Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - ​Episch, opulent und bildgewaltig

Test Alexander Winkel
Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - ​Episch, opulent und bildgewaltig
Quelle: Bandai Namco

Bildgewaltig und geradezu episch geht eine große Ära für CyberConnect2 zu Ende. Ihre Interpretation des aus der Feder von Masashi Kishimoto stammenden Ninja-Epos liefert uns nun nach vielen Jahren erfolgreicher und durchwegs gelungener Videospiele die ultimative letzte Schlacht als Höhepunkt, den vierten Ninjakrieg mitsamt des Showdowns gegen Madara und Tsukuyomi. Für Fans ist Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 mit Sicherheit ein absoluter Pflichtkauf - alle anderen sollten aber Vorsicht walten lassen!

Seit vielen Jahren beschert uns die japanische Entwicklerschmiede CyberConnect2 dank der riesiger Naruto-Fans in den eigenen Reihen zumeist gelungene Umsetzungen des weltweiten Anime-Phänomens und erzählte uns nach und nach die Geschichte des jungen Ninja-Kriegers aus Konoha-Gakure, der eines Tages als Hokage die Geschicke der Ninja-Krieger leiten möchte. Seinen Traum stets treu geblieben, ist einer seiner wichtigsten Stärken die enge Verbundenheit mit seinem Dorf, den Einwohnern und vor allem mit all seinen Freunden, die er niemals im Stich lassen würde. Auch wenn diese sich ihm entgegenstellen, sieht er immer das Gute in seinen Kontrahenten und versucht auch so manchen Abtrünnigen wie Obito und natürlich vor allem Sasuke mit viel, viel Geduld von seinem "Ninja-Weg" zu überzeugen.

Letzter Showdown, der vierte Ninjakrieg

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - Episch, opulent und bildgewaltig Quelle: Bandai Namco Mit Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 tauchen wir in die letzten Episoden der fast 700 Folgen umfassenden Anime-Serie ein und erleben den ultimativen Showdown des vierten Ninjakrieges mitsamt all den unglaublichen Kämpfen zwischen Naruto, seinen Freunden und Anhängern sowie den bösen Mächten final in Form von Madara Uchiha und der wiederbelebten Kaguya Tsukuyomi. Ein bildgewaltiges Action-Feuerwerk jagt im Haupt-Solomodus den anderen, liefert uns grandiose Kämpfe meist mit extrem opulent gezeichneten Anime-Sequenzen, die mit Quick-Time-Events gelegentlich gesteuert werden. Wer einmal in dieses Abenteuer einsteigt, wird für die nächsten acht Stunden kaum mehr zu Atem kommen und quasi den gewaltigsten und längsten Bosskampf in der Geschichte der Naruto-Spiele ausfechten.

Der Storymodus wird begleitet von - wie sollte es auch anders sein - sehr viel Geschichte rund um die verschiedenen Charaktere und Ninja-Krieger und so manche Szene treibt einem als Fan abermals die Tränen in die Augen. Nicht alles geht positiv aus, daran kann auch der Ehrgeiz eines Narutos nichts ausrichten. Vor allem gegen Ende in der zweiten Hälfte des Spiels setzt CyberConnect2 immer häufiger auf bewegte Bilder, entnommen aus dem Anime und sorgt damit für passende Stimmung. Leider kommen aber viel zu häufig auch schlichte Standbilder aus der TV-Serie zum Einsatz, die mit Effekten und entsprechenden Bewegungen zwar aufgepeppt wurden, nicht aber über den Umstand hinwegtäuschen, dass man es sich doch etwas einfach gemacht hat oder aber die Lizenz nicht mehr erlaubte.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - Episch, opulent und bildgewaltig Quelle: Bandai Namco Ärgerlich dahingehend, weil die Geschichte einen absoluten Löwenanteil des Storymodus einnimmt. Nicht selten steht man nur maximal 2-3 Minuten auf dem Schlachtfeld, lässt die Fäuste fliegen und dank zahlreicher opulenter Jutsu-Zauber ein gewaltiges Effektfeuerwerk über den Bildschirm fegen, um zehn weitere Minuten den schlagfertigen Dialogen zu lauschen. Liebhaber werden sich übrigens über die japanische Tonspur freuen - eine Pflichtoption für derartige Anime-Umsetzungen - ansonsten bekommt man sauberes Englisch mit deutschen Untertiteln auf die Ohren. Die original Sprecher sorgen für Authentizität, wobei der verbale Schlagabtausch meist bis in die epischen Kämpfe hinein getragen wird. Von der Art der Präsentation wirkt Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 wie aus einem Guss, etwas was die Entwickler seit eh und je auch wirklich drauf haben. Die Technik aber liefert eine Zweiklassenoptik. Alles, was in Spielgrafik präsentiert wird, ist um ein vielfaches opulenter als der tatsächliche Anime. Alle Szenen aus der TV-Serie aber wurden derart unscharf und schlecht optimiert, dass einem fast schon der Spaß am Spiel vergehen kann.Nachhilfe im Abenteuermodus

Einen gewaltigen weiteren Nachteil offenbart der Storymodus all denjenigen, die sich bis dato nicht mit Naruto und seinem Lebensweg beschäftigt haben. Völlig unbedarft wird der Spieler ins eiskalte Wasser geworfen, ohne einer Möglichkeit die vorherigen Ereignisse in irgend einer Form für sich nochmals aufarbeiten zu können. Der Storymodus startet unvermittelt inmitten des vierten Ninjakrieges und man kämpft zum Beispiel an der Seite von Naruto, Sasuke und später dann auch vereint als Team 7 gegen die bösen Gegenspieler, um die Welt vor dem Untergang zu retten. Warum Sasuke zum Beispiel seinen eigenen Weg beschreitet, warum ein Orochimaru bei manch einem doch gewisse Abneigung erzeugt und weshalb Obito Uchiha trotz allem für Naruto als Freund wichtig ist - all das bleibt einem Quereinsteiger mehr oder weniger verborgen. Mit vielen Fragezeichen und unbeantworteten Fragen kann man schlichtweg nur das Spektakel eines heroischen Endkampfes genießen, ohne die Hintergründe auch nur annähernd verstehen zu können.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - Episch, opulent und bildgewaltig Quelle: Bandai Namco Bereits im Storymodus versuchte CyberConnect2 die eine oder andere Rückblende einzustreuen. Es gibt ein paar zusätzliche Ereignisse, die man abseits der Story aufarbeiten darf und somit doch noch das eine oder andere über die Charaktere in Erfahrung bringt. All diejenigen mit zahlreichen Fragen bekommen immerhin die eine oder andere Antwort im darauffolgenden Abenteuermodus. Nach den Ereignissen des vierten Ninjakrieges blüht das Dorf Konoha-Gakure wieder auf und an der Seite von Naruto erledigt man unter dem neuen Hokake einige Botengänge. Während uns der Storymodus schlichtweg die Geschichte unterbrochen mit epischen Kämpfen darbrachte, bietet der neue Modus etwas mehr spielerische Freiheit. Man wandert durch die Ortschaften, kann sich mit den Bewohnern unterhalten und hier und dort auch die eine oder andere zusätzliche Aufgabe erledigen. Leider reicht das Niveau nur kaum über simple Bring- und Hol-Quests hinaus.

Der Frechdachs im orangefarbenen Anzug bereist dabei gemeinsam mit Sakura Haruno und Hinata Hyuuga die große weite Welt und kommt an altbekannten Schauplätzen wieder vorbei. Seien es die anderen Nunja-Dörfer zum Beispiel in der Wüste oder dem Wasserreich, seien es Schauplätze, an denen wichtige Ereignisse stattgefunden haben. Zu letzterem zählt auch der gewaltige Wasserfall mit den steinernen Statuen, wo sich Naruto und Sasuke beständig eins auf die Mütze geben. Während man Briefe austrägt, Katzen auffindet und verlorene Gegenstände wieder zurück zu ihren Besitzern bringt, schwelgen die drei beständig in ihren Erinnerungen und so kommt es schlussendlich, dass man doch noch das eine oder andere über die Vergangenheit in Erfahrung bringt. Wichtige Schlüsselereignisse angefangen von den Ninja-Prüfungen bis hin zu diversen Schlachten und Kriegen kann man in den knapp über fünfzig Ereignissen nochmals nachspielen, auch wenn dies schlussendlich immer auf einen typischen Kampf hinaus läuft. Zwar wird auch hier wieder nur auf bewährte schlichte Technik zurück gegriffen und alles meist mit simplen Standbildern und vor allem viel Dialogen dargebracht, aber der Neueinsteiger bekommt doch noch das eine oder andere über Naruto und seine Schicksale zu hören.

Mit fulminanter Action in den Zweikampf

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - Episch, opulent und bildgewaltig Quelle: Bandai Namco Aber mal ganz ehrlich, der Abenteuermodus ist sicherlich gut gemeint gewesen und erweitert das Erlebnis für Solisten um weitere 5-7 Stunden oder mehr, sofern sämtliche Erinnerungen durchforstet werden. Aber schaut man sich die spielerischen Möglichkeiten und die Erfahrung an, die uns dieser bietet, wirkt das alles eher wie ein Alibi, um den auf puren Kampf und Story ausgelegten Storymodus noch ein wenig zu bereichern. Wesentlich interessanter, vor allem für langjährige Fans der Ultimate Storm Reihe, ist dagegen der Kampfmodus. Dieser offenbart, hat man sich einmal durch die zahlreichen Menüs durchgeackert, unglaublich viele Spielmöglichkeiten und vor allem Herausforderungen, wo auch Veteranen letztendlich zähneknirschend und den Controller geradezu malträtierend ins Schwitzen kommen werden.

Wirklich opulent ist die Riege an Ninja-Kämpfern aus sämtlichen Nationen, Dörfern und Epochen des Naruto-Universums. Mit den Ereignissen des vierten Ninjakrieges kommen noch zusätzlich einige weitere Charaktere wie Kaguya und Madara hinzu oder Variationen, wie zum Beispiel die letzten Formen von Naruto Uzumaki und seinen Mitstreitern. Der Hauptanteil der über 100 vorhandenen Krieger, die bisweilen auch erst noch freigespielt werden müssen, wurde ohne Anpassung oder Veränderung mit allseits bekannter und beliebter Move-Sets aus den Vorgängerspielen übernommen. Während Kenner sogleich auf die diversen Jutsus zurückgreifen und die jeweiligen Vorteile der einzelnen Charaktere in die Praxis umsetzen, kommen die Anfänger dank des eigentlich recht simpel zu erlernenden Kampfsystems recht schnell in den vor allem optisch grandios umgesetzten Schlagabtausch hinein. Schnell verpasst man saftige Backpfeifen in rascher kombinierter Abfolge oder haut dem Kontrahenten die geballte Power der Chakren um die Ohren.

Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 im Test - Episch, opulent und bildgewaltig Quelle: Bandai Namco Die Naruto Reihe spielt sich ungewohnt anders als übliche Vertreter wie Tekken, Soul Calibur oder Dead or Alive, bietet mit den gekonnten Ninja-Block-Möglichkeiten, der Erweiterung des Systems mit Jutsu-Kräften und den Aufbau des Chakra durchaus einen gewissen Reiz. Wer sein Können letztendlich nicht in diversen Überlebens-Modi oder anderen Herausforderungen gegen eine teils sehr wackelige, unausgeglichene KI misst, kann sich gegen Spieler aus aller Welt behaupten. Doch hier wird man recht schnell feststellen, dass die Wahl des persönlichen Kämpfers einen entscheidende Rolle spielt. Man sollte die Schwachstellen kennen und diese gekonnt mit den Vorteilen übertrumpfen, ansonsten wird es mehr als nur blaue Flecken hageln. Das Spiel ist gar so frech und speichert automatisiert auf der Xbox One Niederlagen ungefragt als Video, sofern dies im System der Konsole zugelassen ist. Je nach Einstellung können bis zu zwei weitere Teammitglieder im Kampf antreten. Gemeinsame Aktionen lassen es ordentlich krachen und wenn man möchte, kann der Hauptcharakter gar gegen Teammitglieder ausgetauscht werden. Alle Charaktere verfügen dabei aber über eine einzige Lebensanzeige und teilen sich somit die eingesteckten Treffer. Kurz vor dem Ableben also auf den Mann am Rand des Geschehens zu wechseln, hilft hier nicht wirklich viel.

Meinung

Wertung zu Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 (XBO)

Wertung:

8.0 /10

Wertung zu Naruto Shippuden: Ultimate Ninja Storm 4 (PS4)

Wertung:

8.0 /10
Pro & Contra
Die Story wurde grundsätzlich superb auf 8 Stunden zusammengefasst und liefert tolle Dialoge.Die Sprachausgabe bietet englische Originalstimmen oder gar Japanisch für alle Fans und Liebhaber.Die Spielgrafik ist ein Augenschmaus und gar opulenter als die TV-Serie umgesetzt.Über 100 Kämpfer dürfen mit der neuesten Edition nun in den Ring steigen. Mit dabei sind auch einige neue Gesichter oder „modernere“ Formen bekannter Charaktere.Immenser Spielumfang mit etlichen zusätzlichen Modi wie Turniere, Überleben und Zweikampf.Viele zusätzliche Extras und Sammelobjekte können frei geschaltet werden. Der Fanservice ist unglaublich umfangreich ausgefallen.
Viel zu kurze und zu wenig Spielmomente im Storymodus. Hier wird fast nur Geschichte herunter gebetet.Viele Standbilder anstatt echter Szenen aus dem Anime und dann auch noch alles sehr unscharf und mit schlechten Effekten „aufgewertet“.Neueinsteiger werden mit einer weit fortgeschrittenen Story konfrontiert, ohne Möglichkeit die vorherigen Ereignisse in irgend einer Form aufzuarbeiten.Die KI kann so manches mal wirklich nervig und gar frustrierend sein und lässt je nach Schwierigkeitsgrad nur wenig Chancen zu.Perfekte Wertungen im Storymodus zu bekommen ist nur noch Hardcore-Spielern möglich.

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