Telltale bietet uns mit der Miniserie Michonne zu The Walking Dead tolle Zeitlupenkämpfe, aber leider immer noch altbackene Technik.
Während "Der letzte Tag auf Erden" als Finale der sechsten TV Staffel nun gelaufen ist (bzw. heute deutsche Ausstrahlung auf Fox), kommen Spieler dank Telltale Games auf ihre Kosten und können weiterhin mit ihren Helden mitfiebern. Anstatt die eigene Geschichte im Clementine weiter zu erzählen, liefert uns der Entwickler eine Miniserie, welche Michonne gewidmet ist. Was hat sie so alles zwischen der Zeit ihres Familienverlustes und dem Auftauchen bei Ricks Gruppe durchgemacht? Das und mehr bieten uns drei Episoden im Spielformat.
Quelle: Telltale
The Walking Dead: Michonne - Episode 2 (2)
Entwickler Telltale Games mag vor The Walking Dead schon das eine oder andere Spiel veröffentlicht haben, unter anderen hatten sie sich an Jurassic Park versucht, doch erst mit der Zombie-Epidemie wurden das Entwicklerstudio sowie das von ihnen geprägte Genre so richtig berühmt. Kein Wunder, dass sie sich gerne wieder in genau dieses Szenario stürzen. Im Gegensatz zur eigenen Serie vertiefen sie nun aber die Hintergründe eines Charakters aus der TV Serie und liefern damit Stories, die eher von den Comics inspiriert wurden. Dementsprechend schick ist auch bereits das Intro gestaltet. Es erinnert uns an Filme wie James Bond, oder eben Marvel, mit entsprechenden tollen Szenen und Schnitten zur Person Michonne.
Diese findet sich zu Beginn der ersten Episode am Abgrund ihres seelischen Daseins. Was in der Vergangenheit unter anderem in ihrer Wohnung geschehen und was mit ihren beiden Töchtern passiert ist, belastet ihre Psyche und dementsprechend ist es naheliegend, dass sie sich tatsächlich mit der Knarre das Hirn aus dem Schädel pusten wollte. Der letzte Wille fehlt ihr aber und das ist auch gut so! Denn ansonsten müssten wir ja auf einen ganz besonderen Charakter in der TV Serie verzichten. Im Spiel trifft sie auf Pete, einen gebeutelten Mann, welcher Michonne in sein Team aufnimmt und mit auf sein Boot nimmt. Auf dem Wasser sei man noch am sichersten und so verbringt die Crew ihren Alltag damit, auf See zu schippern und Ressourcen wie auch Nahrung zu bergen.Auch dieses Episodenspiel wäre kein solches, wenn nicht alsbald einige Dinge richtig schief laufen würden. Das Schiff läuft auf dem Grund auf und es bedarf einiger Dinge zur Reparatur und noch während der Erkundung einer Fähre geraten Pete und Michonne in Gefangenschaft. Die Umstände sind prekär. Denn die beiden werden verdächtigt, anderen geholfen zu haben, Nahrungsmittel und weiteres zu stehlen und so müssen sie sich gegenüber einer recht großen anderen Truppe verantworten. Das Problem dabei: Wer ist nun der Gute und wer ist der Böse? Dementsprechend kann man sich auch ein wenig wieder auf eine Seite schlagen und somit die Story beeinflussen. Nach wie vor liefert Telltale Games typische Dialoge mit der Möglichkeit von Entscheidungen innerhalb von wenigen Sekunden. Sekunden, die unter anderem über Leben und Tod so mancher Charaktere entscheiden können.
Quelle: Telltale
The Walking Dead: Michonne - Episode 2 (4)
Mit Michonne ist aber ein aus der TV Serie und den Comics bekannter Charakter mit an Bord und damit hegt man schon von Anfang an wesentlich mehr Sympathie zur Hauptdarstellerin, wobei Telltale Games mit Clementine einen geradezu perfekten Part für ihre eigene Serie geschaffen hatte. Wer hatte dieses Mädel nicht ins Herz geschlossen? Ein wesentlicher Aspekt dieser Miniserie ist die Charakterentwicklung von Michonne und vor allem das, was sie alles durchmachen musste. Dazu kommt es immer wieder in hitzigen oder brenzligen Situationen dazu, dass sie ihre beiden Töchter vor Augen sieht, wie eine schreckliche Halluzination, oder aber einen kompletten Flashback erlebt und wir die Ereignisse in ihrer Wohnung nachspielen. Da wären einige Zombies, die sie schlachten muss, aber auch die Ungewissheit, was mit ihren Töchtern Colette und Elodie passiert ist. Etwas, was ihr bis zuletzt zu schaffen macht, sie aber durch Tatendrang und ihre menschliche Seite zu bekämpfen weiß.
Die Flashbacks sind schockierend und cool inszeniert, das Auftauchen ihrer Töchter vermag sogar ab und an einen Schockmoment zu hinterlassen. Und an Gewalt mangelt es dank dem Katana ebenfalls nicht. Insgesamt tragen diese Szenen ihrer Vergangenheit vor allem dazu bei, den Charakter Michonne weiter zu entwickeln und aufzuzeigen, warum sie oft in sich gekehrt ist. Weiterer Aspekt in der neuen Miniserie von Telltale Games ist die Art der Actionsequenzen, die bisweilen sehr gekonnt mit Slow-Motion Effekten arbeiten und damit die Kampfszenen gegen Zombies wie auch Menschen unglaublich fesselnd auf den Bildschirm zaubern. Die Optik bleibt dabei in altbekannter Comic-Grafik und leider hat Telltale Games auch nicht an der Performance gearbeitet. Nach wie vor Ruckelt die Engine heftig und das obwohl wir auf der Xbox One uns das Abenteuer angeschaut haben.
