Sherlock Holmes: The Devil's Daughter im Test - Kann man erfolgreich am Vorgänger anknüpfen?

Test Alexander Schneider
Sherlock Holmes und Doktor Watson untersuchen einen Fall.
Quelle: PC Games

Bis im Jahr 2017 die 4. Staffel Sherlock mit Benedict Cumberbatch in der Hauptrolle anläuft, müssen wir uns noch etwas gedulden. In der Zwischenzeit bietet Frogwares Abenteuer etwas neues Futter, um die Wartezeit auf den BBC-Sherlock zu verkürzen. Ich habe mich durch die brandneuen Fälle des Meisterdetektivs gerätselt und herausgefunden, ob The Devil's Daughter mit dem Vorgänger Schritt halten kann.

Ein bisschen knackiger wirkt er und jünger auch. Das mag vielleicht an der neuen, englischen Stimme liegen die Sherlock in The Devil's Daughter verpasst bekam. Auch Watson wurde einer Frischzellenkur unterzogen und sieht nun so aus, als ob er ein paar Jahre weniger auf dem Buckel hat. Aber keine Sorge, es ist immer noch das gleiche Team. Ähnlich wie im Vorgänger Crimes & Punishments geschehen in London wieder allerlei Ungerechtigkeiten die meiner Aufklärung bedürfen. Die Fälle sind in sich abgeschlossen und dauern meist zwei bis drei Stunden, je nach Spielweise. Allerdings werden von Beginn an kleine, nebensächliche Informationen für das Finale des Spiels gestreut, um eine Art roten Faden über das ganze Abenteuer hinweg zu erzeugen.

Business As Usual

Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (11) Quelle: Big Ben Interactive Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (11) Das Grundkonzept bleibt gleich. Entweder ein Kunde kommt in mein charmantes Büro in der Baker Street oder ich treffe unterwegs auf eine Situation, die meine Genialität fordert. Mein neuester Fall beginnt unspektakulär: Ich höre, wie sich jemand über die Treppe meinem Büro nähert. Vor mir steht eine charmante junge Frau mit einem kleinen Jungen im Schlepptau. Der kleine Kerl hat an der falschen Tür geklopft. Meine neue Nachbarin war so nett und hat ihn zu mir gebracht, doch ich stelle ziemlich schnell fest, dass ich diese junge Dame nicht zum letzten Mal gesehen habe. Doch was führt eigentlich das Kind zu mir? Sein Vater wird seit einigen Tagen vermisst. Der perfekte Fall, um meine Langeweile zu bekämpfen.

Routiniert beginne ich erst einmal mit der Befragung des Jungen. Wann hat er seinen Vater zuletzt gesehen, was arbeitet er, gibt es zusätzliche Hinweise? All das wird in wenigen Momenten geklärt und natürlich kommt auch eine der besonderen Fähigkeiten des Detektivs zum Einsatz. Im Portrait-Modus analysiere ich meine Gesprächspartner, ganz wie im Vorgänger, um zusätzliche Informationen zu gewinnen. Neu ist hingegen die Möglichkeit falscher Informationsgewinnung. Bei einigen der Charaktermerkmale stellt mir das Spiel zwei verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl. Entscheide ich mich für das Falsche, erstelle ich unter Umständen ein unpräzises Charakterportrait. Keine Sorge, auf den Ausgang der Mission wirkt sich dies nicht aus, dennoch ist es ein nettes Detail.

Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (10) Quelle: Bigben Interactive Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (10) Bis auf die Fälle und deren neuen Charaktere hat sich bei der Beweisfindung auch sonst kaum etwas verändert. Ich wühle mich durch die persönlichen Gegenstände von Verdächtigen und den Opfern. Versuche anhand der Beweislage verschiedene Details zu verknüpfen und bin am Ende der Ermittlung mit der Verurteilung eines Schuldigen konfrontiert. Wie auch im Vorgänger ist aber Vorsicht geboten. Es gilt, die Beweislage genau zu sondieren und die Aussagen der Verdächtigen zu berücksichtigen. Schließlich kann ich auch unter Umständen die falsche Person verurteilen. Falls mir mein Gewissen zu schwer wird, kann ich aber via Knopfdruck überprüfen, ob ich den richtigen Täter vollstreckt habe und im Zweifelsfall den Entscheidungsprozess erneut durchspielen.

Gerade die Suche nach Beweisen, die Ermittlung und das Sichten von Unterlagen in diesem Spiel macht auch in diesem Teil sehr viel Spaß. Der Schwierigkeitsgrad variiert dabei von sehr leicht bis sehr knifflig. Mal muss ich zusammen mit Watson im fliegenden Wechsel ein Schalterrätsel lösen, in einem anderen Fall hingegen laufe ich über Steinplatten, von denen einige keine feste Trittfläche bieten und mich so in den Abgrund stürzen lassen. Während die meisten dieser Rätsel ohne große Probleme und mit genügend Zeit zu lösen sind, tickt bei anderen die Uhr. Ich kann nicht lange überlegen, auf welche Steinplatte ich als nächstes trete, da sich von hinten eine Wand annähert, welche mich zu erdrücken droht. Das sorgt zwar für ordentlich Adrenalin, am Ende verkommen diese Spielabschnitte aber zu lästigen Trial & Error-Momenten. Glücklicherweise kann man, wie bereits in Crimes & Punishments, sämtliche Rätsel per Tastendruck überspringen.

Ein bisschen Hollywood

Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (7) Quelle: PC Games Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (7) Etwas hat sich dann fernab der Informationsbeschaffung doch verändert. In Sherlock wurde der Action-Anteil deutlich erhöht. Quick-Time-Events gab es bereits beim alten Ableger und sind nun häufiger vorhanden, wurden allerdings gut in das Geschehen mit eingebaut. Längere Sequenzen können aber auch zu Trial & Error-Passagen mutieren, wenn es im Eifer des Gefechts mal so gar nicht klappen will. Es gibt auch Momente in denen es zu knallharten Schusswechseln kommt. Hier muss ich mich von Deckung zu Deckung arbeiten und darauf achten, dass ich nicht von meinem Kontrahenten getroffen werde. In einer anderen Situation macht ich das Spiel zum Gejagten und ich muss mir einen Fluchtweg durch einen dunklen Wald bahnen, während ich im richtigen Moment den Gewehrkugeln ausweichen muss. Eins ist sicher, der neue Sherlock hat mehr Stress als sein altes Pendant.

Die Idee dieser Action-Sequenzen ist grundsätzlich sehr gut, jedoch scheitert es an der Ausführung. Die Animationen sind sehr hölzern und es sieht einfach nicht gut aus, wenn sich der Meisterdetektiv laufend durch den Wald bewegt. Dementsprechend komisch muten diese Spielabschnitte an. Der erhöhte Actionanteil ergießt sich letztendlich in einem fulminanten Finale, welches noch einmal auf alle bekannten Spielmechaniken zurückgreift und sich doch erfrischend anders anfühlt.Gute Technik mit Aussetzern

In einer Actionsequenz muss sich der verkleidete Sherlock Holmes zur Wehr setzen. Quelle: PC Games Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (4) Wie Crimes & Punishments setzt auch The Devil's Daughter auf die Unreal Engine. Zwischen den beiden Titeln hat sich jedoch kaum etwas getan. Die Charaktermodelle sind gewohnt detailliert. Im Portrait-Modus, in dem ich Sherlocks Talent zur Erkennung von einzigartigen Merkmalen einsetze überzeugen die Figuren mit vielen kleinen Details. Deutliche Gesichtszüge, detailreiche Kleidung, Schmuck, viele Kleinigkeiten eben. Es ist alles da. Aber dies sieht man auch im Rest des Spiels sehr gut. Besonders gut punktet der neueste Sherlock mit der detaillierten Umgebung. Der war schon immer sehr hoch, allerdings hat sich die Dimension etwas geändert. Die Areale in den Vorgängern waren in der Regel eher kompakt gehalten und nun gibt es weitaus mehr zu erkunden. Gerade das alte London wurde von Frogwares schön in Szene gesetzt. Das Gelände rund um die Baker Street lädt ebenso zum Erkunden ein, wie die heruntergekommenen Gassen von Whitechapel. Vor Sherlocks Büro gibt auch einige Minispiele, die auch im Verlauf der Ermittlungen zum Einsatz kommen, die ich jederzeit spielen kann, um meinen eigenen Highscore zu schlagen. Ein Open-World-Spiel ist Sherlock aber nicht. Wie im Vorgänger werden die Level über eine Übersichtskarte angewählt.

Die größeren Gebiete und der hohe Detailgrad zollen jedoch auch in diesem Teil ihren Tribut. Das Spiel hat einerseits sehr lange Ladezeiten, andererseits gibt sich auch ein altbekanntes Problem wieder die Ehre: Tearing. Unsagbar hässlich und unglaublich nervig. Es mag nicht mehr so schlimm ausfallen wie noch im Vorgänger, aber es ist auch in diesem Spiel ein permanenter Begleiter. Das stößt schon sehr sauer auf, gerade weil der Vorgänger auch damit zu kämpfen hatte und die Entwickler das Problem bis heute scheinbar nicht in den Griff bekommen haben. Wenn mir als Spieler immer wieder das Bild zersägt wird, wirkt sich das auch auf die Atmosphäre aus. Vielleicht kann hier ein Patch Abhilfe schaffen, allerdings wurde das Problem auch in Sherlocks altem Abenteuer nicht gelöst.

In einem weiteren Minispiel befreit Holmes einen Passanten, der unter Trümmern eingeklemmt ist. Quelle: PC Games Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (2) Akustisch bietet sich Unterhaltung auf gewohnt hohem Niveau. Die britischen Sprecher sorgen für eine tolle Atmosphäre mit gutem British English. Etwas enttäuschend, im Vergleich zum Vorgänger, sind aber die neuen Stimmen von Sherlock und Watson. Sie machen auch einen tollen Job, aber die Vertonung des Vorgängers wirkt markanter, passender und einfach einen Tick britischer. Dafür geht auch die deutsche Synchronisation durchaus in Ordnung. Klar, die Finesse des O-Tons wird nicht erreicht, aber ich musste in meinen Jahren als Videospieler schon weitaus schlechtere Eindeutschungen ertragen.

Meinung

Wertung zu Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (PS4)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Sherlock Holmes: The Devil's Daughter (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
sehr gute, englische Sprachausgabeleichte bis knifflige RätselSpannende FälleAbwechslungsreiche Areale
TearingEinige Trial & Error-Abschnittesehr lange LadezeitenTeilweise sehr hölzerne Animationen, vor allem bei den Action-SequenzenErhöhter Action-Anteil gefällt nicht JedemAction-Passagen nehmen dem Titel die „Ruhe“ die gerade den Vorgänger ausgezeichnet hat

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