ReCore im Test: Geheimtipp oder Flop?

Test Sven Huber Alexander Winkel
ReCore (1)
Quelle: Microsoft

Als Hoffnungsträger begeisterte ReCore zur E3 2014 mit einem unglaublich stimmigen Trailer, doch danach verlor die neue IP ein wenig ihren Glanz. Nun dürfen wir endlich selber Hand anlegen und gemeinsam mit Joule Adams den wüstenhaften Planeten Far Eden genauer erkunden. Ist ReCore doch noch zu einem Geheimtipp mutiert oder fehlt es dem exklusiven Titel tatsächlich an Überzeugungskraft?

Die Hoffnung auf ein großartiges neues Action-Adventure bezüglich ReCore war groß, was nicht einzig allein an der Präsentation des Spieles lag. Hintergrund ist auch, dass sich einige ehemalige Metroid Prime Designer mit der Capcom Legende Keiji Inafune (unter anderem Mega Man und Dead Rising) zusammen gefunden haben und mit ReCore durchaus ambitionierte Pläne schmiedeten. Wir tauchen in ein Sci-Fi Abenteuer ein, welches tatsächlich an die Mechaniken des Nintendo-Klassikers erinnern und mit Joule Adams stehen wir einer äußerst sympathischen Protagonistin zur Seite. Sie wird begleitet von einem putzigen Corebot, ein mechanisches Wesen. Trotz fehlender Kulleraugen und stahlharten Kanten versprüht der kleine Mack, einem treuen Hund nachempfunden, ebenso viel Charme wie sein Frauchen. Die Basis ist auf jeden Fall schon mal stimmig und weckt das Interesse.

ReCore (7) Quelle: Microsoft ReCore (7) ReCore spielt auf dem wüstenhaften Planeten Far Eden, der auf dem ersten Blick geradezu öde aber dennoch interessant wirkt und mit dem orchestralem Soundtrack ein faszinierendes Ambiente schafft. Nach einer Katastrophe auf der Erde wurde dieser Planet für die Überlebenden auserkoren und ein Team von Wissenschaftlern und Ingenieuren sollte daran arbeiten, diesen für die Menschen bewohnbar zu machen. Als Joule aus der Bewusstlosigkeit gerissen wird, befindet sie sich in einem Wüstensturm und muss entsetzt feststellen, dass so einiges auf dem Planeten wohl schief gegangen ist. Eigentlich hätte sie bei Komplikationen viel eher auf der Matte stehen sollen. Warum wurde sie nicht aus dem Schlaf geholt? Was ist mit den Wissenschaftlern, darunter ihrem Vater? Was ist passiert? Fragen über Fragen, die sich zum größten Teil leider recht schnell aufklären. Die Story bezüglich der Protagonistin ist, nach Abschluss des Spiels betrachtet, doch etwas dürftig und nur die Hintergrundgeschichte, welche zumeist mit versteckten Audiologs präsentiert wird, bietet uns einen tiefgründigeren Eindruck über die Ereignisse auf Far Eden.

Die mechanischen Helfer der Menschen, also die Roboter, sind vielseitig einsetzbar und verfügen über einen Energiekern. Diesem Kern zu eigen ist auch eine gewisse Seele, die auch Gefühle zulässt, aber immer dem Menschen treu zur Seite stehen sollte. Kaum habt ihr euch in den ersten Höhlen und den Überresten mancher Raumgleiter umgeschaut, muss sich Joule Adams aber bereits einigen der Corebots entgegen stellen, die ihren Tod sehen wollen. Soviel zu der Gutmütigkeit der von Menschen geschaffenen Roboter.Sobald Joule auf Feinde trifft, kommt ein raffiniertes Kampfsystem zu tragen, welches im Laufe des Abenteuers beständig erweitert wird. In den Grundzügen gleicht es vielen anderen Systemen mit anvisieren des Gegenübers und seitlichem Ausweichen von Attacken. Die Corebots sind dabei einem Element zugeordnet. Darauf muss die eigene Schusswaffe ausgerichtet, sprich die richtige Farbe abgefeuert werden. Stimmt die Wahl, kann man viel effektiver den Kampf angehen. So durchbricht man mit der passenden Bewaffnung deutlich schneller die durch Elektrik aufgebauten Schutzhüllen und kann wesentlich mehr Schaden austeilen. Manchmal muss man aber vorsichtig sein, denn so mancher Corebot ist auch ein Gestaltenwandler, der seine Fähigkeiten und Angriffe beständig ändert. Ein Element, welches vor allem bei den dickeren Bosskämpfen zum tragen kommt. Hat Joule einen Feind genug geschwächt, kann sie versuchen, dessen Energiekern zu extrahieren und damit die Seele des Opfers einzufangen, bevor der Roboter in seine Bestandteile zerlegt wird. Wer das Kampfsystem durchschaut hat, wird schnell seine Freude haben und ordentlich Dellen in die Blechmonster hauen. Schwierig, bisweilen unfair und frustrierend, ist es vor allem aber dann, wenn ReCore uns viele Feinde von allen Seiten und au einmal in die Kampfarena wirft und sowohl die Zielvorrichtung ihren Geist aufgibt, als auch die Auffassungsgabe des Spielers.

ReCore (2) Quelle: Microsoft ReCore (2) Der treue Hund Mack, der natürlich seine Beißer ebenfalls in die Feinde haut, bleibt nicht ihr einziger Begleiter. Weitere gutmütige Corebots gesellen sich in den nächsten gut 12-15 Stunden hinzu und bereichern nicht nur das Angriffsrepertoire. Jederzeit kann Joule Befehle erteilen. Mack erschnüffelt zum Beispiel Schatzteile im Boden, die ulkige Spinne wiederum kann an mechanischen Schienen entlang klettern und Joule so an abgelegene Orte bringen. Duncan ist einfach ein kraftvoller Kerl, der auch gerne mit dem Kopf durch die Wand geht. Zum Schluss kann man sogar über den Wüstensand hinweg fliegen und so ebenfalls einige Verstecke auskundschaften. Zu entdecken gibt es durchaus einiges wie Kisten mit neuen Bauplänen oder versteckte Prismakerne. Mit den Plänen und zahlreichen Einzelteilen wird an einer Werkbank schlussendlich an neuen Corebot-Prototypen gearbeitet. Ihr könnte daher die Begleiter von Joule nach Herzenslust mit neuen mechanischen Teilen ausstatten und dadurch deren Effektivität im Überlebenskampf auf Far Eden steigern - was in der Praxis aber nur kaum spürbare Veränderung mir sich bringt.

Abgesehen von der leicht mageren Geschichte der Protagonistin scheitert ReCore aber vor allem am Leveldesign. Anfänglich wirkt Far Eden unglaublich interessant und man vermutet unter jeder Düne Überreste eines Raumschiffes oder irgend eine Forschungseinrichtung. Die ersten Stunden entführen uns in ein typisches Action-Adventure, in dem vor allem der Erkundungstrieb sehr stark angesprochen wird. Ähnlich, und wenig verwunderlich, wie in Metroid Prime werden komplexe Bauten und Höhlensysteme erforscht und mit jeder Aufrüstung der Waffe lassen sich Feinde effektiver bearbeiten oder manch Schalterrätsel lösen. Später kommen wie erwähnt weitere gutmütige Corebots hinzu, deren Fähigkeiten fortan gefordert werden. Umständlich ist es aber, dass maximal zwei der Helfer Joule begleiten und man daher beständig im eigenen Raumschiff oder an den Teleportern sein Team bearbeiten muss. Dafür wiederum offenbaren sich in bereits besuchten Arealen dank der neuen Begleiter neue Gebiete, die vielleicht eine Kiste oder gar einen weiteren Tempel offenbaren.

ReCore (4) Quelle: Microsoft ReCore (4) Die Welt von ReCore wirkt teilweise aber wie wild entworfen, nur damit die Fähigkeiten der Corebots auch irgendwie Sinn machen. Teilweise völlig zerstörte Areale und Plattformen schweben irgendwo im nirgendwo. In den Laboren sorgen Schalter für dubiose Brücken und Wege. Der Pfad durch die Wüste parallel zu Story ist eher streng linear, was nur noch durch manch Leveldesign übertroffen wird. Ein als Labyrinth deklarierter Abschnitt könnte nicht langweiliger ausfallen. Weder gibt es Abzweigungen, noch kann man sich dort wirklich verlaufen. Die Türen öffnen sich nach Vorgabe und der Questmarker führt uns sicher an das Ende. Ärgerlich zudem, dass es keinerlei Möglichkeit für eigene Zielpunkte gibt und die Karte nur bedingt hilfreich ist. Kaum ist diese wieder zusammengefaltet im Rucksack, ist die Orientierung oft bereits verloren.

Far Eden ist ein Wüstenplanet und die relativ kleine und begrenzte Oberwelt ist nicht sonderlich variantenreich: Sand, einige Felsen und herumliegender Schrott. Aber auch die Höhlen und von Menschen geschaffenen Komplexe wirken nicht sonderlich abwechslungsreich. Es stellt sich schnell Ernüchterung ein und man ist von der trostlosen Ödnis doch ein wenig gelangweilt. Zum Schluss hin haben die Entwickler zudem den Fehler gemacht, das Spiel mit künstlichen Sperren ordentlich zu strecken. Wer nicht genug Prismakerne gesammelt und das passende Charakterlevel erreicht hat, muss sich zunächst in den bereits erkundeten Arealen umschauen. Immerhin sorgen zahlreiche Anlagen abseits der Hauptgeschichte für zusätzliche Erkundungstouren. Diese Abschnitte bieten einzelne Herausforderungen wie das schlagen einer Zeit. Alle Anforderungen zu erfüllen ist knackig aber motivierend und hinterher winken wieder einzigartige Baupläne und andere Extras. Nur leider erkauft man sich jeden Szenenwechsel aus der Oberwelt in eine der Anlagen und Höhlen als auch in neue Gebiete mit deutlich zu langen Ladezeiten.

Meinungen

Wertung zu ReCore (XBO)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Far Eden liefert ein stimmiges Ambiente zusammen mit dem tollen Soundtrack.Sympathische Protagonistin und ebenso sympathische Begleiter.Viele zusätzliche Areale abseits der Haupthandlung mit Herausforderungen.Interessantes und durchaus strategisches Kampfsystem.Stimmiger Soundtrack untermalt denn Trip.
Trotz offener Welt ein sehr linearer Spielverlauf.Die Story ist etwas dürftig und weitere Infos nur durch Sammel-Logfiles.Das Leveldesign wirkt teilweise angestaubt und erzwungen für die Fähigkeiten der Begleiter.Keine eigene Zielmarker auf der Karte möglich.Zahlreiche kleinere Bugs und extrem lange Ladezeiten.

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