Gears of War 4: Die nächste Generation startet durch

Test Alexander Schneider
Gears of War 4 (5)
Quelle: The Coalition

Es ist die wohl größte Marke, die Microsoft neben Halo in Petto hat und mit Gears of War 4 lehrt uns Microsoft zugleich eine traurige Wahrheit: Nichts hält ewig. Ob die Marke unter der Federführung des neuen Entwicklers The Coalition zumindest die Qualität wahren kann, erfahrt Ihr in unserem Test.

Keine Sorge, auch als Neulinge werdet Ihr ganz gut in die Handlung der Reihe finden. Im Prolog der Kampagne dürft Ihr ein paar Szenen vergangener Tage erleben. Dort wird in einer Mischung aus Videosequenzen und Gameplay-Einlagen erläutert, was sich in den letzten Jahrzehnten auf dem Planeten Sera zugetragen hat. Ein erbitterter Dreifrontenkrieg zwischen den Locust, den Lambent-Locust, eine Art infizierter Sub-Gruppe, sowie den Menschen hat den Planeten Sera fast an den Rand der Zerstörung getrieben. Seit den Ereignissen im dritten Teil, in denen Marcus Fenix und sein Team den Krieg beendeten, sind 25 Jahre vergangen. In dieser Zeit ist viel passiert: Die Menschen haben mit dem Wiederaufbau begonnen, Marcus hat einen Sohn und auf Sera herrscht Frieden.

Gears of War 4 (12) Quelle: The Coalition Gears of War 4 (12) Im Verlauf des Abenteuers werdet Ihr auf ein paar bekannte Gesichter treffen, die euch noch zusätzliche Informationen über vergangene Tage liefern. Falls Ihr Kenner der ersten Trilogie seid, werdet Ihr daran sicher Eure helle Freude haben, da diese "Klassentreffen" wunderbar in die Handlung eingearbeitet wurden. Im Abenteuer selbst schlüpft Ihr allerdings in die Rolle von J.D. Fenix, dem Sohn von Marcus, und seinen neuen Mitstreitern Del und Kait. J.D. und Del waren beide Teil des COG-Militärs, haben die Truppe aber vor einiger Zeit verlassen, um in einem Dorf mit Abtrünnigen zu leben, die sich weigern in den vom COG ausgewiesenen Siedlungen zu leben. Um ihr Dorf regelmäßig mit Energie zu versorgen überfallen sie daher COG-Einrichtungen, um die dafür nötige Ausrüstung zu stehlen. Hier setzt auch die Handlung an und Ihr macht euch auf den Weg, um eine noch nicht fertiggestellte Stadt auszurauben. Doch schon bald stellt sich heraus, dass etwas nicht stimmt. Die Truppen des COG greifen Euch auch an und deren Anführerin unterstellt Euch unschuldige Menschen zu entführen.

Da Ihr damit nichts zu tun hat, kann nur jemand anderes dahinterstecken und im Zuge einiger turbulenter Ereignisse bahnt sich eine waghalsige Rettungsmission an. Zeit also, die alte Gears-Rüstung aus dem Schrank zu holen und für etwas Krach zu sorgen. Mehr will ich nicht von der Story verraten. Die Ereignisse werden nach und nach in der etwa 8 bis 10 Stunden - auf dem normalen Schwierigkeitsgrad - umfassenden Kampagne aufgeklärt. The Coalition fängt die typische Gears of War-Atmosphäre ein, setzt gleichzeitig aber neue Akzente mit den umfangreichen Videosequenzen und Charakteren, die perfekt in das Universum passen. Obendrein wurden die wohl muskulösesten Pferde erschaffen, die Ihr je gesehen habt. Während des eigentlichen Spielverlaufs lauscht Ihr zusätzlich noch einigen Unterhaltungen, in denen auch ein paar lockere Sprüche mit eingebaut wurden. Typisch Gears of War eben.

Gears of War 4 (2) Quelle: The Coalition Gears of War 4 (2) Meistens werdet Ihr aber mit zahlreichen Schusswechseln alle Hände voll zu tun haben. Hierin und in der perfekt inszenierten Action liegt auch die große Stärke des Spiels. Im Vergleich zu den früheren Ablegern der Serie fühlen sich diese Auseinandersetzungen etwas flotter und weniger schwerfällig an. Das Prinzip bleibt aber gleich: In Deckung gehen und aus dieser Position alle Gegner ausschalten. Aber Vorsicht, denn einige der Deckungsmöglichkeiten gehen unter dem beständigen Kugelhagel zu Bruch. Ihr solltet also stets die Übersicht über das Gefecht behalten, falls Ihr gezwungen seid eure Position zu wechseln. Wenn Eure Feinde mal zu nah an Euch herankommen, zieht Ihr Sie mit einem Griff über die Deckung und schaltet sie mit Hilfe einer brachialen Nahkampfattacke aus. Alternativ greift Ihr beherzt zum Lancer und sägt Eure Feinde ganz klassisch auseinander. The Coalition spart hier nicht an blutigen Szenen. Die rote Suppe spritzt kreuz und quer über den Bildschirm während Ihr Locust auseinandersägt und Köpfe Eurer Widersacher zerplatzen regelrecht, wenn Ihr einen Kopftreffer erzielt.

Das Waffenarsenal macht ordentlich Krach und gerade bei größeren Gegenspielern solltet Ihr Euch in den Arealen umschauen, da die Entwickler manchmal ein paar besondere Wummen versteckt haben. Mehrmals gelangt Ihr auch an Stellen in denen Ihr Euch zwischen zwei potentiellen Wegen entscheiden müsst. Hier wird gerade im Koop-Modus Wert auf ein gutes Zusammenspiel gelegt, da sich die beiden Teams trotz getrennter Wege gegenseitig unterstützen müssen. In einer Szene gebt Ihr beispielsweise Deckungsfeuer von einer erhöhten Position, damit Eure Kameraden sicher vorrücken können. Keine Sorge, zwar schreit die Kampagne geradezu danach im Koop-Modus gespielt zu werden, unschwer am eigenen Squad zu erkennen, allerdings ist auch ein Durchgang ohne Mitspieler problemlos möglich.

Gears of War 4 (15) Quelle: The Coalition Gears of War 4 (15) Technisch zeigt sich die Xbox One-Version von Gears of War 4 von einer sehr guten Seite. Die Charaktermodelle fallen durch viele kleine Details auf und auch die abwechslungsreichen Areale wurden sorgfältig in Szene gesetzt. Damit Euch nicht langweilig wird, haben die Entwickler für viele verschiedene Gebiete gesorgt. Egal ob alte überwucherte Ruinen, bei denen selbst Lara Croft neidisch würde, verkommene Militär-Basen, dunkle Höhlen oder sogar portraitwürdige Wälder und Wiesen, hier wurde an alles gedacht. Besonders gut zur Geltung kommen verschiedene Effekte wie etwa heftiger Regen, von wilden Stürmen regelrecht gepeitschte Bäume und Pflanzen oder stimmungsvoll ausgeleuchtete Level. Besonders die kleinen Details fallen hier positiv auf, wie zum Beispiel Blumen die endlich einmal nicht wie platte Texturtapeten anmuten.

Vereinzelt merkt man dem Spiel aber dennoch an, dass es auf der Xbox One langsam an seine Grenzen stößt. Die Unreal Engine 4 zeichnet ein sehr gutes Bild, kann aber nicht über vereinzelt auftretende verwaschene Texturen hinwegtäuschen. Um sich daran aber zu stören müsst Ihr die Level schon genau absuchen. So eindrucksvoll die Stürme in Gears of War 4 auch aussehen, die Darstellung der Blitzeffekte und die dazugehörige Windhose ziehen die optische Bilanz der Effekte etwas nach unten.

Gears of War 4 (14) Quelle: The Coalition Gears of War 4 (14) Lob gibt es auch für den stets flüssigen Spielablauf. Egal ob Ihr durch eine dunkle Höhle schleicht oder mitten in einem Gefecht ein Effektfeuerwerk abbrennt, alles findet ohne Ruckler oder sichtbare Aussetzer der Bildrate statt. Solltet Ihr einmal scheitern, macht Euch keine Sorgen, denn die Rücksetzpunkte wurden fair platziert und die Ladezeiten fallen angenehm kurz aus. Abgerundet wird das Spielerlebnis durch einen "fetten" Sound und die Sprachausgabe. Auch die deutsche Synchronisation kann sich sehen lassen, allerdings empfehle ich an dieser Stelle wie immer: wer der englischen Sprache mächtig ist, sollte das Abenteuer im O-Ton genießen.

Horde 3.0 und der Mehrspielermodus

Den Absatz zum Horde- sowie Mehrspielermodus werden wir wenige Tage nach dem offiziellen Release nachreichen.

Meinung

Mehrspielermodus

Online spielt Ihr entweder in den klassischen Modi wie Team-Deathmatch, König des Hügels oder im beliebten Horde-Modus. Zum Start gibt es insgesamt 10 Karten. Die Areale sind optisch an bestimmte Gebiete aus der Kampagne angelehnt. Der Mehrspielermodus ist etwas flotter als in den alten Teilen und mindestens genauso fordernd. Am Ende jeder Runde gibt es neben Erfahrungspunkten auch Münzen, mit denen Ihr im Online-Store Pakete mit neuen Ausrüstungsgegenständen kauft. Die werden zufallsbedingt befüllt, ähnlich wie die REQ-Packs von Halo 5 oder den Paketen in Mass Effect 3. Neben Verbesserungen von einzelnen Fähigkeiten erwarten euch auch viele Möglichkeiten zur optischen Modifizierung. Es gibt eine breite Palette an Skins für Eure Waffen und Charaktere.

Ein schönes Detail am Rande: Wie schon bei Halo 5 werden alle zusätzlichen Karten kostenlos angeboten und der Season Pass muss nicht erworben werden. Die neuen Karten könnt Ihr alelrdings nur dann spielen, wenn sie in einer der Standard-Spiellisten aktiv sind. Falls Ihr lieber private Matches erstellt und dennoch nicht auf die neuen Karten verzichten wollt, muss der Host den Season Pass besitzen.

Gears of War 4 (6) Quelle: The Coalition Gears of War 4 (6) Am Interessantesten ist der neue Horde 3.0-Modus. Wie in den Vorgängern versucht Ihr mit einem Team aus bis zu 5 Spielern mehrere Wellen an Gegnern zu überleben, im Optimalfall natürlich alle 50 Wellen. Dabei zieht zu jeder zehnten Welle der Schwierigkeitsgrad deutlich an, indem die Feinde beispielsweise mehr aushalten oder Ihr doppelten Schaden nehmt. Mit jeder Welle erwarten euch stärkere und zahlreichere Gegner. Diesmal sammelt Ihr zu Beginn einer Runde den Fabrikator auf und platziert ihn an einem Punkt den man Eurer Meinung nach gut verteidigen kann. Mit Credits könnt Ihr die Stellung mit Hilfe von Barrikaden und Geschütztürmen verstärken. Für das Töten der Gegner gibt es zusätzliche Credits. Ein Klassensystem verleiht dem Horde-Modus noch mehr Tiefe. Vor Beginn jeder Runde entscheidet Ihr euch für eine von fünf Klassen, wie zum Beispiel dem Ingenieur oder dem Scharfschützen. Jede Klasse hat eine besondere Fähigkeit oder einen Vorteil, den Ihr zugunsten des Teams einsetzen könnt. Die besten Erfahrungen hatte ich mit dem Ingenieur, da Ihr damit die beschädigten Barrikaden reparieren könnt. Diese entschieden, gerade in höheren Wellen, oft den Rundensieg.

Abgerundet wird der Online-Modus von verschiedenen Kopfgeldern, die Ihr Euch verdienen könnt. Die Karten müssen vor Beginn einer Runde ausgewählt werden. Als Belohnung winken zum Beispiel neue Gegenstände oder Erfahrungspunkte. Insgesamt bleibt The Coalition auch im Mehrspielermodus der ursprünglichen Linie treu, aber gerade Horde 3.0 macht mit den ganzen Neuerungen besonders viel Spaß. Einziger Kritikpunkt der noch bleibt sind die verhältnismäßig langen Ladezeiten der Mehrspielerkarten, die hätten etwas kürzer ausfallen dürfen.

Meinung

Wertung zu Gears of War 4 (XBO)

Wertung:

9.0 /10
Pro & Contra
Spannende KampagneWiedersehen mit alten BekanntenAbwechslungsreiche ArealeSpaßiges Koop-GameplayDetaillierte Charaktere und Levelviele neue Gegnersinnvolle Neuerungen in Horde 3.0viele Individualisierungsmöglichkeiten
Abruptes Ende der GeschichteSammelgegenstände ohne inhaltlichen Mehrwertrelativ lange Ladezeiten der Karten

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