Independence Day: Wiederkehr in der Filmkritik – Seelenlose Zerstörungsorgie

Special Peter Grubmair
Independence Day: Wiederkehr (5)
Quelle: 20th Century Fox

Nach 20 Jahren liefert Roland Emmerich den Nachfolger seines Kultklassikers Independence Day ab. Ob sich die Wartezeit gelohnt hat, klären wir in unserer Kritik.

Vor nun schon zwanzig Jahren schuf der deutsche Auswanderer Roland Emmerich seinen Klassiker Independence Day. Ein Film der zwar ziemliche Logiklücken aufwies, dafür mit viel Pathos, starken Schauspielern und nicht zuletzt einer für damalige Zeiten unglaublichen Zerstörungsorgie aufwartete. Ganze Städte ließ er die bösen Aliens in Schutt und Asche legen und die Szene mit der Zerstörung des weißen Hauses dürfte wohl jeder Cineast auf diesem Planeten kennen.

Independence Day: Wiederkehr (4) Quelle: 20th Century Fox Independence Day: Wiederkehr (4) Seitdem warten die Fans auf eine Fortsetzung, für die sich Emmerich viel Zeit ließ. Gerade so, als müsse er das Projekt lange genug reifen lassen, es bis ins Detail ausarbeiten, bevor er es auf uns Zuschauer loslassen kann. Doch leider wirkt Independence Day: Wiederkehr ganz anders. Kein bisschen wie ein lange gereiftes Produkt, viel mehr wie ein auf das aktuelle Kinopublikum zugeschnittener CGI-Werbefilm ohne Seele.

Die Story beginnt exakt 20 Jahre nach den Ereignissen aus dem ersten Teil. Wer nun vermutet, dass die Menschheit angesichts des enormen angerichteten Schadens auf ihrem Heimatplaneten darniederliegt, wird von Emmerich eines Besseren belehrt. Da klar war, dass die Außerirdischen wieder zurückkehren werden, haben sich die vereinten Nationen der ganzen Welt einen Verteidigungsring im Weltall aufgebaut und dabei viel von der Alientechnologie angeeignet. Damit das der Zuschauer auch erkennt, gibt es Hubschrauber ohne Rotoren und Alienwaffen mit nicht entzifferbaren Anzeigen. Macht zwar keinen Sinn, sieht aber cool aus.

Independence Day: Wiederkehr (6) Quelle: 20th Century Fox Independence Day: Wiederkehr (6) In der ersten Hälfte des Films versucht man uns in unglaublicher Geschwindigkeit die neuen Jungschauspieler und ihren Hintergrund vorzustellen, sowie die alten Bekannten aus dem Vorgänger in ihre neuen Positionen zu hieven. Doch alleine schon wegen der unglaublich hohen Anzahl dieser geschieht das bei keinem wirklich vernünftig, eine emotionale Verbindung zu ihnen aufzubauen ist nicht möglich. Mitunter scheiden diese auch schneller hin als man sich ihre Namen einprägen kann, oder ihr Tun wirkt irgendwie unwichtig, denn im Grunde geht es doch nur um eins, der Abwehrung des Angriffs der Aliens in der zweiten Hälfte des Films.Da spielt dann auch der Verteidigungsring der Menschen keine Rolle mehr, die Aliens tauchen mit noch größeren Raumschiffen direkt in der Atmosphäre der Erde auf und beginnen ihr Zerstörungswerk. Dieses wird entsprechend episch ins Bild gesetzt und man möchte gar nicht wissen, wie viele Computerstunden zur Berechnung dieser Bilder draufgegangen sind. Doch genau so wirkt der ganze Streifen auch, als käme er komplett aus dem Computer. Das für sich alleine gestellt wäre nun nicht unbedingt schlimm, doch Emmerich schafft es irgendwie nicht den ganzen Ereignissen eine Seele einzupflanzen. Menschen sterben, ganze Landstriche werden vernichtet, als würde es nichts bedeuten. So beeindruckend das Gezeigte optisch auch ist, es nimmt den Zuschauer nicht mit, denn im Grunde hat man all das in Ähnlicher Form schon dutzendmal gesehen. Independence Day: Wiederkehr (8) Quelle: 20th Century Fox Independence Day: Wiederkehr (8) Doch es kommt noch schlimmer. Aus irgendeinem Grund beschloss Emmerich ausgerechnet in der zweiten Hälfte des Films die Gagdichte zu erhöhen. Die sind aber so schlecht und angestaubt, dass man sich gequält zur Seite drehen möchte, damit niemand sieht wie man sich fremdschämt. Spätestens in dem Augenblick auch merkt man dem Film deutlich an, dass Emmerich auf ein offenes Scheunentor zusteuert, durch das noch viele Fortsetzungen passen. Der epische Kampf zweier Zivilisationen beginnt sich auf einen einzigen Eindringling zu fokussieren, wie in einem Videospiel vor der Begegnung mit dem Levelboss. Wie ein finaler Vergeltungsschlag sieht das nicht aus.

Independence Day: Wiederkehr befindet sich im Verleih von 20th Century Fox und wird am 14. Juli 2016 in die deutschen Kinos kommen.

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