The Park im Test: Als Horror-Adventure getarnte Psychoanalyse

Test Alexander Winkel
The Park (9)
Quelle: PC Games

Mit The Park tauchen wir bei Nacht unter Nebelschwaden und doch sternklarem Himmel ein in einen gruseligen, heruntergekommen Vergnügungspark. Funcoms subtiler Horror bereitet uns Gänsehaut-Stimmung und bietet gekonnt den einen oder andern Schockmoment, das Adventure liefert aber mehr als nur gruselige Atmosphäre. Es berichtet unterschwellig vor allem von alltäglichen Problemen, die Alleinerziehende mit schwierigen Kindern wohl niemals aussprechen würden!

Es sollte ein unterhaltsamer und spaßiger Tag werden, doch der Ausflug zum Atlantic Island Park wird zum Horror-Trip für Lorrain, alleinerziehende Mutter. Auch wenn der Anfang recht harmlos und natürlich beginnt, so stecken in den Aussagen von Lorrain bereits erste Andeutungen drin. Sie kehre immer wieder zu diesem Tag zurück. Der Tag, an dem sie ihren Sohn Callum aus den Augen verlor. Dieser rennt in den bereits geschlossenen Vergnügungspark, weil er seinen Teddy verloren hat und nicht ohne diesen zurück nach Hause fahren möchte. Der Wärter lässt Lorrain noch freundlich durch das Tor, doch bereits im nächsten Augenblick geht der Mond auf, dunkle Nebelschwaden schleichen über die Wege und es ist bitterkalte-finstere Nacht. Grafisch ein düsteres Werk, welches durchwegs gelungen ist und nur mit einem leichten Detailaufbau negativ auffällt.

The Park (5) Quelle: PC Games The Park (5) Mit diesem rabiaten Szenenwechsel, der auch akustisch vom feinsten untermauert wird, bekommt der Spieler einen ersten Eindruck, was ihn in den kommenden knapp zwei Spielstunden erwarten wird. The Park arbeitet dabei mit ganz subtilen Mitteln. Lorrain ruft, anfänglich noch ärgerlich und mit fester Stimme, gegen Ende dann wimmernd und ängstlich nach Callum. Dieser scheint ohne Furcht durch die Düsternis zu rennen und verhöhnt dabei seine Mutter. Ein verlorener Schuh hier, ein paar Rufe dort und wir ahnen schon das Schlimmste. Dabei muss Lorrain zu keinem Zeitpunkt wirklich Monster bekämpfen oder Rätsel lösen, wir wandern einfach durch den Park und schwelgen einerseits in Erinnerungen um Lorrain, andererseits dank Zeitungsartikel und anderer Hinweise in den Geschehnissen rund um den Vergnügungspark.

Zu Beginn des Spiels heißt es noch, man solle das Deckenlicht ausschalten, bei Nacht spielen und vielleicht sogar bei stürmischen Wetter die Balkontüre offen lassen, so dass sich der Vorhang bei jedem Windzug bewegt und unheimliche Schatten ins Wohnzimmer wirft. Diese beklemmende Atmosphäre bekommt The Park aber bereits alleine und ohne reale Einflüsse hin, dank der düsteren Darstellung, unheimlicher Momente und Schockeffekten, die uns Entwickler Funcom immer wieder präsentiert. Das Maskottchen stiert uns mit roten Augen nach, andere Figuren fangen zu Lachen an oder zeigen gar Knochen und Fleisch. The Park nagt bereits nach wenigen Minuten an den Nerven, spielt mit Täuschungen und schafft vor allem dank der grandiosen Geräuschkulisse eine nervenaufreibende Atmosphäre. Die Bäume rascheln im Wind und herunterfallende Steine schrecken auf. Immer wieder schleichen sich flüsternde Stimmen in unsere Gedanken andere Laute lassen uns früher oder später schreckhaft werden.

The Park (8) Quelle: PC Games The Park (8) Die beklemmende Atmosphäre bekommt The Park gut und liefert den Grundstoff, um diesen Trip zur wahren Horrorvision werden zu lassen. Denn spielerisch durchwandert man eine linear angelegte Geschichte, die wenig Freiraum für Erkundung bietet und uns von einer Szene in die nächste jagt. Während Lorrain zu Beginn noch selbstsicher hinter Callum her ist, ihm am liebsten eine ordentliche Tracht Prügel für seinen Ausriss verpassen möchte, so verfällt ihr Charakter zunehmend, bis letztendlich auch sie zu einem psychischen Frack ihrer selbst wird. Dabei spielen viele kleine Informationen aus ihrer Vergangenheit eine Rolle. Wo ist der Vater? Wie kommt sie alleine mit einem schwierigen Kind klar? Was belastet ihre Psyche? Es gibt einiges, was wir in Erfahrung bringen können. Vieles davon was Lorrrain in ihrem Psycho-Trip von sich gibt, wird sich keine Mutter je trauen, wirklich laut auszusprechen. Das fantastische Szenario des Parks war zum Ende hin aber nicht ganz zuträglich und Funcom wagt einen gewaltigen Szenenwechsel mit Anspielung auf Silent Hill. Ein starker Stilbruch, doch uns hat dies Abwechslung vom düsteren Park dennoch ganz gut gefallen.

Aber auch der Atlantic Island Park ist nicht ganz unbelastet und liefert einen gewissen Hintergrund, der wie das Schema F in jedes Horror-Buch oder jeden Horror-Film passen würde. Aberglaube der Einwohner, unerklärliche Unfälle und ein durchgebrannter Mitarbeiter - wenn man mal ganz ehrlich ist, klassisches und viel zitiertes Material. All das muss man sich aber mühsam über Briefe, Zeitungsartikel und Polizeiberichte erarbeiten. Die Texte sind dabei nicht nur komplett in Englisch, wie auch die komplett Sprachausgabe und der Rest des Abenteuers, sondern vor allem auch winzig klein geschrieben. Wer keinen allzu großen TV im Wohnzimmer hat, wird seine Augen ordentlich anstrengen müssen, um all die Informationen aufzusaugen. Angelehnt ist The Park übrigens an The Secret World, aber auch ohne Vorwissen kann man getrost den Horror über sich ergehen lassen, ohne dass man was missen wird.

Meinung

Wertung zu The Park (XBO)

Wertung:

7.4 /10
Pro & Contra
grandiose Soundkulisse lässt einem den Atem stocken und das Herz rasennatürlich trägt aber auch die Kulisse des verlassenen Vergnügungsparks beigenügend kleine Gruseleffekte und einige Schockmomenteeine bewegende Geschichte mit gewiefter Psychoanalysesehr gut gesprochene Texte vor allem von Lorrain, deren Stimme immer verzweifelter wird, je länger der Horror-Trip dauert
extrem geradliniges Abenteuer, welches uns die Story Happen für Happen vorkautkeinerlei spielerischer Anspruch, man läuft einfach durch das Szenariomit maximal zwei Stunden ist die Spielzeit etwas dürftig ausgefallenviele Dinge über den Park erfährt man über Zeitungsberichte und Briefe, die mit viel zu kleiner Schrift dargestellt werdenkeine Lokalisierung vorhanden (weder Text und Sprachausgabe)

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