One Piece: Burning Blood im Test - Kurzweiliges Beat 'em up im Kreide-Look

Test Philipp Mentel
One Piece: Burning Blood (8)
Quelle: Bandai Namco

Mit One Piece: Burning Blood bedient Bandai Namco einmal mehr die Fans des gefeierten Mangas und Animes One Piece. Dabei stürzen wir uns in dynamische 3 vs. 3- Kämpfe und mischen mit einigen Charakteren die Arenen auf. Ob sich der Prügler lohnt, lest ihr in unserem Test.

Die Schlacht um Marineford

Zugegeben, so wirklich groß verfolgt habe ich die Abenteuer der Strohhut-Piraten Monkey D. Ruffy und seiner Crew nie. Ruffy, dessen Ziel es ist, den Schatz des legendären Piraten Gol D. Roger ausfindig zu machen und sich zum König der Piraten zu krönen, schippert dabei über die vier großen Ozeane der fiktiven Welt und erlebt so einige Abenteuer. So weit, so gut. Den Anfang habe ich noch im Kopf, nichtsdestotrotz will One Piece: Burning Blood gar nicht den Anfang der Geschichte neu aufrollen, viel mehr setzen die Entwickler auf ein Szenario, welches weit Fortgeschrittener ist. Spätestens wer schon an die 500 Folgen des Animes gesehen hat, wird den Handlungsabschnitt rund um Marineford kennen.

One Piece: Burning Blood (16) Quelle: Bandai Namco One Piece: Burning Blood (16) Gut, damit scheide ich als sporadischer Gucker des Animes total raus, kann immerhin mit Marineford etwas anfangen, da dieses Szenario auch im ersten Ableger von One Piece: Pirate Warriors behandelt wurde. Charaktere, wie Großadmiral Akainu, kenne ich dann doch schon, somit ist auch für Fans der Spiele zumindest die Story von Burning Blood nichts Neues. Das Spiel selbst erzählt die Schlacht aus der Perspesktive von vier Charakteren, u.a. von Ruffy und Whitebeard. Wer also komplett neu im One Piece-Buisness ist, wird erst einmal ins kalte Wasser geschmissen, zumal die Story-Schnipsel zu Beginn der Kämpfe im "Gipfelschlacht"-Modus nur einen Bruchteil dessen oder gar nichts von dem erfassen, was über 450 Episoden vorher passiert ist.

Schwierigkeitsgrad zwischen Himmel und Hölle

Im Gipfelschlacht-Modus, dem eigentlichen Story-Modus von Burning Blood, schlüpfen wir also in die Rolle von vier Charakteren und erleben in deren eigenen Episoden, die aus mehreren Kämpfen bestehen, deren Perspektive auf die Schlacht. Großartig viele Unterschiede gibt es da nicht, zumal auch die Arenen-Abwechslung nicht gegeben ist, da sich die Handlung eben nur auf einen Ort konzentriert. Somit greift man auch nicht auf das 44 Charakter große Roster des Spiels zu, welches aus unterschiedlichsten Kämpfern besteht: Akainu zwei oder dreimal während einer Episode zu erledigen und das ganze Viermal, das ist das dann doch fernab jeglicher Abwechslung - schade. Zudem sind die einzelnen Episoden nicht besonders lang. Man kommt relativ gut in jeweils einer halben Stunde durch die Story. Macht gute 2-3 Stunden, was im Schnitt dann doch etwas mager ist.

One Piece: Burning Blood (14) Quelle: Bandai Namco One Piece: Burning Blood (14) Immerhin bietet man im Gipfelschlacht-Modus neben den Kämpfen, die die Geschichte vorantreiben, auch noch Zusatzkapitel. Diese greifen nochmal andere Charaktere auf und lassen sie gegen bestimmte Feinde kämpfen. Allerdings müssen für die Freischaltung erst einmal in den Hauptkämpfen bestimmte Bedingungen erfüllt werden (z.B. 70% der HP am Ende des Kampfes übrig haben). Dann kommt aber auch die größte Schwäche des Spiels zum Vorschein: der Schwierigkeitsgrad. Ich bin bei Weitem kein super Beat'em Up-Spieler, wenn ich aber in der Haupthandlung des Spiels mit relativer Leichtigkeit durchkomme und in den Zusatzkapiteln derartig vermöbelt werde ohne realistische Chance auf einen Gegentreffer, dann nervt das. Zumal man nicht das Gefühl hat, hier eine schöne Lernkurve zu haben, die einen stetig an das höhere Niveau heranträgt.Kämpfen wie ein Verrückter

Das Kampfsystem von One Piece: Burning Blood wartet zunächst mit einem 3 vs. 3-System auf. Allerdings heißt das nicht, dass man mit drei Charakteren gegen drei Andere antritt, nein, viel mehr kann man während eines Kampfes immer zwischen drei verschiedenen Charakteren hin und herwechseln. Klingt unspektakulär, doch dieser Aspekt ist Teil des Gameplays. So können wir, wenn wir Dresche kassieren, per Tastendruck einen Verbündeten rufen, welcher uns aus der misslichen Lage hilft. Anschließend übernehmen wir die Kontrolle unseres Retters und können selbst ein paar Schläge austeilen, da der Gegner sich für einen kurzen Moment fassen muss.

One Piece: Burning Blood (9) Quelle: Bandai Namco One Piece: Burning Blood (9) Dass das Kampfsystem nicht allzu komplex ist, merkt man daran, dass jeder Charakter die gleichen Kombos hat. Zwar unterscheiden sich die Art der Spezialangriffe und Schläge von der Inszenierung und sind auf den jeweiligen Charakter optisch zugeschnitten, spezielle charakterspezifische Kombos gibt es allerdings nicht. So bleibt beim Kämpfen irgendwann natürlich der Überraschungseffekt aus, immerhin ist das Kampfsystem so einfacher zu verinnerlichen, auch wenn es bei den Charakteren noch ein paar Unterschiede gibt. So ist z.B. Lysop mit seiner Steinschleuder eher geeignet für Fernkämpfe, bei denen man eine gewisse Distanz zum Gegner wahrt. Aber auch wer gerne den Schweiß des Kontrahenten spüren will, bekommt Charaktere geboten, die auf wuchtige Nahkampfangriffe spezialisiert sind.

Gum-Gum Bazooka!

Verteilt man im Verlaufe des Kampfes einige Schläge, so lädt sich die "Explosions-Anzeige" nach und nach auf. Ist sie voll, können wir per einfachem Tastendruck den Explosion-Status aktivieren. Das coole daran: unser Charakter ändert dann nicht nur sein Aussehen, sondern ist in dieser Phase auch stärker, was seine normalen Angriffe als auch die Spezialangriffe betrifft. Zudem lässt sich eine besonders verheerende Explosions-Attacke aktivieren, die unseren Gegner automatisch aufs Korn nimmt. Das sieht nicht nur gut aus, es fühlt sich auch stark und wuchtig an, die Inszenierung stimmt also. Natürlich kann man solche verheerenden Angriffe blocken, nur muss dann auch das Timing stimmen.

One Piece: Burning Blood (7) Quelle: Bandai Namco One Piece: Burning Blood (7) Blocken ist ein gutes Stichwort, so kann man zumindest die Zeit beschreiben, in der man sich gegen die übermäßig starken Kämpfe der KI einstellen muss, wenn man eines der Zusatzkapitel absolvieren will oder beim gleich anzusprechenden Steckbrief-Modus. Erst wenn sich dann zwischen den Angriffen eine Lücke auftut, sollte man zum Gegenschlag ausholen, auch wenn das nicht immer gut geht. Gerade das seitliche Ausweichen ist für mein Empfinden ein bisschen zu kurz geraten, sprich, man macht nur einen recht minimalen Schritt zur Seite. So ist es schon oft passiert, dass uns vermeintlich ausgewichene Spezialangriffe doch noch irgendwie touchiert haben - und wieder ist 1/3 der Lebensanzeige weg, Argh!

Steckbriefe und Onlinekämpfe

Ein weiterer Spielmodus ist der sogenannte Steckbrief-Modus. Dort bekommt man immer schwieriger werdende Kämpfe angeboten, die uns die Währung im Spiel, Berry, in Massen beschert, wenn wir denn gewinnen. Die Zusammenstellung der Steckbriefe ist nicht sonderlich entscheidend, man hat in der Regel einfach nur zwei bis maximal drei Charaktere zusammengewürfelt, gegen die man selbst dann antreten muss. Das Schöne: man kann sich seine Recken aussuchen. So lässt sich aus dem üppigen Roster an spielbaren Charakteren und im Hintergrund agierenden Unterstützungscharakteren (die z.B. den Schaden für kurze Zeit erhöhen oder uns den Kampf mit bereits voller Brennanzeige starten lassen) ein kleines 3er-Team zusammenstellen, welches den eigenen Wünschen entspricht. Gewisse Steckbriefe erfordern aber auch bestimmte Voraussetzungen: so ist es nicht selten, dass wir mit gerade mal einem Charakter gegen drei Charaktere antreten müssen. Das alles noch auf einem hohen Steckbrief-Level und man streichelt seinen Controller gewiss nicht mehr.

One Piece: Burning Blood (2) Quelle: Bandai Namco One Piece: Burning Blood (2) Auch für Frust sorgen kann der Online-Modus in Burning Blood. Wer Beat 'em Ups beherrscht, sollte trotzdem einen Blick reinwerfen. Es gibt die klassischen Rangkämpfe oder auch Freundschaftsspiele, die einem nicht im Rang aufsteigen lassen. Gewinnt man Onlinekämpfe, steigt man Stück für Stück im Rang auf und verdient sich dort ein paar Embleme oder Titel, mit denen man sich im Online-Modus entsprechend brüsten kann. Verdienen ist leichter gesagt als getan, in meinen Testspielen konnte ich mich kaum gegen die sehr "spammer" lastigen Angriffe der Online-Gegner wehren, immerhin schaffte ich es, ein oder zwei der gegnerischen Charaktere zu besiegen, auch wenn das einem natürlich nicht den Sieg bringt. Ein weiterer Online-Modus ist der Piratenflaggenkampf, in dem man sich einer Partei anschließt und dort Woche für Woche versucht Inseln anzusteuern, um dort gegen die KI oder menschliche Spieler zu kämpfen. Nett, viel mehr als eine nette Abwandlung des klassischen Online-Modus ist das allerdings auch nicht.

Kreide-Look und Japano-Flair

Grafisch reißt Burning Blood keine Bäume aus, die zwölf Arenen bieten zwar größtenteils optische Abwechslung, die Hintergründe sind aber relativ verwaschen und weniger detailliert ausgearbeitet, wie die Charaktere. Doch hier punktet Burning Blood mit viel Liebe zum Detail, jeder Charakter hat seine eigenen Gestiken und Angriffe. Gerade letztere sind dank des allgemeinen Cel-Shading Looks sehr nett anzusehen. Praktisch könnte auch der Kreide-Look, den uns das Spiel mit seinen vielen Schraffierungen bietet, aus den Mangas stammen. Wenn jeder Angriff mit japanischen Wortlauten optisch untermalt wird, dann fühlt man sich ein wenig wie in einem spielbaren Manga. Den Japano-Flair unterstützt zusätzlich noch die japanische Sprachausgabe. Für die einen vielleicht nervig anzuhören, für die Anderen wiederum ein Fest. Es darf aber aufgeatmet werden: es gibt deutsche Untertitel und Bildschirmtexte.

Meinung

Wertung zu One Piece: Burning Blood (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu One Piece: Burning Blood (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
toll inszenierte Kämpfeinteressanter Cel-Shading-Kreide-Lookjapanische Sprachausgabe44 spielbare Charaktereeinfach zu erlernendes KampfsystemOnline-Modus ohne Lags etc.
recht liebloser Storymodus (Marineford-Arc aus vier Sichtweisen)...…, welcher zudem recht kurz geraten ist (etwa 3 Stunden Spielzeit)nur 12 verschiedene Arenenunausgewogener Schwierigkeitsgradabwechslungsarme Spielmodirecht oberflächliches Kampfsystem (ohne individuelle Kombos)

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