Wenn die Macher von Earthworm Jim und The Neverhood zu werkeln anfangen, sind die Erwartungen durchaus gehobener Natur. In diesem Monat kommt ihr neuestes Werk Armikrog nun auch für die Xbox One heraus und wir haben uns durch das skurrile Knetanimations-Point-and-Click-Adventure gearbeitet. Die anfängliche Detailverliebtheit verliert sich leider schnell und für die Konsolen hätten die Entwickler durchaus mehr an der Handhabe arbeiten können.
Mit viel Mühe und Fleiß entstand das Abenteuer von Tommynaut und seinem blinden, sprechenden, außerirdischen Hund Schnapp-Schnabel. Die lebenswerten Charaktere, die von Doug TenNapel, dem Schöpfer von Earthworm Jim, entworfen wurden, schließt man schnell ins Herz und als etwas älterer Spieler erinnert man sich noch an seine Jugend, in der die Knetmasse nicht nur auf dem Tisch sein Unwesen trieb, sondern auch im TV. Der Aufwand, Armikrog zum Leben zu erwecken, ist gigantisch. Sämtliche Figuren und Szenen wurden in der Realität zusammengebastelt und im Stop-Motion-Verfahren digitalisiert. Dadurch wirken so manche Räume geradezu mystisch realistisch und genial. Wenn Moos zur Begrünung dient, flauschiges Fell skurrile Bewohner formt und die einzelnen Bauten wie aus Zuckerguss gefertigt daher kommen, muss man durchaus den Hut vor den Designern ziehen.
Quelle: Versus Evil
Armikrog (1)
Alles beginnt bereits sehr humorvoll und detailverliebt. Aufgrund von Ressourcenproblemen auf dem eigenen Planeten muss der gute Tommynaut losziehen und überlebt einen Absturz auf dem Zielplaneten nur um Haaresbreite. Haare sind auch ein passendes Stichwort, denn kaum aus der Kapsel gekrochen, möchte ein fettes, flauschiges Wesen seine eben entdecke Mittagsmahlzeit genießen. Außer Atem kann Tommynaut mit seinem Hund in eine Festung fliehen - ein riesiges Anwesen, was eigentlich eher ein Forschungslabor mit allerlei skurrilen Maschinen und Erfindungen darstellt. Die Dialoge werden gekonnt in Englisch geführt und bereiten uns ein Lächeln und auch so manche Szene am Rande, eher als Easteregg zu bezeichnen, sorgt dafür, dass man gekonnt unterhalten wird. Leider verliert sich dieses intensive Erlebnis mit Zunahme der Spieldauer. Die kleinen, witzigen Dinge abseits der Haupthandlung werden immer weniger, vor allem weniger unterhaltend.
Hauptziel ist es zunächst, die wichtige Ressource P-Tonium zu finden. Dazu führt man Tommynaut durch den riesigen Komplex und muss ständig Hebel und Schalter aufklauben, diese in die passenden Vorrichtungen einbauen und damit dann die jeweiligen Türen öffnen oder Generatoren anschalten. Auch andere Rätsel sorgen für etwas Kopfzerbrechen. Meist muss man sich aber nur irgendwelche Bilder, Formen oder Abfolgen merken und diese viel, viel später dann in irgendeiner Form anwenden. Wirklich kreativ wirkt das nicht und ganz ehrlich, den Kopf muss man dabei wohl nur selten wirklich anstrengen. Manche Aufgabe ist gar nervtötend, wenn hauptsächlich ausprobieren, scheitern und erneut in anderer Variante probieren gefragt ist. Trial and Error, was ziemlich zermürbend sein kann.
Quelle: Versus Evil
Armikrog (3)
So zieht sich das Abenteuer über mehrere Stunden hinweg und alsbald ist es eher reines Pflichtgefühl, dass man den Weltraumreisenden an die Hand nimmt und zusammen mit seinem Hund Schnapp-Schnabel immer Tiefer in die Forschungsanlage eindringt, dabei außerirdischen Gebrabbel lauscht (was man erst gegen Ende des Spiels tatsächlich übersetzen kann) und fortwährend mit denselben Problemen konfrontiert wird. Immerhin bietet der Vierbeiner etwas spielerische Varianz. Dieser kriecht in kleine Höhlen und bringt seinem Herrchen dann gefundene Gegenstände oder kann sogar fliegen! Das sieht nicht nur ulkig aus, es verspricht auch etwas Abwechslung im Alltag.
Sie spielerische Qualitäten von Armikrog, die anfänglich wirklich überzeugen, nehmen leider ab und so auch der Einfallsreichtum und Humor des Spieles - etwas, was der PC Version bereits anhaftete und natürlich kaum verändert seinen Weg auf die Konsolen fand. Ebenso unverändert scheint die Handhabe und das muss man den Entwicklern dann doch ganz schön ankreiden. Während die Erkundung der Forschungsbasis noch ganz gut von der Hand geht und man den Mauszeiger durchaus, wenn auch ungewohnt, über den Bildschirm gezogen bekommt, so ärgert man sich bei so manchem Rätsel über die stupide Steuerung. Warum hat man sich nicht die Mühe gemacht, und alles auf ein Gamepad angepasst? Es gibt eine Form von Rätsel, welches uns noch bei jedem Auftauchen geradezu zur Weißglut brachte, weil die hakelige Steuerung absolut unmöglich ist. Dabei wäre die Handhabe mit nur zwei Handgriffen über ein Dual-Stick-System recht elegant gelöst gewesen. Vermutlich wollte man aber nur wenig bis keine Zeit in den Konsolen-Port investieren und hatte nur noch das vergrößerte Publikum für Armikrog im Auge.
