Everybody's Gone to the Rapture: Vorschau: Leer, einsam, wunderschön

Special Sandro Odak
Ich fühle mich wie ein Voyeur: Um die Geschichte zu erkunden, muss ich in Häuser einsteigen und den Gesprächen der Geister lauschen.
Quelle: Sony

Die Macher von Dear Esther legen mit Everybody's gone to the Rapture noch mal nach in Sachen Atmosphäre: Wir haben aus der Perspektive einer Wissenschaftlerin eine tote, leere, einsame Spielwelt erkundet - und es war unangenehm.

Die E3 Demo von Everybody's gone to the Rapture startet völlig unvermittelt. Ich stehe einfach da, auf einem Hügel. Vor mir eine beschauliche Hügellandschaft, irgendwo im ruhigen England. Nur ein paar Absperrungen und Autos stehen auf der Straße. Aber… Moment mal. Warum stehen die mit offenen Türen da? Und wo sind die Fahrer?

Diese Frage wird mich wohl über die nächsten Stunden beschäftigen. Im ersten Gebäude, das ich betrete, bekomme ich zumindest einen Hinweis. Notfall-Übertragung im Radio: Das Telefon wurde abgeschaltet, diese Gegend ist unter Quarantäne, wir sollen alle in unseren Häusern bleiben. Ist es also eine Seuche? Ein Virus? Aber wo sind dann all die Menschen hin?

Geister und Voyeure

Solche Geistergestalten erzählen vom Untergang. Quelle: The Chinese Room Solche Geistergestalten erzählen vom Untergang. Plötzlich erscheint direkt vor mir eine Lichtgestalt. Sie will wohl, dass ich ihr folge, denn sie tänzelt um mich herum und fliegt vorweg. An einer Strom-Trafo-Station hält sie an und wartet. Darauf, dass ich vorbeikomme und eine mysteriöse Sequenz starte. Aus dem Licht formen sich Geistergestalten – es sind zwei Personen. Mann und Frau. Ich erfahre, dass sie tatsächlich verheiratet sind, und vermutlich Forscher. Sie wissen etwas über die Vorgänge hier, doch sie sagen nichts. Sie haben Angst – und ich schaue zu. Es passiert nicht live, es ist nur ein Widerhall der Vergangenheit. Und trotzdem fühle ich mich ein bisschen schlecht. Sie küssen sich, bekunden sich ihre Liebe – und trennen sich. Danach, davon gehe ich mittlerweile aus, werden sie sterben und zu diesen Geistern werden. Aber was wollten sie mir sagen?

Ich dringe also weiter ins beschauliche, englische Dorf Yaughton ein. Manche Haustüren stehen offen, manche sind zu… Manchmal kann ich rein, oft nicht. Es fühlt sich trotzdem falsch an. Ich betrete die privatesten Räume der Bewohner. Manchmal sind sie als Geister auch dabei. Ich beobachte, wie eine junge Mutter im Wohnzimmer erzählt, ihre Kinder haben Kopfschmerzen und dann fing das bluten an. Sie habe sie nach oben ins Zimmer geschickt, um sich auszuruhen. Doch seitdem geben sie keinen Laut mehr von sich. Der zweite Geist schlägt vor, mit ihr nachzusehen. Dort oben folgt wohl die traurige Gewissheit, dass ihre zwei Jungs tot sind. Das schlägt aufs Gemüt.

Das Dorf versammelt sich

Ich fühle mich wie ein Voyeur: Um die Geschichte zu erkunden, muss ich in Häuser einsteigen und den Gesprächen der Geister lauschen. Quelle: The Chinese Room Ich fühle mich wie ein Voyeur: Um die Geschichte zu erkunden, muss ich in Häuser einsteigen und den Gesprächen der Geister lauschen. Ich erkunde noch mehr Privathäuser – und obwohl der Titel suggeriert, dass da niemand ist, erwarte ich hinter jeder Hausecke einen dieser fiesen Jumpscares. Aber er kommt nicht. Everybody's gone to the Rapture ist nicht so eine Art von Spiel. Es bedient sich eines unterschwelligen Thrills. Ich folge dem Geist des Priesters, der den Bewohnern Trost bietet. In einem der Häuser erzählt er: "Der Großteil des Dorfs ist fort." Er meint nicht weg, denn da sind die Straßenblockaden der Quarantäne. Er meint: Tot. In Luft aufgelöst. Wie die Menschen verschwinden? Keine Ahnung.

Ein letztes Aufbäumen beobachte ich im Gemeindezentrum der Kirche. Nachdem von außen keine Hilfe mehr kommt, kein Ton sogar, nur die automatischen Ansagen im Fernsehen und Radio, wollen sich die Dorfbewohner nun selbst helfen. Die Farmer sollen für Essen sorgen, der Arzt die Kopfschmerzen der Menschen lindern. Doch die Kopfschmerzen gehen nicht weg… Und wenn das Nasenbluten beginnt, ist es für die meisten zu spät.

Erst da frage ich mich: Wieso bin ich eigentlich am Leben? Das ist wohl eine der Kernfragen von Everybody's gone to the Rapture. Und der Weg zur Lösung dieser Frage ist beängstigend schön.

Meinung

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk