Eine größere Welt, viele sinnvolle Neuerungen und tolle Rätsel stehen Level- und Story-Recycling gegenüber. Wir sind trotzdem begeistert.
Rise of the Tomb Raider wartet nicht nur mit einer ganzen Reihe neuer Gadgets und Features auf, Lara bekam auch ihr inzwischen drittes Gesicht verpasst sowie eine neue Stimme. Wurde sie in Tomb Raider noch von Nora Tschirner gesprochen, übernimmt in Rise of the Tomb Raider Maria Koschny diese Aufgabe. Sie kennen wir zum Beispiel als Synchronstimme von Jennifer Lawrence in "Die Tribute von Panem". In der Praxis jedoch wirkt sich das nicht negativ aus, auch die neue Lara ist eine richtige Croft und schon nach wenigen Spielminuten hat man sich an das neue Gesicht und die neue Stimme gewöhnt.
Quelle: Microsoft
Viel mehr erfreut man sich dann an den deutlichen technischen Fortschritten, die der Titel mit sich bringt. Was einem dabei zuerst auffällt sind die hohe Anzahl unterschiedlicher Animationen. Lara reagiert nun deutlich differenzierter auf ihre Umgebung und es ist eine wahre Freude zu sehen wie sie sich durch Felsspalten hindurch quetscht, an Wände drückt oder Gegnern ausweicht. Doch auch die Spuren im Schnee die sie hinterlässt können begeistern. Dabei bremst sie dieser auch aus und je tiefer die weiße Pracht, desto langsamer wird sie. Manche Aktionen werden durch den Schnee sogar regelrecht unmöglich, was besonders im Kampf zum Tragen kommt.
Begann die Geschichte von Tomb Raider noch mit einer Schiffskatastrophe, wählten die Entwickler von Crystal Dynamics in Rise of the Tomb Raider eine andere Erzählweise. Anhand mehrerer Rückblenden nämlich erfahren wir, wie es überhaupt dazu kam, dass sich Lara im kalten Sibirien die Nase abfriert. Dort ist sie auf der Suche nach dem Geheimnis der Unsterblichkeit, was natürlich auch andere auf den Plan ruft. Erst nach und nach offenbart sich uns wer hinter der bösartigen Trinity-Gesellschaft steckt und dass es dabei sogar eine persönliche Verbindung zu unserer Abenteurerin gibt. Dabei erzählt uns der Titel zwar durchaus eine neue Geschichte, allerdings tut man sich nicht schwer zu bemerken, dass man zum Aufbau dieser exakt das aus dem Vorgänger bekannte Gerüst genutzt hat. Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten, aber an mancher Stelle meint man wirklich, dass nur Namen, Orte und Bezeichnungen geändert wurden, so ähnelt sich der Story-Aufbau mitunter.Das macht die Geschichte jetzt nicht schlecht und man muss ihr durchaus zugute halten, dass sie sich während des Spielverlaufs entwickelt und genug neue Elemente enthält, um nicht zu enttäuschen. Auch werden wir am Ende mit einem fulminanten Finale belohnt und nach dem Abspann gibt es sogar einen Cliffhanger, der tatsächlich Lust auf mehr macht, ohne uns in der Luft hängen zu lassen.
Neue Gadgets mit Sinn
Eine der angenehmsten technischen Weiterentwicklungen in Rise of the Tomb Raider ist die, dass das Interagieren Laras mit der Wildnis nun deutlich mehr Sinn macht. Es gibt nämlich eine viel größere Anzahl an verschiedenen Objekten, aus denen wir dann logisch passende neue Objekte und Waffenverbesserungen schaffen können. Sammelten wir in Tomb Raider einfach nur Schrott aus Kisten, gibt es nun unterschiedliche Felle, Hölzer, Pflanzen und sogar Erz zum abbauen. Aus diesen Elementen basteln wir uns dann am Lagerfeuer die Dinge zusammen, die wir für nötig halten.
Quelle: Crystal Dynamics
Dazu gesellen sich eine ganze Reihe neuer Waffen- und Werkzeugfähigkeiten, die allesamt recht sinnvoll eingesetzt werden und nicht künstlich aufgesetzt wirken. Lara kann nun zum Beispiel ein Seil an ihren Eispickel binden und diesen werfen. Auf diese Weise erreicht man selbst weit entfernte Kanten noch und rettet sie so vor manchem Absturz. Wenn wir entsprechende Dinge gesammelt haben, können wir damit neuerdings während des Spiels neue Objekte herstellen. Zum einen betrifft dies die Pfeile und die Munition für unsere Waffen, die wir quasi im Laufen herstellen können. Zum anderen können wir herumliegende Dosen oder Flaschen in Granaten und Molotow-Cocktails verwandeln. Dank der Mehrfachbelegung der Tasten auf dem Controller erfordert dies zwar etwas Einarbeitungszeit, doch hat man die Mechanik erst einmal intus, ist es eine unglaublich praktische Sache.
Schwäche des Vorgängers ausgebügelt
Was ein vernünftiges Tomb Raider sein will, braucht natürlich Gräber mit anspruchsvollen Rätseln. Auch in diesem Aspekt können wir bei Rise of the Tomb Raider einen deutlichen Fortschritt feststellen. Zum einen gibt es nun mehr Gräber mit manchmal durchaus fordernden Rätseln, die allesamt Physik-basiert unsere Gehirnwindungen auf die Probe zu stellen, ohne aber unmenschlich schwer zu werden. Mit etwas Beobachtungsgabe und Timing sind sie allesamt zu lösen. Viel schöner aber ist es, dass die Entwickler nun spürbar mehr Rätselstellungen in den normalen Story-Verlauf eingearbeitet haben, und sie nicht mehr alleine in den Tombs versteckten. Dabei schafften sie sogar das Kunststück, dem Titel noch mehr Action zu verpassen, eine wahre Win-Win-Situation also. Es gibt mehr Action und mehr Rätsel.
Quelle: Crystal Dynamics
An der Level-Architektur bemerkt man mehr als deutlich, dass hier wieder dieselben Leute am Werke waren wie beim Vorgänger. Das geht sogar so weit, dass man an mancher Ecke meint, den Level bereits zu kennen. Das kommt jetzt nicht besonders oft vor, aber oft genug, um aufzufallen. Da gibt es bestimmte Treppenhäuser in den Ruinen, auf deren Stufen man sich bereits in Tomb Raider genau so bewegt hat. Oder Ruinen durch die nur ein Weg hindurchführt, der einem ein Déjà-vu beschert.
Davon abgesehen bemerkt man, dass hier wieder richtige Profis am Werk waren, die wissen wie man Gameplay-technisch sinnvolle Level so verpackt, dass sie richtig natürlich aussehen. Natürlich gibt es auch wieder genug Stellen, die wir erst im späteren Verlauf des Spiels erreichen können, wenn wir über entsprechendes Werkzeug verfügen oder von anderer Stelle aus den Weg freimachten. Durch die vielen Bonus-Tombs und Sammelaufgaben entsteht so auch genug Antrieb Rise of the Tomb Raider nach dem ersten Durchspielen noch nicht zur Seite zu legen, sondern all die verbliebenen Aufgaben noch gerne zu absolvieren.Gut, mit einer Ausnahme. Was definitiv aus dem Rahmen fällt sind die neuen Quests, die wir von den Bewohnern der Welt erhalten können. Die sind leider so flach ausgefallen, dass sie einen kaum begeistern können. Da heißt es einfach "bring mir vier Wildschweine" oder "wir brauchen dieses Material zur Reparatur", was nicht besonders viel Spaß vermittelt.
Kein MP-Modus mehr, und das ist gut so
Quelle: Crystal Dynamics
Rise of the Tomb Raider besitzt bekanntlich keinen Mehrspieler-Modus mehr, was ich persönlich begrüße. Ich halte es für gut sich auf das eigentliche Singleplayer-Vergnügen zu konzentrieren, ohne auf Teufel komm raus einen Mehrspieler-Modus auf die Beine zu stellen. Trotzdem aber kann man sich mit seinen Freunden messen, denn nach Abschluss einer Mission bekommt man die Punktzahl seiner Freunde angezeigt, so dass man sehen kann, wie gut man im Vergleich mit ihnen Abschnitt.
Darüber hinaus bekommt man während des Spiels diverse Karten gutgeschrieben, deren System frappierend an die Mods in Forza Motorsport 6 erinnert. Diese Karten kann man dann im extra Abenteuer-Modus einsetzen, bei dem wir verschiedene Aufgaben zu bewältigen haben. Da gibt es dann zum Beispiel welche die uns bestimmte Vorteile verschaffen, dafür unsere Punktzahl reduzieren. Und umgekehrt welche die die Aufgaben schwerer machen, uns dafür mit mehr Punkten belohnen. Ich persönlich finde es ja spannender die einzelnen Level nach Beenden der Story weiter auszukundschaften und leer zu räumen, als den Abenteuer-Modus zu spielen, stören tut er aber auch nicht und so manche Aufgabe ist durchaus gelungen und macht Spaß.
