Zehn Jahre ließ uns Blizzard warten. Jahre in denen Drehbücher verworfen und Regisseure ausgetauscht wurden. Jetzt ist es letztlich soweit und wir dürfen den lange erwarteten Warcraft-Film genießen, der zeitweise als Duke Nukem der Spieleverfilmungen galt.
Von Orks...
Widmen wir uns zunächst einmal der Handlung. Hier wurde viel spekuliert, ob es sich nun um eine Verfilmung der klassischen Warcraft-Lore handelt oder doch eher der WoW-Lore. Nun, am Ende kann man diese Frage gar nicht komplett beantworten, da der Film sich ein wenig bei allen bedient. Am ehesten sollte man den Film als eigenes Universum betrachten, ähnlich dem Ansatz von Marvel mit seinem Cinematic Universe. Wer also eine 100%ige Adaption von World of Warcraft oder Warcraft 1-3 erwartet könnte enttäuscht werden. Warum wir dass direkt zu Beginn schreiben? Um keine falschen Erwartungen aufkommen zu lassen, die möglicherweise das Urteil über den Film negativ beeinträchtigen.
Quelle: Legendary
Warcraft: The Beginning (8)
Aber zurück zur Handlung, natürlich spoilerfrei. Die Welt der Orks und Draenei ist am Ende. Das Land stirbt, ist verwüstet und lebensfeindlich geworden. In dieser Not vereint der Orkhexenmeister Gul'dan die verschiedenen Stämme und Clans um sie durch ein magisches Portal in die Welt Azeroth zu führen. Einer dieser Clans ist der Clan der Frostwölfe unter Häuptling Durotan, der nebenbei frischgebackener Papa wird. Damit ist das Motiv der Orks und auch Durotans klar, wenngleich dieser mit den angewandten Mitteln alles andere als einig mit Gul'dan und Schwarzfaust ist. Auf der anderen Seite, in diesem Fall dank des Portals im wahrsten Sinn des Wortes, leben die Völker der sieben Länder (Menschen, Zwerge, Blutelfen) friedlich vereint. Umso überraschender kommt daher auch der Überfall der Horde. Fortan erobern die Orks unter Hexenmagier Gul'dan und Kriegsmeister Schwarzfaust immer mehr Land. Diesen Umstand verdanken die Orks auch der finsteren Fel-Magie, derer Gul'dan sich bedient. Diese Magie schöpft ihre Kraft direkt aus dem Leben selbst und hinterlässt nur verbrannte, tote Erde. Auf Seiten der Menschen stehen neben Anduin Lothar und seinem König Llane Wrynn zum Glück auch der mächtige Wächter, ein Zauberer namens Medivh. Daneben schließen sich noch der Zauberlehrling Khadgar und Halborkin Garona dem Heer an. Der Rest ist neben viel Fanservice, wir kommen später noch einmal darauf zurück, eine Mischung aus Schlachtenepos, Zaubersprüchen, Liebe, Verrat usw.
...und menschlicher Schwäche
Quelle: Legendary
Warcraft: The Beginning (7)
Kommt ihr noch mit? Nein? Damit sind wir auch schon bei einem der größten Probleme des Films. Gerade in der ersten halben Stunde werdet ihr mit Namen, Orten und Begriffen im Stakkato bombardiert. Selbst Nerds wie uns, die sich ein wenig mit dem Warcraft-Universum auskennen, schwirrte da fast ein wenig der Kopf. Wer noch nie Kontakt mit Blizzards-Vorzeige-Fantasyspielen hatte wird zunächst einmal auf der Strecke bleiben und sich ein Kompendium zum Nachschlagen wünschen. Zu allem Überfluss springt der Film auch noch von Handlungsort zu Handlungsort und führt neue Charaktere ein. Man kann natürlich verstehen, dass die Charaktere alle mehr oder weniger wichtig für die Handlung, auch kommender Filme, sein mögen, aber durch das schlichte Tempo fällt es schwer sich emotional an eine der Figuren zu binden.
Aber keine Angst. Ist dieses Infobombardement erst einmal vorbei und alle wichtigen Dramatis Personae erst einmal auf der Bühne, nimmt Regisseur Duncan Jones das Tempo wieder zurück. Die Sequenzen werden länger, die Charaktere bekommen mehr Tiefe und die Bindung des Zuschauers entwickelt sich.Was aufs Auge
Wer Blizzard kennt weiß eines: die können CGI. Kommt dann noch die SFX-Schmiede Industrial Light and Magic dazu sollte jedem klar sein, hier wird geklotzt und nicht gekleckert. Dementsprechend dürfte Warcraft hier wirklich fast die neue Referenz in Sachen CGI-Movie werden. Fast ist man geneigt die wenigen echten Darsteller auch nur als Einsen und Nullen zu sehen. Ein besonderes Lob verdienen hier wirklich die Orks. Diese wirken in Statur und Proportion als wären sie direkt den Spielen entsprungen, und das gilt auch für die Allianz. Was zunächst verwundert ist die Tatsache dass es offenbar zwei Arten von Orks in den Reihen der Horde gibt, Grüne und Braune. Wieso und weshalb wird zwar im Film gezeigt, geht aber leider ein wenig unter. Im Prinzip spielt es aber auch keine Rolle ob grün oder braun, die Orks sind echte Kampfmaschinen. Muskeln über Muskeln garniert mit einem Paar imposanter Hauer (die sogar eine eigene Engine spendiert bekamen) und als Sahnehäubchen noch Rüstungen aus Knochen und anderem grausigen Kram. Schon beim ersten kleinen Scharmützel zwischen zwei Spähergruppen wird klar: wo diese Bestien hinhauen, da wächst kein Gras mehr.
Quelle: Legendary
Warcraft: The Beginning (1)
Ähnlich liebevoll ging man beim Design der Allianz vor, auch wenn Zwerge und Blutelfen nur ein einigen wenigen Szenen auftauchen. Bei den Menschenkriegern hat man auch das Gefühl sie sind direkt dem Spiel entsprungen. Seien es die prunkvollen Rüstungen, mächtig anmutende Schwerter oder majestätische Greife, alles sieht 1:1 aus wie die virtuellen Vorlagen. Leider liegt genau da auch ein kleiner, möglicher, Kritikpunkt. In Zeiten einer Herr der Ringe Trilogie und eines Game of Thrones liegen die Maßstäbe, was den Look von Fantasy angeht, sehr hoch. Warcraft wirkt hier, trotz Detailliebe und 1A-Hochglanz, fast ein wenig altmodisch. Jetzt fragt ihr euch sicher wie das zusammenpasst? Ganz einfach: Gerade GoT hat gezeigt wie man einen glaubwürdigen und auch schmutzigen Look mit Fantasyelementen verbinden kann. Im direkten Vergleich wirkt die Hochglanzoptik von Warcraft wie aus einem Fantasyfilm der 90er Jahre a la Dungeons & Dragons. Wie gesagt, dies kann man als Kritikpunkt aufführen, wir wollen es an dieser Stelle aber nicht und sehen die Entscheidung für den "Spielelook" als Fanservice.
Richtig spektakulär wird es dann wenn die Heere der Horde (die im Film bislang nur aus den Orks bestehen) und die Truppen der Allianz/Menschen aufeinandertreffen und die Zauberer anfangen ihre Sprüche zu weben. Gerade die Zaubereffekte, egal ob Gul'dans Fel-Magie oder Medivhs Zauber, hier feiert Blizzard ganz großes Kino ab. Selbst einer der kultigsten Zaubersprüche darf hier nicht fehlen - welcher das ist wird natürlich nicht verraten.
