Im zweiten Teil unseres Sega-Racingspecials widmen wir uns weiteren Arcade-Perlen und zwei ungewohnt ernsten Simulationen der Japaner.
Sega konnte im Rennspielgenre vor allem mit reinrassigen Arcade-Krachern auftrumpfen. Ordentlich um die Kurven driften und sich nicht um Realismus scheren, war in den allermeisten Racern der Japanern an der Tagesordnung. Doch es gab auch einige Ausnahmen. Mit Sega GT beispielsweise versuchte sich der Spielhallenexperte an einer Simulation im Stil von Gran Turismo. Und das kam nicht von ungefähr, denn das Vorbild aus dem Hause Sony sorgte gerade auf der Playstation für Furore. Kein Wunder, dass Sega sich hier nicht lumpen lassen wollte.
Sega GT
Nachdem Sony mit Gran Turismo das Rennspielgenre quasi neu erfand und riesige Erfolge feiern konnte, schickte sich Sega im Jahre 2000 an, auf der Dreamcast erstmals eine echte Rennsimulation aus eigenem Hause zu veröffentlichen. Auch eine PC-Version folgte kurz darauf, doch an den Erfolg der Sony-Konkurrenz konnte man mit dem Spiel nicht anschließen.
Sega GT erhielt zwar überwiegend wohlwollende Kritiken, konnte jedoch weder in Sachen Umfang, noch hinsichtlich der Qualität mit dem Klassenprimus von Polyphony Digital mithalten. Der Titel bot jedoch mit der Carozzeria einen innovativen Modus, bei dem man sich aus vorgefertigten Optionen sein eigenen Auto zusammenbauen konnte, inklusive der namensgebenden Karosserie.
Für die erste Xbox erschien mit Sega GT 2002 ein Nachfolger, der vor allem grafisch überzeugen konnte, ein (nicht sichtbares) Schadensmodell bot und Custom Soundtracks erlaubte. Doch auch diesem Teil war nur ein bescheidener Erfolg vergönnt, weshalb die Serie danach eingestampft wurde.
F355 Challenge
War Sega GT bereits deutlich realistischer angehaucht, als alle anderen Sega-Racer zuvor, wollte man mit F355 Challenge ein neues Level der Simulation erreichen. Wie der Name vermuten lässt, kann der Spieler in F355 Challenge lediglich mit einem Ferrari F355 über die Strecken brausen, doch was hier an Realitätstreue geboten wurde, suchte anno 1999 seinesgleichen.
Als Director des Spiels fungierte Videospiel-Entwicklerlegende Yu Suzuki, aus dessen Feder auch Shenmue stammt. Zunächst erschien der Titel in der Spielhalle und bot als Besonderheit ein Racing Cabinet mit drei Bildschirmen - einem für die Windschutzscheibe und zwei für die Seitenfenster - um mehr Immersion zu ermöglichen. Die Automaten sind heutzutage seltene und begehrte (und sehr teure) Sammlerstücke.
Für das Wohnzimmer erschien der Titel zunächst auf Dreamcast und wenig später, nachdem die Konsole eingestellt wurde, auch für die Playstation 2. Zu seiner Zeit galt das Spiel als realitätsgetreuste Simulation überhaupt. In der Dreamcast-Fassung konnte man mit zwei Konsolen und einem Link Kabel an zwei TVs gegeneinander antreten.
Auch Online-Gaming war möglich, jedoch sehr unkomfortabel. Man konnte immer nur gegen maximal einen Spieler antreten und musste zunächst unabhängig voneinander seine Zeiten fahren. Danach wurde ein Replay mit beiden Fahrzeugen gezeigt, aus dem ersichtlich wurde, wer schneller war.
Sega Touring Car Championship
1996 erschien ein Spiel, das ganz und gar nichts mit Simulationen zu tun hatte, auch wenn der Titel anderes vermuten lässt. Pate für Sega Touring Car Championship stand die Deutsche Tourenwagen Meisterschaft des Jahres 1995. Während Sega die Fahrzeuge lizensierte und somit original Mercedes, Alfa, Toyota und Opel vorhanden sind, finden sich im Spiel keine Originalstrecken.
Die Arcade-Version ist der Saturn-Umsetzung merklich überlegen. Sie sieht nicht nur grafisch deutlich besser aus, sondern steuert sich auch um einiges exakter. Diesen Malus kann die Saturn-Fassung nicht einmal über ein Lenkrad ausmerzen. Die Steuerung unterscheidet einfach nicht fein genug zwischen den verschiedenen Abstufungen, weshalb sich die Heimversion nicht sensibel genug spielen lässt, um dauerhaft Spaß zu machen.
Manx TT
Ein Jahr zuvor, also 1995, erschien Manx TT Super Bike für die Spielhalle. Das Motorradrennspiel erhielt kurz darauf Umsatzungen für den Saturn und den PC und war das erste Motorradrennspiel, das für das Sega Model 2 Arcade Board entwickelt wurde. Ähnlich wie bei Daytona USA konnte man in der Arcade gemeinsam mit 8 Gegnern Rennen fahren, indem die Automaten verlinkt wurden.
Der Name des Spiels leitet sich übrigens von dem Isle of Man TT Event ab, einem Straßenmotorradrennen auf der Isle of Man, bei dem jeder mitmachen kann und bei dem immer wieder schwere Unfälle für Verletzte und Tote sorgen. Zwei Kurse sind im Spiel vorhanden. Die TT-Strecke lehnt sich dabei an der originalen Veranstaltung an und übernimmt das Streckenlayout.
Wie so oft konnte die Saturn-Fassung mit der Spielhallenversion grafisch nicht konkurrieren. Diese galt als eines der visuell beeindruckendsten Spiele zu dieser Zeit. In der Arcade legte Sega zudem großen Wert auf eine authentische Steuerung und ermöglichte genaue Manöver über die Gewichtsverlagerung der Spieler auf dem Plastikmotorrad, das zum Steuern genutzt wurde.
Virtua Racing
Sega der Innovator. Das traf Ende der 80er und Anfang der 90er zu wie auf kaum eine andere Firma. Das 1992 veröffentlichte Virtua Racing war eines der ersten 3D-Spiele und nutzte die neuartige Polygon-Grafik. Im Gegensatz zu späteren Spielen gab es jedoch noch keine Texturen, wodurch Virtua Racing seinen charakteristischen Look erhielt, den aktuell einige moderne Spiele aus Nostalgiegründen wieder imitieren.
Virtua Racing hätte ursprünglich gar nicht erscheinen sollen und stellte zunächst einen Prototypen dar, mit dem Sega die Fähigkeiten seiner neuen Model 1 Hardware austesten wollte. Das Spiel war aber schnell so unterhaltsam und sah so gut aus, dass man sich entschloss, es mit einem Release zu versuchen.
Es sollte nicht bei der Spielhalle bleiben. Versionen für Sega Genesis, 32X, Sega Saturn und sogar die Playstation 2 folgten. Für die damalige Zeit setzte der Titel neue Maßstäbe hinsichtlich der Komplexität von 3D-Szenerien in Rennspielen und etablierte die 3D-Grafik als eines der Pionierspiele in der Szene.
