Assetto Corsa im Community-Special: Ein Highlight für Race-Nerds!
Special
Assetto Corsa ist definitiv keine Simulation für jeden, aber wer sich darauf einlässt, dem erschließen sich Welten.
Unser treuer Leser Psychotoe2008 hat sich hinters Steuer von Assetto Corsa gesetzt und diesen ausführlichen Erfahrungsbericht abgeliefert. Was ihm gefiel und was nicht, lest ihr in den folgenden Zeilen.
Endlich ist es so weit! Mit Assetto Corsa erhalten wir einen weiteren Vertreter des Sim Racing Genres auf den Konsolen. Nachdem Project Cars im letzten Jahr nach holprigem Start das Genre überhaupt erst auf die aktuellen Konsolen gebracht hat, will nun dessen schärfster Konkurrent damals auf dem PC zeigen, dass Sim Racing auch auf Konsolen funktionieren kann. Ich habe das Ganze für euch angespielt und möchte euch meine Eindrücke mitteilen:
Quelle: Kunos Simulazioni, Sony
Assetto Corsa (10)
Zuerst, ich spiele das Spiel mit einem Thrustmaster TX mit T3PA-Pedalen, die einen Bremsmod besitzen, dem Shifter und einem Wheel-Add-on. Das sage ich nicht, um mit meinem Equipment zu posen, sondern damit ihr wisst, warum ich das Spiel bewerte, wie ich es bewerte.
Umfang: Hier kam erst einmal Ernüchterung auf. Es fehlen 2-3 Strecken (insgesamt haben es 13 Kurse in 26 Variationen ins Spiel geschafft) und es sind nicht alle Fahrzeuge enthalten, die man uns versprochen hatte. Ja, es sollte im April erscheinen und da gab es das Japanese- (japanische Street Racer) und Red-Pack (italienische Boliden) noch nicht. Bin aber irgendwie davon ausgegangen, dass die gleich dabei sind. Also, gleich den Season Pass dazu gekauft. Da sind die beiden Packs und das große Porsche Paket (28 Fahrzeuge) enthalten. Das Porsche Paket wird dann nachgeliefert. Wann? Das weiß man noch nicht. Insgesamt habt ihr zum Start 103 Fahrzeuge zur Verfügung. Die Auswahl ist bunt gemischt und prinzipiell gut, nur bei manchen Herstellern fragt man sich, warum es 2-4 Versionen des gleichen Modells gibt. Da kamen irgendwie kurz die Gran Turismo Traumata hoch.
Was macht man eigentlich bei dem Game?
Assetto will kein Karriere-Monster sein, will nicht durch eine Masse an Strecken und Fahrzeugen überzeugen und getunt wird hier auch nicht. Die Fahrzeuge können selbstverständlich eingestellt werden, aber irgendwelche Veränderungen kann man nicht vornehmen.
Wir haben drei große Bereiche.
Quelle: Kunos Simulazioni
Assetto Corsa (7)
1. Karriere - Eine Karriere ist es schlicht nicht. Hier haben wir mehrere Serien. Angefangen bei den kleinsten Fahrzeugen (Abarth 500, Alfa Giulia) und wir absolvieren Zeitfahr-Aufgaben oder Rennen. Die sind immer an Bedingungen geknüpft und dafür gibt es dann Medaillen. Hier muss man sagen, dass die Ziele zwar wie in jedem anderen Racer gesteckt sind. Diese jedoch zu erreichen, ist nicht gerade einfach und kann gerade für Ungeübte schnell zu Frust führen. Ihr startet prinzipiell als Letzter und dann den Ersten zu erreichen mit einem Fahrzeug, das immer etwas unterlegen ist, ist halt wirklich schwer. Ich habe tatsächlich öfter mal den Ersten einfach raus gekickt, um etwas Distanz zu bekommen und den Sieg über die Linie zu retten. Hier sei angemerkt, dass die KI ganz gut agiert. Fährt nicht 100% sauber, schneidet sich auch gegenseitig und ist ein starker Gegner. Für viele ist das eventuell einfach zu schwer.
Ab und an knallen sie einem etwas ungestüm ins Fahrzeug, aber im Großen und Ganzen kann man sich mit der KI aber auch wirklich packende Rennen liefern. Um einen Vergleich aus der Ferne zu ermöglichen, kann ich euch sagen, dass ich bei Forza eigentlich standardmäßig auf "unschlagbar" unterwegs bin. Bei Assetto reicht es im Moment für einen Mix aus mal mittel und mal schwer.
2. Special Events - Hier haben wir immer historische Fahrten, die wir nachfahren oder Duelle, die gut passen. Beispiel - Mercedes am Nürburgring, Zeitfahren mit dem Nissan GT-R oder alte Duelle wie Countach vs. F40. Auch hier werden wir mit Medaillen belohnt. Genau wie in der Karriere ist es entweder höchst motivierend, wenn man den nötigen Skill und das richtige Equipment besitzt oder sehr frustrierend, gerade als Anfänger oder purer Pad Fahrer.
Quelle: Kunos Simulazioni
Assetto Corsa (6)
3. Fahren - Hier haben wir das Herzstück. Wir können die Hotlaps ballern, selbst Rekorde bei Zeitfahrevents aufstellen, Touristenfahrten absolvieren, wie auf den realen Vorbildern, oder ganze Rennwochenenden absolvieren - inkl. Training, Qualifying und langen Rennen. Das ist ganz klar das Herzstück. Ihr sucht euch ein Fahrzeug aus und eine Strecke und dann geht es darum Strecke und Bolide kennenzulernen. Verabschiedet euch von dem Gedanken, einzusteigen und Zeiten zu ballern, wenn ihr nicht schon entsprechende Vorkenntnisse aus anderen Games habt! Ja, eine Nordschleife, Spa und den Nürburgring GP kann ich euch blind aufmalen und entsprechend kann ich auch schon Zeiten auf den Strecken fahren, die mehr als konkurrenzfähig sind. Doch ich nehme mal das Beispiel Mugello. Die Strecke bin ich bei FM sicherlich schon mehrere tausend Runden gefahren. Aber halt nur bei FM. Hier muss man sich nun vollkommen neu einspielen. Wo ist der Bremspunkt, wie weit trägt mich das Gewicht aus der Kurve, wie fahr ich die Schikanen an, um mit genug Schwung auf die Gerade zu kommen und ...und ... und? Wer jetzt schon denkt: Na das ist ja langweilig! Sowas mache ich nie", wird mit AC auch nicht glücklich werden. Doch zu den Glücksgefühlen komme ich gleich noch.
Online hat sich Assetto zum Start einen großen Patzer erlaubt. Es lässt bisher noch keine privaten Lobbys zu. Ein wenig laggy ist es auch noch. Hier wurde bereits Besserung via Patch versprochen. Das wird wohl nicht lange auf sich warten lassen.
Wo wir schon bei fehlenden Standards sind - es gibt zurzeit kein Online-Leadboard (Bestenliste). Das macht mich etwas fertig. Will ich doch wissen, welcher Teufelskerl noch schneller ist als ich und seinen Geist nutzen, um meine Fehler weiter zu minimieren.
Quelle: Kunos Simulazioni
Assetto Corsa (5)
Präsentation: Naja. Es ist eine Simulation. Schon Project Cars war für die meisten zu trocken und das hier setzt dem Ganzen die Krone auf. Folgende Situation: Ihr fahrt ein Karriere-Rennen, kämpft euch sechs Runden lang an den Führenden heran und überholt ihn in der letzten Kurve mit einem Brillanten Manöver, bei dem der Lauda mit den Öhrchen wackeln würde. Ihr donnert über die Ziellinie mit einem fast schon berauschenden Gefühl und was passiert? Rennen abgeschlossen, schnitt, ihr steht in der Box. Kein Glückwunsch, keine kurze Wiederholung und keine Belohnung. Einfach raus, zack weiter. Das geht auch anderes und selbst ich wünsche mir hier ein zwei Emotionen mehr. Die Präsentation ist praktisch nicht vorhanden.
Technik: Ich lese öfter, dass das Spiel kein Brett ist. Scheinbar gab es eifrige Tester, die das Spiel vor dem Day-One Patch, der mega klein ist, bewertet haben. Bei mir waren keine Einbrüche der Framerate zu bemerken. 60 FPS sehe ich hier nicht, aber es läuft flüssig und das Bild wird nicht negativ beeinflusst. Sieht ziemlich ähnlich wie Project Cars aus, nur spürbar flüssiger. Tearing ist ausschließlich in Rennen mit Gegnern zu beobachten. Etwas, das gerne mal bemängelt wird, ist die Umgebung auf der Strecke. Naja, es ist eine Rennstrecke. Ich war schon auf so einigen in meinem Leben und wenn nicht gerade die DTM oder die Formel 1 zu Gast auf der Strecke ist, dann sehen Strecken nun mal so aus. Ich habe noch nie erleben dürfen, dass bei einer Touristenfahrt auf der Nordschleife 100.000 Gäste zusehen, wie halbstarke Möchtegern-Rennfahrer ihre M3s halbtot treten. Es ist halt nix los an der Strecke. So ist das auch im Spiel.
Quelle: Kunos Simulazioni
Assetto Corsa (4)
Doch wo wir schon bei den Strecken sind, muss ich auch hier mal mein Fazit dazu abgeben. Was die Programmierer da abgeliefert haben, ist schlicht genial. Ja, jeder Hersteller versucht nah dran zu sein, und der ein oder andere vermisst die Strecke, aber was Kunos hier abliefert ist blanker Wahnsinn. Die nutzen 3D-Laserscans für die Strecke. Dem 0815 Gran Turismo Fahrer wird es kaum auffallen, doch wenn ihr mal mehr als 1.000 Runden Nordschleife gefahren seid, dann fallen euch marginale Veränderungen auf, wie dass die Hatzenbach ein wenig stärker abfällt und nur mit GT-Fahrzeugen aufwärts voll genommen werden kann, dass der Aremberg eigentlich ne 3 Gang ist und der Galgenkopf doch eine saubere Linie zulässt, ohne dass das Fahrzeug springt wie Fury.
Jede Welle, jedes Schlagloch, die Curbs, einfach alles wurde eins zu eins in das Spiel übernommen. Das gab es bisher auf Konsolen nicht, das schockt den Sim-Liebhaber und begeistert in jeder Kurve, in der es Neues zu entdecken gibt.
Steuerung: Und hier verbirgt sich nun zugleich mit das größte Problem und der größte Vorteil des Spiels. Ich fahre mit dem oben genannten Equipment, das kann man gut und gerne, gerade mit dem ganzen Zubehör, als High-End bezeichnen. Und genau mit einem solchen Setup ist es eine Offenbarung mit den Fahrzeugen über die Strecke zu ballern. Das FFB ist dermaßen sensibel und lässt ein Einschätzen von Fahrzeug und Strecke zu, was bisher nur ein Project Cars konnte. Ihr spürt leichtes ausbrechen, was sich durch ein leichtes lupfen vom Gas sofort und sanft korrigieren lässt. Ihr vernehmt ganz genau, wann die Vorderräder erst leichter werden und dann den Grip verlieren.
Quelle: Kunos Simulazioni
Assetto Corsa (3)
Nein, ihr spürt es nicht nur, ihr könnt es nutzen. In keinem anderen Spiel ist es möglich, sich so genau im Grenzbereich des Autos zu bewegen und es zu kontrollieren. Jeder denkt immer, dass eine Sim so hardcore schwer ist, weil es schwierig zu beherrschen ist. Das Gegenteil ist der Fall. Ja, die Fahrzeuge verhalten sich wie in echt und wollen richtig behandelt werden, doch die Steuerung gibt einem soviel Feedback, dass das Fahren mit dem Lenkrad das Ganze recht einfach macht, einfach weil man merkt, was grade falsch läuft. Euch dreht nicht ohne Grund der Arsch weg, ihr wisst immer genau, wann ihr den Bremspunkt verfehlt habt und nun über die Vorderräder ins Kiesbett rutscht. Es gibt niemals das Gefühlt, dass das Auto kacke ist, sondern ihr wisst immer, dass ihr den Fehler gemacht habt. Grandios!
Jedes Auto, wirklich jedes, fühlt sich anders an. Ich könnte nur mit der Nordschleife und 5 Fahrzeugen einen Monat und länger auskommen. Habt ihr euch mit Fahrzeug A an die Strecke gewöhnt und meint alles rausholen zu können, sieht die Welt bei Fahrzeug B doch ganz anders aus. Ein GT Fahrzeug hat mal eben einen Bremsweg der 30% kürzer ist als der von einem Supersportler, was wieder dazu führt, dass sich die Streck mit einem Zonda R komplett anderes fährt als mit einem Z4 GT3. Als würde man ein anderes Spiel spielen. Wahnsinn!
Quelle: Games Aktuell
Assetto Corsa (2)
Und all das spürt ihr in den Händen, könnte gefühlvoll mit den Füßen das Beste aus Fahrzeug und Strecke rausholen und die von mir beschriebenen Glücksgefühle nehmen kein Ende.
Wenn ihr nun aber kein Wheel euer Eigen nennt, sondern mit einem Controller an den Start geht, bleibt von dem sagenhaften Fahrgefühl nicht mehr viel übrig. Wie auch? Im Stick habt ihr kein Gefühl. Klar, man kann gefühlvoll einlenken. Aber wenn ich im Hocheichen einfahre, sanft in den Dritten runter schalte, merke, dass mein Wagen kurz den Kontakt zur Fahrbahn verliert, dann gebe ich für einen kurzen Augenblick kein Gas und weiß, dass ich sauber in die Gerade rein flutsche, während der Pad Spieler gar nicht spürt, dass er kein Schlumpf hat, auf dem Gas bleibt und sich schlicht raus dreht. Wie soll er das auch mitbekommen? Auch die tollsten Rumble-Trigger können dir dieses Feedback nicht geben. Nehme ich Spa, eine Strecke voll mit 3-Gang-Kurven, die ich in einem Zug nehmen kann, fast ohne Geschwindigkeit einzubüßen, wenn ich mich zwischen 25 und 75% Gas bewege. Das will ich mal mit einem Controller sehen! Das werden die Wenigsten so hinbekommen, wie jemand der ein paar Pedale an den Füßen kleben hat.
