Zombi: im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck

Test Peter Grubmair
Zombi: im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck
Quelle: Ubisoft

Wir haben uns das ursprünglich für die WiiU erschienene Zombi zur Brust genommen um festzustellen, ob der Titel auch heute noch überzeugen kann.

Ich nehme an, wer das neu veröffentlichte Zombi jetzt spielt oder noch spielen möchte, hat das Original auf der WiiU nicht gezockt. Zumindest ist es bei mir so, dass mich der Titel damals zwar irgendwie reizte, dann aber doch an mir vorbeiging. Darum nahm ich nun die Gelegenheit wahr und stürzte mich auf der Xbox One in das neue, alte Vergnügen.

Zombi im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck Quelle: Ubisoft Zombi wirft uns direkt mitten ins Geschehen. Ohne eine Vorgeschichte zu erzählen finden wir uns mitten im zerstörten und von Zombies überfluteten London wieder und bekommen von einem geheimnisvollen Preppers, der per Funk mit uns Kontakt aufnimmt, unsere Anweisungen zum Überleben. Die erste davon lautet das sogenannte Safehouse aufzusuchen, ein sicherer Ort den er eingerichtet hat und der fortan der Mittelpunkt unseres Abenteuers ist. Denn dort können wir nicht nur Waffen und Lebensmittel zwischenlagern, dort befindet sich auch unser Speicherpunkt. Denn nur dort, sowie an den speziell von den Überlebenden eingerichteten Lagern, können wir Zwischenspeichern, wenn wir das Spiel verlassen wollen. Der Clou an der Sache ist, dass wir beim virtuellen Tod unseres Charakters diesen komplett verlieren und im Safehouse mit einem neuen Charakter weiterspielen. Die Dinge die wir derweil bei uns trugen, müssen wir uns dann mit dem neuen Charakter von dem vorherigen, der inzwischen ein Zombie ist, wieder holen.

Das hört sich auf den ersten Blick wirklich gut an und in der ersten Hälfte des Spiels funktioniert das auch noch recht gut, aber je weiter wir voranschreiten und je mehr der sieben Spielareale wir freischalten, desto verzwickter wird die ganze Sache und sie mündet schlussendlich darin, dass wir nur selten mit den großen und aufgerüstete Waffen herumlaufen, stattdessen uns aber meist mit der Grundausstattung aus Pistole und Baseballschläger der Infizierten erwehren müssen. Denn immer öfter im Spiel ist es der Fall, dass wir nur mehr das halbe Inventar unseres Vorgängers einsammeln können, gerne sind auch alle Waffen verschwunden, wovon es so manche nur an einer Stelle im ganzen Spiel zu finden gibt. Da sich die Laufwege im Verlauf des Spiels auch immer weiter verlängern, beschreitet man dieselben Areale immer und immer wieder und wünscht sich irgendwann, Zombi würde doch ein klassisches Save-System bieten.
Was man von einem Spiel dieser Art natürlich erwartet, sind so richtig heftige Schreckmomente und Anfälle von freudiger Panik, wovon uns Zombi leider nicht viel bietet. Es gibt sie zwar und zwei oder dreimal bin ich wirklich erschrocken, doch haben die Entwickler hier eindeutig viel Potenzial liegen und manche Möglichkeit ungenutzt gelassen. Was der Titel hingegen recht gut macht, ist wirklich fast jedem Winkel in den Arealen eine Bedeutung zukommen zu lassen. Es gibt wirklich kaum eine Ecke in dem Spiel, die nicht irgendwann einen Sinn erhält und man begreift, warum genau welches Objekt exakt hier und nirgendwo anders positioniert wurde. Ebenfalls für sehr gelungen halte ich die wenigen eingestreuten Rätsel, die man mit dem Scanner lösen muss. Ich will diese nicht zu genau beschreiben und wer Zombi wirklich genießen möchte, sollte sich vorher auch keine Komplettlösung durchlesen. Denn das Entdecken und Enträtseln der geheimen Zeichen zählt definitiv zu den Highlights des Titels.

Zombi im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck Quelle: Ubisoft Gar kein Highlight hingegen stellt das Kampfsystem dar. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht daran erinnern, wann ich zuletzt ein Spiel dieser Art zockte, bei dem es nur einen einzigen Schlag gibt. Egal ob man den Baseballschläger in Händen hält, oder eine der wenigen neu hinzugekommenen Schlagwerkzeuge, wie die Schaufel zum Beispiel, unser Charakter kennt nur den einen Schlag gerade von Oben herunter. Ziel dabei ist immer der Kopf der Zombies. Mit einem Schlag haut man ihnen einen Teil der Schädeldecke weg, mit dem zweiten Schlag den ganzen Kopf ab. Haben die Zombies einen Helm auf, muss man ihnen diesen erst vom Kopf hauen. Und genau das macht man unglaublich oft, denn die unterschiedlichen Gegnertypen halten sich sehr in Grenzen. Am spannendsten sind noch die mit der Gasflasche, die man tunlichst nur aus einiger Entfernung abschießen sollte, denn bei ihrem Ableben explodieren sie und nehmen alles in ihrer Umgebung mit.

Auch wenn die Designer des Spiels leider bestimmte Räumlichkeiten gerne kopierten und nur mit minimalen Unterschieden mehrmals im Spiel verwendeten, besonders im Untergrund begegnet man immer den gleichen U-Bahn-Stationen und Abwasserkanälen, haben sie es doch geschafft, sie interessant zu gestalten. Dafür sorgt zum Beispiel der schon erwähnte Scanner, mit dem wir in jedem Areal erst einmal die Veteilerkästen des Netzwerks finden müssen, damit wir eine Übersichtskarte eingeblendet bekommen. Und auch wenn das Spiel im Grunde streng linear abläuft, so gibt es doch immer wieder kleinere Abkürzungen und alternative Wege zu finden.

Zombi im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck Quelle: Ubisoft Grafisch darf man sich von Zombi nicht zu viel erwarten, wobei der Titel auch nicht wirklich hässlich ist und im Vergleich mit der WiiU-Version sogar geringfügig aufpoliert wurde. Dafür kann die Soundkulisse überzeugen, an der es eigentlich nichts zu bemängeln gibt. Die Zombies hören sich schön eklig an, die Waffen authentisch und die Musikuntermalung erinnert angenehm an 28 Days Later. So mancher Sprecher hätte etwas motivierter sein können, das war es aber auch schon.

Technisch hingegen lässt Zombi zum Ende hin etwas nach. Da beginnt sich irgendwann das System mit dem Safehouse und die Idee, den Spieler im letzten Kapitel nicht mehr zurückkehren zu lassen, zu beißen. Funktionieren würde das Ganze, wenn man im letzten Abschnitt kein Leben verliert. Doch wenn dies passiert, landet man trotzdem wieder im Safehouse und muss den letzten Missionsgegenstand vom Vorgänger einsammeln, darf dafür aber nicht mehr die Abkürzungen durch die Kanalisation benutzen. Gleichzeitig auch versagt an der Stelle der Missionszielanzeiger in der Map, so dass man völlig auf sich allein gestellt mehrere Areale voller Zombies durchlaufen muss, bis man endlich wieder am Punkt des letzten Todes angelangt ist. Ich weiß nicht, ob das so beabsichtigt ist und man damit die Spielzeit in die Länge ziehen will, oder ob es sich schlicht um einen Designfehler handelt.

Zombi im Gamezone-Test: Solide Hausmannskost mit bisschen Speck Quelle: Ubisoft Doch auch wenn Zombi nur ein durchschnittlicher Titel ist der bis auf das Safehouse eigentlich kein Feature besitzt welches ihn aus der Masse hervorhebt, so hat er es doch geschafft mich bei der Stange zu halten. Denn der Titel hat seine Momente die gefallen und er motiviert einen genug nach jedem Ableben weiter zu machen. Handwerklich würde ich ihn deswegen als solide bezeichnen und die 20 Euro für die er augenblicklich angeboten wird, ist er auf alle Fälle wert.

Für die Kenner der WiiU-Version bleibt noch anzumerken, dass es in der neuen Version zwar einige wenige neue Waffen gibt, dafür hat man den Multiplayer-Modus für zwei Spieler ersatzlos gestrichen. Auf der WiiU konnte damit ein zweiter Spieler dem ersten immer neue Zombies an den Hals hetzen, etwas in der Art gibt es hier nicht mehr.

Meinung

Wertung zu Zombi (XBO)

Wertung:

6.8 /10
Pro & Contra
Interessantes Level-DesignVielfältig und nutzbringend einsetzbarer ScannerZwar wenige, aber gelungene Rätsel
Die tolle Idee mit dem Safehouse beginnt irgendwann zu nervenWaffenverbesserungen kommen kaum zum tragenFast identische Räume werden mehrfach eingesetztRecht wenig unterschiedliche GegnertypenSehr einfaches Nahkampfsystem
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