Ein erster Trailer zu Submerged weckt durchaus Interesse am ungewöhnlichen Abenteuer. Doch leider bleibt der Titel spielerisch eher seicht. Warum die malerische, verträumte Welt nicht überzeugt, lest ihr im Test.
Das Licht schimmert durch die Blätter aufragender Palmen, die Strahlen gebrochen, wenn der Wind sich regt. Es taucht im Sonnenuntergang die steinernen Bauten in ein orangefarbenes Licht und liefern dank der Spiegelungen im Wasser ein traumhaftes Panorama.
In Submerged übernimmt man die Rolle von Miku. Dieses junge Mädchen steckt voller Tatendrang und trotz aller Widrigkeiten ist ihr Überlebenswille stärker als jegliche Einsamkeit, die sich unweigerlich in der melancholisch-düsteren Welt ausbreitet. Gestrandet mit ihrem schwer verletztem Bruder in einer ehemaligen Metropole, findet sie einen leicht zugänglichen Rastplatz. Dort bettet sie Taku, der sich im Fiebertraum wälzt und an einer tiefen Schnittwunde leidet. Nach kurzer Rast ist ihr klar: Ohne Arznei und Verbandszeug wird ihr Bruder nicht mehr lange leben. Auch wenn es nicht leicht fällt, lassen wir den Jungen zurück und steigen in das kleine Boot, um die Welt zu erkunden und Hilfsmittel zu finden, die das Überleben in dieser doch recht unwirtlichen Gegend sichern.
Quelle: Uppercut Games, Steam
Screenshot aus Submerged. (1)
Ein kurzer Blick offenbart eine Metropole, die nach einer Katastrophe nun komplett unter Wasser steht. Die zahlreichen Hochhäuser ragen wie Stalagmiten aus dem Meer. Die Natur hat sich ihrer bemächtigt. Geradezu grün wirkt das skurile postapokalyptische Szenario. Palmen wie auch Gräser wachsen auf den Dächern der Bauten und Kletterranken umsäumen die Hochhäuser. Im Wasser sind weitere düstere Pflanzen auszumachen und dennoch schippern wir durch die Häuserschluchten und an Ruinen vorbei. Hin und wieder vermeint man bekannte Orte zu erblicken. Eine Brücke, die uns an die Golden Gate Bridge erinnert oder eine Statue, die durchaus Ähnlichkeit mit der Freiheitsstatue hat. Miku ist immer auf der Suche nach einer neuen Landungsstelle, um neue Ruinen erkunden zu können. Das Wasser aber scheint keinen wirklich gesunden Eindruck zu machen. Zahlreiche Fische und riesige Wale begleiten den Ausflug von Miku, doch ihre pockennarbige Haut lässt nur erahnen, welche Katastrophe über die Welt gekommen ist.
Submurged ist ein gewaltfreies Abenteuer, trotz der heiklen Thematik des Weltuntergangs. Doch die Geschichte um Miku und ihrem Bruder wird nur seicht anhand von Kinderzeichnungen vermittelt und lässt damit sämtlichen Schrecken an die Katastrophe vergehen. Leider baut man so auch nur kaum eine Beziehung zu den Charakteren auf, so dass uns das Schicksal der Beiden letztendlich mehr oder weniger egal ist. Nichts desto weniger begleiten wir Miku auf ihren Touren. Primäres Ziel ist es, insgesamt zehn Hilfspakete zu finden, die sich über die komplette, unter Wasser liegende Stadt verteilen. Es werden dabei keinerlei Vorgaben gemacht. Völlig frei kann die Welt erkundet werden, was auch daran liegt, dass Miku so gut wie keine neue Fähigkeiten dazu lernt. Sie schippert mit dem Boot zu den Bauten, klettert über die Fassade auf die Dächer und sammelt dabei Medikamente, Verbandszeugs, Nähmaterial und weitere Dinge ein. Das Fernrohr ist mitunter die einzige spielerische Erweiterung, die geboten wird.
Von Gottes Hand zum Ziel geführt
Quelle: Uppercut Games, Steam
Screenshot aus Submerged. (3)
Wer nun geistreiche und fordernde Passagen wie seinerzeit in Prince of Persia oder Assassin's Creed erwartet, wird alsbald eines besseren belehrt, denn einfacher und langweiliger hätten die Klettereinlagen kaum ausfallen können. Die Ruinen offenbaren nur selten die Möglichkeit, in die Bauten zu kommen. Einblick in das frühere Leben der Menschen erhält man dadurch aber nicht, da alles mit Gras und anderen Pflanzen überwuchert ist und sämtliche Erinnerungen an die Vergangenheit wie ausgelöscht scheint. Die meiste Zeit verbringt Miku aber an den Fassaden der Bauten. Hier gibt es nur zwei Bewegungsmöglichkeiten. Entweder kann sich Miku an einem Sims hochziehen und darauf entlang laufen, oder aber an brüchigen Stellen oder kaputten Vorsprüngen entlang hangeln. Muss sie Abgründe überwinden, so springt Miku automatisch zur nächsten Kletterstelle.
Das Ziel ist immer klar vor Augen, denn auf größeren Bauten sind vor allem mit dem Fernstecher die Überreste der Fallschirme zu entdecken – ein eindeutiger Beweis für Hilfsgüter. Wie von Gottes Hand geführt erklettert man diese Gebäude um die Vorratskiste zu öffnen. Der Aufstieg ist kinderleicht, ohne Wagnis und ohne dem Tod ins Auge blicken zu müssen. Geradlinig, linear und keinerlei Gefahr. Nachdenken muss man nicht. Rätsel gibt es keine zu lösen. Kommt man einem Abgrund zu nahe, bewegt sich Miku keinen Schritt mehr weiter. Gilt es Planken und Bretter zu überwinden, so läuft man ohne Höhenangst und Schwierigkeiten einfach auf die andere Seite. Trotz einiger grandioser Panoramen, die uns der Aufstieg auf die Hochhäuser offenbart, fallen diese Ausflüge einfach nur sterbenslangweilig aus. Kaum hat man die (mühelosen) Strapazen überstanden, bringt uns das Spiel zudem automatisch zum Bruder zurück und die Routine wiederholt sich wieder.
Weniger opulent als erwartet
Quelle: Uppercut Games, Steam
Screenshot aus Submerged. (4)
Für Kids ist der Titel aber keinesfalls geeignet. Im späteren Verlauf sorgen gruselige Kreaturen dafür, dass uns ein leichter Schauer über den Rücken läuft. Diese sind weder aggressiv noch wollen sie Miku oder Taku schaden, doch sorgen sie sicherlich für schlaflose Nächte. Aber auch jüngere Spieler werden sich sicherlich unterfordert fühlen, denn Submerged ist spielerisch zu anspruchslos. Spätestens nach nur drei Stunden sind sämtliche Hilfspakete eingesammelt, ist die seichte, wenig überzeugende Story erzählt und wir landen wieder im Hauptmenü. Was möchte uns Submurged sagen? Warum sind Miku und Taku gestrandet und was hat es auf sich mit der unheimlichen Krankheit? Denn auch Miku wird mit derzeit eine Wandlung durchmachen. Verwunderlich, dass sie sich trotz Anzeichen einer Infektion immer wieder zu ihrem Bruder kuschelt und diesem einen Kuss auf die Stirn gibt. Passt nicht sonderlich zur Fürsorglichkeit, die sie an den Tag legt. Trotz der melancholischen Musik, die sich immer wieder in den Vordergrund drängt und somit die atmosphärischen, von Wind und Wetter wie Regen und Gewitter geprägte Kulisse durchbricht, weckt die Story nur mäßige Gefühle für das Geschwister-Paar.
Von Hochspannung kann also keinerlei Rede sein und auch Achievement-Jäger werden nicht sonderlich motiviert die restlichen Sammlerobjekte ergattern wollen, obwohl die Grundidee durchaus interessant ist. Ein post-apokalyptische Szenario einer Großstadt, die sich unter Wasser befindet und von der Natur zurück erobert wurde. Optisch offenbart vor allem der Wechsel der Witterung sowie Tag/Nacht-Zyklus durchaus sehenswerte Facetten. Wenn das Sonnenlicht sich in den Scheiben spiegelt oder graziös durch die Ruinen linst, sieht Submerged durchaus opulent aus. Ein trügerisches Bild, denn der Rest fällt zweckmäßig aus. Während die Natur für Details und eine schöne Atmosphäre sorgt, wirken die Ruinen insgesamt einfallslos. Texturen wie gebrochene Fensterscheiben sind tausendfach kopiert und wiederholen sich. Das Mädchen selbst ist so agil wie ein Stück Treibholz. Stocksteif geht sie gemächlich voran und schwingt sich bieder animiert an den Hausfassaden entlang. Die Animationen sind schlichtweg abgehackt, steif, langsam und untermauern den extrem müden spielerischen Eindruck.
