Mit dem preiswerten Download-Titel Fast Racing Neo bekommt die Wii U zum Ende ihrer Laufbahn ein grandioses Rennspiel im Stil von WipEout oder F-Zero spendiert.
Eines gleich vorneweg: Wer in Mario Kart gemütlich in der 50er-Klasse an freundlich grüßenden Koopas vorbeidümpelt und damit glücklich ist, braucht in Fast Racing Neo gar nicht erst anzutreten. Selbst in der langsamsten der drei angebotenen Geschwindigkeitsligen (Subsonic, Supersonic und Hypersonic) erreichen die futuristischen Boliden des Science-Fiction-Rennspiels locker Geschwindigkeiten von 700 Sachen - wohlgemerkt ohne Turbo!
Quelle: Shin'en
Und die zuschaltbare Boost-Funktion hat es in sich, womit wir gar nicht mal so sehr die reine Zusatzbeschleunigung als vielmehr die taktische Raffinesse des Systems meinen: In Fast Racing Neo erwartet euch nämlich eine doppelte Turbo-Mechanik. Die Nachbrenner lassen sich entweder jederzeit durch das Zünden von auf der Strecke gesammelten Boost-Kugeln aktivieren oder indem man einen der Turbostreifen auf den Kursen befährt. Das wirklich Geniale dabei: Besagte Turbostreifen sind meist nicht nur sehr schmal und verlangen dadurch eine ruhige Pilotenhand, sie existieren auch in zwei unterschiedlichen Farben.
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Euer Fahrzeugantrieb verfügt ebenfalls über zwei Farbmodi, genannt "Phasen". Und nur wenn ihr die Phase eures Boliden der Kolorierung der Turbofelder anpasst, katapultieren euch diese auch nach vorne - andernfalls werdet ihr sogar ausgebremst oder verpasst wichtige Sprünge. So wird das Meistern einer Strecke zu einem vielschichtigen und fordernden Racing- und Reflexerlebnis, weil ihr eben nicht nur die Steuerung eurer Rennmaschine und die Kursführung im Blick haben müsst, sondern auch tunlichst das Farbmanagement eures Antriebs im Hinterkopf behalten solltet! Hier gibt es keine Waffen, keine Abkürzungen, kein grassierendes Rubberbanding - wer hier am Ende auf dem ersten Platz steht, war der beste Rennfahrer. Punkt.
Genießt doch mal die Aussicht!
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Nach einigen Ausflügen in den Meisterschafts-Modus mit seinen erstaunlich cleveren CPU-Gegnern solltet ihr deswegen das Zeitfahren besuchen. Hier könnt ihr euch ungestört im Alleinflug mit den insgesamt 16 Strecken der vier Cups sowie mit der brillanten Fahrzeugsteuerung vertraut machen - und sogar gegen die Bestzeiten der Entwickler antreten. Passt dabei aber auf, dass euch das atemberaubende Design der erstaunlich kreativen Kurse nicht so sehr ablenkt, dass ihr euren Boliden vor eine Wand fahrt. Oder in einen Steinschlag. Oder in ein Bein der gigantischen Mechs in Kamagori City. Oder in ein Asteroidenfeld im Orbit von Daitoshi Station. Kleinere Hindernisse wie Eiswände oder Wasserfälle könnt ihr mit aktivem Turbo zwar durchbrechen, bei einer Kollision mit einem wuchtigen Objekt auf der Piste zerbröselt euer Racer aber - und bei den brachialen Geschwindigkeiten in Fast Racing Neo bedeutet das in der Meisterschaft die Direktverbannung auf den letzten Platz
Das ist kein Totalschaden
Eigentlich regen sich nur zwei kleine Grummelfaktoren in der technischen und spielerischen Meisterleistung, die Shin'en Multimedia da im Wii-U-eShop geparkt hat. Das weniger wichtige Problem sind die minimalen Framerate-Dellen, die bei zu vielen Partikeleffekten gleichzeitig auf der Fahrbahn auftauchen können. Mit "Partikeleffekten" meinen wir dabei insbesondere spektakulär explodierende, CPU-gesteuerte Fahrzeuge, die sich nach einem heftigen Crash in ihre Einzelteile auflösen. Bei zwei, drei gerade im Abfackeln begriffenen Racern gleichzeitig auf dem Bildschirm kann das Spiel sich dann in Sachen Framerate schon mal ganz kurz verheben, rutscht dabei aber nie auch nur in die Nähe eines störend langsamen Bildaufbaus ab.
Wesentlich ärgerlicher fanden wir die hyperaktive Bestrafungsbereitschaft von Fast Racing Neo bei Kollisionen mit der Bande oder einem Ausritt ins Kiesbett. Selbst kleine Rempler mit einer Begrenzungswand nach einem weiten Sprung durch die Luft oder ein drei, vier Sekunden andauernder Abflug in die Botanik nach einer schlecht genommenen Kurve führen unweigerlich dazu, dass euer Fahrzeug nach einer kurzen Zwangspause mit Geschwindigkeit 0 zurück auf die Kursmitte verfrachtet wird. Bei einem derart knapp getrimmten Spiel wie Fast Racing Neo ist das Gift für eine spannende, risikofreudige Fahrkultur! Hier hätte man besser einen, vielleicht gleich zwei Gänge runtergeschaltet.
Ein Held auf der Strecke
Quelle: Shin'en
Zum Glück sind all diese Kleinigkeiten aber eher ein Kratzer im Lack als ein echtes Turboloch! Fast Racing Neo ist ein saustarkes Spiel geworden, das sich locker mit der Softwarequalität von Nintendos First-Party-Titeln messen kann - und das "nur" als eShop-Software zum günstigen Preis von knapp 15 Euro. Dass eine solche Kombination von geringen Ladezeiten, butterweichen Framerates und fantastischem Streckendesign auf der Wii U überhaupt machbar ist, dürfte selbst viele Nintendo-Fans überraschen. Am meisten wird euch aber das schiere Geschwindigkeitsgefühl packen - spätestens in der Hypersonic-Liga presst einen die vorbeizischende Strecke dermaßen in den Sitz, dass man als Spieler glatt das Atmen vergisst!
Quelle: Shin'en
Dabei ist die höchste Geschwindigkeitsklasse noch längst nicht die größte Herausforderung für Fast Racing Neo-Piloten: Erreicht ihr in der Hypersonic-Liga mindestens den dritten Platz, wird der erbarmungslose Hero-Modus freigeschaltet. Hier fungiert euer Turbo-Meter gleichzeitig als Schutzschild. Wer also voll auf Geschwindigkeit setzt, ist mit einem extrem fragilen Auto unterwegs - und das bei Maximalbeschleunigung und gespiegelten Strecken! Eure hier erworbenen Fähigkeiten kommen euch dann aber auch garantiert im lokalen Splitscreen- oder dem technisch astreinen Online-Mehrspielermodus zugute. Fast Racing Neo wird nicht von Sprit angetrieben, sondern von Ehrgeiz - und ist dadurch eines der besten Rennspiele auf der Wii U geworden.
