Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform

Test Alexander Schneider
Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform
Quelle: PC Games Hardware/Raff

Alle Jahre wieder kommt Call of Duty. Dieses Jahr ist Black Ops dran. Es ist das dritte seiner Art und das 12. Call of Duty-Hauptspiel. Was ist neu, was ist anders, was ist gleich? Bietet die Kampagne mehr als stumpfe Action und kann der Klassenprimus den Thron der Online-Shooter erfolgreich verteidigen? Als ehemaliger Call of Duty-Spieler in Vollzeit, Battlefield-Veteran und Fan zugleich, bin ich ausnahmsweise einmal fremdgegangen. Und ich habe es nicht bereut...

Wir schreiben das Jahr 2065...

… und mit dem Weltfrieden klappt es immer noch nicht so recht. Genau genommen noch weniger, als heute. Treyarch sieht schwarz für die Menschheit und zeichnet ein düsteres, dystopisches Zukunftsbild. Konflikte werden meist auf dem Boden von Supersoldaten, Robotern und Mechs ausgetragen. Als Teil der Black Ops-Division mische ich natürlich ganz vorne mit. Das Spiel bietet dabei Möglichkeit zur Personalisierung: Ich entscheide zwischen einem männlichen oder weiblichen Charakter und passe auch die optische Erscheinung etwas an. Nach einer gehörig schief gegangenen Mission überlebe ich nur schwer verletzt; mein Körper wurde verstümmelt. In einer brutalen Sequenz – und davon gibt es in Black Ops 3 reichlich – reißt mir ein Roboter beide Arme aus und lässt mich schwer blutend irgendwo in Ägypten liegen. Kurz bevor mir Schwarz vor Augen wird, rettet mich mein Kollege und gibt mir damit die Chance von vorne zu beginnen.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Dank Hightech, und einer Gruppe Ärzte aus der Schweiz, werde ich in Zürich zu einem Supersoldaten mit reichlich abgefahrenen Fähigkeiten zusammengeflickt. Zwar ist das Internet im Jahr 2065 kein Neuland mehr, die skurrilen Fähigkeiten für mich aber schon. Nach der Operation jagt mich die Kampagne durch ein mehrteiliges, spannendes Tutorial in dem mir anhand eines vorangegangenen Terroranschlags verdeutlicht wird, wie ich diesen mit meinen Kräften hätte verhindern können. Nebenbei werden auch einige der Nebencharaktere eingeführt, die im weiteren Verlauf unterschiedlich wichtige Rollen übernehmen. Ich will die Kampagne nicht zu sehr spoilern, so viel aber sei gesagt: Treyarch tischt eine spannende Geschichte auf, in der – Überraschung – nicht nur eine Verschwörung und Cyber-Terror eine Rolle spielen, sondern auch die Grenzen zwischen Freund und Feind im ständigen Fluss sind.

Gekrönt wird dies durch teilweise unnötig übertriebene Brutalität, aber das braucht man wahrscheinlich, um heutzutage zu den coolen Shootern zu gehören. Ich persönlich verstehe zumindest nicht, wieso man mit ansehen muss, wie jemand kaltblütig verbrannt wird. Trotz mehrerer, gezwungen cooler Momente fesselt die Kampagne aber von Anfang bis zum Ende. Der Schluss hat mich etwas verwirrt, aber eines wurde zumindest festgehalten: bei Battlefield klappt das mit der Geschichte nicht mal halb so gut. Bis ich den Abspann gesehen habe, habe ich ca. 9 Stunden mit der Handlung verbracht und hatte ich erst eine von zwei Kampagnen abgeschlossen. Black Ops 3 erzählt noch eine weitere Geschichte, auf Basis der ersten Kampagne. Das spielt man auch viel lieber, als lediglich die selbe Kampagne auf einem höheren Schwierigkeitsgrad. Die Level sind anders angeordnet, die Erzählung springt ein paar Jahre nach vorne und Zombies gibt es auch noch. Zwei Kampagnen, sowohl alleine als auch kooperativ spielbar, sind ein Statement an die Spieler: Black Ops kann mehr, als neue Level und Waffen für den Online-Modus zu liefern.

Kooperativ, breit und abwechslungsreich

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Aber wie fühlt sich das Abenteuer nun an? Besser, als ich mir anfangs eingestehen wollte. Ich habe Schlauchlevel und stupide Schießbuden-Gegner erwartet. Stattdessen ballere ich mich meist durch weitläufige Areale, in denen ich diverse Möglichkeiten habe, um voranzukommen. Was soll es sein? Durch die Mitte preschen, von oben aus der Distanz ballern oder doch beides kombinieren? Das Spiel schreit geradezu danach, im Team durchgespielt zu werden. Während zwei Soldaten durch die Mitte preschen, gibt es von den oberen Ebenen Deckungsfeuer. Herrlich! Deckungsmöglichkeiten gibt es auch mehr als genug, sie sollten aber mit Bedacht gewählt werden, da nicht alle Kugelsicher sind. Bei den zahlreichen Bosskämpfen ist vor allem auf den höheren Schwierigkeitsgraden Teamarbeit angesagt. Spätestens, wenn Horden von Robotern, feindlicher Soldaten und ein riesiger Mech auf mich zustürmen krieg ich Panik.

Dank meiner taktischen Ansicht behalte ich jedoch die Übersicht. Diese Ansicht, die mir alle Positionen meiner Kontrahenten auf dem Bildschirm anzeigt, hilft mir, mein weiteres Vorgehen zu planen. Falls mir die Informationsflut über das HUD zu viel wird, passe ich sie einfach im Menü an, um es übersichtlicher zu gestalten. Dank der Positionsangaben meiner Gegner, kann ich meine Cyberkerne sinnvoll gebrauchen. Dies sind Spezialfähigkeiten, die ich mit Erfahrungspunkten nach jedem Level-Up freischalten und verbessern kann. Ich lege jedem Spieler ans Herz, diese Attribute zu entwickeln, denn oft kommt man wegen all der feindlichen Aktivitäten gar nicht zum Nachladen. Wenn dann auch noch Kampfdrohnen in der Luft schweben wird es brenzlig. Zum Glück bringe ich diese einfach und bequem zur Explosion. Schon habe ich eine Verschnaufpause und orientiere mich neu. Es gibt drei Kategorien: Chaos, Kampfkunst und Kontrolle, die mir allesamt verschiedene Aktionen ermöglichen. Ich habe während meines Durchgangs mit Chaos die besten Erfahrungen gemacht. Die Fähigkeit feindliche Roboter zur Explosion zu bringen hat sich als sehr dankbar erwiesen. Vor allem kann ich so eine Kettenexplosion auslösen, wenn der anvisierte Roboter in der Menge steht. Mit Hilfe der verbesserten Variante kann ich sogar Granaten und Sprengsätze zünden, die meine Widersacher mit herumschleppen. Das ist verdammt praktisch.Noch besser und vor allem effektiv gegen menschliche Gegner ist der Drohnenschwarm, bestehend aus kleinen Drohnen, die mehrere Widersacher zugleich angreifen. Während diese also wild um sich schlagen, platziere ich ganz entspannt ein paar gezielte Schüsse. Der Vorteil: Fällt ein Gegner um, begibt sich der Schwarm einfach zum Nächstgelegenen. A lifesaver sozusagen. Über Kampfkunst und Kontrolle kann ich zum Beispiel auch den Wallrun, also an der Wand entlang laufen, perfektionieren oder gegnerische Sensoren hacken, um eine Vielzahl an feindlichen Truppen zu simulieren, je nachdem, wie gespielt wird, bietet sich eine der Cyberkern-Kategorien an. Eine sinnvolle Spielerweiterung, die ich gern auch in Zukunft bei Call of Duty sehe. Die Sonderfähigkeiten haben mir nicht selten aus scheinbar brenzligen Situationen geholfen.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Black Ops 3 ist ein Drama in Elf Akten und jagt mich durch die Schweiz, Ägypten und Singapur. Die Level könnten nicht abwechslungsreicher sein. Versiffte Slums in einer Quarantänezone, ein futuristisches Rechenzentrum oder eine zerstörte Version der Singapurer "Gardens by the Bay" lassen keine Wünsche offen. Leuchtreklamen in der Stadt, schummrige Lichter, Regen, Kämpfe bei Tag und Nacht und gruselige Bunker. Treyarch hat alles reingepackt, ohne dabei etwas zu kurz kommen zu lassen. Der Detailreichtum hat mich positiv überrascht. Kleine Effekte wie Regentropfen auf dem Bildschirm und fette Explosionen lassen das Actionherz höher schlagen. Sogar mit einen Kampfjet darf ich meinen Kontrahenten einheizen. Der wird nur bedingt selbst gesteuert, Spaß macht es aber allemal.

Abgerundet wird das Actionabenteuer natürlich noch durch das umfangreiche Waffenset. Ohne vernünftige Wummen wäre es schließlich kein Call of Duty. Von MPs über Sturmgewehre und Schrotflinten bis hin zu Scharfschützengewehren greife ich auf ein breites Repertoire zu. Das Gefühl und Handling der Waffen ist dabei gewohnt gut und lässt keine Wünsche offen. Für jeden ist etwas dabei. Der Einzelspielermodus hat ein vom Mehrspielermodus abgekoppeltes Level-Up-System, in dem ich meine Cyberkerne entwickle und Waffen freischalte. Zwischen den Aufträgen halte ich mich in einem CIA Unterschlupf auf und passe meine Ausrüstung an. Ich kann, wie online auch, bis zu 5 Sets erstellen, um mich so für jede Situation zu wappnen. Sollte sich die aktuelle Ausrüstung einmal als Fehlentscheidung entpuppen, keine Sorge, in den Arealen sind genügen mobile Stationen verteilt, an denen ich jederzeit meine Ausrüstung wechseln kann.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Der Unterschlupf bietet auch Möglichkeiten zur Personalisierung. In jedem Level hat Treyarch Sammelobjekte versteckt, die ich mir im Unterschlupf auf Wunsch ins Regal stellen kann.

Und wenn ich mal nicht genügend Punkte habe, um die Waffe oder Fähigkeit meiner Wahl freizuschalten, begebe ich mich einfach in den Kampfsimulator. Das ist ein in die Kampagne integrierter Horde-Modus, in dem ich mehrere Wellen an Gegner für Erfahrungspunkte und Freischalt-Token bekämpfe, um meine Ausrüstung schneller aufwerten zu können. Es steht jedem frei den Modus zu nutzen, gerade auf den höheren Schwierigkeitsgraden ist es aber praktisch, von Anfang an bessere Ausrüstung zu haben.

Never change a running system

Trotz des umfangreichen Inhalts für Einzelspieler ist das kräftig schlagende Herz der Call of Duty-Serie selbstverständlich der Mehrspielermodus. Nicht umsonst ist es der meist gespielte Online-Shooter und zieht Monat für Monat Millionen Spieler über zahlreiche Plattformen an. Black Ops 3 wird keine Ausnahme sein. Zum Start gibt es 12 Karten und der Verkaufsversion liegt ein Download-Code für die Map "Nuketown" bei, eine der beliebtesten Karten, die ein Comeback feiert. Im Kern bleibt sich der Online-Modus treu. Warum auch nicht, schließlich funktioniert die bewährte Rezeptur seit Jahren. Die Kämpfe machen so viel Spaß wie eh und je. Das Verhältnis zwischen Freude und Leid ist eine Gratwanderung und das eigene Nervenkostüm wird vor eine ständige Zerreißprobe gestellt.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Wie im Offline-Modus bastle ich mir bis zu 5 eigene Waffensets oder wähle eines aus den vorgegebenen für die Kämpfe aus. Auf erfolgreiche Killstreaks kann ich mir über das Perk-System Upgrades wie eine Drohne, einen Raketenschlag oder eine Versorgungskiste organisieren. Business as usual also. Größte Neuerung ist die Übernahme der Cyberkerne aus der Kampagne in abgewandelter Form. Diese werden genauso verwendet, allerdings muss ich mich pro Match für eine Fähigkeit entscheiden. Weitere Cyberkerne werden, wie auch Waffen und andere Ausrüstung, über Freischalt-Token verfügbar. Die Kampagne und der Zombie-Modus sind online mit bis zu vier Spielern spielbar. Gerade der letztere, ein Fan-Favorit, feiert in Black Ops 3 ein großes Comeback. Ich hasse es, mich zu gruseln und hatte schon Todesangst, als ich mich an den Modus herangewagt habe, wurde aber schnell eines besseren belehrt. Unheimlich ist er nicht, hier steht vor allem Teamarbeit und Spaß im Vordergrund. Mit jeder Welle werden es auch mehr und stärkere Zombies, wer hier als Einzelgänger agiert, hat keine Chance. Darüber hinaus wird auch eine kleine Geschichte, losgelöst von der Black Ops 3-Thematik, erzählt.Ich will nichts hören

Ich hatte gehofft, zumindest bei der Technik etwas Dampf zu machen, aber auch das ist nur bedingt möglich. Grafisch hat Call of Duty noch nie Preise gewonnen, auch Black Ops 3 nutzt nicht die vollen Möglichkeiten aus und lässt genug Luft für zukünftige Titel nach oben frei. Allerdings zählt der neueste Teil definitiv zu den hübscheren Spielen dieser Generation. Der Detailreichtum ist auch off- wie online angenehm hoch. Gerade die Waffen und zahlreichen Skins für diese sind sehr detailliert. Selbst die Umgebung überzeugt mit zahlreichen Kleinigkeiten, wie hoch aufgelösten PC-Bildschirmen, im Wind wiegende Pflanzen und ein paar nette Lichteffekte. Besonders gut haben mir die Gesichter in der Kampagne gefallen. Ja, der Detailgrad ist weit von dem aus Halo 5 entfernt (Hallo Nathan Fillion), muss sich aber nicht verstecken. Zumindest Robert Picardo habe ich sofort erkannt, als ich ihn gesehen habe.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Während unseres Tests, wir haben die PS4-Version getestet, gab es auch keine Einbrüche bei der Bildrate. Selbst, wenn es mal richtig voll auf dem Bildschirm wurde, lief alles flüssig ab. So und nicht anders sollte es sein. Anlass zur Kritik habe ich dann doch noch gefunden. Der Mehrspieler-Modus läuft aktuell noch etwas instabil. Der Ansturm auf den Modus ist immens. Wieso Activision keine dezidierten Server für Call of Duty anbietet, ist mir absolut unverständlich. Bei den Peer2Peer-Verbindungen kommt es derzeit noch zu massiven Verbindungsabbrüchen und Lags. Da half auch die beim Test verwendete 100 Mbit-Leitung nicht. Bei den Summen, die das Call of Duty-Franchise umsetzt, sollten dezidierte Server nur ein kleiner Kostenpunkt sein.

Die Waffensounds sind dafür kräftig und gut, etwas anderes habe ich nicht erwartet. Die deutsche Synchronisation des Spiels aber siedelt sich qualitativ irgendwo zwischen schrecklich und richtig mies ein. Ich weiß, bei meinen Reviews gehört es fast schon zum guten Ton, über die deutsche Sprachausgabe zu lästern, aber bei Black Ops 3 ist es wirklich angebracht. Titel wie Dragon Age, Mass Effect und jüngst auch Halo 5 haben bewiesen, dass eine deutsche Vertonung auch verdammt gut sein kann. Das sind allesamt Titel, die weitaus weniger Umsatz und Gewinn verbuchen und dennoch eine bessere Synchronisation bieten. Klar, die englische Sprachausgabe setzt auf talentierte Schauspieler, die wissen, wie man Emotionen und Gemütsregungen eine Stimme verleiht, für die schlechte Leistung der deutschen Sprecher ist dies aber keine Entschuldigung.

Call of Duty: Black Ops 3 im Test: CoD in Bestform Quelle: PC Games Hardware/Raff Ich will dies an einem kleinen Beispiel verdeutlichen: Während ein Verhör mit den deutschen Stimmen fast schon zur Farce wird, kommt mit der original Sprachausgabe eine ganz andere Dramatik bei mir an. Gerade in den wichtigen Momenten der Kampagne, in denen die Handlung vorangetrieben wird, erlebe ich vor allem mit, wie die miese Synchronisation die Atmosphäre drückt. Klar, wer nur den Mehrspielermodus wirklich spielt, den wird das kaum stören. Ich lege aber jedem ans Herz, die Kampagne auf Englisch zu spielen, wenn das Sprachverständnis einigermaßen vorhanden ist, denn Treyarch und Activision haben beide Sprachausgaben in das Spiel gepackt. Dafür muss lediglich die Sprache der Konsole umgestellt werden.

Meinung

Wertung zu Call of Duty: Black Ops 3 (PS4)

Wertung:

9.0 /10

Wertung zu Call of Duty: Black Ops 3 (XBO)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Der Online-Modus fetzt wie eh und jeUmfangreiches Klassen- und Perk-SystemViele verschiedene Karten und ModiZwei actionreiche, spannende KampagnenAbwechslungsreiche LevelZombie ModusEigenes Level Up-System innerhalb der KampagneKeine Ruckler und SlowdownsKampagne im Koop spielbar2-Spieler SplitscreenRobert PicardoHervorragende englische Synchronisation
Schrecklich bis grausame deutsche Synchronisation zum FremdschämenStory in der Kampagne etwas abstrusTeilweise zu hektischzeitlich exklusive Inhalte für eine Plattform (PS4) braucht kein Mensch
Fazit

Actiongefüllte, spannende Kampagne, spaßiger Zombie-Modus und ein fetziger Mehrspielermodus. Call of Duty in seiner besten Form.

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