TMNT: Mutanten in Manhattan im ernüchternden Test

Test Alexander Winkel
Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten (3)
Quelle: Platinum Games

Cowabungaaaaaaaaa - jubelte ich, als Platinum Games für die Entwicklung der neuesten Episode der Teenage Mutant Ninja Turtles auserkoren wurde. Was sollte da noch schief gehen, wenn sich die Bayonetta-Schöpfer um die frechen Prügelknaben kümmern. Tja, Vorfreude war in dem Fall die einzige Freude, denn der Rest ist eine herbe Enttäuschung auch für Fans.

Die vier Helden Leonardo, Michelangelo, Donatello und Rafael stürzen sich ins Abenteuer, nachdem schräge Typen und gar fiese Aliens Manhattan bedrohen. Alles fängt noch recht harmlos an. Wir erlernen die ersten Schritte, dürfen ein paar Gegenstände einsammeln und sind dann auch schon mit den ersten Schergen beschäftigt. Draufhauen, stärker draufhauen und dann gekonnt im richtigen Augenblick ausweichen. Irgendwie kommt uns das dezent bekannt vor. Doch bereits im Tutorial gibt sich die Steuerung zickig, was wir anfänglich ja noch auf fehlende Erfahrung mit den Schildkröten geschoben haben. Platinum Games hat immer einen Kniff im Kampfsystem, so dass man selbst mächtige Bosse irgendwie noch zufriedenstellend, meist sogar mit stolz geschwellter Brust, in die Knie zwingen kann.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten (4) Quelle: Platinum Games Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten (4) Die ersten Hilferufe laufen sogleich im Hauptquartier ein und auch April ist schon ganz wild aufgrund zahlreicher negativer Nachrichten. Von daher lässt uns Meister Splinter ohne viel Umschweifen auf Manhattan, bzw. die Invasoren los. In der einen Welt durchstreifen wir mager gestaltete Häuserschluchten und klettern an den Fassaden entlang, in anderen Abschnitten durchforsten die vier Schildkröten die Kanalisation. Außerdem werden die Labore des TCRI-Gebäude genauer unter die Lupe genommen. Auf dem ersten Blick schmunzelt man als Liebhaber über die herrlichen Comic-Sequenzen, den Slapstick-Humor, allen voran des hitzköpfigen Micky und zahlreiche Sprüche, die auch innerhalb der Abenteuer geklopft werden. So kennt man die Vier, wenn sie sich gegenseitig necken oder einfach nur ihre dummen Ideen äußern. Legt man den Controller mal beiseite, albern die Turtles zusätzlich noch herum. Ok, ich muss zugeben, ein wenig die Fanbrille aufzuhaben, denn so manche Einlagen und Sprüche wirken bei genauer Betrachtung sehr abgedroschen. Dennoch hatte ich zumindest diesbezüglich immer wieder ein wenig meinen Spaß.So schnell das Lächeln aufgrund der Scherze aufkam, so schnell verflüchtigt sich die Freude dann wieder, sobald es ans Eingemachte geht. Vom hohen Ross sind wir recht schnell auf leichtere Schwierigkeitsgrade ausgewichen. Das ist nicht ganz ungewöhnlich, verlangten bereits andere Titel des Entwicklers, dass Charaktere und Ausrüstung zunächst verbessert werden. Doch was die Turtles im Kampf zeigen, ist eher ernüchternd und als stupides Hämmern der beiden Angriffstasten zu bezeichnen, obwohl individuelle Special-Moves und natürlich Flotte Koop-Einlagen das Geschehen aufzulockern versuchen. Sehr schnell erkennt man, dass selbst Blocken und Ausweichen gegen die häufig aufkommenden Gegnermassen mit flächendeckenden Bombenangriffen und ähnliche Situationen, keine Möglichkeit bieten, Herr der Lage zu werden und es letzten Endes immer im absoluten Chaos endet. Egal ob nach vielen Stunden Spielzeit mit reichlich tollen Specialmoves und verbesserten Werten, oder auf dem leichten Schwierigkeitsgrad - zu keinem Zeitpunkt hat man nur annähernd das Gefühl, den Schlagabtausch in irgendeiner Form leiten, oder gar dominieren zu können. Man prügelt einfach ohne Rücksicht auf Verluste oder Strategie auf alles ein, was sich Feind schimpft und hofft, dass ein Stück Pizza über den Game Over Bildschirm hinweg retten wird.

Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten (2) Quelle: Platinum Games Teenage Mutant Ninja Turtles: Mutanten in Manhatten (2) Stupides Kampfsystem ist das eine, einfallsloses Leveldesign etwas anderes. Die Kämpfe bieten viel Action und man muss dem Spiel zugute halten, dass alles stets flüssig abläuft, egal wie viel Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm wuseln. Doch weder Manhattan, noch die Kanalisation oder der TCRI-Tower sehen besonders spektakulär aus. Darüber hinaus bieten die Abschnitte nicht sonderlich viel Abwechslung. Vor allem der Marsch durch die Kloake ist im wahrsten Sinne des Wortes stinke langweilig. Klongegner zu Blechhaufen verprügelnd und anderen das Fürchten lehrend, stapfen die vier Helden durch immer wieder gleich aussehenden Abschnitte und Räume dem Boss entgegen. Das wirkt wie mit einem simplen Baukasten zusammengestückelt. Spannung und Freunde kommt da wahrlich nicht auf. Welches Pferd Platinum Games dann noch geritten hat, diese einfallslosen Welten mehrfach mit nur geringfügigen Änderungen zu recyceln, ist wirklich schleierhaft. Nimmt man es ganz genau, reichte die Kreativität erschreckenderweise für insgesamt nur drei unterschiedliche Areale!

Dabei gibt sich Mutanten in Manhattan vielversprechend. Fans freuen sich über viele bekannte Gesichter. Vor allem auf der bösen Seite tummeln sich alte Bekannte, die durchaus witzig auftreten. Auch die vielen Möglichkeiten, die vier Helden mit neuen Moves und speziellen Artefakten auszurüsten, hat durchaus seinen Reiz. Weniger spannend fallen die Missionen aus. Beschütze dies, erledige das, verprügele die Bösen. Ob nun der Pizzawagen oder das Geld eine Rolle spielt, ist da einerlei. Immerhin warten die Bosse mit teils unterschiedlichen Stukturen auf und können durchaus fordernd werden. Außerdem wollte Platinum Games strategische Elemente integrieren, indem im Solomodus Befehle gegeben werden, um die KI-Kröten unter Kontrolle zu halten. Dies erübrigt sich, sobald man zusammen mit Freunden spielt. Die Wohnzimmervariante bleibt uns verwehrt, nur online können sich bis zu vier Helden ins Kampfgetümmel stürzen - was während der Tests gut lief und auch deutlich mehr Spaß machte, als alleine auszuziehen. Zusammen kann man etwas gezielter die Bosse erledigen und vielleicht sogar etwas mehr Taktik ausüben. Bleibt nur die Frage, wie lange es noch Spieler geben wird, die für die Gerechtigkeit in Manhattan über das weltweite Netz kämpfen werden.

Meinung

Wertung zu TMNT: Mutants in Manhattan (XBO)

Wertung:

4.9 /10
Pro & Contra
Ein Turtles-Spiel von Platinum Games.Sehr viele Special-Moves freizuschalten und aufzurüsten, als auch Artefakte zu sammeln.4-Spieler Koopmodus (aber nur online!).Nette Comic-Videos und gewohnter Turtles Humor.
Stupides, nach kurzer Zeit bereits langweiliges Kampfsystem.Oft riesige Gegnermassen, die aus der Ferne alles verhindern und im Nahkampf nichts taugen.Insgesamt nur drei wirkliche Welten, die mehrfach mit geringen Änderungen recycelt werden.Maximal 3-4 Stunden Spielzeit und danach will man nichts mehr von wissen.

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