie: Der Spieler hat fast immer die Wahl. Er kann seinem moralischen Kompass der wirklichen Welt folgen und versuchen, einer der "Guten" zu sein. Oder gegen Bares jedem die Rübe abschlagen. Doch CD Projekt macht einem auch das auf eine perfide Art manchmal madig. Da hat man eben noch das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben und erfährt später, dass der befreite NPC ein Vampir, Kindermörder oder schlimmeres war. Die andere Seite der Medaille ist aber: Wer Glück hat, hilft einem mehr oder minder wichtigen Quest-NPC, der später eine der umfangreichen Story-Nebenquests in Auftrag gibt. Und solche belanglos aussehenden Nebenstränge entwickeln sich zum Teil zu eigenen Geschichten weiter, die einen gut und gerne über mehrere Stunden beschäftigen. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Selbst die unbedeutendste Nebenquest von Wither 3 kann länger dauern als manch ein anderes komplettes Spiel.
Natürlich soll auch nicht unerwähnt bleiben, dass The Witcher 3 auch durch Witz, Chuzpe und Sex erwachsen wirkt. Geralt kann mit Prostituierten ins Bett steigen, mit ihnen über ihre Vergangenheit sprechen und, wer weiß, mit Glück vielleicht noch eine Huren-Quest finden. Außerdem geht es um seine großen Liebschaften: Bettet er sich lieber bei "Ex-Freundin" Triss, mit der er während seiner Amnesie zusammen war, oder kehrt er zurück zu seiner großen Liebe Yennefer? Oder steigt er mit jeder in die Kiste und versucht es den anderen Frauen zu verheimlichen? Das sind Fragen, die der Verlauf der Geschichte von selbst klärt, die sich aber zum Teil wirklich sehr persönlich und emotional spielen.
Ein Content-Monster
Quelle: PC Games / Play4
Das Minispiel Gwint ist ein Sammelkartenspiel, das euch durch die komplette Kampagne begleitet.
Die häufigen Nebenquests machen The Witcher 3 zu dem Content-Monster, das es ist. Bei Spielbeginn besteht die halbe Karte aus Fragezeichen und unbekannten Orten. Erkundet man diese Orte, warten nicht selten Hexeraufträge und Nebenquests, die von einer kurzen Dialogreihe bis hin zu einem mehrstündigen Story-Epos führen können. Nicht selten kommt es darauf an, wie man seinem Gegenüber antwortet. Stimmt die Chemie im Gespräch, können richtige Freundschaften entstehen. Doch Vorsicht: Manchmal kann man sich in Menschen auch täuschen. In solchen Momenten wirkt Geralt zwar unnahbar, doch als handelnder Spieler gehen einem die Schicksale ziemlich nah.
Die Welt von Witcher 3 ist im Gegensatz zu den Vorgängern übrigens fast komplett offen zugänglich. Sie ist lediglich in einige große Spielbereiche unterteilt. Kommt man aus dem ersten heraus, kann man den Rest der Karte so erkunden wie man möchte. Wer nun Angst hat, er könnte sich wie in einem der Elder Scrolls Spiele verlaufen: Entwarnung! Auch wenn es möglich ist, direkt zu Beginn in allen drei Großgebieten der Welt Quests zu beginnen, macht es Sinn sich von unten nach oben zu arbeiten. Geralt kann zwar direkt zu Beginn nach Skellige segeln - würde dort aber wegen der hochleveligen Gegner recht unglücklich werden. Ganz natürlich bleibt man daher in dem gerade passenden Gebiet und kämpft sich durch seine Questliste durch.
Die wird lediglich im mittleren Teil des Spiels etwas zu ausführlich. Das recht triste Menü sorgt nicht gerade für Übersicht, zumal sich viele Questgegenstände erst im Inventar befinden. Sie gehen manchmal erst ins Questlog über, wenn man sie genauer betrachtet oder durchliest. Im Test verloren wir daher in der Mitte der mindestens 50-stündigen Handlung leicht den Faden. Die Geschichten waren zwar noch immer interessant, die Quest-Aufgaben spannend. Aber einige Stunden lang fühlte sich The Witcher 3 an wie harte Arbeit. So als würde man To-Do-Listen abarbeiten ohne irgendwie weiter zu kommen. Das Gefühl wich aber der allgemein großen Begeisterung, als Nebenquests wieder zu imposanten kleinen Mini-Kampagnen heranwuchsen. Es stellte sich heraus: Wir spielten wohl aus Versehen die weniger umfangreichen Aufgaben hintereinander.
Jäger und Sammler
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Das Charakter-System wirkt ein bisschen aufgesetzt, weil Geralt schon von Anfang an ein echter Badass ist.
Als altgedienter Hexer startet Geralt natürlich nicht als Nichtsnutz in sein drittes Abenteuer. Von Anfang fühlt er sich mächtig und wichtig an. Die Charaktere in seiner Umgebung respektieren ihn, auch wenn sie ihn oft nicht gut leiden können. Das war Fans besonders wichtig. Das Charakter-System leidet aber ein wenig darunter. Weil Geralt bereits all seine magischen Fähigkeiten (die fünf magischen Zeichen Aard, Axii, Igni, Quen und Yrden) hat und nichts mehr entwickeln muss, schaltet man im Verlauf der Geschichte lediglich Perks, Alternativ-Feuermodi und die Stärke der Zauber frei.
Einen größeren Einfluss auf das Kampf-Gameplay nehmen schon Items und Tränke. Die kann Geralt durch Alchemie selbst zusammenbrauen. Praktisch: Er muss nicht jeden Trank, jedes Öl und jedes Absud immer wieder neu zusammensetzen. Das wäre wegen der weit verstreuten Fundorte der Zutaten eine ziemliche Aufgabe - und die Übersichtlichkeit des Crafting-Bereichs im Inventar erlaubt es erst recht nicht. Stattdessen muss Geralt die Tränke nur einmal zusammenmischen und füllt sie dann bei jeder Meditation wieder auf. Dadurch wird Craftig nicht zu einem zu zentralen Punkt des Spielgeschehens. CD Projekt setzt stattdessen die Geschichte in den Mittelpunkt - eine gute Entscheidung!
Geralt hat trotzdem lange mit all den Zutaten zu tun. Unterwegs findet er immer wieder Rezepte für neue oder verbesserte Tränke und Pläne für Schwert- und Rüstungsschmieden. Wer es darauf anlegt, kann auf diese Weise erheblich verbesserte Panzerungen zusammenbauen. Wer auf den Sammelwahn gut und gerne verzichtet, findet genug starke Rüstungsteile als Loot herumliegen oder bei Händlern. Auch das kommt der Story-Spielbarkeit sehr zugute und unterstreicht wie wichtig der Handlungsrahmen ist.
Casual-Kämpfe mit Macken
Quelle: PC Games / Play4
Blut, herumfliegende Extremitäten und die Handlung machen The Witcher 3 zu einem Spiel für Erwachsene.
Die Kämpfe an sich sind indes etwas leichter, fast schon casualiger geworden. War das Kampfsystem im zweiten Teil noch recht kompliziert, gehen Schwert-Kombos und Ausweichsprünge in Wild Hunt nun deutlich leichter von der Hand. Und dennoch fühlen sich die Zweikämpfe viel wertiger an, weil sie wie aus einem Stück wirken. Ein Hieb hier, ein schwerer Schlag da, abrollen, Zauber einsetzen, abrollen, schlagen - die Kampfinszenierung ist in Witcher 3 deutlich runder. Die Kombinationen hat man schnell raus: Bei Gegnern aus der Luft benutzt man die Armbrust, um sie vom Himmel zu holen und auf dem Boden festzupinnen. Bei Gegnern am Boden studiert man das Bestiarum nach Schwachstellen, etwa Feuer, und setzt sie ein. Irgendwann geht das total ins Blut über.
Solange Geralt draußen an frischer Luft kämpft, haben uns die Duelle auch richtig gut gefallen. Vor allem die pompös inszenierten Bossfights gegen Monster wirken monumental. Manchmal sind sie zwar einfacher zu bezwingen als man denkt, doch die Inszenierung stimmt. Nur in Innenarealen hatten wir häufig Probleme. Hier bleibt Geralt gerne an kleineren Objekten wie Stühlen hängen. Einige Charaktere verschwinden auch mal einfach durch eine geschlossene Tür und können dann nicht mehr in den Raum zurückkehren - doof, wenn ein Quest-relevanter NPC zu einer geschlossenen Tür rausgedrückt wird... Doch gerade dieser Fehler trat im Verlauf der kompletten Kampagne nur zweimal auf - und mehrere Speicherpunkte im Verlauf jeder Mission machen ein Neuladen jederzeit möglich. Dennoch wirken diese Innenareale noch zum Teil etwas schlechter aufpoliert als der Rest des Gameplays.
Die anderen Problemchen von Witcher 3
Quelle: PC Games / Play4
Bosskämpfe sind richtig gut inszeniert - doch manchmal leichter als die eigentlich Mobs auf dem Weg zu den Bossen.
Und seltene Patzer bei Kämpfen in Innenarealen sind nicht die einzigen Problemzonen von The Witcher 3: Wild Hunt. In Gebäuden und geschlossenen Dungeons kommt es immer wieder mal zu Kameraproblemen. Sie bleibt dann manchmal genau in einer Wand hängen. Noch gewichtiger sind aber Performance-Probleme, auf die wir im fortgeschrittenen Spielteil stießen. Je weiter man in Witcher 3 kommt, desto häufiger trifft man auf plötzlich aufpoppende Elemente, NPCs die erst wenige Sekunden nach Geralt spawnen und manchmal auch ganz dreckige Nachladeprobleme bei Texturen. So geschah es bei uns häufig, dass wir zwar am Ort eines Quest-NPCs standen, er aber nicht. Auf der Minimap ist sein Symbol zwar zu sehen, aber in der Welt war er noch nicht geladen worden. Ein paar Sekunden herumstehen löst das Problem, irgendwann tauchen diese fehlenden Figuren auf - schön ist das aber nicht anzusehen.
Und auch im Dialog-System machen sich mit der Zeit kleine Löcher bemerkbar. Ist das komplette Gameplay zu Beginn noch weitestgehend perfekt aufpoliert worden, unterbrechen mit der Zeit immer wieder kurze Ladepausen Cutscenes. In Dialogen wird das Spielgeschehen dann zum Teil unscharf, lädt im Hintergrund Daten nach und fährt nach wenigen Sekunden Unterbrechung mit dem Gespräch fort. Ein klein wenig rausgerissen wird man aus der ansonsten sehr tollen Atmosphäre aber schon.
Die Entwickler erklären das mit Speicherproblemen auf unseren Testgeräten und den langen Spielzeiten. Nach über sechs Stunden sollten wir, so der technische Support, die Playstation 4 herunterfahren und kurz auskühlen lassen. Dieser Kniff sollte Abhilfe schaffen und die kurzfristigen Ladeprobleme beheben. Ob die finale Version auch davon betroffen ist oder der Day One Patch Abhilfe schafft, konnten wir noch nicht überprüfen. Wir werden den Test jedoch dahingehend updaten, sobald The Witcher 3: Wild Hunt am 19. Mai veröffentlicht wird.
Quelle: PC Games / Play4
Sehr erwachsener Umgang mit dem Thema Brüste: Neben Frauenbrüsten gibt es auch sexy Manboobs bei Monstern zu sehen.
Ladezeiten sind aber auch ganz allgemein ein Problem - vermutlich das größte von The Witcher 3. In der Welt gibt es nur wenige Stellen, an denen man laden muss und selbst die Schnellreisefunktion ist recht zügig. Wer aber mal stirbt - und sei es nur aus reiner Dummheit, weil er nach einem Kampf eine Treppe herunter springt und den enorm hohen Fallschaden vergessen hat (ja, das passiert...) - bekommt die volle Wucht der Engine zu spüren. 60 Sekunden und zum Teil deutlich mehr muss man einplanen, auch wenn man das Spiel startet oder die wichtigen Story-Cutscenes sieht. Das ist gefühlt zu lang. Auf der anderen Seite: Hat man die riesigen Karten einmal geladen, kann man sie mit seinem Pferd Plötze völlig frei bereisen und selbst Häuser und Dungeons ohne Laden betreten. Hörst du das, Skyrim? Ohne Laden!
Kleinere Probleme hatten wir außerdem bei der Steuerung. Geralts Reittier Plötze kann Straßen zum Beispiel in den meisten Fällen von selbst folgen - bleibt aber manchmal einfach von sich aus stehen. Und auch beim Anvisieren von Gegenständen kommt es oft zu Problemen. So hat CD Projekt auf fast jeden Tisch und jedes Regal eine Kerze gestellt. Die kann man auf Tastendruck mit seinen magischen Fähigkeiten anzünden oder ausblasen. Leider ist die Funktion auf derselben Taste, mit der man diese Objekte auch nach Loot durchsucht. Vor allem beim schnellen Einsammeln von Loot passiert es also, dass man die Kerze an und aus macht, anstatt sich durch den darunterliegenden Tisch zu wühlen. Da hat CD Projekt leider nicht mitgedacht, denn diese Steuerdiskrepanz zieht sich durch das gesamte Spiel hundertfach durch.
Grafisch eine Augenweide
Quelle: PC Games / Play4
Die besonders hübsch inszenierten Zwischensequenzen machen Witcher 3 zu einer besonderen Augenweide.
Grafisch ist The Witcher 3 trotz vieler Unkenrufe des Internets eine Wucht. Ja, es stimmt zwar, dass CD Projekt die Detailstufe etwas runterdrehen musste. Überrascht hat das bei uns aber niemanden. Werbevideos und -bilder, die zum Teil zwei Jahre alt sind, zeigen eben nicht das echte Produkt. Dennoch: Was die PS4-Version auf den Bildschirm zaubert, ist über weite Strecken ein Kinnladenöffner. Möglich wird das vor allem durch volumetrische Effekte und natürlich die grandiose Beleuchtung. Wenn man das erste Mal nach einem Regenschauer dem Sonnenuntergang in Velen entgegenreitet, wird einem richtig warm ums Herz. Trotz all dieser "Downgrades": Die nördlichen Königreiche mit ihrer Fülle von unterschiedlichen Orten sehen unvergleichbar gut aus. Immerhin muss man bedenken: Die Welt von Witcher 3 sieht an fast jeder Stelle umwerfend aus. Die Entwickler konnten nicht ein bisschen was vom Kernlevel grandios aussehen lassen und den Hintergrund mit aufgemaltem Schnickschnack auffüllen: Alles was man sieht, kann man auch erreichen. Und in den meisten Fällen passiert dort auch etwas. Jede Ruine gehört zu einer Quest, in jedem Haus finden sich Loot-Kisten, in jedem untergangenen Schiff Monsterjäger-Aufträge. Die Welt von Geralt ist lebendig, sie atmet! Und das ist uns jedenfalls viel wichtiger, als die Frage nach der Anzahl der Polygone und der Auflösung. Weil diese fast unmerklichen Unterschiede manchen Spielern dennoch wichtig sind: Die Xbox One nutzt ein dynamisches Upscaling von 900p bis 1080p je nach Situation, die Playstation 4 schafft durchgehend 1080p, beide Konsolen bei recht unsteten 30 Frames pro Sekunde.
Vor allem bei sehr aufwendigen Szenen mit Feuer und Rauch geht die Framerate in die Knie. Aber auch in Zwischensequenzen wirkt die Bildwiederholrate etwas unstet. Störend ist das vielleicht fürs Auge, nicht aber für den Spielfluss. Denn der wird von diesen Fehlern nicht beeinflusst. Die zuvor beschriebenen, selten auftretenden Pop-Ups von Spielfiguren sind da schon der weitaus schwerwiegendere Bug.
Offene Spielwelt
Wir haben überlegt, wegen dieser Fehler eine Abwertung in der Gesamtnote in Betracht zu ziehen. Doch den wenigen Szenen, in denen uns diese Szenen wirklich störend im Gedächtnis blieben, stehen uns jeweils dutzende Stunden mit reinem Spielspaß gegenüber. Wer die Gesamtlänge von 50 bis über 100 Stunden in einen Kontext mit den wenigen Patzern stellt, wird vermutlich eher die überwiegend guten Momente im Gedächtnis behalten, nicht die wenigen schlechten. Und das tut The Witcher 3: Wild Hunt: Die Geschichte mit all ihren tollen Figuren, Plottwists und Szenerien bleibt im Gedächtnis!
Wie wir getestet haben: Zum Test stand uns eine inhaltlich fertige, aber technisch nicht ganz finale PS4-Version von The Witcher 3: Wild Hunt zur Verfügung. Wir haben sie jedoch ohne Day One Patch getestet und werden bei der Veröffentlichung einen Nachtest machen. Auf die Wertung gehen diese Veränderungen aber vermutlich nicht mehr ein. Xbox One und PC konnten wir gar nicht einsehen, diese Wertungen werden zu einem späteren Zeitpunkt folgen.
