Rise of the Tomb Raider: Mehrere Stunden gespielt - Kinoreife Action, wenig fordernde Rätsel
Special
Die schlechte Nachricht zuerst: Über die spannendsten Momente von Rise of the Tomb Raider dürfen wir noch nicht reden! Schließlich soll bei Release am 13. November nicht jeder schon wissen, was mit Lara in Sibirien passiert und was sie als Kind miterleben musste. Doch genug der kryptischen Andeutungen, wir machen Nägel mit Köpfen - hier sind unsere Eindrücke von der Spielsession mit Rise of the Tomb Raider.
Rise of the Tomb Raider gespielt: Lara hat sich hohe Ziele gesetzt. Gemeinsam mit ihrem aus dem Tomb Raider Reboot bekannten Kumpel Jonah macht sich die Archäologin in Sibirien auf die Suche nach der sagenumwobenen Stadt Kitezh. Dummerweise liegt zwischen Lara und ihrem Ziel ein verschneites Bergmassiv, und der aufziehende Schneesturm macht das Vorankommen nicht gerade einfacher. Die Eröffnungssequenz beim Klettern kennt man schon seit einigen Monaten, und auch spielerisch gibt es wenige Überraschungen. Das simple Klettern und Herumschwingen am Seil bringt dem Spieler die Grundlagen nahe, Quick-Time-Events wie etwa das Festhalten per Eispickel an einem Abhang sorgen für Spannung.
Tempelbesuch in Syrien
Quelle: Crystal Dynamics
Lara führt in Rise of the Tomb Raider unterschiedliche Bögen. Hier sieht man ein modernes (und durchschlagkräftiges) Kompositmodell.
Schnitt: Nach dem Hochgebirgsausflug springt Rise of the Tomb Raider zurück in der Zeit und nach Syrien. Dort ist es wärmer, aber nicht ungefährlicher. Lara schnuppert dort das erste Mal im Spiel Dungeon-Luft. Auf der Suche nach dem Geheimnis des ewigen Lebens erkundet sie einen verfallenen Tempel – das Verlies kennt man bereits von der Gamescom-Demo. Zufrieden nehmen wir die schönen Licht- und Partikeleffekte zur Kenntnis und finden beim genauen Erkunden der Umgebung Schätze wie Münzen (die wir später gegen Waffen und Outfits eintauschen können) und Objekte, die mehr verraten zur Geschichte des rätselhaften Trinity-Ordens, der dem Quell der ewigen Jugend ebenfalls auf der Spur ist. Wenig später schließt Lara gar persönliche Bekanntschaft mit den Abgesandten und dem Anführer der paramilitärischen Organisation. Im Gegensatz zum Reboot aus dem Jahr 2013 scheut sich die Archäologin nicht, scharf auf die Eindringlinge zu schießen und sich so den Weg aus dem Tempel zu bahnen.
Bibbern in Sibirien
Quelle: Crystal Dynamics
Die Dungeons sind eindrucksvoll umgesetzt und kommen sehr unterschiedlich daher. Wie viele optionale Verliese es geben wird, ist noch unklar.
Wieder zurück in der Gegenwart und im eiskalten Sibirien muss Lara einen Unterschlupf finden, um die Nacht zu überstehen. Zum Glück findet sich rund um die verlassene Raststelle herum passendes Gehölz und wenig später lodert ein Feuer in der Finsternis. Ein Hirschkadaver am Abhang versorgt die Überlebenskünstlerin mit Horn und Sehne, sodass wir auf die Schnelle einen Bogen zimmern können. Das Feuer und alle anderen Lager dieser Art dienen von nun an als Schnellreise-, Skillverbesserungs- und Craftingpunkte, bei Bedarf können Kleinigkeiten wie Munition aber auch unterwegs gefertigt werden. Wo Lara nach der Unsterblichkeit sucht, ist allerdings auch Trinity nicht weit, und so muss sie sich neugieriger Eindringlinge erwehren. Je nach persönlicher Vorliebe kann man Feinde schleichend im Stealth-Modus erledigen (etwa, indem sie einen vorbeilaufenden Gegner mit dem Bogen ins Gebüsch zerrt) oder mit Krawall vorgehen. All das fühlt sich sehr gut an und funktioniert beinahe wie im Vorgänger. Unterschied: Den Instinkt-Modus, bei dem wichtigen Objekte in der Umgebung hervorgehoben werden, aktiviert man nun mit einem Druck auf den rechten Stick. Die recht weitläufigen Abschnitte lassen Raum für alternative Wege zum Ziel.
Schiff ahoi
Quelle: Crystal Dynamics
Bei solchen Balanceakten auf dem vereisten Schiff sollte man sicher, aber zielstrebig drauflosmarschieren. Wer stehenbleibt, verliert rasch das Gleichgewicht.
Wenig später folgt der ebenfalls bereits bekannte Kampf gegen den Bären, den wir mit Hilfe von zwei Giftpfeilen rasch beenden. Der Unterschlupf von Meister Petz birgt eine riesige Kiste, in der Teile für das Zusammenbauen einer neuen Waffe zu finden sind. Praktisch! Beim weiteren Erforschen der Höhle offenbart sich uns ein majestätischer Anblick: ein byzantinisches Schiff ist senkrecht an einem vereisten Wasserfall festgefroren. Und da wir selbst den Controller in der Hand halten, können wir dieses optionale Dungeon auch endlich erforschen. Wir machen einen Abstecher und kraxeln mit dem Eispickel an der spröden Wand empor auf das unterste Deck. Von diesen Dungeons soll es viele geben in Rise of the Tomb Raider, mit einer genauen Zahl wollte man aber nicht herausrücken. Viele dieser versteckten Herausforderungen sind nicht ohne Weiteres zugänglich, beim Spielen entdeckten wir beispielweise ein weiteres optionales Verlies, doch unsere Übersetzungsfähigkeit der russischen Sprache genügte nicht, um auf dem Monolith in der Nähe zu lesen, wo sich der Eingang befindet. Das Schiff-Dungeon jedenfalls ist eine recht kurze Angelegenheit und beschäftigt uns etwa 15 Minuten. Die meisten Rätsel basieren auf Physik-Spielereien, wir müssen mit Gewinden Gewichte heben und senken und diese als Abrissbirnen nutzen, um weiter am Schiff emporklettern zu können. Oben angekommen erlernt Lara als Belohnung einen besonderen Skill aus den antiken Schriften an Bord.
Eine Frage der Skills
Quelle: Crystal Dynamics
Im Wohnwagen hinten rechts verbirgt sich die Torsteuerung, die Lara bedienen muss, um Trinity zu entkommen. Dumm nur, dass dass der Platz gut bewacht wird.
Rollenspielanleihen sind in Rise of the Tomb Raider wieder mit von der Partie. Verbessert werden die Fertigkeiten der Archäologin mit Hilfe von Skill-Punkten. Sammelt man Erfahrung – und dazu trägt das Ausführen so ziemlich jeder denkbaren Fertigkeit bei – steigt der XP-Stand bis schließlich ein neuer Fähigkeitspunkt zur Verfügung steht. Eingelöst werden die Skill-Punkte am Lagerfeuer. Eingeteilt sind Laras Talente in drei Untergruppen, sodass man gezielt die Schlagkraft im Kämpfen erhöhen oder Crafting-Fähigkeiten verbessern kann. Auch Waffen wertet man am Lager auf, oder man baut neue Ausrüstungsgegenstände. Die Übersetzungsfähigkeit verschiedener Sprachen erhöht sich ohne Zutun des Spielers, wenn man fremdsprachige Schriftstücke liest. Auch die Klamotten von Lara wechselt man am Nachtlager. Zwar haben die verschiedenen Outfits keine direkten Auswirkungen auf die Performance der Heldin, man verrät uns aber, dass Frau Croft sichtbar zittern wird, wenn man sie im dünnen Jäckchen in die Kälte Sibiriens schickt.
Übeltäter Trinity
Quelle: Crystal Dynamics
Stealth-Kills bringen Erfahrungspunkte. Bei mehr als einem Gegner ist es aber einfacher, ins offene Feuergefecht überzugehen.
Währenddessen ist die Anwesenheit von Trinity nicht unbemerkt am sibirischen Hinterland vorbeigegangen. Das dort ansässige Völkchen erwehrt sich mit Fallen und Pfeilen der Eindringlinge, aber vergebens, Trinity macht Gefangene. Zwischendurch läuft die Heldin ein weiteres Mal dem Anführer der Organisation über den Weg, der sich gar nicht erfreut zeigt, dass seine Untergeben nicht in der Lage sind, die Archäologin unschädlich zu machen, bis die Protagonistin schließlich auch in die Fänge von Trinity gerät. Angedeutet werden in einer intensiven Szene inklusive Twist die Beweggründe des Bösewichtes. Noch lässt sich zwar nicht beurteilen, wie überzeugend Story und Charaktere am Ende gezeichnet werden, der Auftakt des Abenteuers gestaltet sich aber in dieser Hinsicht vielversprechend. Auch einen Begleiter, den Lara später trifft und der mit ihr aus dem Lager von Trinity zu entkommen versucht, wirkt interessant und sympathisch.
Laras neues Gesicht
Neben den inneren Werten überzeugen bislang auch die optischen Qualitäten von Rise of the Tomb Raider: tolle Lichteffekte, schöne Texturen, feine Partikeleffekte. An das wiederum veränderte Antlitz von Lara muss man sich zwar gewöhnen, dafür sind die Animationen aber noch besser als zuvor. Das Spiel läuft flüssig und Bugs traten innerhalb der mehrstündigen Spielzeit nicht auf. Wem die verletzliche Lara und die cineastische Inszenierung aus dem Reboot nicht getaugt haben, der wird wohl auch mit Teil zwei der Neuauflage nicht zufrieden sein. Beim Klettern liegt der Fokus eindeutig auf Inszenierung statt Anspruch, Kameraeinstellungen, zusammenbrechende Mauern und Quick-Time-Events unterstreichen die Herangehensweise. Die Dungeons zu Beginn des Spiels geben sich in Sachen Schwierigkeitsgrad noch recht zahm, es wird sich zeigen, ob spätere Verliese mehr Hirnschmalz bei der Lösung erfordern. Die Physikspielereien jedenfalls sind schön umgesetzt und die Stimmung in den Gräbern, Tempeln und eingefrorenen Schiffen gut eingefangen. Und wenn Rise of the Tomb Raider tatsächlich erheblich umfangreicher ausfallen wird als der erste Teil, dann wird man vor seiner Xbox One viele Winterabende mit spannender, kinoreifer Action verbringen.
