Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst

Test Michael Sosinka
Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst
Quelle: Microsoft

Wenn ein Spiel so gehypt wird wie Halo 5: Guardians, dann sind die Erwartungen entsprechend hoch. Der Shooter ist wieder ein tolles Spiel, aber die Kampagne enttäuscht auf hohem Niveau und irgendwie hat man schon alles in vorherigen Teilen gesehen. Neuerungen gibt es aber durchaus und der Multiplayer ist wieder fantastisch.

Locke vs. Master Chief?

Ich werden hier zwar nicht im Detail auf die Story von Halo 5: Guardians eingehen, aber ich möchte die offizielle Marketing-Kampagne etwas entkräften, denn die zeigt eigentlich ein völlig falsches Bild von der Geschichte. Falls ihr erwartet, dass es vor allem darum geht, dass Spartan Locke auf die Jagd nach dem Master Chief geht, dann müsst ihr umdenken. Am Anfang wird Locke durchaus auf die Suche nach dem Chief geschickt, aber ein erbitterter Kampf wird daraus nicht und die Story dreht sich eigentlich schon in den ersten 1-2 Stunden in eine ganz andere Richtung.

Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst Quelle: Microsoft Ansonsten kocht 343 Industries auch nur mit Wasser. So dramatisch wie in der Marketing-Kampage fällt die Handlung leider nicht aus. Es muss mal wieder das Universum gerettet werden, was manchmal etwas wirr erzählt wird und für Anfänger ohnehin kaum verständlich sein dürfte. Als Einstieg in das Franchise sollte vorher Halo: The Master Chief Collection durchgespielt werden. Und selbst dann ist es manchmal schwer, alle Verbindungen zu erkennen. Da hilft es wohl, Bücher, Serien und Co. zu konsumieren. Die Inszenierung der Story ist ansonsten recht gewöhnlich. Es gibt ein paar Höhepunkte, man wird gut bei Laune gehalten, aber bei dem ganzen Hype um Locke vs. Spartan 117 habe ich einfach mehr gewartet. Irgendwie kommt die Story einfach nicht aus den Puschen. Zudem gibt es den übelsten Cliffhanger seit Halo 2. Da wundert es mich gar nicht, dass 343 Industries in Interviews gesagt hat, dass man bereits weiß, wie es mit Halo 6 weiter gehen wird. Das ist auch kein Wunder, denn die Handlung hört einfach mittendrin an. Das ist sehr unbefriedigend.

Halo bleibt Halo

Eine große Gameplay-Revolution darf man bei Halo 5: Guardians nicht erwarten. Halo spielt sich wie Halo. Eine der Unterschiede ist dieses Mal, dass die Hauptcharaktere Locke und Chief jeweils mit drei Team-Kollegen unterwegs sind. Diese werden entweder von der KI oder anderen Spielern gesteuert. Während John früher fast ausschließlich mit Cortana kommuniziert hat, wird jetzt mit Team Osiris oder Team Blue gequatscht. Wahrscheinlich haben die Begleiter in der Lore von Halo eine wichtige und tiefgründige Bedeutung/Rolle, ich habe die Bücher und das Drumherum eher weniger beachtet, aber im Spiel verkommen sie zu Statisten ohne Tiefgang. Auch Spartan Locke bleibt blass und ist einfach nur ein 08/15-Held. In der Kampagne spielt man Locke und den Master Chief, aber Spartan 117 gerät dieses Mal fast schon zu einer Nebenfigur. Mit Locke ist man viel häufiger unterwegs. Witzig: Team Osiris, das Team von Locke, nimmt gerne mal die Helme ab, das Team Blau von Master Chief lässt sie immer auf, wohl aus Solidarität.

Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst Quelle: Microsoft Man fährt mit dem Warthog, setzt sich in diverse Fluggeräte und ballert sich mit dem Panzer durch Massen von Gegnern. Auch das Gunplay zeigt sich auf seine gewohnte Art und Weise. Man möchte fast meinen, dass 343 Industries einfach eine Checkliste mit bekannten Gameplay-Elementen abgearbeitet hat, mit dem Unterschied, dass die Areale dieses Mal weniger weitläufig ausfallen. Zwar gibt es immer noch verschiedene Wege, um die Herangehensweise zu variieren, aber das ist nicht mehr in so großem Umfang wie früher möglich. Aber versteht mich nicht falsch, Halo 5 spielt sich immer noch sehr gut, am besten mit drei menschlichen Mitspielern, denn die KI hat so ihre Macken. Man kann ihr zwar Angriffsbefehle geben, aber vor allem in den höheren Schwierigkeitsgraden vermisse ich die nötige Effektivität.

Ein wenig Neues darf es auch sein

Neue Waffen, Gegner, Fahrzeuge, all das gibt es in Halo 5: Guardians, aber das lockt auch niemanden mehr hervor. Eine der größeren Neuerungen sind die Schubdüsen, die von den Spartans benutzt werden. Mit denen kann man Rammangriffe vollführen, von oben auf den Gegner krachen, schnelle Ausweichmanöver durchführen, durch Wände brechen und weiter springen. Das bringt etwas frischen Wind in das Gameplay, vor allem im Multiplayer. Dieses Mal können die Spartans sogar an Vorsprüngen hochklettern.

Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst Quelle: Microsoft Neu ist ebenfalls, dass man mit allen Waffen über Kimme und Korn zielen kann. Die Tastenbelegungen wurde in den Standard-Einstellungen angepasst, was zu einer kleinen Umgewöhnung führt. Es gibt durchaus einige neue Impulse, aber insgesamt bleibt es im Großen und Ganzen beim gewohnten Gameplay. Wer vorherige Teile gemocht hat, wird auch dieses Mal gut bedient, aber mir fehlt ein bedeutender Schritt nach vorne, denn irgendwann riskiert Microsoft, dass sich die Serie platt läuft. Umfangreich ist die Kampagne übrigens nicht. Nach 8-10 Stunden, je nach Schwierigkeitsgrad, ist der Spaß wieder vorbei. Und irgendwie ist man ernüchtert, zumindest auf hohem Niveau. Dabei möchte ich nochmals klarstellen: Ich nenne zwar viele negative Punkte, aber Halo 5: Guardians ist immer noch ein verdammt gutes Spiel.

Technisch gelungen

Die Halo-Reihe war nie dafür bekannt, dass sie absolute High-End-Technik mit den schärfsten Texturen und den modernsten Lichteffekten nutzt. Doch die Halo-Serie konnte schon immer mit dem Design der fremdartigen Welten mit all ihren Details überzeugen. Ob düstere Raumstationen, kalt wirkende Aliengebilde oder exotische Planeten mit merkwürdiger Flora und Fauna, Halo 5 bietet reichlich Abwechslung. Manchmal lädt Halo zum verweilen ein. Es gibt viel zu sehen, und das stets in flüssigen 60 Bildern pro Sekunde. Selbst wenn viel los ist, kommt nichts ins ruckeln, was einer variablen Auflösung zu verdanken ist. Je nach Situation wird sie hoch oder herunter geschraubt.Andererseits muss man bemerken, dass der Sprung von Halo 4 zu Halo 5 gar nicht so groß ausfällt. Vom ersten echten Halo für die Xbox One hätte ich am Ende dann doch einen Tick mehr erwartet. Wow-Effekte bleiben meistens aus, aber keine Sorge, Halo 5 sieht verdammt schick aus. Technisch ist die Umsetzung absolut sauber. Der Soundtrack ist ebenfalls wieder von bester Qualität, ebenso wie die deutsche Sprachausgabe. Die Schlachten werden also auch für die Ohren bestens präsentiert. Man ist sofort drin, im Sci-Fi-Universum, was übrigens zusätzlich an den extrem gut aussehenden Cutscenes liegt. Davon hätte ich gerne mehr gesehen.

Multiplayer im Fokus

Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst Quelle: Microsoft Der Multiplayer-Part ist wohl das Kernstück des Shooters, der dieses Mal in zwei große Spielvarianten aufgeteilt wurde, Arena und Kriegsgebiet. Dafür wurden bekannte Modi gestrichen. Arcade, Firefight und Spartan Ops sind nicht mehr dabei. Das gilt ebenfalls für eine LAN-Unterstützung und den Splitscreen (fehlt auch im Koop). Zum Arena-Modus muss man eigentlich nicht viel sagen, denn hier kämpfen vier gegen vier Spieler auf kompakten Maps in diversen Spielvarianten (Team-Deathmatch, Capture-the-Flag usw.) Man bekommt klassisches und sehr schnelles Shooter-Gameplay geboten. Jeder Spieler startet mit einer identischen Ausrüstung und muss die Waffen erst auf der Map finden.

Kriegsgebiet ist da schon ein ganz anderes Kaliber, das sogar an MOBAs erinnert. Hier werden die Schlachten auf weitläufigen und dynamischen Arealen ausgetragen, mit Fahrzeugen und allem drum und dran. Neben bis zu 24 menschlichen Spielern tummeln sich zusätzlich KI-Gegner und sogar Boss-Gegner auf den Maps, was die Schlachtfelder sehr lebendig wirken lässt. Ziel eines Matches ist es, 1.000 Punkte zu erreichen. Die bekommt man für Kills (auch KI) sowie das Erobern von Stützpunkten. Alternativ kann man den Reaktor-Kern des Feindes zerstören, wenn man vorher alle Stützpunkte erobert. Die Schlachten spielen sich sehr abwechslungsreich und verlaufen immer wieder anders. Steigt man im Level auf, werden mächtigeren Waffen, Attacken und Fahrzeuge freigeschaltet.

Halo 5: Guardians im Test: Master Chief wird abgelöst Quelle: Microsft Zudem verdient man REQ-Packs (Bronze, Silber und Gold), die sich übrigens auch mit Echtgeld (Mikrotransaktionen) kaufen lassen. Sie enthalten zufällige Karten für Vehikel, Waffen, Extras wie zusätzlich Schildenergie oder Geschwindigkeits-Boost, Zoom-Visiere sowie visuelle Aufhübschungen. Wer zusätzliches Geld ausgibt, hat natürlich eine größere Chance auf bessere Karten, was den Sieg durchaus wahrscheinlicher machen kann. Aber auch ohne die Mikrotransaktionen kommt man ganz gut klar. Egal ob Arena oder Kriegsgebiet, es gibt viele Spielmodi sowie abwechslungsreiche Karten, bisher hat die Technik nicht gestreikt und man kann von einer gehörigen Langzeitmotivation ausgehen. Zudem wird ein kostenloser Map-Nachschub versprochen.

Meinung

Wertung zu Halo 5: Guardians (XBO)

Wertung:

8.5 /10
Pro & Contra
Viel Action mit FahrzeugenHalo Fans bekommen ihr Lieblingsspiel, wie sie es kennenEinige Neuerungen (Schubdüsen, Waffen, Fahrzeuge)Kampagne kooperativ spielbartechnisch sehr saubere Umsetzungteils geniale Cutscenestoller Soundumfangreicher und motivierender Multiplayer
Story etwas zu mauböser CliffhangerLocke und die neuen Charaktere bleiben blassMaster Chief gelangt etwas ins HintertreffenKampagne schnell vorbei und ein paar mehr Höhepunkte fehlenAreale nicht mehr so weitläufigKI mit Schwächenkein Splitscreen
Fazit

Technik schick und sauber, aber kein großer Sprung nach vorne.

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