Super Mario Maker: im Test: Gelungener Baukasten für Nintendo-Fans

Test Andreas Keser
Super Mario Maker: im Test: Gelungener Baukasten für Nintendo-Fans
Quelle: Nintendo

Mario wird 30! Eine simple Party wäre da wohl zu wenig. Außerdem gibt es ja schon etliche Mario-Party-Ableger. Es muss also etwas ganz Besonderes her. Eine weitere Jump'n'Run-Fortsetzung? Ein neues Mario Kart? Nein! Nintendo spendiert seinen langjährigen Fans etwas ganz Neues: den Super Mario Maker. Endlich kann man die klassischen Levels aus Mario Bros. und anderen Spielen, die sich in all der Zeit so angesammelt haben, selbst nachbauen oder gänzlich eigene Kreationen erschaffen. Langweilig? Weit gefehlt! Aber was hat der Mario-Setzbaukasten wirklich alles zu bieten?

Ich bau mir die Welt, widde-widde-Wii sie mir gefällt!

Eines gleich vorweg. Super Mario Maker besteht im Grunde genommen aus genau zwei Teilen – dem Bauen und dem Spielen. Der zentrale Punkt ist aber eigentlich das Bauen und Erschaffen eigener Welten. Beim ersten Einschalten der Konsole kann man direkt schon loslegen. Allerdings wird man sogleich ein wenig ausgebremst, weil die Möglichkeiten sehr beschränkt sind. Man hat anfangs nur eine kleine Auswahl aus den klassischen Levelbausteinen, Gegner wie Gumbas, Piranhas und Koopas und das war es dann auch schon fast. Große Sprünge macht man damit (noch) nicht, aber es kommen Tag für Tag neue Elemente und Möglichkeiten hinzu. Das mag so manchem vielleicht sogar noch entgegenkommen, da man Schritt für Schritt das Bauen erlernt, aber die Mehrheit wird es vermutlich eher ärgern. Während man also zunächst damit beschäftigt ist, ganz klassische Mario Bros. Levels auf den Bildschirm zu zaubern, wird es mit der Zeit immer komplexer. Hat man erst einmal ein gewisses Repertoire an Bausteinen zusammen, so lassen sich bisher ungeahnte Dinge erschaffen. Da ist es dann keine Seltenheit, wenn ganze Gegnermassen, die sich gegenseitig auf den Schultern stehen, auf euch zu stürmen oder ein Gumba plötzlich riesengroß ist, Flügel hat und Feuer spuckt. Auch in die Fragezeichenblöcke lassen sich statt Pilze oder Blumen neuerdings auch Gegner einsetzen, sodass der Spieler mit so manch (fieser) Überraschung rechnen darf. Die Möglichkeiten sind enorm!

Super Mario Maker im Test: Gelungener Baukasten für Nintendo-Fans der ersten Stunde Quelle: Nintendo Neben den Blöcken, Gegnern und Power-Ups, kommen aber auch immer mehr Themen/Hintergrundlandschaften hinzu. Insgesamt darf man auf die Leveldesigns aus dem klassischen Mario Bros., aus Mario Bros. 3, Super Mario World und New Super Mario Bros. WiiU zurückgreifen. Man kann außerdem fleißig im Wasser, auf Luftschiffen, in dunklen Höhlen und an vielen anderen Locations seine Klötzchen stapeln. Eine Welt, die man etwa als simples 8-Bit-Abenteuer konzipiert hat, lässt sich binnen Sekunden und einem einfachen Knopfdruck sofort in das Design aus New Super Mario Bros. WiiU umwandeln. Aber Achtung! Die Gegebenheiten werden damit auch leicht verändert, denn im Laufe der Zeit hat Mario so einiges dazu gelernt. Während er als 8-Bit-Variante noch keinen Wandsprung beherrschte, kann er diesen auf der WiiU natürlich problemlos ausführen. Das könnte den Kniff der ein oder anderen Stelle in eurem Level möglicherweise zunichte machen. Es macht daher Sinn, wenn man bereits beim Bauen auch die angedachten Hintergrunddesigns verwendet. Was man im Vorfeld aber leider nicht einbauen darf, sind die Checkpoints. Diese werden schmerzlich vermisst, sodass man alles komplett "an einem Stück" absolvieren muss. Das ist manchmal recht unpraktisch und ärgerlich.

Nur ein weiterer Leveleditor...?

Braucht die Welt wirklich noch einen weiteren Leveleditor? Wo unterscheidet sich Mario von der Konkurrenz, wie beispielsweise "Little Big Planet" oder "Minecraft"? Zunächst einmal sticht Mario natürlich dadurch heraus, dass man die kultigen Levels, mit denen der ein oder andere aufgewachsen ist, endlich selbst nach Lust und Laune nachbauen kann. Ein großer Pluspunkt, aber zugegeben, das ist für jüngere Spieler oder für nur mäßig begeisterte Mario-Anhänger vielleicht nicht unbedingt das Killer-Argument. Doch eines hat der Mario-Maker all seiner Konsolen-Konkurrenz voraus: Die Eingabemöglichkeiten. Während man normalerweise per Steuerkreuz und Joystick auf recht umständliche Weise alle Gegenstände an ihren passenden Platz ziehen muss, lässt sich das per Touchscreen auf dem WiiU-Pad intuitiv und absolut komfortabel erledigen. Man braucht eine ganze Reihe von Blöcken? Kein Problem, mit dem Stylus schüttelt man diese ganz unbeschwert mit einer kurzen Bewegung aus dem Ärmel. So simpel war das Bauen auf der Konsole mit Sicherheit noch nie. Nach wenigen Minuten können so ganze Welten entstehen. Wer es aber ein wenig aufwändiger mag, der kann sich auch stundenlang in allen möglichen Details verlieren und so sein perfektes, kleines Mario-Universum entstehen lassen.

Der Online-Modus: Eine Explosion der Vielfalt

Da das Spiel glücklicherweise über einen Online-Modus verfügt, kann man schon zu Beginn auf eine Vielzahl vorgefertigter Levels zurückgreifen. Sicher ist da sehr viel Schrott mit dabei, aber durch ein ausgeklügeltes Bewertungssystem kann man recht gut aussortieren, was spielenswert sein könnte und was nicht. Nachdem man sich nämlich für einen Level entschieden hat, darf man diesen gerne mit einem Stern wertschätzen. Hat einem etwas ganz besonders gefallen, so kann man dies auch nochmals hervorheben, indem man einen Kommentar hinterlässt, den alle anderen Spieler sehen können. Das geht sogar mitten im Level selbst. So wird durch die anderen Gamer bereits eine gewisse Qualitätskontrolle sichergestellt und man kann vor dem Spielen ein kleines Feedback einholen. Die Lieblingslevels lassen sich dann auch speichern, sodass man sie jederzeit wieder findet und immer wieder Spaß damit haben kann.

Super Mario Maker im Test: Gelungener Baukasten für Nintendo-Fans der ersten Stunde Quelle: Nintendo Hat man selbst einen Level erschaffen, das man besonders gelungen findet, dann kann man dieses natürlich ebenfalls hochladen. Damit aber auch hier die Qualität und vor allem auch die Schaffbarkeit gesichert wird, muss man seine eigene Kreation vorher noch selbst meistern. Anders als beim Bauen, wo man Mario jederzeit beliebig platzieren oder neue Blöcke hinzu- oder wegnehmen kann, hat man hier nur genau die Optionen, die später auch die Spieler aus aller Welt haben – man muss es ohne jegliche Goodies bis zum Ende schaffen. Erst dann wird es online gestellt und man bekommt einen Code, womit man seinen Level stets finden kann oder den man natürlich auch gerne Freunden weitergeben darf, damit auch sie in den Genuss eures Meisterwerks kommen können.

Bereits vor Release haben wir sehr viele ausgeklügelte Ideen und abgefahrene Designs entdeckt. So gibt es einige, die ein Konzept verfolgen, bei dem man das Gamepad nach dem Start des Levels einfach aus der Hand legen muss. Mario wird dann auf raffinierteste Art und Weise selbst durch all die Gefahren manövriert, ohne sich dabei auch nur ein Haar zu krümmen. Von einem Trampolin auf das nächste, über die bewegliche Plattform bis zum schnellen Förderband und irgendwann hängt er plötzlich an der Zielfahne. Das ist wirklich beeindruckend, aber natürlich möchte man ja eigentlich selbst spielen. Doch auch dafür gibt es genügend Nachschub. Manche bauen auch bekannte Spieleserien nach (z.B. Metroid, Zelda, Mega Man), was teilweise wirklich enorm gut gelungen ist. Besonders durch den Einsatz von amiibos kann das Flair eines anderen Spiels optimal eingefangen werden. Hält man beispielsweise seinen Mega-Man-amiibo an das Gamepad, dann darf man Mega Man ins Geschehen mit einbeziehen. Versteckt man diesen nun in einem Fragezeichenblock, dann wird euch später ein ?-Pilz entgegen springen und wenn Mario diesen verspeist, wird er kurzerhand zu Mega Man (bis er wieder von etwas getroffen wird). Schießen kann er dann zwar nicht, aber immerhin ertönen dann die typischen Hüpf- oder Sterbegeräusche des jeweiligen amiibos. Eine echt lustige Idee! Aber auch ohne amiibos lassen sich verschiedene Sound- und Grafikeffekte einbauen, die teilweise echt schräg sind.

Die Schattenseiten der Medaille

Super Mario Maker im Test: Gelungener Baukasten für Nintendo-Fans der ersten Stunde Quelle: Nintendo Der Super Mario Maker mag vieles bieten, aber perfekt ist er trotz allem nicht. Wer mehr Wert auf das Spielen legt, der kommt ganz klar zu kurz. Auch wenn es bereits jetzt schon massig tolle Welten gibt, ist es dennoch immer nur ein einziges Level, das man absolviert und danach findet man sich im Menü wieder. Einen richtigen Zusammenhang oder einen Story-Modus gibt es nicht. Man kann lediglich (mal wieder) in der sogenannten "Mario Herausforderung" Prinzessin Peach befreien, die sich nach 8 bzw. 16 zufällig ausgewählten Stages aus aller Welt in eure Arme fallen lässt. Dafür habt ihr 10 oder gar 100 Leben zur Verfügung. Später lassen sich zudem weitere Schwierigkeitsgrade erspielen. Eine Geschichte gibt es aber nicht und da die Levels per Zufall von irgendeinem Nutzer aus irgendeinem Land ausgewählt werden, ist jeder einzelne Level wieder völlig verschieden. Man kommt also nie so richtig ins Spiel, sondern arbeitet nur Level um Level ab.

Wer nur offline spielt, der sollte sich den Kauf wirklich gut überlegen, denn das macht im Grunde genommen nicht wirklich viel Sinn. So hätte man in der "Mario Herausforderung" lediglich 8 vorgefertigte Levels, die vom Spiel aus bereitgestellt werden und müsste gänzlich auf die Levels anderer Gamer verzichten, dürfte keine eigenen hochladen und bekäme auch kein Feedback, wie die eigenen Welten überhaupt so ankommen. Gerade das macht ja den eigentlichen Reiz aus. Natürlich gewinnt der Mario Maker auch in Sachen Grafik und Sound keinen Blumentopf, aber das ist ja auch gar nicht die Idee dahinter. Es geht vielmehr um das Retro-Flair und das Bauen. Wem das zu wenig ist, der sollte vielleicht lieber die Finger davon lassen.

Meinung

Wertung zu Super Mario Maker (WiiU)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
klassische, wie auch neue Bauelemente und Skins vorhandenviele neuartige Möglichkeitensuper intuitive und einfache SteuerungLevel designen im Handumdrehen möglichnach einiger Zeit eine sehr große Auswahl an Bauelementenbereits vor Release eine beachtliche Zahl an kreativer Welten onlineBewerten und Kommentieren „fremder“ Levels aus aller Welt macht SpaßNostalgie purman kann seine Kreativität voll auslebenlustiger amiibo-Einsatztoll, die eigenen Kreationen mit aller Welt teilen zu dürfenspannend zu sehen, wie die eigenen Levels ankommen
anfangs nur beschränkte Möglichkeitenes lassen sich keine Checkpoints setzenkein Zugriff auf die Freundesliste (nur markierte Favoriten)
Fazit

Für Mariofans und kreative Köpfe ein absolutes Muss. Man kann dem kultigen Mario-Charme nur schwer entkommen.

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