Können uns die Grinsekatze, der verrückte Hutmacher, die reizende Alice und die cholerische rote Königin erneut in ihren Bann ziehen?
Mit Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln präsentiert uns Disney die Fortsetzung von Tim Burtons Alice im Wunderland aus dem Jahre 2010, mit all den bekannten Schauspielern, wie Jonny Depp, Anne Hathaway und Mia Wasikowska, führt aber auch einige neue und passend schräge Charaktere ein. Dazu zählt zum Beispiel Sacha Baron Cohen als die Zeit persönlich, ein Charakter halb Mensch, halb Uhr.
Allerdings stellt der Film keine direkte Umsetzung des zweiten Buchs von Lewis Carroll dar, als vielmehr eine neu gestrickte Geschichte aus Versatzstücken des fantastischen Romans. Natürlich steht Alice (Mia Wasikowska) wieder im Mittelpunkt des Geschehens, die ein bevorstehender Schicksalsschlag erneut ins Unterland befördert. Dort trifft sie wieder auf den verrückten Hutmacher (Jonny Depp), der blass und bleich geworden den Verstand zu verlieren scheint. Der Kummer um seine verloren gegangene Familie frisst ihn auf und er benötigt dringend Alice' Hilfe. Sie soll das Unmögliche vollbringen und ihm seine verstorbene Familie wieder zurückbringen.
Quelle: Disney
Helena Bonham Carter als Iracebeth
Obwohl der Hutmacher im zweiten Teil der Alice-Verfilmung nicht mehr annähernd ein so witziger Charakter ist wie noch im ersten, ist die Geschichte selbst deutlich lustiger ausgefallen. Dabei brilliert eindeutig Helena Bonham Carter als Iracebeth, deren cholerisches Verhalten für viele Lacher und ihre melancholischen Anfälle auch für manch nachdenklichen Moment sorgen. Dabei erfährt der Zuschauer wie sie eigentlich zu der wütenden Person wurde und fast möchte man sie dafür trösten, auch weil ihr Verhalten deutlich kindliche Züge aufweist. Aus gutem Grund, wie wir erfahren.
Die Person des verrückten Hutmachers, von Jonny Depp gespielt, fällt diesmal - im wahrsten Sinne des Wortes - deutlich blasser aus. Zwar können wir durchaus sein schauspielerisches Talent bewundern, seine Rolle als kränkelnder Mann der sein Mehrsein verloren hat jedoch kommt nicht mehr so zur Geltung wie noch im ersten Film. Auch die weiße Königin, erneut gespielt von Anne Hathaway, verliert sich in wenigen Szenen in denen sie meist nur abgehoben herumstolziert. Lediglich der Konflikt mit ihrer Schwester lässt sie in wenigen Augenblicken glaubwürdige Emotionen vermitteln.
Dafür stellt neben Iracebeth Sacha Baron Cohen, der die Zeit persönlich spielt, ein wahres Highlight dar. Das ist ein Charakter wie man ihn in solch einem Fantasy-Spektakel erleben will. Er wohnt in einem Nichts der Unendlichkeit und bewacht die große Uhr von der alle Zeit ausgeht. Diese wird angetrieben von der Chronosphäre, das Objekt der Begierde in dieser Geschichte. Denn nicht nur Alice will sich ihrer bemächtigen um durch die Zeit reisen zu können, auch die verbannte Königin ist hinter ihr her, was für Action am laufenden Band sorgt.So wunderschön die ganze Geschichte auch umgesetzt wurde, und das wurde sie wirklich, umso mehr fällt auf was für ein moderner Charakter Alice geworden ist. Trotz ihrer zweifellos an den Tag gelegten Leistung passt ihr Charakter nie so ganz in das gesamte Bild. Viel mehr begeistern ihre Kostüme und ihr jugendlicher Charme, als die Rolle als moderne Frau die sie zu vertreten versucht. Derweil spricht natürlich nichts gegen ein modernes Frauenbild, ihr feministisches Streben wirkt nur manchmal unnötig. Wir kennen sie doch als starke Person die an ihren Aufgaben gewachsen ist, da wäre nicht mehr zu erklären gewesen. Davon abgesehen ist sie es natürlich, welche die ganze Geschichte am Laufen hält und in einem grandiosen und spannenden Finale das Happy End herbeiführt, ganz so wie wir es uns von einem Märchen wünschen.
Quelle: Disney
Jonny Depp als verrückter Hutmacher
Um die fantastische Traumwelt "Hinter den Spiegeln" zum Leben zu erwecken setzte man Computergrafik im Überfluss ein. Als aufgeklärter Kinogänger kommt man nicht umhin sich immer wieder zu fragen, ob es auch nur eine einzige Szene in dem Film gibt die nicht vor dem Greenscreen entstanden ist. Denn so gut diese auch gestaltet wurden, wünscht man sich mitunter doch, dass unsere Charaktere auch Mal richtige Spinnweben wegwischen und Kontakt mit echtem Staub haben, doch wollte man anscheinend nichts der Natur überlassen und generierte praktisch alles im Computer. Die dabei entstandenen Welten sind wirklich fantastisch und wären real nicht zu erschaffen gewesen, beeindrucken genau deswegen aber nicht so wie eine echte Kulisse. Dies trifft auch auf die CGI-Charaktere zu, im speziellen die Minuten und Sekunden. Das sind witzige Kerle, aber Empathie ihnen gegenüber zu entwickeln fällt schwer.
Alice im Wunderland: Hinter den Spiegeln startet am 26. Mai 2016 in den deutschen Kinos.
