Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd

Test Alexander Winkel Tschoebster
Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (2)
Quelle: Bandai Namco

Wehmut umschmeichelt die Herzen der Fans und Tränen werden fließen, wenn sie ein vermeintlich letztes mal dem Sensenmann gegenüber treten. Es soll der letzte Ausflug der sagenumwobenen Serie werden. Ein letzter Tanz mit dem Tod, den uns Hidetaka Miyazaki noch gönnt. Ein grandioser Abschluss einer Serie, die geradezu aus dem Nichts heraus entstand und doch solch große Wellen in der Videospielbranche geschlagen hat. Die Rede ist von Dark Souls 3, dem Abschluss der Souls- und damit das Ende einer gefeierten Hardcore-RPG Reihe.

Inhalt des Reviews: Tschoebster
Ausformulierung: Alexander "Perfect007" Winkel

Die Vergangenheit hat uns bereits gelehrt, dass From Software und das Entwickler-Team um die Dark Souls Reihe (einschließlich des grandiosen Abstechers in Bloodborne und dem Erstlingswerk Demons Souls) ein Händchen für eine grandiose Spielmechanik hat, die uns zugleich fasziniert, wie auch letztendlich abgrundtief herausfordert. Dark Souls 3 ist wie seine Vorgänger auch ein knallharten Action-Rollenspiel, in dem die Helden und Heldinnen sich auf eine Reise begeben, ohne Aussicht auf Wiederkehr. Die Feinde, die sich in der unwirtlichen Welt uns entgegen stellen, agieren keinesfalls zimperlich und vor allem die mächtigen Bosse trumpfen auf dem ersten Blick derart auf, dass so mancher Neuling sich mit Sicherheit die Rüstung voll pinkeln wird.

Neue Helden braucht das Reich

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (7) Quelle: Bandai Namco Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (7) So wird ein Recke im Editor erstellt, mit sämtlichen Feinheiten und Gegebenheiten, die sich ein Fan der Serie wie auch Quereinsteiger nur wünschen kann. Ob kraftstrotzender Ritter und Recke, ob gewiefter Bandit oder auch als Magier stellt man sich nun einer Prüfung, die es in sich hat. Doch die anfängliche Klassenwahl und Einstellung stellen nur das grobe Fundament eines Charakters dar, welcher sich im Laufe der vielen Stunden und Monaten erst entwickeln wird. Denn obwohl der Ritter in schillernder Rüstung und glanzvoller Pracht natürlich mächtig was her macht, so kann er sich gegebenenfalls dennoch auch mit lumpiger aber leichter Kleidung begnügen. Hauptsache der Spieler kommt gegen die zahllosen Kreaturen aus der Unterwelt zurecht, welche die Welt um Lothric eingenommen haben.

An den Attributen und vor allem Werten der Rüstungen und Waffen werden vor allem die Fans wieder ihre Freude haben, wenn sie diese beim Schmied entsprechend aufwerten, sich verschiedene Buffs zurechtlegen und anschließend in zwei drei Kämpfen erst einmal das Repertoire der schneidigen Argumente ausprobieren. Einige Klingen spielen sich ähnlich, andere verfügen wiederum über ein ganz anderes Moveset und Dark Souls 3 wartet auch mit neuen Möglichkeiten, der manakonsumierenden Waffenfertigkeiten auf. Den Feind mit einem Arschtritt in die ewigen Jagdgründen schicken? Nichts leichter als das, sofern man sich anschleichen kann. All das will zunächst erprobt sein. Dark Souls 3 bietet dahingehend auch wieder die gesamte Breite an Items und Gegenständen, die unter Kennern nostalgische Gefühle wecken werden. Die Welt ist angelehnt an den bisherigen Teilen, das Spielprinzip gleicht sich und dennoch macht der vermutlich letzte Teil der Serie doch so einiges besser als sein durchaus von Fans und Kritikern etwas bemängelte direkte Vorgänger.

Eine Welt epischen Ausmaßes

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (8) Quelle: Bandai Namco Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (8) Der dritte Teil ist so viel mehr Dark Souls (1) - was Fans sicherlich gerne hören werden. Das fängt bereits mit der unglaublichen Spielwelt an. Diese ist wieder sehr schön verschachtelt und bietet zahlreiche Geheimgänge und Möglichkeiten, sich für Stunden in den Tälern. Burgen und Verliesen zu verlieren. Dennoch wirkt die Welt wie aus einem Guss, schlichtweg glaubhaft. Neben Burgen schmiegen sich ganze Städte an die Felswände, riesige Brücken überqueren die Abgründe und einmal auf einem hohen Turm angelangt, blickt man mit großen Augen in die Täler, in denen man Stunden oder Tage zuvor noch herum gewandert ist. Die Dimensionen sind riesig und so manches Mal kann uns Dark Souls tatsächlich auch wieder mit epischen Panoramen begeistern. Da stockt einem fast schon der Atem.

Wir wandern dabei durch dunkle und unheimliche Katakomben, riesige Städte mit verwinkelten Gassen und Hinterhöfen und erklimmen dabei Kathedralen. Aber auch der begrünte Wald oder giftige Sumpf ist ein Teil des Abenteuers und sorgt für Abwechslung. Das Schöne daran ist immer, dass alles, was man in der Ferne oder hoch oben auf einem Berg zu erkennen vermag, oftmals etwas unscharf durch die Entfernung oder gar durch Nebel und Wolken verschleiert, stets zu Fuß auch erreichbar ist. Den Fehler aus dem zweiten Teil haben die Entwickler aber nicht noch einmal gemacht und somit ist der Weg zum Ziel nicht nur steinig und mit Gefahren durchzogen, sondern auch wirklich auf die Entfernung angepasst. Um es kurzum zu sagen, die Welt von Dark Souls 3 ist wieder in sich stimmig.

Grandioser Waffentanz ...

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (6) Quelle: Bandai Namco Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (6) All die Reisen wären ja toll, wenn nicht unendlich viele Kreaturen und übermächtige Ritter den Pfad versperren würden. Wie gewohnt ist die Umgebung äußerst aggressiv gestimmt auf den Recken. Wobei, so ganz kann man dies nicht behaupten, denn ihr trefft durchaus auch auf gut gesinnte Riesen oder andere skurrile Gestalten, die sich eurer Sache anschließen, den einen oder anderen Tipp parat haben oder wichtige Gegenstände gegen Seelen oder seltene Objekte eintauschen. Ein seltenes Schauspiel, welches in den meisten Fällen durch den Tod bringende Dämonen, untoten Klappermännern oder gar mächtige Drachen abgelöst wird. Die meisten Biester und Geschöpfe werden alles in ihrer Macht stehende gegen euch anwenden, um den Eindringling in ihre Revier aus der Welt zu vertreiben - das können gerne auch mal andere Lebewesen sein, die sich einen Streit vor euren Augen liefern.

Im Tanz der Klingen und Klauen zeigt Dark Souls 3 sowohl seine Stärken als auch Schwächen. Das Kampfsystem ist nach wie vor in den meisten Situationen grandios austariert, erneuert durch individuelle Waffenfertigkeiten und dank den Erfahrungen aus Bloodborne auch einen Tick flotter. Mit gekonntem Block wird der Angriff mit dem Schild abgewehrt und die eigene Parade eingeleitet. Mächtigen Angriffen weichen die Veteranen mit einer Rolle aus und versuchen damit auch gerne mal in den Rücken zu fallen. Eine Attacke aus dem Hinterhalt ist sicherlich nicht die Feine Art, seinem Feind gegenüber zu treten, verschafft aber Vorteile und die sind wichtig. Egal ob es nur das Klappergestell von Nebenan ist, oder einer der zahlreichen mächtigen Bosse - die Feinde haben alle ihre eigene Art, mit den Eindringlingen umzugehen. Das Studium ihrer Angriffe und möglichen Schwachstellen ist nach wie vor bitter nötig, um zu überleben. Wie gewohnt ist der Titel hart! Selbst der aufgestockte Estus-Vorrat geht einmal zuneige, doch mit etwas Glücck findet man ja einen der seltenen Estus-Suppen vor sich hin köchelnd in einem Kessel und kann sich spontan genießend unterwegs erfrischen.

... die Handhabe mit kleinen Schwächen

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (5) Quelle: Namco Bandai Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (5) Nach längerer Spieldauer offenbaren sich aber auch Schwächen, die das eine oder andere Mal durchaus einen frustrierenden Tod mit sich bringen. Kameraprobleme kennt man durchaus aus den Vorgängern und gefühlt hat sich auch hier einiges gebessert. Doch Anvisieren der Feinde kann zur wahren Tortur mutieren. Gerne in hektischen Kämpfen, vor allem gegen riesige Biester und Monster, neigt die Kamera dazu, seine Ausrichtung auf den Feind zu verlieren bzw. der wackere Held schlägt plötzlich munter fröhlich Luftlöcher. Das mag unter anderem an den schnellen Aktionen solcher Gegner liegen, aber in Kombination mit dem Lock-On kann das Problem auch darauf zurückgeführt werden. Unter anderem misslingt das Anvisieren auch gegen mehrere Gegner, weil das Spiel manches mal lieber diejenigen ins Auge fasst, die zum Beispiel außerhalb der Mauern herum schleichen.

Ein weiterer Faktor steckt in der künstlichen Intelligenz. Der hohe Schwierigkeitsgrad ist durch das gnadenlose Kampfsystem geprägt, wo ein Fehler bereits den tödlichen Gegenschlag bedeuten kann. Daher ist nicht der Angriff die beste Verteidigung, sondern der taktische Schachzug, in welchen alles Wissen um den Feind und bezüglich seiner Attacken eingeflossen ist. Das nützt aber selbst dem tapfersten Helden nichts, wenn die Biester regelrecht zur Furie werden und voller Rage und fast ewiger Folge nur noch wild um sich schlagen. In solchen Situationen verliert das grandiose Kampfsystem seine Wirkung und wird gnadenlos ausgehebelt, so das dem Spieler die Kontrolle über den Kampf aus der Hand gerissen wird. Der Tod klopft an die Türe und Dark Souls 3 ist vermeintlich noch einen Tick schwerer geworden. Derartiges zweifelhaftes KI-Verhalten schmälert aber durchaus den ansonsten positiven Eindruck und Spielspaß und das wo wir doch die Souls-Spiele immer gerne als allzeit fair bezeichnet haben.

Übung macht den Meister

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (4) Quelle: Namco Bandai Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (4) Letztendlich und nicht nur aufgrund der Furien gehört der Titel wieder zu den härtesten seiner Art, auch wenn Kenner sich sofort einfinden und vor allem die ersten Bosse fast schon im Schlaf über den Jordan schicken. Wer sich neu in die Welt von Dark Souls wagt, und das ist vollkommen ohne Vorwissen jederzeit möglich, wird die Zähne knirschen und vielleicht auch voller Wut gerne seinen Controller an die Wand pfeffern. Aber keine Sorge, auch Veteranen werden ihre Herausforderungen in den zahlreichen Bossen und manch normalen Gegnern noch finden. Ein Novum für den dritten Teil, das sich diese nicht immer gleich verhalten, sondern überraschenderweise auch mal neue Phasen mit sich bringen. Wer seine Ohren aufmacht, wird so manche Vorankündigung bereits vernehmen, bevor ein harmlos wirkender Untoter zu einem schier unbezwingbaren Monster mutiert. Final sorgen die Endgegner ebenfalls für den einen oder anderen überraschenden Moment. Der Schein trügt und so manchmal sollte man sich nicht zu früh auf seinen Lorbeeren ausruhen!

Es bedarf also wieder viel Übung und Geduld, um diesem Biest von einem Spiel Herr zu werden, es zu zähmen oder gar zu bezwingen! Man muss sich rein fuchsen wie in kein anderes Rollenspiel, sich mit den Kämpfen, den Gegnern und auch den Gegenständen beschäftigen und aus Fehlern Schlüsse und Konsequenzen ziehen, um am Ende mit stolz angeschwollener Brust als Held gefeiert zu werden. Hart und steinig ist der Weg, was dahingehend auch die Faszination der Serie ausmacht und warum Fans bis heute treu bleiben. Es ist die grandiose Spielwelt und das Kampfsystem, was diesen Titel ausmacht, nicht das geschichtliche. Auch Dark Souls 3 mag mit einer Story daher kommen, die bisweilen zu schicken Zwischensequenzen führt und vor allem in mysteriösen Hinweisen, Angaben und Häppchen präsentiert wird. Für den einen ist diese so wichtig wie der Kaugummi auf dem Ritterstiefel, andere gehen darin mit eigenen Interpretationen und Gedankengänge auf und werden über jede Einzelheit genüsslich philosophieren.

Onlinemodus und die Technik

Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (3) Quelle: Bandai Namco Dark Souls 3 im Test: Teuflisch gut und unmenschlich herausfordernd (3) Redekunst ist gefragt und damit ist nicht die nur in Englisch vorhandene Sprachausgabe gemeint. Gesten und Begrüßungen wird man wieder für den Onlinemodus parat halten müssen. Wie aus den Vorgängern bekannt, laden wieder zahlreiche "Covenats" dazu ein, gemeinsam die schwersten Bosse anzugehen oder kurzerhand als "Invader" andere Welten zu besuchen, um deren Spielern an die Gurgel zu gehen. Auch zahlreiche Hinweise zahlreicher gescheiterter Helden oder findiger Abenteurer mit Erkundungsdrang sind vorhanden, die einen in die Irre führen, meist aber auf wichtige Gegenstände und geheime Gänge hinweisen. Leider konnten wir all die zusätzlichen Elemente nicht weiter begutachten, da bis heute die Onlinewelt sowohl auf der Xbox One als auch Playstation 4 nicht zugänglich war und von daher müssen wir auch auf eine Mehrspielerwertung verzichten.

Heißer Punkt der Debatte ist auch die Technik. Wie bereits erwähnt, ist die Welt grandios umgesetzt und vor allem die zahlreichen Aussichtspunkte sorgen zusammen mit dem epischen Soundtrack vor allem in den Bosskämpfen für viel Atmosphäre im Spiel. Grafisch bewegt man sich auf dem Niveau zwischen der aufpolierten Dark Souls 2 Edition und dem wahrlich ansehnlichen Bloodborne. Vor allem die etwas größeren Gegner tierischer Natur trumpfen mit üppig wellendem Fell, Fetzen von Kleidungen oder ähnlichem auf und sorgen durchaus für große Augen vor dem Bildschirm. Gut, das mag auch manches mal an der Größe dieser Biester liegen. Egal auf welchem System, das Spiel läuft seit dem letzten Patch weitestgehend flüssig und birgt nur noch selten aber serientypisch das Problem von Einbrüchen in der Bildrate. Schade nur, das die altbekannten kleineren Fehler wie Clippingfehler, Grafikaufbau, fliegende Objekte oder ähnliches nach wie vor vorhanden sind. Im direkten Vergleich muss die Xbox One auch Federn lassen. Auf der Playstation 4 wirkt alles einen winzigen Ticken knackiger und schärfer, wohl aufgrund der Bildauflösung. Und wer die Lupe anlegt wird unter anderem auch am Schatten der Spielfigur markante Unterschiede finden. Doch wir sprechen von geradezu filigranen Details, die kaum ins Gewicht fallen und dem Spielerlebnis in keinster Weise schaden.

Meinung

Wertung zu Dark Souls 3 (PS4)

Wertung:

9.2 /10

Wertung zu Dark Souls 3 (XBO)

Wertung:

9.2 /10
Pro & Contra
Gewohnt knackiger SchwierigkeitsgradVielseitige Möglichkeiten zur Charakterentwicklung.Jede menge Geheimnisse gibt es zu entdecken.Grandioses Kampfsystem nun einen Tick flotter und ausgereifterAtmosphärische und wieder stimmige Spielwelt… welche grandios in sich verschachtelt wurde
Einige Gegner ticken gerne mal aus und sorgen dafür, dass sämtliche Taktiken wirkungslos sindDas Lock-On System ist teilweise sehr ungünstig umgesetzt und funktioniert nicht so rechtGelegentlich noch KameraproblemeSerientypische Framedrops

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