Metroid Prime: Federation Force im Test - Koop-Ballerei zum 30 jährigen Jubiläum

Test Philipp Mentel
Metroid Prime: Federation Force (2)
Quelle: Nintendo

Wir haben gecheckt wie gut das Koop-Gameplay von Mit Metroid Prime: Federation Force zum Jubiläum der Serie funktioniert.

30 Jahre ist es schon her, als Nintendos altehrwürdige Spielereihe Metroid erstmals auf den Markt erschien. Mit Metroid Prime: Federation Force erscheint passend dazu für den Nintendo 3DS das entsprechende Jubiläumsspiel im Jubeljahr, doch ob das auf Koop gestützte Gameplay überhaupt etwas taugt oder nicht doch als lieb gemeintes Geschenk im Regal beim Händler eures Vertrauens versauern darf, lest ihr in unserem Test.

Metroid Prime: Federation Force (49) Quelle: Nintendo Metroid Prime: Federation Force (49) Wir schreiben das Jahr 1986 in Japan. Genauer gesagt, den 6. August 1986. Nintendos Entwickler Gunpei Yokei, der nur wenige Jahre später mit dem ersten Game Boy Videospiel-Geschichte schreiben wird, wirkte mit seinem Entwicklerteam an Metroid mit und schuf mit der Protagonistin Samus Aran eine Videospiel-Heldin, die sich in Power Suit und mit einem Blaster bewaffnet gegen fiese Weltraumpiraten zur Wehr setzen muss. 30 Jahre später steht also ein Jubiläum an, das Grund genug sein sollte, ein neues Metroid-Spiel zu veröffentlichen, nach dem sich die beinharten Fans so sehen. Doch es kommt etwas anders.

Vor dreißig Jahren erschien neben Metroid unter anderem auch The Legend of Zelda. Seither wohl einer der bedeutendsten Marken unter Nintendo. Während Metroid Fans im Prinzip baden gehen, bekommen Zelda-Anhänger nach 30 Jahren ein vollwertiges, neues Zelda-Spiel für Wii U und auch Nintendo NX. Mit Breath of the Wild zeigte Nintendo auf der diesjährigen E3 teils beeindruckendes Gameplaymaterial. Und was macht Metroid? Wer ähnlich wie bei Zelda auf ein "großes" neues Spiel gewartet hat, der wird enttäuscht sein. Mit Metroid Prime: Federation Force (ausschließlich für den Nintendo 3DS), bekommt man einen Koop-Shooter, der eher als Spin-off der Serie angesehen werden muss.

Samus Aran? Nein, Chibi-Weltraumpiloten

In Metroid Prime: Federation Force übernehmen wir nicht die Rolle von Samus Aran, sondern schlüpfen in die Haut eines austauschbaren Weltraumpiloten der Federation Force. Die meiste Zeit im Spiel verbringt man darüber hinaus in den großen Mechs, mit denen man sich in der Umgebung umherbewegen muss - seine Spielfigur bekommt man dann, dank Ego-Perspektive, ohnehin nicht zu Gesicht. Eine Rolle spielt das letztlich auch nicht, da das Spiel im Grunde keinen großen Wert auf eine Einzelspielererfahrung legt, sondern sich eher auf Koop-Spielerreien mit bis zu vier Spielern konzentriert. Die 22 Missionen, die das Spiel bietet, lassen sich aber auch alleine schaffen - wobei sich das eher als mühselig erweist.

Metroid Prime: Federation Force (22) Quelle: Nintendo Metroid Prime: Federation Force (22) Das Spiel richtet sich in den meisten Fällen nicht an der tatsächlichen Spielerzahl, sodass wir Alleine auch die selbe Masse an Gegnern abschießen müssen, wie vier Spieler es sonst tun. Das ist gerade bei einigen Passagen oder Bosskämpfen nervig, da wir hier nicht nur mehr Zeit investieren, sondern auch mühselig aufpassen müssen, nicht zu verrecken. Geht nämlich durch diverse Treffer unsere Energie runter und wir heilen uns durch entsprechende Kapseln nicht rechtzeitig, dann segnen wir auch mal das Zeitliche und dürfen die Mission nochmal komplett von Vorne spielen. Bei zwei oder mehr anwesenden Spielern, kann man wenigstens noch geheilt werden, allerdings gilt auch für zwei oder mehr Spieler: sterben alle, muss die Mission komplett von Vorne gestartet werden, da es keine Checkpoints gibt - nervig.

Steuerungsvariabel

In den grob linearen Levels bewegen wir uns zum größten Teil in den bereits erwähnten Mechs. In manchen Fällen werden wir für gewisse "Schleichrätsel" aber auch mal aus dem Stahlkoloss automatisch heraus befördert. Doch wie steuert sich eigentlich so ein Mech? Die Entwickler von Next Level Games, die sich auch für Luigi's Mansion verantwortlich zeichnen, nutzen dabei nicht den Touchscreen für mühseliges Kameraschwenken mit dem Touchpen, sondern konzentrieren sich auf die Steuerung mit einem Analogstick, den wir zum Bewegen und Schwenken der Kamera nutzen. Hinzu kommt, dass wir mit der linkenSchultertaste nicht nur Gegner auf mittlere Distanz im Sichtfeld automatisch anvisieren, sondern zusätzlich mit der rechten Schultertaste "feiner" schießen können, da wir auch mit dem Schwenk des Nintendo 3DS das Fadenkreuz bewegen. Allerdings bewegen wir das Fadenkreuz dann auch nur in der mit der linken Schultertaste anvisierten Stelle.

Metroid Prime: Federation Force (20) Quelle: Nintendo Metroid Prime: Federation Force (20) Gerade bei Bosskämpfen, die während des Spielverlaufs hier und da gut eingestreut wurden, müssen wir manchmal erst gewisse Schwachstellen abschießen, die sich erst mit Gyro-Steuerung wirklich erreichen lassen. Visieren wir einfach nur Stumpf mit der linken Schultertaste an, gewinnen wir keinen Blumentopf. Wer den New Nintendo 3DS nutzt, kann aber auch mit dem C-Stick agieren. Das Spiel bietet in der Hinsicht also eine Steuerungsalternative an. Dank Tutorial am Schießstand wärmt man sich mit der Gyro-Steuerungsvariante schon gut auf, trotz anfänglicher Skepsis spielt sich Metroid Prime: Federation Force so schon angenehm gut, auch wenn in der Hektik bei mehreren Gegnern, die um einen herum auftauchen, sicherlich nicht immer alles sofort flutschen will.

Mehr Mods braucht der Mech

Damit der Sammeltrieb im Spieler geweckt wird, wurden die einzelnen Level mit mal mehr, mal weniger gut versteckten Mods, also Modifikationen, bestückt. Meist sind diese z.B. hinter gefrorenem Stein, hinter Glasbehältern, die man erst aufschießen muss, oder man muss erst mit gutem Timing um Ecken schweben. Mit den eingesammelten Modifikationen kann man dann zu Beginn einer Mission seinen Mech "aufrüsten". Während man Anfangs nur eine Modifikation ausrüsten kann, steigert sich die Anzahl durch das Sammeln von Medaillen auf drei Modifikation. Unter anderem kann man Mods ausrüsten, die mehr Munition für gewisse Waffenaufsätze gewähren, uns mehr Schaden austeilen oder Mitspieler schneller wiederbeleben lassen. Wer alleine spielt sollte von vorneherein die nur für Solo-Einsätze aktivierbare Mod nutzen, die 50% mehr Schaden austeilen kann und 50% weniger Schaden einstecken lässt.

Metroid Prime: Federation Force (19) Quelle: Nintendo Metroid Prime: Federation Force (19) Wer sich übrigens fragt, ob es so etwas wie eine Geschichte gibt, der wird enttäuscht. Das Spiel spielt zwar einige Jahre nach der Vernichtung des Planeten Phaaze durch Samus Aran, aber mehr wird man in Federation Force an neuem Story-Material nicht hinzugewinnen. Als Weltraumpilot, der der Federation Force angehört, säubern wir das Bermuda-System auf unterschiedlichsten Planeten von unbekannten Bedrohungen und merken recht schnell, dass die Weltraumpiraten mit Störsignalen den Informationszufluss an die Federation Force verhindern wollen. Doch so wirklich vermissen tut man storytechnisch nicht wirklich etwas, da man das Spiel von Vorneherein als Koop-Spiel betrachten muss. So gesehen fungiert der Spieltitel eher als zusätzlich Kohle für das Anfeuern der Spielverkäufe (die bislang aber nicht wirklich optimal sind).

Multiplayer-Funktionen und amiibo-Features

Wer sich Metroid Prime: Federation Force zulegen will, der sollte gefallen an den Mehrspieler-Funktionen finden. Zu Beginn einer Mission können wir festlegen, ob wir diese alleine, lokal oder Online absolvieren wollen. Die Lobby-Suche funktioniert dafür recht zuverlässig, auch wenn uns hier und da mal Fehlermeldungen aus dem Spiel gekickt haben. Blöd: eine gezielte Spielersuche, um mit Freunden zu spielen gibt es nicht und ein Voice-Chat fällt flach (weswegen man sich mit vorgefertigten Textblöcken verständigen muss). Gerade wenn man mit zufälligen Spielern spielt, ist es nervig, wenn diese eventuell mal nicht so intelligent spielen, wie man es sich von ihnen erhofft. Mit den Textblöcken kann man da auch nicht viel machen, um eventuell konkrete Hinweise zum Lösen eines Rätsels zu geben. Im Lokalen-Modus, den wir allerdings nicht testen konnten, dürfte der Reiz nochmal umso größer sein und Federation Force nochmal etwas spaßiger machen, da man dann auch entsprechend direkt Face-to-Face miteinander kommunizieren kann.

Metroid Prime: Federation Force (18) Quelle: Nintendo Metroid Prime: Federation Force (18) Im Modus "Blast Ball", den man sich im Übrigen auch kostenlos im Nintendo e-Shop herunterladen kann, spielt man im Prinzip ein 3 vs. 3 Fußballspiel, welches im ersten Moment auch an Rocket League erinnert hat - nur ohne die Autos. Wir schießen also mit dem Blaster unseres Mechs auf den Ball und versuchen dadurch ein Tor zu machen, mit gezielten Schüssen, können wir auch Kontrahenten für kurze Zeit kampfunfähig machen, sodass es etwas einfacher wird ein Tor zu machen. Spielt man nicht gerade mit Spielern aus anderen Kontinenten, gibt es auch weniger Lags und der Spielfluss stimmt. Für eine kurzweilige Runde eignet sich der Modus ganz gut, da es auch eine Turnierfunktion gegen die KI gibt, kann man dort entsprechend auch noch trainieren. Gut: Blast Ball lässt sich auch ohne Online-Anbindung spielen. Zudem kann man in diesem Modus durch Siege, Tore, Vorlagen oder Paraden gewisse Lackierungen für seinen Mech freischalten.

Besitzer von amiibo-Figuren dürfen diese für Federation Force aus ihrem Regal holen und damit interessante neue Lackierungen für den eigenen Mech freischalten, die auf die Figuren zugeschnitten sind. Gut, da ich nur Besitzer von zwei amiibo-Figuren bin, habe ich mich auf nur zwei Lackierungen eingestellt - doch das darf man nicht erwarten. Es kann auch gut sein, dass man Lackierungen einfach doppelt freischaltet (also mit zwei verschiedenen Figuren ein und dieselbe Lackierung freischaltet) - so habe ich mit Dr. Mario zwar eine Röntgen-Lackierung freischalten können, mit Donkey Kong funktionierte das Feature allerdings nicht und ich bekam dieselbe Lackierung nochmal angerechnet. Wer eine Metroid-Prime amiibo sein Eigen nennt darf sich aber auf eine ikonische Lackierung freuen, soviel ist sicher.

Meinung

Wertung zu Metroid Prime: Federation Force (3DS)

Wertung:

6.5 /10
Pro & Contra
atmosphärische Soundkulisseunterschiedliche Aufgaben/ Rätselansehnliche Grafik mit nutzbarem 3D-EffektGyro-Steuerung funktioniert gut...Blast Ball-Modus, amiibo-features
keine Speicherpunkte innerhalb der Missionen„nur“ drei Mods zur gleichen Zeit ausrüstbarMehrspieler-Funktionen altbacken (kein Voice-Chat, keine Spielersuche, z.T. Lags)…, außer in manch hektischer SituationSchwierigkeitsgrad wird nicht an Spieleranzahl gekoppelt

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