Mit Until Dawn erwecken Supermassive Games und Sony auf der PlayStation 4 das Genre der Horrorfilme. Fragt sich nur, ob der Titel mehr interaktiver Film oder Spiel ist. Am Ende zählt jedoch, dass das Ergebnis überzeugt.
Interaktiver Horrorfilm
Until Dawn ist wie ein klassischer Horrorfilm aufgebaut: Acht Teenager, inklusive Sportler, Zicke, Nerd und oberflächliche Blondine, in einer verschneiten und abgelegenen Berghütte, die von einem maskierten Killer gejagt werden. Wer auf Filme wie "Ich weiß was du letzten Sommer getan hast", "Scream" oder "Halloween" steht, für den ist Until Dawn im Prinzip perfekt. In der achtstündigen Spielzeit werden die armen Teens vom Killer unerbittlich in Angst und Schrecken versetzt. Manche sterben, manche überleben, das hängt alles von den Entscheidungen des Spielers ab.
Quelle: Sony
Das Gameplay von Until Dawn kann bestenfalls als oberflächlich bezeichnet werden, denn oft drückt man in Quick-Time-Events nur die passende Taste oder erforscht ein wenig die Umgebung. Das hat etwas von einem Adventure, aber anspruchsvolle Rätsel muss man nicht lösen und interaktive Gegenstände werden ohnehin durch ein Blinken gekennzeichnet. Until Dawn lässt sich gut mit Spielen wie Heavy Rain vergleichen. Es ist jedoch viel schneller inszeniert und hält sich nicht all zu lange mit Nebensächlichkeiten auf.
Klar, die Story ist extrem klischeehaft und in Filmen hat man ähnliche Szenarios einfach viel zu oft gesehen, aber Until Dawn schafft es in den acht Stunden eine unvergleichliche Spannung aufzubauen und man bleibt bis zum Ende dran. Man will die armen Jungs und Mädels vor dem Killer retten, oder auch nicht, denn einige Charaktere sind anfangs sehr unsympathisch. Außerdem will man wissen, wer oder was hinter diesem Mörder steckt. Insgesamt reißt die Inszenierung von Until Dawn das kaum vorhandene Gameplay raus. Man muss Until Dawn jedoch als das ansehen, was es ist und auch sein will, ein interaktiver Horrorfilm. Ansonsten sammelt man verschiedene Hinweise und Totems. Das sorgt dafür, dass man sich etwas genauer umschaut, was typischerweise die Spielzeit streckt.
Der Butterfly-Effekt
Quelle: Sony
Sonys Marketing-Maschinerie bewirbt Until Dawn mit dem sogenannten Butterfly-Effekt. Dieser besagt, dass der Flügelschlag eines Schmetterlings nach Tagen und auf der anderen Seite der Welt einen Wirbelsturm verursachen könnte. Auf Until Dawn bezogen, bedeutet dieser Schmetterlingseffekt, dass jede kleine Entscheidung den Ausgang der Geschichte nachhaltig verändern kann. In der Realität halten sich die Veränderungen jedoch in Grenzen. Einige Entscheidungen haben kaum einen Einfluss, andere nur auf eine bestimmte Szenen. Natürlich gibt es größere Abzweigungen, die das Ende beeinflussen, aber so fein gegliedert, wie es uns die Werbung glauben machen will, ist Until Dawn nicht.
Dennoch bietet sich an, Until Dawn auch ein zweites Mal zu spielen, um ein anderes Ende herbeizuführen, doch der zweite Durchgang wird längst nicht mehr spannend ausfallen. Aber er lohnt sich dennoch. Zur tollen Atmosphäre trägt ebenfalls bei, dass echte Schauspieler verpflichtet wurden. Ein bekanntes Gesicht ist zum Beispiel Hayden Panettiere, die man aus der TV-Serie "Heroes" kennt. Peter Stormare ("The Big Lebowski") nimmt ebenfalls eine wichtige Rolle ein. Er ist unser Psychiater und trennt die Episoden mit den Teens immer wieder ab. Dabei muss man als Spieler seine Ängste teilen. Wenn man zum Beispiel angibt, dass man sich besonders vor Spinnen fürchtet, begegnet man ihnen anschließend beim Überlebenskampf auf der Berghütte.Fratzen des Grauens
Was ebenfalls sehr zur gruseligen Atmosphäre beiträgt, ist die tolle Technik. Die meist düstere bzw. schön schummrig ausgeleuchtete Umgebung mit all ihren Details könnte tatsächlich aus einem Horrorfilm entstammen. Die geschickt gewählten Kameraperspektiven unterstützen diesen Eindruck. Until Dawn ist grafisch zwar nicht auf dem Niveau eines The Order: 1866, aber es sieht gut aus. Auch die Charaktere sind fein animiert und haben sehr detaillierte und hochauflösende Gesichter. Man erkennt sofort, welcher Schauspieler dahinter steckt, aber Supermassive Games hat leider bei der Mimik versagt. Die Protagonisten verziehen teils furchtbar die Gesichter und sehen dann selbst total gruselig aus. Die Entwickler wollten Emotionen bei den Charakteren erzeugen, aber die Ergebnisse sind größtenteils echt schlimm.
Quelle: Sony
Ein weiterer Pluspunkt ist die grandiose Soundkulisse. Soundtrack, Umgebungsgeräusch, das alles ist filmreif. Das gilt ebenfalls für die Sprachausgabe. Die deutsche Synchronisation ist ziemlich gut gelungen, das ist man von Sony auch gewöhnt, aber Hayden Panettiere und ihre Kollegen machen im englischen Original einen noch besseren Job. Die Steuerung von Until Dawn lässt kaum Fragen offen. Wenn man will, darf man entweder die Bewegungssteuerung des DualShock 4-Controllers nutzen, oder auf das Drücken von Knöpfen umschalten, die Wahl liegt ganz beim Spieler.
