Dreißigjähriges Firmenjubiläum und das legendäre Studio Rare macht sich ein eigenes, ganz persönliches Geschenk: Eine wunderbare Spielesammlung namens Rare Replay! Für nur dreißig Euro bekommen wir eine Sammlung von insgesamt dreißig Rare Klassikern aus den letzten dreißig Jahre der Videospielgeschichte. Dies alles sehr liebevoll verpackt in einer kunterbunten Wundertüte, in die wir all zu gerne greifen. Nicht nur für Nostalgiker und Rare Fans ist dieser Xbox One Titel ein Blick wert.
Heute zergeht der Name Rare bei vielen wohl nicht mehr wie Schweizer Schokolade im Mund, dazu hat die Kultschmiede aus dem britischen Twycross zu viel an Glanz verloren. Wer jedoch schon etwas länger unser aller Hobby geniest, wird in der Vergangenheit wohl kaum um alle Hits der Firma herum gekommen sein. Bereits Anfang der 80er Jahre sammelten die Jungs und Mädels Erfahrungen im Bereich der Computerspiele für ZX Spectrum und C64, bis vor genau dreißig Jahren durch Tim and Chris Stamper Rare Ltd. gegründet wurde. Die frühe Ausrichtung auf Videospiel-Konsolen brachte das Team schnell unter Nintendos Fittichen, die sich finanziell in der Firma stark machten. Vor allem auf dem Super Nintendo und Nintendo 64 wurden Meilensteine wie die Donkey Kong Country Reihe, Goldeneye oder auch Conkers Bad Fur Day veröffentlicht. Anfang der 2000er dann sicherte sich Microsoft hohe Anteile der Firma und erwarb letztendlich Rare. Fortan lieferten die Briten hauptsächlich für die Xbox Spiele und neue Ideen, durften aber weiterhin im Handheld-Sektor bei Nintendo mit werkeln.
Verspielte Dokumentation der Videospielgeschichte
Quelle: Rare
Screenshot aus Perfect Dark: Zero. (1)
Mit der Akquisition von Microsoft scheint Rare ein wenig an Glanz verloren zu haben, obwohl sie durchaus immer wieder recht interessante und meist auch völlig andere Spiele hervor brachten. Vor allem das putzige Viva Pinata ist herauszuheben, doch an die Erfolge aus den glorreichen Nintendo Zeiten konnte Rare auf den Xbox Konsolen nicht mehr anknüpfen. Dennoch liegt uns nun für die Xbox One der Titel Rare Replay vor. Nicht nur eine Sammlung von insgesamt dreißig ausgesuchten Klassikern der Firmengeschichte, sondern auch eine wundervolle Liebeserklärung an die Schaffensgeschichte von vielen kreativen Köpfen, die an so einigen Meilensteinen der Videospielgeschichte mitgewirkt haben. Dazu liefert uns die Sammlung auch reichlich Dokumentationen zur Firmengeschichte, Interviews mit Entwicklern und Mitarbeitern, Making Of Specials und auch ein Einblick in Konzepte, die nie das Licht der Welt erblickten. Ärgerlich nur für all diejenigen, die sich nicht sonderlich viel mit den dreißig Klassikern beschäftigen möchten. Denn sämtliche Dokumentationen und Videos müssen durch herausragende Leistungen und gesammelte Stempel zunächst frei gespielt werden.
Quelle: Rare
Screenshot aus Battletoads.
Diese erhält man durch das Spielen der dreißig Rare Klassiker, die sich zum größten Teil in dem Komplettpaket Rare Replay befinden. Es handelt sich dabei um interne Erfolge, die es zu ergattern gilt, die aber auch meist mit den Xbox Live Achievements gekoppelt sind. Derer gibt es satte 200 Erfolge plus das, was man sich für all die Xbox 360 Titel gesondert holen kann. Blickt man auf das Repertoire von Rare Replay, gibt es teils erstaunliches zu entdecken. Bei einer solch langen Firmengeschichte ist es verständlich, dass man sich einerseits auf rein von Rare erschaffene Charaktere und Spiele konzentriert, Lizenzprodukte also außen vor lässt, und aus der großen Auswahl an veröffentlichten Titel nur eine geringe Anzahl heraus picken kann. Sicherlich werden alte Haudegen den einen oder anderen Klassiker in Erinnerung haben, welcher es nicht in die Sammlung geschafft hat. Die Mischung ist aber als gelungen zu bezeichnen und Rare hat wirklich hochkarätigen Spielen zusammengestellt (Siehe hierzu auch Komplettliste aller Spiele). Dass man auf grandiose Werke wie Donkey Kong Country oder Diddy Kong Racing verzichten muss, dürfte aufgrund der Nintendo-Lizenzen einleuchtend sein. Dass man aber nicht die Xbox-Neuauflage von Conker nutze bzw. zusätzlich liefert, ist etwas ärgerlich. Andere wiederum werden auch Goldeneye vermissen. Außerdem endet der Einblick in die Videospielgeschichte bereits im Jahre 2008 mit Banjo-Kazooie: Schraube Locker. Neuere Titel sind nicht vorhanden.
Mehr als nur eine Spielesammlung
Quelle: Rare
Screenshot aus Banjo & Kazooie: Nuts & Bolts.
Über die Qualität der einzelnen Spiele wollen wir schon gar nicht philosophieren. Allein die Titel aus der Nintendo 64 Ära wie Banjo, Blast Corps, Conker und Perfect Dark sowie Veröffentlichungen für die Xbox 360 rechtfertigen bereits den äußerst schmalen Kaufpreis und liefern viele Stunden und Wochen Spielspaß. Einzeln würde man für die Xbox Live Arcade und Retail Spiele mehr blechen müssen, als mit Rare Replay. Dass die alten Pixelschlachten auf aus heutiger Sicht eher minimalistisch daher kommen, ist einleuchtend. Dennoch bereitete Rare diese liebevoll auf. Die sterile Optik kann oftmals durch einen Filter überarbeitet werden und versetzt uns in die gute alte Zeit der Röhren-TVs. Da die alten Klassiker auch einen knackigen, bisweilen gar unfairen Schwierigkeitsgrad offerierten, heißt man zusätzlich einstellbare Cheats wie unendlich Leben und Rewind-Feature, als auch die Möglichkeit, jederzeit den Spielstand zu speichern, herzlich willkommen. Frust kommt dadurch eher weniger auf und so mancher Pixel-Abspann wird dadurch tatsächlich über den Bildschirm flimmern.
Quelle: Rare
Screenshot aus Cobra Triangle.
Mit der Neuauflagen für Xbox Live Arcade von Banjo und Co. hatte Rare bereits Erfahrungen gesammelt, wie man die alten Klassiker auf die modernen Gamepads anpasst. Vor allem der N64-Controller war in seiner Art doch etwas ungewöhnlich. Die Handhabe der meisten Spiele ist gelungen, manche aber erfordern Einarbeit wie Jet Force Gimini. Aus dem aufwendig inszenierten, mit tollen Requisiten präsentierten und liebevoll mit Details ausgeschmückten Menüs heraus können wir einen Blick auf die Tastenbelegung werfen oder auch das Xbox Hilfe-Menü konsultieren. Leider bietet Rare Replay keinerlei Möglichkeit, den Controller manuell einzustellen und zu justieren. Oftmals hat man es auch verpasst, weitere Einstellungen zu liefern, wie das Invertieren der X- und Y-Achse der Perspektive. Dafür bietet Rare Replay aber gesonderte Aufgaben für die 8-bit und 16-bit Klassiker, herausgelöst aus den eigentlichen Spielen, die knifflige Herausforderungen darstellen. Dies erinnert ein wenig an NES-Remix. Sammelt in kurzer Zeit so viele Punkte wie möglich, überlebt ohne Schusswaffen, haltet im Rennen eine Mindestgeschwindigkeit und vieles mehr. Die Anforderungen sind vielfältig und zum Teil richtig, richtig schwer zu meistern.
Xbox One Abwärtskompatibilität
Quelle: Rare
Im Hub könnt ihr einen der vielen Retro-Klassiker auswählen.
Rare Replay ist aber vor allem wirklich hübsch aufgemacht. Das fängt bei dem Musical-Song in der Einführung an, welcher gekonnt die Welt von Rare untermauert, geht über die liebevoll gestaltete Bildergalerie fungierend als Spielauswahl bis hin zu zusätzlichen Informationen und wundervoll animierte Requisiten, welche einiges über die jeweiligen Titel aussagen. Die Emulation der Spiele ist vor allem bei den alten Klassikern authentisch, kann aber mit dem Filter nochmals überarbeitet werden. Nichts desto trotz nagt natürlich der Zahn der Zeit an einigen Titel, die aus heutiger Sicht manchmal eher bescheiden wirken. Bei den meisten Nintendo 64 Spielen hat man die Nebeloptik gut an die heutige Zeit angepasst, auch wenn vor allem Schriften auch bei den neueren Titel grieselig ausfallen. Ärgerlich nur, dass man Conker nicht in seiner optisch deutlich besseren Live & Reloaded Fassung genießen kann. Diese hätte man zumindest als Extra offerieren können. Erstaunlich grandios ist dagegen Grabbed by the Ghoulies - ein meiner Meinung nach zu unrecht verschmähtes Spiel - gealtert. Die Comic-Grafik könnte auch heute noch für Downloadspiele Verwendung finden. Bereits die Eingangshalle in das Geisterhaus verblüfft mit tollen Spiegelungen und gestochen scharfer Grafik im Breitbildformat. Dieses ist bei den alten Schinken nicht vorhanden, aber die schwarzen Balken kann man mit hübschen Grafiken kaschieren.
Quelle: Rare
Screenshot aus Perfect Dark.
Titel der neueren Geschichte werden im Zuge von Microsofts kommender Abwärtskompatibilität zur Xbox 360 als externe, gesondert zu ladende Titel offeriert. Man könnte daher von einer Generalprobe des neuesten Xbox One Features sprechen. Insgesamt sind neun Spiele darunter wie Xbox Live Arcade Versionen der N64 Banjo Spiele und die Neuauflage des Perfect Dark Klassikers sowie Xbox 360 Retails wie Kameo und Viva Pinata. Während die Arcade-Titel auch auf der Xbox One problemlos laufen, gibt es bei dem einen oder anderen Xbox 360 Spiel dann doch etwas Probleme. Allen voran Banjo-Kazooie: Schraube Locker. Sobald man aus Banjos Heimat in die hoch-technologische Stadt kommt, geht die Bildrate deutlich in die Knie, was sich vor allem am zuckelnden Hintergrund offenbart. Der Titel bleibt spielbar, irritierend für die Augen ist dies aber schon. Joanna Dark meuchelt ohne Probleme ihre Kontrahenten und verpasst weiterhin Kopfschüsse, nur in den Sequenzen ist ein Ruckeln in Perfect Dark Zero zu spüren. Die anderen Titel wie Viva Pinata wiederum liefen ohne nennenswerte Mängel.
Liste der vorhanden Spiele in Rare Replay:
Atic Atac
Banjo-Kazooie
Banjo-Kazooie: Nuts & Bolts
Banjo-Tooie
Battletoads
Battletoads Arcade
Blast Corps
Cobra Triangle
Conker's Bad Fur Day
Digger T. Rock
Grabbed by the Ghoulies
Gunfright
Jet Force Gemini
Jetpac Jetpac: Refuelled
Kameo: Elements of Power
Killer Instinct Gold
Knight Lore
Lunar Jetman
Perfect Dark
Perfekt Dark Zero
R.C Pro-Am
R.C. Pro-AM II
Sabre Wulf
Slalom
Snake Rattle n Roll
Solar Jetman
Underwurlde
Viva Piñata
Viva Piñata: Trouble in Paradise