Tomonobu Itagaki, ein bekannter Name, den man mit Dead or Alive und Ninja Gaiden in Verbindung bringt. Sein Actionspiel Devil's Third versinkt im fehlerbehafteten Mittelmaß. Ein paar positive Seiten hat der Titel dennoch.
Langer Leidensweg
Als Tomonobu Itagaki noch bei Tecmo war, wurde er in einem Atemzug mit den größten Game-Designern genannt, dank Spielen wie Dead or Alive und Ninja Gaiden. Er konnte sich einen fast schon legendären Ruf aufbauen, den er mit Devil's Third wahrscheinlich mit einem Schlag zerstört. Die Entwicklung des Actionspiels ist ziemlich turbulent verlaufen. Mit seinen Valhalla Game Studios ging er zunächst einen Deal mit THQ ein, aber der Publisher hatte irgendwann kein Geld mehr und ging in die Pleite. Eine Zeit lang hing Devil's Third in der Luft, bis sich Nintendo höchstpersönlich das Spiel schnappte und es zu einem Exklusivtitel für die Wii U machte. Vorher war es für die Xbox 360 und die Playstation 3 geplant.
Quelle: Nintendo
Stupider Action-Trash: Devil's Third kann weder inhaltlich, noch spielmechanische Höhen aufweisen.
Devil's Third wurde bereits 2010 angekündigt. Nun ist es endlich erhältlich, auch wenn es längst nicht mehr so aussieht, wie bei der ersten Enthüllung. Und hat sich die lange Wartezeit gelohnt? Ich will mal etwas spoilern und sage ganz einfach "NEIN". In Devil's Third übernimmt man die Rolle des klischeehaften russischen Ex-Söldners Ivan. Als Antiheld muss er die Welt vor fiesen Terroristen retten. Muss man mehr zu den Details der Story wissen? Ich sage "NEIN". Sie ist zu konfus inszeniert, irgendwie auch typisch japanisch, aber Spannung will kaum aufkommen. Ivan ist eine Mischung aus dem Duke und Vin Diesel aus Triple X. Er haut ein paar nette Oneliner raus, aber ansonsten gähnt man eigentlich nur. Stereotypischer geht es einfach nicht mehr, purer Trash. Doch der kann natürlich auch einen gewissen B-Movie-Reiz versprühen. Den hat Devil's Third durchaus. Wenn es nur um die doofe Handlung geht, wird sie mit ihren überzeichneten und platten Charakteren sicherlich ihre Fans finden.
Blutige Mischung aus Shooter und Ninja Gaiden
Quelle: Nintendo
Typisch japanischer Stil...
Devil's Third ist eine Mischung aus Shooter und einem Actionspiel im Stil von Ninja Gaiden. Da hat Tomonobu Itagaki ja genügend Erfahrung gesammelt. Das Kampfsystem ist allerdings längst nicht so durchdacht, wie bei Ninja Gaiden. Eigentlich metzelt man sich recht grobschlächtig durch die Feinde und weicht etwas aus, was durchaus Spaß macht. Dabei werden wahre Blutfontänen entfacht. Wenn es um die Gewalt geht, dann ist Devil's Third völlig übertrieben. Als Waffen stehen ein Ninja-Schwert und andere Nahkampfutensilien zur Verfügung, die man in den Levels findet. Die Abschnitte sind rein vom Setting her durchaus abwechslungsreich, sie spielen sich jedoch meist ziemlich identisch.
Wenn der Russe nicht mit dem Schwert hantiert, ballert er sich durch Horden von Feinden. Dabei wird Devil's Third zu einem typischen Shooter mit Deckungsmöglichkeiten. Wäre da nur nicht die extrem hakelige Zielerfassung, die gehörig auf die Nerven geht. Ein Shooter muss präzise und schnell funktionieren. Da versagt Devil's Third auf kompletter Linie, auch wenn man sich irgendwann an die miese Shooter-Steuerung und den groben Übergang zwischen Nah- und Fernkampf gewöhnt. Eigentlich wäre eine Menge mehr Feinschliff nötig gewesen, aber nach so vielen Jahren in der Entwicklung? Wahrscheinlich hätte das nochmals eine halbe Ewigkeit benötigt.
Quelle: Nintendo
Die Übergange zwischen Nahkampf und Fernkampf sind hakelig.
Der Schwierigkeitsgrad von Devil's Third ist eigentlich ganz okay, teilweise fast schon zu leicht. Das liegt an der dümmsten KI seit langer, langer Zeit. Die Typen gehen zwar in Deckung, aber ansonsten können sie nichts und rennen munter in den Tod. Teilweise reagieren sie gar nicht auf den Spieler und stehen einfach nur so da, trotz Beschuss. Da wären wir wieder beim Feinschliff. Oft kam es mir so vor, als ob ich eine Beta-Version gespielt hätte. Dann gesellen sich die Bosskämpfe, dazu, die entfernt an Metal Gear Solid erinnern könnten, wären sie nicht so schlecht ausbalanciert und teilweise extrem unfair. Man muss sich natürlich eine spezielle Taktik ausdenken, aber die hat teilweise nichts mehr mit Spielspaß zu tun. Es geht eher darum, die fehlerhaften und primitiven KI-Routinen der Bosse auszutricksen. Die Bosskämpfe machen keinen Spaß und sind zu oft zu frustrierend. Nach zirka 10 Stunden ist die lineare Kampagne vorbei, in der die Features des Wii U-Gamepads nicht ausgenutzt werden. Der zweite Bildschirm bleibt komplett schwarz, außer wenn man ohne Fernseher spielen will.
Technik aus dem Jahr 2010
Quelle: Nintendo
Technik aus der Vergangenheit: Dass die Entwicklung in der THQ-Pleite ins Stocken geriet, kann man an der veralteten Grafik ablesen.
Wie bereits erwähnt, sind die Schauplätze durchaus abwechslungsreich und stimmungsvoll inszeniert, auch wenn die Technik mit heutigen Spielen kaum noch mithalten kann. Devil's Third zeigt sich in etwa so, wie Spiele im Jahr 2010/2011 auf der PlayStation 3 und der Xbox 360 ausgesehen haben. Die letzte Generation von Xbox 360- und PS3-Titeln, die noch vor der Xbox One und der PlayStation 4 veröffentlicht wurde, sahen teils deutlich besser aus. Das auf der Unreal Engine basierende Spiel leidet häufig unter Rucklern, die vor allem dann auftreten, wenn viel los ist. Zudem laden Texturen oft nur sehr langsam nach. Teilweise ploppen sie gar nicht auf, was in mir immer wieder das Gefühl einer Beta wachrief. Ja, der liebe Feinschliff. Jedenfalls wird die Technik der Wii U nicht voll ausgenutzt. Letztendlich sieht Devil's Third zum Glück so schlecht nicht aus, man kann sich trotz der Schwächen mit dem gesehenen Material arrangieren, aber das ist leider nicht das einzige Problem des Spiels. Da kommt zu viel zusammen. Der Sound und die Sprachausgabe passen immerhin zum trashigen Szenario.
Man muss zugeben, der Multiplayer-Modus von Devil's Third hat Potential, doch es ist zu befürchten, dass er auf wenig Interesse stoßen wird, vor allem wegen der restlichen Qualität des Spiels. Während des Tests waren die Server nicht besonders gut gefüllt. Insgesamt stehen 10 Modi zur Verfügung, die sehr abwechslungsreich daher kommen. Es gibt klassische Varianten wie Deathmatch, während man in "Chicken" tatsächlich Hühner jagt. Hinzu kommen die Personalisierung, Levelaufstiege und der Erwerb neuer Fähigkeiten. Womöglich wird sich eine aktive Community zusammenfinden.
