Die schwedischen Action-Experten der Avalanche Studios veröffentlichen nach Mad Max den zweiten Open World-Titel in 2015 und führen die beliebte Just Cause-Reihe fort. Neun Jahre nach seinem Erstauftritt können Spieler wieder in die Rolle des Actionhelden Rico Rodriguez schlüpfen und diesem bei spektakulär inszenierten Aufräumarbeiten in seiner Heimat unter die Arme greifen.
Weiße Sandstrände, große Areale unberührter Natur, antike Ruinen - Reiseveranstalter würde das Anlocken von Touristen in das fiktive Mittelmeer-Eiland Medici sicherlich nicht schwerfallen. Wäre da nicht der gemeine Diktator Sebastiano Di Ravello, der die Bewohner der Insel unterdrückt und das geheimnisvolle Mineral Bavarium für militärische Zwecke ausnutzen möchte. Abhilfe möchte Protagonist Rico Rodriguez schaffen, der nach Jahren im Dienst für "The Agency" seine Koffer packt, in sein Geburtsland zurückkehrt und seinen Heimaturlaub mit der Bekämpfung von Di Ravellos Schergen verbringt. Dass die ohnehin schon kaum oscarverdächtige Geschichte keinen großen Stellenwert einnimmt, liegt an der lieblosen Aneinanderreihung der kurzen Zwischensequenzen und den oberflächlichen Charakteren. Zwar versuchen letztere durch den einen oder anderen lockeren Spruch für Unterhaltung zu sorgen, letztlich zünden die Gags jedoch leider sehr selten. Die unmotivierten Synchronsprecher der deutschen Fassung sorgen für ihr Übriges, wirken die Gespräche häufig lieblos abgelesen. Dadurch dass oftmals eine Dialogzeile bereits gesprochen wird, ehe die gleiche Person ihren vorherigen Satz beendet hat, wirkt das Ganze noch ein bisschen aufgesetzter.
Quelle: PC Games
Letztlich ist das alles jedoch nebensächlich, da Just Cause 3 hauptsächlich von seinen irrwitzigen Action-Einlagen lebt, egal ob das nun ein Ritt auf einer riesigen Rakete oder das Übernehmen eines Düsenjets während des Flugs ist. Das bekannte Greifhaken-Gadget lässt Rico in Spiderman- oder Batman-Manier von einem Objekt zum nächsten fliegen und sorgt dadurch für eine ungeheure Dynamik, welche kaum Atempausen zulässt. Das liegt auch daran, dass zusätzlich Wingsuit und Fallschirm zur Verfügung stehen, die der Spieler zu jeder Zeit aktivieren kann. Hat man sich an die zunächst gewöhnungsbedürftige Steuerung gewöhnt, macht diese Art der Fortbewegung einen Heidenspaß und sorgt für ein schnelles Entkommen in jeder noch so brenzligen Situation.Zugleich ist der Haken die beste Waffe im Spiel, da er gegnerische Fußsoldaten, Panzer oder Helikopter miteinander und mit der Spielwelt verbinden kann. Eine sowohl effektive als auch scherzhafte Art des Kampfes: Werden zwei Helikopter miteinander verbunden, können diese per Knopfdruck zusammengezogen werden und explodieren in der Folge in einem großen Feuerball. Vier Gegner an den Füßen aneinanderzuheften und anschließend per Flugzeug abtransportieren zu lassen ist einfach zu komisch. Durch diese Technik kann das eine oder andere Maschinengewehrmagazin eingespart werden, obwohl Munitionsknappheit in Just Cause 3 eher selten zu beobachten ist.
Quelle: PC Games
Die Missionen, welche im Verlaufe der Story absolviert werden müssen, sind insgesamt abwechslungsreich und kurzweilig. Neben normalen von A nach B-Aufträgen darf sich Rico ans Steuer verschiedener Fahrzeuge setzen oder muss diese beschützen, darf den Scharfschützen spielen, muss feindliche Basen infiltrieren oder Züge entgleisen lassen. Zwar wiederholen sich die Aufgaben von Insel zu Insel, allerdings macht die rund 15 bis 20 stündige Kampagne fast durchgängig Spaß. Leider ist der (unveränderbare) Schwierigkeitsgrad etwas zu gering ausgefallen und sorgt dafür, dass ein Großteil der Kampagne zu einem actionreichen Spaziergang verkommt. Allgemein ist die KI, egal ob Fußsoldat oder Fahrzeug, lediglich Kanonenfutter. Deckung suchen? Taktisch vorgehen? Fehlanzeige! Stattdessen wird sich schlicht auf den Spieler zubewegt, sobald er sich im Aktionsradius eines Gegners befindet. Immerhin sorgen die feindlichen Einheiten durchweg für neues Kanonenfutter, indem sie in der Zentrale nach Verstärkung fragen. Auch skurril: Manchmal lassen sich Militärfahrzeuge dabei beobachten, wie sie auf kleinstem Raum ununterbrochen im Kreis fahren.
Darüber hinaus ist die Karte in drei Regionen unterteilt, die wiederum aus verschiedenen Provinzen bestehen. In jeder dieser Provinz gibt es Städte, Wachposten oder Militärbasen, die es zu erobern gilt, um die Truppen des Diktators zurückzuschlagen. Im Zuge dessen müssen sogenannte Chaosobjekte zerstört werden, welche innerhalb dieser Standorte verteilt sind. So findet man in Städten beispielsweise Propaganda-Plakate und Lautsprecher, in militärischen Anlagen Treibstofftanks, Generatoren oder Satellitenschüsseln. Durch gezielten Beschuss oder der Anwendung des Greifhakens können diese Objekte demoliert werden, was häufig für große Explosionen und Kettenreaktionen sorgt. Gerade die Inszenierung letzterer sorgt immer wieder für schöne Feuerbälle und "Oha"-Momente.
Quelle: PC Games
Nach der Befreiung aller Einrichtungen einer Provinz werden Herausforderungen freigeschaltet, mit deren Hilfe Rico zusätzliche Fähigkeiten erwerben kann. Neben Wingsuit-Flügen sind das etwa Schießübungen, Auto-, Boots- oder Flugzeugrennen (leider nur gegen die Zeit) und andere Geschicklichkeitsspiele, in welchen der Spieler ein bis fünf sogenannter Zahnräder erspielen kann. Die Herausforderungen sind teilweise zwar recht fordernd, jedoch zu keiner Zeit unfair und laden aufgrund der Aussicht auf neue Perks wie bessere Greifhaken oder mehr Granatenslots zu einem perfekten Abschließen ein. Für Frust sorgen hier allerdings die teilweise sehr langen Ladezeiten. Zwar braucht es meist nur wenige Sekunden, um die Aufgabe noch einmal angehen zu können, immer mal wieder muss man sich jedoch mehrere Minuten gedulden. Das ist besonders ärgerlich, wenn schon nach wenigen Sekunden einer Mission der Highscore aufgrund eines Fehlers außer Reichweite ist und für den Neustart fünf Minuten benötigt werden. Das ist natürlich ein Extremfall, allerdings nagt die Wartezeit teilweise schon arg an den Nerven. Abhilfe soll der Wechsel in den Offline-Modus des Spiels schaffen, allerdings hat dies nicht durchgehend für Zufriedenheit gesorgt. Nervig ist daran, dass das Spiel trotz Auswählen des Offline-Modus bei fast jedem Aufruf der Übersichtskarte versucht, sich wieder mit den Servern zu verbinden. Gerade hinsichtlich der ohnehin weitestgehend sinnfreien Online-Features - es werden hauptsächlich Statistiken wie der längste Wingsuit-Flug oder die meisten Explosionen gemessen - ist dies eine sehr nervige Randerscheinung.Zusätzlich zu den bereits angesprochenen Missionen und Herausforderungen findet Rico in der Spielwelt verteilt dutzende Sammelobjekte wie Tonbänder, Schreine etc. Zur vereinfachten Suche wird dazu ein Detektor bereitgestellt, der in der Nähe von solchen Objekten aufleuchtet. Zudem werden deren groben Positionen auf der Karte dargestellt, sofern die dazugehörige Provinz zuvor befreit worden ist. Ferner können Fahrzeuge geklaut und an Garagen geliefert werden, sodass auf diese im späteren Verlauf stets zugegriffen werden kann. Leider ist das Fahrverhalten der Boliden derart lächerlich, dass das durch die Gegend fahren auf zwei oder vier Rädern mehr Verzweiflung als Spaß bereitet. Ohne ersichtlichen Grund fliegen Autos plötzlich zehn Meter in die Luft oder bleiben an unsichtbaren Kanten hängen. Dahingegen sorgt das Fliegen für ordentlich Laune, auch weil Helikopter und Flugzeuge relativ einfach zu handhaben sind.
Quelle: PC Games
Insgesamt macht Just Cause 3 einen technisch ordentlichen Eindruck. Die Landschaft ist schön, detail- und abwechslungsreich, das Wasser sieht toll aus und vor allem die Explosionen haben es in sich. Allerdings lässt sich gerade in Bezug auf letztere auch immer wieder feststellen, dass die Framerate bei größeren Detonationen häufig in den Keller geht. Das wirkt sich zwar nicht auf den Spielspaß aus, macht sich aber deutlich bemerkbar. Schade ist auch, dass sich die Städte, Außenposten und Militärbasen abgesehen von kleinen Details oder Größe sehr stark ähneln. Bereits nach den ersten Stunden des Spieles sind Überraschungsmomente eine Seltenheit, zu schnell hat man bereits alles gesehen.
