Vorschau: Ruhige Indie-Rätsel-Kost

Special Sandro Odak
Kaputte Computer-Systeme wie ODIN müssen repariert werden.
Quelle: Fullbright

Die Macher von Gone Home verlagern ihre ruhige Rätsel-Kost in den Weltraum: In Tacoma erkunden wir eine menschenleere Mondstation.

Stellt euch vor ihr kommt zur Arbeit und niemand ist da. Also ich für meinen Teil wäre ziemlich happy. Würde lang Mittagspause machen, früh heimgehen. Vielleicht einen kurzen Text über Tacoma schreiben, sonst aber eher nichts arbeiten (willkommen in meinem Leben!). Amy Ferrier ist offensichtlich nicht so wie ich. Aber sie arbeitet auch nicht für Gamezone, sondern auf der Raumstation Tacoma. Dass dort plötzlich alle Crewmitglieder verschwunden sind, irritiert die Technikerin sichtlich.

Auf der Suche nach Antworten

Tacomas cooles Passwort-Eingabe-System: Amy gibt ihr Passwort durch Handgesten ein. Quelle: Fullbright Tacomas cooles Passwort-Eingabe-System: Amy gibt ihr Passwort durch Handgesten ein. Amy macht sich daher auf die Suche nach der Crew. Doch gleich zu Beginn unseres Abenteuers fällt ein Computersystem aus. ODIN, das System, dass für die Kontrolle der Türen zuständig ist, versagt. Unsere erste Aufgabe ist es also, das System wieder anfahren zu lassen und zum Crew-Deck zu gelangen. Angeblich, so eine Computerstimme, sollen die Mitarbeiter dort sein. Anhand von Texttafeln und Elementen in der Umgebung finden wir das fehlerhafte System. Tacoma gibt dabei so gut wie keine Hilfestellungen. Der Spieler soll allein seine Umgebung erkunden und herausfinden, wo es lang geht.

Den Weg überhaupt erst zu finden, war eine spannende Aufgabe. Denn der liegt nicht immer gerade vor einem. Amy befindet sich im Weltall - wo es keine Schwerkraft gibt. Nur durch ihre schweren Magnet-Boots bleibt sie am Boden. Doch so eine Raumstation hat viele Wände... Und sie alle können als Boden herhalten. Zum ersten Mal fällt uns das auf, als wir von einem Teil der Station in die andere reisen. Man springt, stößt sich ab und schwebt auf die andere Seite eines langen Tunnels. Als wir dort ankommen, ist der Herkunftsort plötzlich an der Decke, die frühere Decke ist der Boden.

Der Weg zum Ziel ist nicht gerade, sondern geht manchmal auch hoch oder runter. Quelle: Fullbright Der Weg zum Ziel ist nicht gerade, sondern geht manchmal auch hoch oder runter. Solche Perspektivwechsel können einen verwirren und manchmal spielen die Entwickler damit auch gekonnt. Erst nach mehreren Anläufen fällt uns auf, dass der Zugang zum ODIN System versteckt ist. Man sieht ihn nicht vom Boden aus, nur wenn man zur Decke hinaufspringt und nun "kopfüber" geht.

Geheime Informationen

Das Tür-System ist innerhalb weniger Minuten wieder repariert. Wer klug ist weiß, dass das nicht das Ende des Spiels sein kann. Und tatsächlich: Von der Crew fehlt immer noch jede Spur. Der Computer sagt weiterhin, die Crew sei irgendwo tief in der Station. Aber was mit ihnen passiert ist, dass will uns der Computer nicht sagen. Dazu sei er nicht autorisiert. Also machen wir uns mit einem unbehaglichen Gefühl auf die Suche nach der Wahrheit... Und durchstöbern dafür unzählige private Mails und Nachrichten der Crew. Immer wieder treffen wir auch auf holografische Abbilder der Crew. Sie zeigen vorangegangene Ereignisse.

Hologramme verraten, was die Crew vor ihrem Verschwinden gemacht hat. Quelle: Fullbright Hologramme verraten, was die Crew vor ihrem Verschwinden gemacht hat. Diese Isolation führt bei uns zu einem klammen Gefühl in der Magengegend. Die Entwickler sagen zwar, dass Tacoma nicht auf eine plumpe Alien-Story hinausläuft. Wir sollen uns keine Gedanken darüber machen. Aber ein paar Parallelen zu Isaac Clark gibt es ja schon... Auch der kam in Dead Space als Techniker aufs Schiff, um es zu reparieren.

Wie Gone Home, der Indie-Kracher von Fullbright Studios, ist Tacoma ein Rätsel-Adventure, das uns in den privatesten Ecken der Crew suchen und lauschen lässt. Manchmal fühlt man sich falsch, manchmal sogar schlecht, weil man durch die Post seiner Kollegen guckt. Aber wer weiß, vielleicht findet sich ja genau hier der Schlüssel zum Verschwinden? Kritik erntet das Spiel bislang nur für die langsame Gehgeschwindigkeit. Eine Entwicklerin vor Ort sagt, dies sei gewollt. "Damit Spieler gezwungen sind, sich umzuschauen." Doch gerade in Abschnitten, die man immer wieder durchquert, wäre eine schnelle Lauffunktion wünschenswert...

Tacoma erscheint 2016 für PC und Xbox One.

Intensives Rätsel-Adventure das von der Schwerelosigkeit und den damit einhergehenden Perspektivwechseln lebt. Die Geschwindigkeit könnte aber steigen.

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