Need for Speed im Test: Peinliche Freunde und überflüssiger Online-Zwang
Test
Der Reboot von Need for Speed sollte der Serie frischen Wind einhauchen: Mission fehlgeschlagen. Eigentlich ist es nur noch schlimmer geworden. In Ansätzen ist NFS ein richtig gutes Spiel, doch es gibt einfach zu viele Fehlentscheidungen beim Design. Und wer hat sich überhaupt diesen Always-Online-Kram einfallen lassen?
Peinlich, zum Fremdschämen, unfreiwillig Komisch – die Story
Fangen wir mit der Story von Need for Speed an. Die ist eigentlich schnell erklärt, denn als Niemand mischt man die Rennszene von Ventura Bay auf und wird zum gefeierten Racing-Star. Dabei hat sich EA entschieden, Cutscenes mit echten Menschen einzubauen. Leider sind diese Sequenzen an Peinlichkeit kaum noch zu übertreffen. Die Charaktere sind zum Fremdschämen, erzählen nur Unsinn und eigentlich bekommt man sofort einen Hass auf sie. Und als ob die Cutscenes nicht nervig genug wären, während des Gameplays bekommt man ständig Anrufe von diese Leuten, nur um noch mehr nichtssagende Texte zu hören. Man kann sie zwar wegdrücken, aber aufgrund der Wiederholungen baut sich die Abneigungen gegen diese Stereotypen immer noch ein Stück mehr auf. Ansonsten wird übermäßig viel Monster Energy getrunken und am laufenden Band gibt es die Ghettofaust. Wer bei EA hat eigentlich gedacht, dass so etwas cool ist? Oder ich bin einfach zu alt für diesen Sch..., um es mit den Worten von Roger Murtaugh auszudrücken. Schade, dass sich sogar der Gymkhana-Star Ken Block dafür hergegeben hat.
Quelle: PC Games
Aber mal abgesehen davon, dass das alles unfreiwillig komisch wirkt, wieso geben die einem fremden Typen einfach so ein Auto, damit er illegale Rennen fährt? Naja egal, am Anfang dürfen wir aus drei Kisten wählen und die ersten Rennen fahren. Insgesamt stehen über 50 Boliden zur Verfügung. Ohne Modifikationen und die richtigen Einstellungen fahren sich die Wagen zunächst wie Klump. Aber seid nicht von den ersten Rennen frustriert. Die Fahrphysik ist zwar gewöhnungsbedürftig, wenn man zum Beispiel gerade von Forza kommt, aber mit ein paar Tuningteilen fahren sich die Boliden recht schnell viel besser und man gewöhnt sich an das eigenwillige Handling. Mit verschiedenen Reglern kann man einstellen, ob das Fahrverhalten eher auf Grip oder Drift ausgelegt ist.
Die wunderbare Welt des Tunings
Das Leistungs- und Optiktuning ist auf den ersten Blick riesig. Spoiler, Felgen, Reifen, Body-Kits, Abgassysteme, Luffilter, Bremsen, Motorelektronik, Fahrwerk und vieles mehr: Das sind alles Kategorien, in denen man neue Teile erwerben kann. Einem gammligen Honda Civic kann man mit der Zeit locker 600 PS verpassen, weswegen er sogar mit Supersportwagen von Porsche oder Ferrari mithalten kann. Mehr als die Hälfte der Karriere lässt sich locker mit dem Startwagen bewältigen. Man steigt Rang um Rang auf und es werden immer mehr Tuning-Teile freigeschaltet. Das ist ungemein motivierend. Wem Verbreiterungen und Carbon-Motorhauben nicht reichen, der kann verschiedene Decals, Schriftzüge und Farben an seinen Wagen anbringen.
Quelle: PC Games
Und warum habe ich dann gesagt, dass das Tuning nur auf den ersten Blick sehr umfangreich wirkt? Für so typische japanische Tuning-Vehikel gibt es tatsächlich viele Teile. Bei anderen Wagen darf man teils nur sehr wenig verändern, zumindest optisch. Das kann schon etwas enttäuschend sein. Unverständlich ist die Entscheidung, dass man sich nur fünf Wagen anschaffen kann. Mehr Platz ist in der Garage leider nicht frei. Und wer verkauft schon seinen liebevoll hergerichteten Liebling, um ein anderes Auto zu kaufen? Überlegt euch am besten gleich zu Beginn des Spiels, welche Wagen ihr später haben wollt. Wenn dann irgendwann DLCs kommen, wird der Platz vielleicht etwas angepasst.
Leer und dunkel, das ist die Spielwelt
Man kann wirklich einige Stunden in der Garage verbringen und an den Flitzern schrauben, das macht schon Spaß. Irgendwann geht es aber ab nach draußen. In Ventura Bay ist es immer dunkel. Manchmal steht man kurz vor dem Sonnenaufgang oder -untergang, aber es ist grundsätzlich dunkel. Dennoch sieht Venturay Bay ziemlich genial aus. Vor allem die Lichteffekte in Verbindung mit den nassen Straßen sehen verdammt gut aus. Am Detailgrad kann man kaum etwas aussetzen, was übrigens auch für die Wagen gilt, aber leider ist die Stadt, die sich an Los Angeles orientiert, völlig ausgestorben. Ab und zu begegnet man einem anderen Auto, doch das war's auch schon. Ein störender Griesel-Effekt lässt sich leider nicht ausschalten. Daran muss man sich gewöhnen.
Quelle: PC Games
Ach ja, Polizei gibt es auch, aber die war noch nie harmloser als hier. Wenn man es nicht intensiv darauf anlegt, wird man kaum eine Straßensperre zu Gesicht bekommen. Die Gesetzeshüter sind ruck zuck abgehängt. Spannung oder Nerverkitzel kommen kaum auf. Lieblos ich auch die Verteilung der Sammelgegenstände. Hier ein Donut mit reichlich Reifenqualm, da ein Schnappschuss, emotionsloser geht es kaum. Doch am wichtigsten ist ja das Racing. Und Need for Speed kann durchaus Spaß machen. Das Geschwindigkeitsgefühl kommt mit schnelleren Autos gut rüber. Positiv ist auch, dass man sofort den Vorteil neuer Bauteile bemerkt.
Leider ist das Balancing einfach nicht gut gelungen. Viele Events sind fast schon zu einfach, andere sind frustrierend schwer und nur mit Glück zu gewinnen. Das liegt auch an der KI, die nicht vom Gummibandeffekt verschont bleibt. Egal wie schnell man unterwegs ist, man kann sich kaum absetzen. Und ist man weit hinten, holt man unnatürlich schnell auf. Dennoch darf man sich nicht all zu viele Fehler erlauben. Nervig ist ebenfalls, dass die Gegner-KI gerne und viel rempelt. Die knapp 80 für die Kampagne nötigen Events sind alle auf der Karte verzeichnet. Entweder man fährt dort hin und sammelt dabei Erfahrungspunkte, oder man benutzt die Teleporterfunktion. Wenn man etwas rumfährt, ein wenig Tuning betreibt und Sammelgegenstände sucht, wird man bis zu 20 Stunden brauchen, um Need for Speed zu beenden.Renn-Events mit viel Abwechslung, aber unnötiger Online-Zwang
Die Auswahl der Renn-Events zeigt sich recht abwechslungsreich. Normale Rennen von A nach B sind ebenso dabei wie Rundkurs-Rennen. Dann gibt es noch reines Zeitfahren und verschiedene Drift-Wettbewerbe. Manchmal ist man alleine unterwegs, dann wird mit mehreren Fahrern um die Wette gedriftet. Im Gymkhana muss man möglichst viele Punkte machen und dabei rechtzeitig ins Ziel kommen. Grundsätzlich funktioniert das Driften ganz gut, wenn der Wagen richtig eingestellt ist. Man muss nur vermeiden, irgendwo anzuecken, denn sonst sind die Punkte weg. Das größte Ärgernis stellt der Drift-Train dar. In diesem Modus muss man in der Gruppe punkten und möglichst nah beieinander fahren. Entfernt man sich zu weit voneinander, dann gibt es keine Punkte. Das Problem dabei ist, dass die KI keine Rücksicht nimmt, obwohl man kein Gegner ist. Es wird gerammt und gedrängelt, wie in einem Rennen. Das ist frustrierend, weil sofort alle Punkte weg sind.
Quelle: PC Games
Unverständlich ist auch, dass man ein Rennen nicht pausieren kann, es läuft einfach weiter. Das hat man wahrscheinlich diesem Online-Ansatz zu verdanken. Man ist im instanzierten Ventura Bay mit sieben weiteren Gamern unterwegs. Theoretisch kann man sie zu kleinen Duellen auffordern, wenn man sie auf der Karte trifft. Das passiert aber ohnehin nur selten und besonders spaßig oder aufregend sind diese Rennen nicht. Deswegen ist Need for Speed dauerhaft online, obwohl es keinen richtigen Multiplayer-Modus mit einem Matchmaking gibt? In eine Lobby gehen und ein Rennen mit anderen Spielern fahren? Das kann man vergessen. Man ist nur zusammen auf dieser Karte, das war's. Always-Online macht deswegen einfach keinen Sinn, zumindest was dieses Spiel betrifft, und es wirkt einfach nur wie eine Schikane, um Kunden zu ärgern. Vorteile gibt es jedenfalls nicht, nur Nachteile, und davon reichlich. Es kommt sogar noch schlimmer, denn es kann durchaus geschehen, dass euch andere, unbeteiligte Spieler das eigene Rennen kaputt machen, ob gewollt oder ungewollt. Theoretisch kann man eine Crew von bis zu acht Freunden aufstellen und dann mit ihnen die Events auf der Karte suchen und fahren. Sobald die Verbindung zum Server unterbrochen ist, landet man im Hauptmenü. Das Spiel ist augenblicklich vorbei. Wenn EA irgendwann die Server ausschaltet, kann man das Spiel ohne Offline-Patch in die Tonne kloppen. Klar, man darf sich mit Freunden vergleichen, aber das gibt es auch bei Spielen, die nicht dauerhaft online sind.
Zur Technik wurde eigentlich schon alles Wichtige gesagt. Trotz der leeren Stadt und der ewigen Dunkelheit ist NFS sehr schick. Ihr werdet vielleicht in anderen Reviews gelesen haben, dass die Xbox One-Version stärker zum Ruckeln neigen würde als die PlayStation 4-Fassung. Das war tatsächlich so. Aber zuletzt ist irgendetwas passiert. Need for Speed läuft zwar nur mit 30 FPS, aber es ruckelt nicht mehr. Ein Patch wurde nicht veröffentlicht, weswegen das Ganze wohl ein Server-seitiges Problem war. Der Soundtrack besteht aus mehreren Lizenztracks, die eigentlich ganz nett sind. Aber da der Geschmack vor allem bei Musik weit auseinander gehen kann, wird die Wertung in diesem Punkt ohnehin bei jedem Gamer etwas anders ausfallen. Der Motorensound kann hingegen überzeugen. Schraubt man einen anderen Auspuff an, hört man das sogar deutlich heraus.
