Project Zero 5: Priesterin des schwarzen Wassers im Gruseltest

Test Andreas Keser
Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (20)
Quelle: Koei Tecmo

Das WiiU-Gamepad wird zur Camera Obscura! Ob es sich dabei um eine innovative Neuerung oder einen Schlag ins Wasser handelt, verrät unser Test.

Im Genre des Survival-Horrors gibt es die wahren Blockbuster, die jeder kennt und es gibt so einige miese Kopien. Bei Namen wie Resident Evil oder Silent Hill, wissen selbst Horrormuffel, was man sich darunter vorstellen kann, während Project Zero bislang eher ein Nischendasein fristen musste und noch nicht einmal alle Teile in Deutschland erschienen sind. Nichtsdestotrotz war die Serie bislang alles andere als ein billiger Abklatsch oder minderwertiger Gruselspaß, denn durch die einzigartige Spielmechanik, die komplett auf brachiale Waffengewalt verzichtet, wurde eine ganz andere Form von Horror erzeugt. Doch ist es Tecmo mit dem neusten Ableger auch gelungen, diesen einzigartigen Charme und das interessante Konzept, rechtzeitig zu Halloween, auf die WiiU zu übertragen?

Die Camera Obscura direkt in euren Händen

Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (29) Quelle: Koei Tecmo Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (29) Wer Project Zero schon ein bisschen kennt, der wird bei der Ankündigung für die WiiU vermutlich gejubelt haben. Eure einzige "Waffe" ist ja bekanntlich eine alte Camera (die Camera Obscura), welche ihr auf übernatürliche Erscheinungen richten müsst, um diesen Einhalt zu gebieten. Bislang musste man das stets per Analogsticks erledigen, was ok war, aber nicht immer wirklich intuitiv. Auf der WiiU hat man die Camera Obscura aber quasi direkt in real life in der Hand, da das Gamepad eine ähnliche Form und Größe hat wie eure virtuelle Old-school-cam und somit eigentlich dafür prädestiniert ist, als vermeintliche Camera zu dienen. Anstatt per Sticks, dürft ihr einfach das Gamepad vor euch halten, die X-Taste betätigen, um in den Camera-Modus zu wechseln und dann frei nach links, recht, oben oder unten schwenken. Es lohnt sich dabei aber auf das Display des Controllers zu spicken, denn nur dort wird euch angezeigt, welche Schwachstellen ein auftauchender Geist eigentlich hat.

Das Kampfsystem ist ansonsten nahezu identisch wie früher. Hat man einen Geist ins Visier genommen, muss man nur noch auf das perfekte Foto warten und genau im richtigen Moment abdrücken. Möchte man einen Fatal Frame erzielen, muss man seine sichere Deckung aufgeben und nicht einfach ein Foto nach dem anderen schießen, sondern warten, bis der Geist auf einen zu stürmt. Erst im letzten Moment sollte man dann den Abzug betätigen und wenn das Timing stimmt, dann wird man die furchteinflößenden Erscheinungen mittels Todesfoto besonders schnell wieder los. Ein gewisses Risiko ist aber natürlich nicht von der Hand zu weisen. Ansonsten ist es äußerst ratsam darauf zu achten, was um den Geist so herum schwirrt. Mit jedem "Treffer" fliegen nämlich plötzlich verschiedenste Dinge umher und je mehr man mit auf das Foto bekommt, desto größer der Schaden.

Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (25) Quelle: Koei Tecmo Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (25) Im späteren Verlauf des Spiels kann man seine Camera noch ein wenig aufrüsten, sodass die "Nachladezeit", bis man das nächste Foto schießen kann, die Kraft der Fotos und auch die Reichweite, verbessert werden. Natürlich lassen sich auch Filme einlegen, die in ihrer Effektivität variieren und mit verschiedenen Filtern kann man zudem seine Fähigkeiten erweitern. Je nach Charakter ist das auch nochmal leicht unterschiedlich.

Drei Charaktere, ein grausamer Suizid-Berg

Die Geschichte wird abwechslungsweise von drei verschiedenen Charakteren erzählt: Miu, Yuri und Ren. Sie alle werden in die Geschehnisse auf dem fürchterlichen Hikami-Berg verstrickt. Dieser gilt als ein beliebtes Ziel für labile Menschen, die in ihrem Leben nicht mehr sonderlich viel Sinn sehen. Des nachts kommt es häufiger vor, dass Selbstmordgefährdete den mysteriösen Berg aufsuchen, um gemeinsam oder alleine den Weg in den Tod zu beschreiten. Die grausame Legende einer Priesterin, gibt dem Ort eine übernatürliche Note und übt dadurch eine gewisse Faszination aus. Man erzählt sich nämlich, dass einst eine Priesterin von ihrem Geliebten, den sie zurückgewiesen hat, skrupellos ermordet und in den Fluss geworfen wurde. Angeblich habe er alle anderen Priesterinnen direkt ebenso niedergemetzelt und schließlich dann sich selbst. Wenn man nicht die Absicht hat, seinem Leben vorzeitig ein Ende zu setzen, sollte man sich lieber fern halten vom Suizid-Berg. Doch Yuri, Ren und Miu bleibt kaum eine Wahl, da sie Dingen nachgehen müssen, die sie sonst in den Wahnsinn treiben würden. Und so begeben sie sich also auf den Hikami. Wieder, und wieder... und wieder... und wieder...Backtracking als Meisterdisziplin

Die Stimmung, wenn man sich das erste mal durch die Wälder des Hikami-Berges schleicht, ist beklemmend, angespannt, gruselig, aufregend...

Durch die makabre Vorgeschichte, stellt man sich bereits auf das Schlimmste ein und wird zunächst nicht enttäuscht. Bei dem Wetter würde man keinen Hund vor die Türe schicken (und als vernünftiges japanisches Mädchen eigentlich auch nicht im knappen Röckchen alleine auf einen Suizid-Berg gehen), denn der Regen peitscht ins Gesicht und auf die bald schon durchtränkten Kleider. Diese sind mitunter ziemlich knapp und es lassen sich noch weitere Outfits freispielen (z.B. die Robe von Prinzessin Zelda oder der superenge sexy Catsuit von Samus Aran...).

Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (19) Quelle: Koei Tecmo Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (19) Yuri sucht nach einem Mädchen, das sie immer wieder in kurzen Visionen oder als blasse Gestalt in der Ferne erkennen kann. Sie versucht ihr zu folgen und stößt auf so manch schreckliche Gestalt, die sich wie aus dem Nichts auf sie stürzt. Die Atmosphäre ist einzigartig und durch die beklemmende Soundkulisse und die hübsche Grafik, wird das alles bestens untermauert. Man kann die Regentropfen auf ihrer Haut erkennen und sich richtig vorstellen, wie nass und kalt das sein muss. Die Geschichte nimmt ein wenig Fahrt auf, man erlebt so manch schaurige Momente und ist richtig gespannt, wie es wohl weiter geht. Den Berg verlässt man zunächst und startet seine Reise mit einem der anderen Charaktere. Später muss man allerdings wieder zum Berg zurückkehren und teils bekannte Szenarien nochmals durchleben. Anfangs mag das noch ok sein, aber leider häuft sich das im Laufe des Spiels immer mehr. Man läuft immer wieder durch die gleichen Wälder, kommt immer wieder an den gleichen Weggabelungen vorbei und kämpft immer wieder mit ähnlichen Geistern. Das ist eine große Schwachstelle des Spiels, da es der eigentlich tollen Stimmung und der beklemmenden Geschichte dieses Schauplatzes, ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt. Man ist irgendwann recht vertraut damit und rennt nur noch so durch die Gruselkulissen. Unheimlich? Fehlanzeige! Irgendwann ist es nur noch nervig! Das alles wäre ja auch noch irgendwie zu ertragen, wenn man dafür wenigstens tolle Rätsel präsentiert bekäme, aber auch die gibt es nicht. Meist sammelt man irgendwelche Schlüssel ein, öffnet Türen, rettet Personen oder hetzt einfach von A nach B.

Gruselig? Jein... Schwierig? Jein... Umfangreich? Jein...

Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (15) Quelle: Koei Tecmo Project Zero: Priesterin des schwarzen Wassers (15) Durch das viele Backtracking ist das Spiel an sich zwar recht umfangreich, aber stellenweise nicht mehr so gruselig, wie es eigentlich sein könnte. Mit der neuen Funktion, dass man die Camera direkt in der (realen) Hand hält, hat man alles ganz gut im Griff (was für ein Wortspiel) und die Kontrolle über das Geschehen, aber durch die etwas trägen Bewegungen der Hauptcharaktere, relativiert sich das wieder. Will man an einem Geist vorbei rennen und sich dann wieder so hinstellen, dass man ihn perfekt vor der Linse hat, braucht das einige wertvolle Sekunden. Besonders bei mehreren Geistern kann das manchmal recht schwierig werden. Insgesamt wird es euch aber an vielen Stellen wiederum auch enorm leicht gemacht. Es gibt genügend Checkpoints und man wird geradezu überschüttet mit Heilkräutern und Munition. Ich muss ja wirklich sagen, dass ich zum "Munition-Heilmittel-Gegneraufkommen-Verhältnis" in Survival-Horror-Games eine wahre Hassliebe aufgebaut habe. Einerseits nervt es wie die Pest, wenn man mit der letzten Munition, wenig Energie und meilenweit von der letzten Speicherstelle entfernt irgendwo herumgurkt. Aber hat nicht andererseits gerade das einen gewissen Schauder auf dem Rücken ausgemacht? Diese ständige Angst, den Gegnern hinter der nächste Ecke nicht gewachsen zu sein oder mit dem bisschen Energie nicht mehr zum nächsten Checkpoint zu kommen...

Diese Angst fällt bei Project Zero definitiv weg. Man hat mehr als genug Items und kann notfalls auch noch ständig welche nachkaufen. Das ist irgendwie schade, zumal es ja eigentlich sogar noch einen einfacheren Modus gäbe, den man jeweils vor einer Mission anwählen könnte. So wird es eher zu einem schaurigen Spaziergang, bei dem einem zu keiner Zeit so wirklich Gefahr droht.

Meinung

Wertung zu Project Zero: Maiden of Black Water (WiiU)

Wertung:

7.6 /10
Pro & Contra
noch immer ein tolles „andersartiges“ KonzeptGamepad macht sich als Camera Obscura primatolle Atmosphäregruselige Stimmung auf dem Suizid-Bergbeklemmende Zwischensequenzenherrlich japanisch (Look & Art des Horrors)drei HauptcharaktereGrafik ganz ordentlich (Charaktermodelle)Soundkulisse trägt meist positiv zur Stimmung beiman ist einige Stunden beschäftigtauch für Anfänger gut machbar (viele Hinweise, Gegenstände...)
für erfahrene Spieler teils recht leichtextrem viel BacktrackingOrte, die mehrfach besucht werden, verlieren an GruselFlut an Hilfsmitteln nimmt ein wenig die AngstBewegungen der Charaktere teils etwas schwerfälligspielerisch wenige Unterschiede zwischen den Charakteren
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