Das Remaster des ersten Gears of War ist bereits seit einem Jahr im Rest der Welt erhältlich. Nun dürfen es auch deutsche Xbox One-Spieler offiziell erwerben. Wir haben uns noch einmal auf einen Ausflug auf den Planeten Sera begeben und sagen euch, für wen sich dieses Remake lohnt.
Ich kann mich noch genau an meinen ersten Gears-Moment erinnern: Ich saß zu Hause vor meinem PC und habe mir zusammen mit einem Freund einen 15 Sekunden langen Teaser-Trailer angesehen, das war noch vor der Veröffentlichung der Xbox 360. Uns ist die Kinnlade heruntergeklappt und mir war klar, ich muss eine Xbox 360 haben! Knapp 10 Jahre später wandert das Remake für die Xbox One auch in die deutschen Verkaufsregale.
Quelle: The Coalition
Gears of War: Ultimate Edition (1)
Mach wir uns nichts vor: Auch, wenn es damals in Deutschland nicht erhältlich war, so hat doch ziemlich jeder Shooter-Fan auf der 360 Gears of War gespielt. Bevor ich auf die Verbesserungen eingehe, ein kurzer Überblick über die Rahmenhandlung des Titels: Auf dem Planeten Sera kämpften die Menschen in den sogenannten Pendulumkriegen über die Vorherrschaft. Doch dann tauchte aus den Tiefen des Planeten ein neuer Feind auf: Die Locust. Um die Bedrohung zu vernichten, schlossen sich die Menschen zusammen und da kommt der Protagonist Marcus Fenix ins Spiel. Das Abenteuer beginnt mit der Befreiung von Marcus aus dem Gefängnis. Was folgt, ist ein verzweifelter Kampf gegen eine schiere Übermacht an Gegnern, verteilt auf fünf Akte, im Anhang ein paar lahme Sprüche, die 2006 noch cool waren.
An der Handlung wurde nichts verändert, sie folgt dem Original-Spiel. Falls ihr früher nur die Xbox 360-Version gespielt habt, werdet ihr dennoch eine Neuerung entdecken. Im letzten Akt erwarten euch nämlich fünf zusätzliche Kapitel, die die Kampagne nochmal um ca. eine Stunde erweitern. Die sind aber nicht wirklich neu, sondern waren bereits in der damaligen PC-Version des Spiels enthalten. Für die Rahmenhandlung macht das keinen Unterschied, gerade 360-Spieler dürften sich aber über das vorhanden sein der "Lost Chapters" freuen.
Altes Meisterwerk in neuem Glanz
Die Steuerung wirkt nach heutigen Standards etwas schwerfällig und langsam, nach einer Eingewöhnungsphase findet Ihr Euch damit aber gut zurecht. Der erste Teil war seinerzeit wegweisend bei den Deckungsshootern und das kommende Gears of War 4 wird das Steuerungsschema auf ein zeitgemäßes Niveau heben. Doch was hat sich sonst noch getan? Eine ganze Menge!
Quelle: The Coalition
Gears of War: Ultimate Edition (6)
Der Titel ist optisch kaum widerzuerkennen. Falls Ihr noch eine Xbox 360 mit der Originalversion habt, entstaubt die alte Konsole und legt noch einmal die Ur-Version ein, um einen direkten Vergleich zu sehen. Der Unterschied ist deutlich. Die Verbesserungen der Ultimate Edition fangen bei der Auflösung und der Bildwiederholungsrate an. Während die alte Variante noch mit 720p und eher instabilen 30 Bildern pro Sekunde über den heimischen Fernseher flimmerte, bietet das Remake native 1080p und eine stabile Bildrate.
Ähnlich wie bei den Anniversary-Versionen von Halo 1 und 2 wurde alles neu aufgebaut. Die Charaktermodelle, ähnlich wie die Level, strotzen nur so vor Details. Die Stadt auf Sera wirkt nun viel größer und kaputter, es liegen wesentlich mehr Einzelteile, Schutt und sonstiger Müll herum. Ihr erhaltet wirklich den Eindruck, dass Ihr euch in einer zerbombten und kaputtgeschossenen Stadt befindet in der eine Zivilisation ausgelöscht wurde. Gerade der hohe Detailgrad, selbst an vielen kleinen Objekten, sorgt für eine einmalige Atmosphäre. Der Grundriss der Areale blieb gleich, aber inhaltlich haben die Entwickler von The Coalition viel Liebe fürs Detail bewiesen, um Gears neues Leben einzuhauen.Die Animationen wurden, ebenso wie der Rest, aufgewertet und wirken nun flüssiger. An den blutigen Schießereien wurde auch nicht gespart. Die rote Soße sprudelt nur so aus den feindlichen Truppen und wenn Ihr mit der Lancer einen Feind zersägt, fliegt Locust-Gulasch durch die Luft. Dank einer neuen Beleuchtungstechnologie gibt es viel glaubwürdigere und genauere Schattenwürfe. Das Remake profitiert in puncto Atmosphäre stark von diesen Verbesserungen. Nun kommen die verschiedenen Tageszeiten besser zur Geltung und sorgen für extra Stimmung. Die Stadt Ephyra, dem Hauptschauplatz von Gears of War 1, war noch nie so unheimlich.
Quelle: The Coalition
Gears of War: Ultimate Edition (9)
Ich komme nur schwer davon weg die Arbeit von The Coalition zu loben, denn das Remake von Gears of War sieht durch die Bank besser aus als das Original. Fast. In einem Punkt steht die Ultimate Edition hinten an. Die optische Rundumerneuerung sorgt dank der neuen Texturen und höheren Auflösung für ein besseres Gesamtbild, allerdings hat dies auch eine negative Auswirkung auf einige Schlüsselszenen. Als deutlichstes Beispiel bleibt mir folgende Szene in Erinnerung: Im Verlauf des zweiten Akts kommt es zu einem erbitterten Kampf bei einer Tankstelle und auf einmal schießt ein fliegender Schwarm von Krill aus dem Boden. Die optische Darstellung im Remake führt leider dazu, dass dieser Effekt weitaus weniger beeindruckend aussieht als ursprünglich vorgesehen. Damals wurde mit einigen Tricks wie Unschärfeeffekten gearbeitet, um die gegnerischen Einheiten wie einen riesigen, übermächtigen Schwarm wirken zu lassen. In der Ultimate Edition ging der Effekt komplett verloren, da die Monster einzeln modelliert wurden. So fliegen nur ein paar der Locust durch die Luft und das auch noch in einem wesentlich langsameren Tempo. Unterm Strich profitiert das Spiel jedoch durchgehend von den optischen Verbesserungen.
Den Mehrspielermodus hat das Team von The Coalition nicht vergessen. Die Level profitieren vom Remake und wurden komplett überarbeitet. Knackscharfe Texturen, detailreichere Umgebungen mit komplett neuer Ausleuchtung und flüssiges Gameplay zeichnen hier ein positives Bild. Der kompetitive Modus läuft auch merklich schneller als die Kampagne und bietet obendrein alle Spielmodi der Urfassung. Inhaltlich bekommt Ihr 19 Karten, inklusive der DLC- und der drei bisher nur auf PC verfügbaren Level geboten. Bis Gears of War 4 Ende Oktober erscheint dürften Euch die Kampagne und der Online-Modus der Ultimate Edition die Warterei etwas versüßen.
