Das kleine Berliner Indie-Studio Bearhands hat zwar kein Geld für einen Gamescom-Stand, dafür aber ein bildhübsches Stealthgame im Gepäck.
Sie haben zwar kein Geld für einen eigenen Gamescom-Stand und mussten unbequem mit dem Bus aus Berlin anreisen... Aber Maximilian Grienig und Niklas Bothe von Bearhands sind trotzdem gut gelaunt. In einem völlig überteuerten Messe-Restaurant (Reis mit Chicken-Curry-Kleber für 19,50€) stellen sie mir Grand Values: Monaco vor.
Drei diebische Elstern
Quelle: Bearhands
Amy nimmt den Schönen und Reichen ihren Kram ab - den meisten fällt es eh nicht auf.
Grand Values handelt von drei Schulfreunden. Zusammen gehen sie auf Raubzug, klauen bei denen, die sowieso von allem zu viel haben. Ein bisschen von Robin Hood steckt in ihnen, vielleicht auch ein bisschen "Die fetten Jahre sind vorbei". Doch dann verzetteln sie sich. Als sie ausgerechnet bei einem Anwalt einbrechen, entpuppt der sich als schwerreicher und schwerkrimineller Drogenboss. Die drei Freunde merken erst mal nichts, reisen stattdessen nach Monaco, um den Coup zu feiern. Doch der Boss bekommt Wind davon und stellt sie vor die Wahl: Entweder sie klauen in der Reichenmetropole für ihn 50 Millionen - oder er macht sie kalt.
Die zwei Gründer und andere Mitglieder ihres mittlerweile 14-köpfigen Teams in Berlin haben Erfahrungen bei AAA-Entwicklern gemacht. Motion und Performance Capturing für die größten der Großen. Es fallen Spieletitel, mit denen man nicht rechnet. Aber die deutschen Studios sind nur Zulieferer und Produzenten der amerikanischen Großstudios. Und sie wollten lieber selbst kreativ sein, statt anderen Kreativen nur zuzuarbeiten.
Obwohl bis heute die Finanzierung auf wackeligen Füßen steht und das meiste aus ihrem Ersparten stammt, machen sie keinen Kompromiss bei der Spielqualität. Grafik und Animation sollen so aussehen, wie man es von einem AAA-Spiel gewohnt ist. Weniger detailreiche Figuren waren für die Perfektionisten undenkbar.
Fokus auf Stealth
Quelle: Bearhands
Ganz großer Fokus auf Minispiele: Das Klauen soll im Vordergrund stehen.
Monaco als Handlungsort fiel den Machern erst gar nicht ein. Durch Zufall stellten sie fest, dass ihre urbane Landschaft zu dem reichen Kleinstaat passte. Und auch geschichtlich passt der Ort: In Monaco gibt es die höchste Dichte reicher Personen weltweit. In fast jedem Gebäude wohnt ein Millionär, Multi-Milliardäre gibt's an jeder Ecke. Monaco ist so absurd reich, dass man jedes Mitleid vergisst.
In drei Episoden bestehlen wir nun mit der weiblichen Spielfigur Amy die Schönen und Reichen. Dabei kommt es vor allem auf eins an: Stealth, Stealth und nochmal Stealth! Action soll es in Grand Values nur in einer Form geben, und zwar als Nervenkitzel. Die Entwickler konzentrieren sich ganz auf die Kernelemente des Stehlens: eine gute Vorbereitung, leise anschleichen und trickreiche Minispiele. Einfach jemandem auf Knopfdruck in die Tasche greifen geht nicht. Ein Spiel wie das Thief-Remake will Bearhands nicht auftischen. "Uns ging es immer um die Spannung beim Stehlen, nicht um das Drumherum."
Quelle: Bearhands
Action und Kämpfe gibt es nicht: Gegen diese Wach-Riesen hätten wir eh keine Chance.
Wenn Amy doch mal von Wachmännern entdeckt wird, heißt es Beine in die Hand nehmen. Die Feinde sind als breitschultrige Boliden überzeichnet dargestellt. Im Nahkampf hat die schmale, aber flinke Diebin keine Chance. Wie Faith aus Mirror's Edge muss sie wegrennen und immer in Bewegung bleiben. Um auch die Vertiaklität des Levels auszunutzen, kann sie aber klettern. Die Abschnitte sollen an Uncharted 2 oder Prince of Persia erinnern - mit einem Unterschied: Amy kann nicht ewig an einer Mauer hängen. Der Spieler muss sich Gedanken machen, wo er lang klettert und wie lang wohl die Kräfte reichen. Die Macher kamen auf die Idee, weil sie selbst bouldern waren. "Warum redet eigentlich niemand davon, wie anstrengend es ist, so eine Wand hochzuklettern?", erklären die Macher im Interview.
Look and Feel
Überrascht war ich vom erstklassigen Look von Grand Values: Monaco. Das Schleichspiel sieht dank Performance und Motion Capturing bildschön aus. Die Zwischensequenzen sollen auf AAA-Niveau inszeniert sein. Allgemein erinnert die Comic-hafte Optik an Spiele wie Team Fortress 2. Die überzeichneten, ikonischen Charaktere haben es mir besonders angetan. Und noch etwas ist einzigartig: Bearhands setzt schon jetzt rein auf Next-Gen-Konsolen. Die alten Konsolen würden die Zwischensequenzen nicht so schön rendern können und der PC kommt nicht in Frage, weil das kleine Studio es sich nicht leisten kann, Support für alle möglichen Konfigurationen zu liefern. Mutige Entscheidung! Genaue Details zur Veröffentlichung gibt es aber noch nicht. Anfang 2016 könnte es aber in Episoden-Form soweit sein.
Untermalt wird das Spielgeschehen von einem "chilligen Hip-Hop Soundtrack", so die Macher. Der Sound passt zum Sprayer-Flair des Spiels. Denn ganz bierernst nimmt sich Grand Values nicht.
Indie-Schleichspiel, das so toll aussieht wie ein AAA-Game, jedoch auf Action verzichtet und stattdessen auf Nervenkitzel beim Stehlen setzt.
