Eine Offenbarung war das letztjährige NHL auf PS4 und Xbox One ganz sicher nicht. Weniger jetzt wegen der spielerischen Ausrichtung, damit waren wir auch schon vor 12 Monaten durchaus zufrieden, nein der geringe Umfang an Spielmodi war es, der uns wirklich verärgerte. Und nun? Macht NHL 16 alles besser? Alles sicher nicht, aber ziemlich viel.
Die vollständige Kontrolle
Nachdem letztes Jahr der große Sprung auf die neue Konsolengeneration erfolgte, inklusive mit den damit verbundenen, weil auch nötigen Anpassungen und Erweiterungen des Gameplays, war es irgendwie nur allzu logisch, dass die spielerischen Änderungen im aktuellen NHL 16 für PS4 und Xbox One wohl eher gering ausfallen würden. Gering ja, aber trotzdem auch spürbar.
Drei Themen standen hierbei wohl ganz weit oben auf der Agenda der Entwickler: Die grundsätzlichen Bewegungen der Stürmer und Verteidiger, die generelle Puck-Annahme und die nicht gerade unwichtige Torraumkontrolle durch den Goalie. Eine besonders wichtige Rolle nimmt diesbezüglich das neue Feature Precision Skating ein, welches euch Spielern, zumindest laut Electronic Arts und somit erstmal rein theoretisch, noch mehr Möglichkeiten bieten soll, Tore zu schießen oder zu verhindern. Praktisch wird euch in NHL 16 dann aber tatsächlich ein Hauch mehr Präzision, mehr Kontrolle und mehr Realismus geboten. Gerade in der Defensive hat man nun den Eindruck durch mehr Einfluss auf die Bewegungen der Eishockeyspieler auf gefährliche Spielsituationen noch direkter reagieren zu können. Etwa wenn man die Passwege des Gegners schnell und effektiv zustellt.
Quelle: EA Sports
Und auch beim Torwartspiel merkt man, dass die Überarbeitung der Skating-Technologie durchaus die eine oder andere Aktion bzw. Reaktion verändert hat. Die Bewegungen innerhalb des Torraums wirken nun authentischer und einen Tick genauer. Eure Entscheidungen, ob ihr einen heranstürmenden Spieler lieber zum Schuss kommen lasst und selbigen eventuell erfolgreich pariert oder ob ihr euch doch sofort Richtung Puck bewegt, um somit den Winkel zu verkürzen, vor allem aber stärkeren Druck auf den Gegner auszuüben, gehen irgendwie leichter von der Hand bzw. vom Controller. Insgesamt wirkt die Steuerung durch die Erweiterung von Precision Skating einfach etwas runder. Allerdings ist diese Anpassung jetzt trotzdem nicht so groß, dass nun ein komplett neues Spielgefühl erzeugt werden würde. Gerade Gelegenheitsspieler werden sich fragen: Was soll sich geändert haben?
Da fällt dann schon mehr auf, dass auch die Puck-Annahme überarbeitet wurde. In NHL 16 erfolgt die Aufnahme der Hartgummischeibe praktisch ohne irgendwelche Übergänge. Pässe oder freie Pucks können von euch noch schneller kontrolliert, vor allem aber noch schneller weiterverarbeitet werden. Logisch, dass sich somit, natürlich weiterhin extrem abhängig von den grundsätzlichen Fähigkeiten eures Spielers, in der aktuelle Umsetzung noch mehr Möglichkeiten in der Offensive beim Herausspielen von Torchancen und in der Defensive beim Verhindern der selbigen ergeben. Hier wurde eine gute Balance gefunden, die eigentlich keine der beiden Bereiche wirklich bevorteilt. Aber das war größtenteils auch beim Vorgänger bereits schon so.
Ebenfalls bereits aus NHL 15 bekannt ist die sehr klug spielende Gegner-KI. Gerade in den höheren Schwierigkeitsgraden sind Siege daher wirklich harte Arbeit. Die CPU glänzt dann mit einer Verteidigung, die nicht nur extrem aggressiv, sondern auch immer zur Situation passend reagiert. Und auch in punkto Angriff werdet ihr aufgrund der durchdachten Spielzüge kaum mehr aus dem Staunen herauskommen. Trotzdem, unfair wird das Spiel eigentlich nie und mit dem entsprechenden Training kann man durchaus Paroli bieten. Einzig die durch den Rechner gesteuerten Goalie sind manchmal, zumindest unserer Meinung nach, etwas zu stark und etwas zu fehlerfrei. Da ist es dann sehr gut, dass die KI eben auch bei den Mitspielern tadellos funktioniert und ihr eigentlich immer mit logischen Aktionen rechnen könnt. Nur sehr selten sieht man den einen oder anderen Aussetzer im Stile von nerviger Arbeitsverweigerung. Die meiste Zeit hingegen kann man sich auf die CPU-Teamkollegen verlassen und ist häufig sogar richtige begeistert, wie die Verteidiger nach den Taktikvorgaben Lauf- und Passwege zustellen oder sich die Stürmer entsprechend klug anbieten.Ein Modus für jeden Eishockeyfan
Einzelspieler werden aufgrund der spielerischen Forderung mit NHL 16 also durchaus ihren Spaß haben. Richtige Stimmung bringt der Titel aber ins heimische Wohnzimmer, wenn ihr euch ein paar Freunde als Mitspieler, online oder offline, schnappt und zu mehreren ins Eishockeyvergnügen stürzt. Warum? Einfach weil uns die aktuelle Umsetzung eine enorme Auswahl an den entsprechenden Spielvarianten bietet.
Offline beschränkt sich der Multiplayer hierbei zwar auf ein simples "Jetzt spielen", online dafür bietet euch der Titel praktisch die volle Packung an Spielmodi. So findet ihr im Menü etwa wieder die fordernde EA Sports Hockey League. Wie gehabt dürft ihr euch hier mit selbsterstellten Spielern in selbsterstellten Teams in der namensgebenden Liga messen. Neu allerdings, dass ihr eurem Alter-Ego nun spezielle Spielerklassen zuweisen könnt, die ihr dann durch die jeweils Klassentypischen Fähigkeiten unterschiedlich verbessert. Fordert und bringt Spaß, wie auch das Online-Teamspiel mit bis zu 12 Spielern, der neue Online-Couch-Koop für zwei User und der bekannte Single-Online-VS. Alle diese Spielmodi haben nur ein Ziel: In rasanten Ranglistenspielen um den Sieg, die Ehre und natürlich viele Punkte zu kämpfen.
Quelle: EA Sports
Auch wieder vorhanden, und zwar nahezu unverändert, die Spielvariante Hockey Ultimate Team. Wie bereits vor einem Jahr erstellt ihr euch auch in NHL 16 in dem Kartensammelmodus nach bekannten Schema euer ganz eigenes Team und führt selbiges durch eine gesamte Saison samt abschließenden Playoffs oder in einfache Duelle gegen andere Spieler. Neu hierbei ist, dass ihr nun innerhalb von HUT auch eine Einzelspieler-Saison, offline und nur gegen die CPU, absolvieren könnt. Logischer Hintergrund für diese neue Möglichkeit ist, dass ihr damit eure Mannschaft verbessern könnt, indem ihr bereits vor den großen Herausforderungen in den diversen Online-Ligen offline bessere Spieler oder Fähigkeiten erspielt. Aber auch diese Erweiterung ändert nichts am grundsätzlichen Ablauf des Ultimate Team Modus. D. h. mit Erfolgen verdient ihr euch die mittlerweile mehr als bekannten Münzen und somit die Mittel, um über Kartenpacks Verbesserungen für euer Team oder für euren virtuellen Geldbeutel zu generieren. HUT bleibt somit auch weiterhin der wohl tiefgängiges Spielmodus in NHL.
Tiefgängig ist übrigens ein gutes Stichwort – und damit verlassen wir die Onlinewelt und kommen wieder zu den Solovarianten. Extrem fordernd, vor allem aber auch extrem umfangreich war lange Jahre der Karrieremodus. Bis vor 12 Monaten. Dann machte der Vorgänger (PS4 / Xbox One) in punkto Umfang so ziemlich alles verkehrt, was man verkehrt machen konnte. Etwa bei den bis aufs nötige zusammengestrichenen Spielvarianten Be a GM und Be a Pro. Doch mit NHL 16 ist Besserung in Sicht, denn die Entwickler spendieren gerade diesen beiden Karrieren einige Erweiterungen, die zumindest wieder ein wenig an die längst vergessenen Inhalte erinnern. Als Spieler startet ihr im aktuellen Ableger beispielsweise den Weg vom Rookie zum neuen NHL-Superstar wieder in der Nachwuchsklasse CHL. Und auch das Entwicklungssystem eures Alter-Egos wurde deutlich verbessert. Aktionen auf den Eis wirken sich unmittelbarer auf die Attribute aus, so dass man Fortschritte an der Spielweise somit gleich zu sehen bekommt. Als Manager (Be a GM) bekommt ihr nun das Feature Spielermoral geboten. Hat es zwar schon mal in ähnlicher Form gegeben, was allerdings auch nichts daran ändert, dass es eine sehr sinnvolle Erweiterung ist. Wie stelle ich eine Reihe passend zusammen? Verstehen sich die Spieler? Wie ist das Verhältnis untereinander? Oder will jemand zu einem anderen Team wechseln? Alles Fragen, die man sich in NHL 16 nun stellen muss, will man eine funktionierende und somit erfolgreiche Mannschaft zusammenstellen. Aber Spielermoral hin oder her, insgesamt können beide Karrieren immer noch nicht an die vergangenen Umfänge, etwa aus einem NHL 14, heranreichen – und auch, dass es etwa weiterhin nicht möglich ist eine Karriere außerhalb Nordamerikas zu starten, trotz der diversen Lizenzen europäischer Ligen, darunter wie üblich auch die DEL, enttäuscht ein wenig.
Etwas abmildern kann diese Enttäuschung allerdings, dass es wieder den kompletten Saisonmodus und eine Herausforderungsvariante zum Thema Eishockey gibt. Im so genannten NHL Moments Live könnt ihr, wie der Name schon vermuten lässt, Highlights aus vergangenen Spielen der längeren oder kürzeren Vergangenheit nacherleben bzw. nachspielen. Nach dem bekannten Schema werden euch hierbei Aufgaben a la Niederlage abwenden oder Führung verteidigen aus realen Spielen der letzten Jahrzehnte geboten. Aber nicht nur. EA verspricht auch, immer mal wieder gerade erst Geschehenes aus der aktuellen Saison, einzuspielen. Alles nicht wirklich neu, aber wer mal etwas kurzweilige Unterhaltung sucht, wird hier sicher den nötigen Spielspaß finden.
Genieße den Spieltag
Auch an der Optik wurde ein wenig gefeilt, wenn auch weit weniger als etwa beim Umfang. Prunkstück ist immer noch die Präsentation des Spieles selbst. Unzählige Zwischensequenzen von Spielern, Trainern und Fans, ständiges Einblenden von allen noch so unwichtigen Statistiken und dynamische Kamerapositionen lassen uns von den ersten Augenblicken an komplett ins Spielgeschehen eintauchen. Alles wirkt sehr amerikanisch, alles wirkt sehr authentisch. Trotzdem an die Grafik des gerade erschienen FIFA oder Madden NFL will der Titel, obwohl als Basis die gleiche Engine diente, nicht wirklich herankommen. Dazu wirken gerade die Großaufnahmen, mancher Schwenk über die Eisfläche und vor allem die diversen Wiederholungen immer noch zu steif und zu trist. Realistisch ist hingegen, dass sich die Spieler nun die obligatorischen Playoff-Bärte wachsen lassen – also mit Näherkommen der Finals die Gesichtsbehaarung deutlich zunimmt. Überhaupt sind die Spielermodelle recht gut gelungen und auch die Animationen der Eishockeyspieler lassen eigentlich kaum Raum für Kritik. Ein paar ungelenke Bewegungen bekommt man zwar immer noch zu sehen, aber alles im geringen, daher durchaus vertretbaren Maße. Nerven tun eigentlich in diesem Zusammenhang nur die immer noch sehr häufig auftretenden Clippingfehler. Warum das die Entwickler nicht in den Griff bekommen, können wir mittlerweile nicht mehr verstehen.
Quelle: EA Sports
Den Kommentar werden manche übrigens auch nicht verstehen, schlicht weil selbiger nur in englischer Sprache vorhanden ist. Obwohl das Spiel lokalisiert wurde, also deutsche Texte integriert sind, die Reporter gibt es auch in NHL 16 nur im englischen Original. Und leider gibt es noch ein Problem: Obwohl nun der Kommentar ein paar storybasierte Elemente spendiert bekommen hat, kennt man viele der Sprüche bereits aus dem Vorgänger. Noch schlimmer allerdings, es dauert nur ein paar Spiele, dann hat man praktisch alles schon gehört, was die Kommentatoren Mike Emrick, Eddie Olczyk und Ray Ferraro so von sich geben.
Technisch gibt es an NHL 16 aber grundsätzlich trotzdem nichts zu meckern. Die Framerate bleibt, auch bei den Online-Spielen, immer auf konstantem Niveau und die störenden Ruckler sind höchstens mal in einer Zwischensequenz wirklich auffallend zu sehen. Schön auch, dass die Ladezeiten, in den letzten Titeln von EA Sports ja immer mal wieder größere Aufreger, in der aktuellen Eishockeyumsetzung durchaus moderate und somit vertretbare Längen aufweisen.
Auf PS3 und Xbox360 gibt es nur eine Legacy Edition
Auf PS3 und Xbox360 gibt es heuer nur eine datenaktualisierte Version. Die so genannte NHL Legacy Edition bietet euch somit zwar alle aktuellen Roster, alle aktuellen Spieler und alle sonstigen Änderungen bezüglich der Mannschaften, mehr aber auch schon nicht. Allerdings bekommt man trotzdem, gerade in punkto Inhalt, teilweise sogar mehr geboten als auf der aktuellen Hardware. Genannt sei hier exemplarisch der Karrieremodus, der einfach alles beinhaltet, was uns auf PS4 und Xbox One teilweise richtig abgeht. Spielerisch allerdings merkt man dem Last-Gen-NHL einfach schön langsam an, dass es in die Jahre gekommen ist und die wohlverdiente Videospiel-Rente deutlich ruft.
