PES 2016: im Test: Gut, besser, PES

Test Thomas Pfnür
PES 2016: im Test: Gut, besser, PES
Quelle: Konami

Manchmal dauert es bis die Testversion endlich im Briefkasten liegt. Genug Zeit also, um sich mal mit den Wünschen an den neuesten Ableger zu beschäftigen. Und ein paar Punkte wären da schon: Eine besser Präsentation, mehr Lizenzen und auch spielerische Detailverbesserungen. Mal sehen, ob PES 2016 uns das Alles auch wirklich erfüllen kann.

Zweikampfsteuerung, Spielerkontrolle und Ballphysik

Müssen wir noch von der tollen Ballphysik schwärmen? Müssen wir noch vom Gefühl der absoluten Spielerkontrolle sprechen? Müssen wir erwähnen, dass es Pro Evolution Soccer immer noch perfekt hinbekommt, jede Spielsituation eigen wirken zu lassen? Nein, müssen wir nicht, denn das hat der Fan wohl schon so erwartet – und, das ist das Positive, er bekommt es auch komplett geboten. Doch Konami wäre nicht Konami, wenn sich die Entwickler nicht auch für PES 2016 mal wieder ein paar Gameplayerweiterungen überlegt hätten.

Pro Evolution Soccer 2016 im Test: Gut, besser, PES Quelle: Konami Besonders toll gelungen ist etwa das neue dynamische Wettersystem. Neben den damit verbunden optischen Anpassungen, wirkt sich diese neue Funktionalität vor allem, wie in der Realität eben auch, auf die Spielbarkeit des Rasens und natürlich des Balles aus. Da sich, wie der Zusatz dynamisch schon andeutet, das Wetter während einer Partie ändern kann, bringt es eine komplett neue Komponente ins Spielgeschehen. Alles wird ein wenig unvorhersehbarer, dadurch auch authentischer. Einsetzender Regen lässt das runde Leder schneller über das nasse Gras gleiten, Pässe müssen daher besser getimt und die Annahme des Balles entsprechend umgestellt werden. Auch die Ausführung der Zweikämpfe verändert sich. Grätschen werden länger, können schneller zu Fouls führen und intensive Verteidigungsversuche führen öfter zu störenden Ausrutschern, was wiederum die Abwehrspieler vor das Problem stellt, den heranstürmenden Gegner überhaupt noch aufhalten zu können. Und wird der Regen noch stärker oder hält länger an, bilden sich Pfützen, die wiederum ganz andere Effekte auf die Ballphysik oder das Verhalten der Spieler haben können. Besser kann man Wettereffekte, vor allem dynamische, praktisch nicht in ein Fußballspiel einbauen.

Aber auch bei der Konkurrenz FIFA hat sich Konami ein wenig bedient. Der neuen Zweikampfsteuerung etwa, merkt man es schon ein wenig an, dass sie sich an der Umsetzung von EA Sports orientiert. Zumindest in Nuancen. Der Kampf um den Ball wirkt in PES 2016 deutlich intensiver und man hat nun mehr Möglichkeiten sich aus gewissen Situationen zu befreien. Etwa über plötzliche Richtungswechsel des Angreifers oder durch kraftvollen Körpereinsatz des Verteidigers. Und hier kommt dann auch die noch einen Tick besser integrierte Kollisionsabfrage ins Spiel. Gerade beim Kopfballduell merkt man, dass sich etwas geändert hat. Alles wirkt logischer, intensiver und nicht zuletzt individueller. Größenunterschiede der Spieler, Schnelligkeit der einzelnen Bewegungen und auch die Intensität des Aufeinandertreffens haben nun direkten Einfluss auf das Ergebnis des Zweikampfes. Und natürlich auch die jeweiligen Fähigkeiten der darin involvierten Fußballer.

Pro Evolution Soccer 2016 im Test: Gut, besser, PES Quelle: Konami Dies bringt uns auch gleich zu einem weiteren wichtigen Thema, der künstlichen Intelligenz. Pro Evolution Soccer war eigentlich schon immer für eine gute KI, sowohl bei den Mitspielern als auch bei den Gegnern, bekannt. Und das hat sich auch im aktuellen Ableger nicht geändert. Einzig, dass nun manche Aktionen leichter von der Hand gehen, einfach weil die Teammitglieder besser "mitdenken", kann man als Anpassung erwähnen. So werden etwa in der Verteidigung die gegnerischen Aktionen besser antizipiert und im Angriff müssen Doppelpässe beispielsweise nun nicht mehr manuell angesteuert werden, sondern werden durch aktive Nutzung der Räume praktisch von selbst ausgeführt. Schade ist hingegen, dass die Torhüterleistungen immer noch zu schwankend sind. Und das trotz der neuen Torwart-ID, die laut Publisher nun noch mehr Parameter einfließen lässt. Soll mehr Persönlichkeit, mehr Charakter, letztendlich vor allem aber mehr logisches Verhalten bringen. Spüren tun wir davon auf dem Platz leider aber nur wenig.

Übrigens auch nicht, dass sich das Schiedsrichterverhalten groß zum letzten Jahr geändert hätte. Die Situationen werden teilweise immer noch ziemlich unterschiedlich, unserer Meinung nach sogar zu unterschiedlich, bewertet. Mal gibt es für einen leichten Körpereinsatz gleich Freistoß und gelbe Karte, mal setzt man die Blutgrätsche ein und kommt komplett ungestraft davon. Wie im richtigen Leben sorgen die Referees dadurch auch in PES 2016 vor allem nach dem Spiel noch für viel Gesprächstoff.Meisterliga, myClub-Modus und das Lizenzproblem

Wohl die größte Neuerung und von unserer Seite auch eins der Features von PES 2016, ist der komplett überarbeitete Meisterligamodus. Weniger jetzt inhaltlich, denn diesbezüglich wird eigentlich weiterhin genau das geboten, was man schon über die letzten Jahre kennengelernt hat – viel mehr dafür aber grafisch, denn die Optik hat sich komplett geändert. Die Entwickler sind tatsächlich mit dem großen "Programmier-Besen" durch den sich über die Zeit, und das trotz Hardwarewechsel, sehr hoch angesammelten "Sourcen-Staub" gefegt und haben grafisch praktisch nichts mehr so gelassen, wie man es noch aus dem Vorgänger bzw. den Vorgängern kannte. Der nötige frische Wind also. Und wie dieser der Fußballumsetzung gut tut. Dynamischen Menüs ziehen euch von den ersten Minuten an sofort ins Geschehen. Aufblendende News zu Teams, Spielern oder der Liga bringen die nötige Abwechslung. Und das moderne Spieltags- und Tabellendesign lassen uns die früheren Präsentationsversuche eines Pro Evolution Soccers sofort komplett vergessen. Leider haben sich, wie bereits angekündigt, die grundsätzlichen Inhalte der Meisterliga aber bei weitem nicht so gravierend geändert. Das Transfersystem ist nun einen Hauch spannender inszeniert, die Vertragsverhandlungen etwas logischer aufgebaut und das grundsätzliche Teammanagement eine Spur intuitiver, aber insgesamt bleibt die Meisterliga auch in PES 2016 die Meisterliga, mit allen Aufgaben, allen Möglichkeiten und allen Problemen, die wir schon seit Jahren kennen.

Pro Evolution Soccer 2016 im Test: Gut, besser, PES Quelle: Konami Eins der wohl bekanntesten Probleme ist hierbei, dass die Lizenzen, die eben auch für diesen Modus als Basis dienen, weiterhin mit der Konkurrenz nicht mithalten können und eigentlich kaum der Rede wert sind. Und noch schlimmer. In punkto Rechteverwertung stagniert die Serie sogar, soll heißen das schwache Niveau bleibt schwach. Wie gehabt müssen also alle Fans auf die deutsche Bundesliga, die englische Premier-League oder die italienische Serie A komplett verzichten. Dafür sind aber immer noch die Champions und Euro League, sowie deren südamerikanischen bzw. asiatischen Ableger lizenziert. Natürlich wieder mit dem bekannten Makel: Nicht alle in diesen Wettbewerben vertretenen Mannschaften sind auch wirklich Original, oder überhaupt, auf die BluRay gepresst worden. Per DLC sollen zwar noch die eine oder andere Mannschaft nachgeliefert werden, am grundsätzlichen Schwachpunkt von Pro Evolution Soccer ändert das allerdings nichts. Übrigens auch bei den Spielstätten hätte man mehr erwarten können. Knapp 20 Arenen sind enthalten, davon etwa die Hälfte realen Vorbildern nachempfunden, wie etwa die Allianz Arena oder Old Trafford.

Aber das Thema Lizenz war noch nie ein Highlight der Fußballumsetzung von Konami. Und auch bei den Spielmodi schwächelte PES schon immer gerne. Die japanische Lösung daher: Man orientiert sich an der Konkurrenz. So entstand vor einem Jahr etwa der myClub-Modus, der schon frappierend an FIFAs Ultimate Team erinnert. Und genau wie bei der Konkurrenz geht es darum, sich mit Siegen in Off- und Online-Spielen Münzen zu verdienen. Diese steckt man dann wiederum in die direkte Verbesserung des eigenen Teams, wie etwa durch Zukäufe von Spielern oder Trainern. Neu allerdings ist, dass ihr nun bestimmte Spielerstufen angeboten bekommt, auf Kicker, die nur in myClub spielbar sind, zurückgreifen könnt und in den Verkaufslisten auch Teammanager finden werdet. Das Alles macht myClub auch etwas besser, aber an den Spielspaß eines Ultimate Teams des direkten Konkurrenten FIFA kommt Konami auch mit diesen Anpassungen nicht annähernd heran.

Neuer Kommentar, neue Kamera und triste Präsentation

Pro Evolution Soccer 2016 im Test: Gut, besser, PES Quelle: Konami Wie schon bei den diversen Vorgänger trumpft Pro Evolution Soccer vor allem mit den Animationen groß auf. Wie sich die Spieler über den Platz bewegen, wie die Torhüter Bälle parieren und wie sämtliche Verteidigungs- bzw. Angriffsaktionen absolut flüssig ablaufen, kann eigentlich nur begeistern. Nebenbei lässt es das Spiel, die einzelnen Spielsituation und den gesamten Ablauf richtig realistisch wirken. Auch das Spielerdesign ist gelungen und wirkt bei weitem nicht mehr so wachsartig wie noch vor einem Jahr. Absolutes optisches Highlight sind aber die dynamischen Wettereffekte. Hier zeigt die Fox-Engine dann mal wirklich ihre großen Stärken. Die spielerischen Auswirkungen haben wir ja schon gelobt, die grafische Darstellung von Regen & Co. soll hier in nichts nachstehen. Realismus pur – man spürt praktisch jeden Tropfen, wenn es plötzlich leicht zu nieseln beginnt, der Rasen nass wird, Bälle spritzend auf dem Boden aufkommen oder sich saubere Trikots in reinste Dreckwäsche verwandeln. So macht selbst das größte Sauwetter dann richtig Laune.

Weniger Laune macht allerdings die sonstige Präsentation oder anders: Das Drumherum. Es wirkt alles weiterhin sehr farblos, teilweise richtig trist und es fehlt einfach auch an den Details. Das beginnt bei den immer noch ziemlich steifen Jubelszenen, die jetzt übrigens ähnlich wie bei FIFA per Knopfdruck gewählt werden dürfen, und endet bei den extrem trockenen, trotz neuer Kamerapositionen immer noch langweiligen Wiederholungen. Es fehlt der Pep, das Mitreißende und somit eigentlich genau das, was ein FIFA schon seit Jahren bietet.

Pro Evolution Soccer 2016 im Test: Gut, besser, PES Quelle: Konami Ähnliches bei der Akustik. Die Fans, die optisch immer noch eine Frechheit sind, haben zwar nun ein paar neue Soundfiles spendiert bekommen, trotzdem hören wir noch viel zu häufig auch diese stupiden Tonschleifen. Mit Stadionatmosphäre hat das nur sehr wenig zu tun. Aber zumindest kann man den Jubel, den Ärger und die Pfiffe der Zuschauer noch ertragen, was allerdings überhaupt nicht geht, ist der Kommentar. Und das, obwohl Wolff Fuss zur Konkurrenz abgewandert ist und man nun aufgrund neuer Besetzung eine Besserung erwarten hätte können. Ist aber nicht, denn Marco Hagemann, der nun den leeren Stuhl neben Hansi Küpper einnimmt, führt doch tatsächlich die Tradition an miesen Sprüchen in Pro Evo-Spielen fort. Tatsächlich haben es die Entwickler auch im aktuellen Ableger wieder geschafft, uns mit ständigen Wiederholungen, langweiligen Phrasen und kaum zur Spielsituation passenden Kommentaren zu nerven.

Meinung

Wertung zu Pro Evolution Soccer 2016 (PS4)

Wertung:

8.8 /10
Pro & Contra
forderndes Gameplay (für die einen)sinnvolle Neuerungen bringen einen Tick mehr Spieltiefe…wie etwa die verbesserte Spielerkontrolle…oder das angepasste Zweikampfsystemrealistische Ballphysikweiterhin enorme taktische Möglichkeitenklug agierende KIrealistische Wettereffekteoptisch überarbeitete MeisterligaSpielermodelle und Animation
extrem forderndes Gameplay (für die anderen)Torhüter-KI immer noch mit manchen Aussetzernschwache Schiedsrichterspielerisch kennt man viel aus dem Vorgänger…ebenso beim Umfang (myClub usw.)schwache Lizenzen (keine BuLi usw.)weiterhin triste Präsentationveraltetes Stadion- und FandesignKommentar zum Weghören

Bildergalerie

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk