Inside: Inside im Test: Playdead beweisen erneut ihr Händchen für gruselige Rätselkost

Test Alexander Winkel
Inside (Playdead)
Quelle: PC Games

Mit Inside meldet sich der Limbo-Entwickler Playdead zurück und veröffentlicht einen weiteren grandiosen Hit, der bereits auch für die PlayStation 4 angekündigt ist. Von Überraschung kann nach Limbo keine Rede sein, aber durchaus von einer kunstvollen Inszenierung eines unglaublich mitreißenden Erlebnis, trotz der zermürbenden Dystopie. Mit den einfachsten Mitteln, aber mit einer unglaublichen Atmosphäre hat uns dieser Download-Titel vollkommen überzeugt.

Inside in Worte zu fassen ist beinahe unmöglich und dennoch wollen wir versuchen, dieses Kunstobjekt ein wenig auseinander zu nehmen und aufzuzeigen, warum uns der Titel so gut gefallen hat. Kaum die erste Taste gedrückt, stolpert man bereits mit einem kleinen Jungen im roten, aber total dreckigen Pullover, durch einen düsteren Wald. Das Laub wird aufgewühlt und dunkle Schatten lauern an jeder Ecke, doch sind es gnadenlose Häscher, die einem einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen. Mit Gewehren und blutrünstigen Kötern jagen sie den Jungen, der unverkennbar auf der Flucht ist. Warum flieht er? Was ist geschehen, dass diese Männer eine derart gnadenlose Jagd auf ihn machen?

Inside (3) Quelle: PC Games Inside (3) Fragen, die nicht so schnell, wenn überhaupt beantwortet werden. Prinzipiell ist Inside als klassischer Sidescroller zu betrachten. Ihr lauft, rennt, hüpft und klettert mit dem kleinen Jungen durch eine verstörende Zukunftsvision, die im Laufe des Abenteuers so einige Überraschungen parat hält. Anfänglich wirkt es wie ein Kriegsszenario, irgendwo weit in der Wildnis und fernab von jeglicher Zivilisation. Das verstörende Krachen und monotone Knallen mancher Waffen untermauern das schaurige Gefühl. Alsbald muss man aber eben diese Ansicht doch überdenken und wundert sich über willenlose Hüllen menschlicher Gestalten, die im Gleichschritt antreten und jeden Befehl befolgen, auch diejenigen des kleinen Jungen. Kurz darauf durchforstet man untergegangene Städte, Labore und ähnliche Ruinen, allesamt in einem äußerst kalten und leblosen Stil gehalten. Von Leben kann kaum die Rede sein!Pseudo-futuristische Komplexe und düstere Katakomben prägen das Bild von Inside, ebenso wie die dunklen Farben mit einem Hauch von Grauschimmer. Wie bereits der Hit Limbo besinnt sich Playdead auch in Inside hauptsächlich auf schwarze und graue Töne, wobei das Dunkle überwiegt. Nur wenig Farbe schleicht sich in die Präsentation, doch umso prägnanter wirken die ausgefeilten Szenen, die uns mehr und mehr mit Schrecken und Entsetzen füllen. Umso mehr schließt man den kleinen Jungen ins Herz, der von Gefahr zur Gefahr hetzt und nur versucht, irgendwie lebend aus diesem Albtraum kommen.

Inside (2) Quelle: PC Games Inside (2) Jede Szene wurde bis ins Detail ausgearbeitet. Ob man nun im Schatten umgestürzter Objekte versucht, seinen bitteren Häschern auszuweichen, oder Menschen beobachtet, die in der Ferne wutentbrannt den Flüchtigen suchen, alles wirkt wie aus einem Guss. Dabei werden logisch und perfekt in den Ablauf integrierte Aufgaben gemeistert. Es sind einfache Schalter, die Fahrstühle bewegen, oder die Hatz eines Feindes, dem man in irgend einer Form ein Schnippchen schlagen muss. Trotz der schlichten Optik ist die Brutalität Dank einer unglaublich dichten Sounduntermalung jederzeit spürbar. Ereilt uns ein bitterer virtueller Tod, so erleben wir meist hautnah, wie gnadenlos die Feinde mit dem Jungen umgeben. Ob um Luft rangelnd und zitternd zu ersticken oder von den blutrünstigen Kötern zerfetzt zu werden, ein schönes Ende sieht anders aus. Brutal in Szene gesetzt und dank toller Animationen unglaublich verstörend.

Inside geht unter die Haut und das, obwohl zu keinem Zeitpunkt auch nur ein Wort gesprochen wird. Das Spiel erzählt mit schlichten Bildern die Geschichte des Jungen, wobei ein jeder Spieler mit seiner Fantasie seinen eigenen Teil dazu beiträgt. Es entsteht ein unglaublicher Fluss, der gekonnt durch das Abenteuer führt. Mal gehetzt, aufgrund der Häscher, mal nachdenkend, da der weitere Weg nicht immer offensichtlich ist. Kleine, manchmal auch etwas größere Rätsel sorgen für Auflockerung, ansonsten stellen gewiefte Kletterpartien den Fluchtweg dar. In späteren Szenen werden die Aufgaben zwar ein wenig abstrakt und Inside verlangt ein wenig Umdenken, was die Physik und ähnliches betrifft, aber letztendlich wirkt der Titel von Anfang bis zum bitteren Ende komplett durchdacht. Leider findet er, wenn auch fulminant, nach nur wenigen Stunden sein Ende - einer der ganz wenigen Kritikpunkte, die man Playdead ankreiden könnte. Nur wenige Stunden, die aber äußerst intensiv ausfallen und zu den ereignisreichsten des Jahres gehören dürften.

Meinung

Wertung zu Inside (XBO)

Wertung:

9.3 /10
Pro & Contra
Playdead schafft eine grandioses, unter die Haut gehende AtmosphäreDazu trägt die unglaublich dichte Soundkulisse beiSpielerische Abwechslung ist geboten mit immer wieder neuen AufgabenEinfache, aber fulminant umgesetzte SpielmechanikenGroßartiges Kunstwerk, welches aber durchaus zum Albtraum wird
Die Geschichte des Jungen wirft viele Fragen aufRecht kurze Spielzeit, aber diese ist äußerst intensiv

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