Besser spät als nie: Wir testen die seit März erhältliche Special Edition für den PC von Limbo. Der grandiose Xbox-Live-Erfolg in einer schwarz-weißen Scherenschnittwelt war kürzlich erst im Humble Indie Bundle zu haben.
Seit 2010 gibt es Limbo schon für Microsofts Xbox 360, 2011 kam das Indie-Spiel bei Steam raus und im März nun auch als hübsche Special Edition für den PC in den Handel. Dieses Kleinod wartete nun Monate darauf, auch von uns getestet zu werden. Die Veröffentlichung von Limbo im Humble Indie Bundle V gibt uns endlich die Gelegenheit dazu, das Thema mit aktuellem Zusammenhang hervorzukramen! Aber worum geht es?
Quelle: PC Games
Limbo gibt es mittlerweile für Playstation 3, Xbox 360 und für PC (via Steam und im Handel) (3)
In der Rolle eines namenlosen und unbekannten Jungen wacht man in einem düsteren Wald auf und rennt fortan von links nach rechts durch das Spiel. Als Spieler wird man dabei im wahrsten Sinne des Wortes völlig im Dunklen gelassen. Eine klassische Story existiert nicht, weswegen man nicht genau bestimmen kann, wo man ist. Dennoch stellt sich sehr schnell eine ungewöhnlich düstere Atmosphäre ein, die einen bis zur letzten Spielminute gebannt vor dem PC fesselt. Dabei geht es in Limbo extrem minimalistisch (im positiven Sinne) zur Sache, da man eine schlichte Schwarz-Weiß-Grafik vorgesetzt bekommt. Der Hauptakteur ist sogar lediglich eine schwarze Kontur mit zwei weißen Augen, Details gibt es nicht. Gerade wegen dieser Darstellung schaffen es die Entwickler trotz des Grafikstils unglaublich viele Emotionen auf eine bis dato ungewöhnliche Art und Weise zu vermitteln, und das im Zeitalter immer komplexer werdender Gesichtsanimationen. Hilfreich dabei sind da auch die extrem flüssigen Animationen der Spielfigur. Die PC-Version kommt on top mit einer Anaglyphen 3D-Optik daher, das heißt, dass bestimmte Objekte im Vorder- oder Hintergrund des Spiels mithilfe einer Rot-Blau-Brille hervorgehoben werden. Besonders gut sieht das aber nicht aus, weswegen wir es nur am Rande erwähnen wollen.
Der einmalige Grafikstil besticht nämlich nicht gerade mit messerscharfen Texturen oder den neuesten Grafiktechnologien. Die 2D-Optik verhilft dennoch zu einer düsteren Grundstimmung, die kein anderes High-End-Survial-Horror-Spiel auch nur im Ansatz in dieser bemerkenswerten Form erreichen kann. Dies geschieht lediglich durch die flackernde Schwarz-Weiß-Darstellung, einige Unschärfeeffekte und einen stimmigen Grafik-Filter, wie man ihn zum Beispiel aus der Silent Hill-Reihe kennt. Abgesehen davon, dass Limbo als künstlerisch wertvoll durchgeht und jedes Standbild zum Einrahmen im Museum verleitet, läuft uns als Spieler über die gesamte Spielzeit von rund vier Stunde ein stetiger Dauerschauer über den Nacken. Limbo ist beklemmend, faszinierend, einmalig, außergewöhnlich, die Wortkette lässt sich beliebig fortsetzen.
Einfach aber dennoch clever
Quelle: PC Games
Limbo gibt es mittlerweile für Playstation 3, Xbox 360 und für PC (via Steam und im Handel) (7)
Wie bereits erwähnt, bewegen wir uns zunächst durch einen abscheulich wirkenden Wald, später kommen wir in eine heruntergekommene, verlassene Stadt und klettern uns durch schaurige Industriekomplexe. Und stets fragt man sich, was das Ganze überhaupt soll. Eine Sprachausgabe oder Erklärungen, wo man ist und was man tut, gibt es nicht. Dafür zeigt sich die Steuerung sehr schnell erlernt. Am PC nutzt man lediglich die Pfeiltasten und Strg als Interaktionstaste, kann aber auch mit dem Xbox 360 Gamepad spielen. Somit gibt es nur vier Aktionen im Spiel: Links gehen, rechts gehen, springen und mit Objekten interagieren. Limbo ist nicht das typische Jump & Run, bei dem man Feinden auf die Köpfe springt, sich riesigen Bossgegner stellt und von einer bewegenden Plattform zur nächsten hetzt. Nein, Limbo ist ein äußerst intelligentes Rätselspiel mit fordernden Geschicklichkeitseinlagen. Man darf ruhig behaupten, dass Limbo eines der intelligentesten Spiele ist, das man in den letzten Jahren gesehen hat, was natürlich an den äußerst cleveren und abwechslungsreichen Rätseln liegt, mit denen man im Schnitt alle zwei Minuten konfrontiert wird.
Hilfreich bei den vielen Denkaufgaben ist eine funktionierende Physikengine, die einen sehr guten Dienst verrichtet und die Objekte realistisch in Szene setzt. Auch wenn man sich mit Zahnrädern, Wasserständen oder engen Zeitlimits auseinander setzt, gibt es auch die für ein Jump & Rund typischen Geschicklichkeitspassagen, in denen man vor herunter rollenden Felsen flüchtet, über Bärenfallen springt und Kreissägen aus dem Weg geht. Und so harmlos Limbo auf Screenshots wirkt, die Gewaltdarstellung ist explizit, da der unbekannt Junge regelmäßig zerschnitten gequetscht und durch Elektrizität verschmort wird, inklusive Blut und Matschgeräusch. Wenn das kleine Kerlchen dann noch langsam ertrinkt und sich seine Augen schließt, merkt man schnell, dass Limbo nichts für Kinder ist.
Pfui, Spinne
Limbo ist außerdem ein exzellentes Beispiel für das Trial & Error-Prinzip, da die Fallen und Rätsel im ersten Anlauf eigentlich selten ohne das Ableben des Jungen zu bewältigen sind. Das Spiel zählt auf einen langsamen Lerneffekt, der ein "Aha"-Erlebnis nach dem anderen hervorruft. Obwohl man Tausend Tode stirbt, kommt kein Frust auf, weil das Speicherpunktsystem nach jeder absolvierten Aufgabe einsetzt. Dadurch muss man eine Stelle nie ein zweites Mal bewältigen. Limbo setzt seinen gelungenen Minimalismus auch bei Sound fort. Musikalisch wird absolut nichts geboten, nur die dezenten Hintergrundgeräusche des Waldes und anderer Gebiete sind zu hören. Zudem wurde auf Bildschirmanzeigen gänzlich verzichtet.
Quelle: PC Games
Limbo gibt es mittlerweile für Playstation 3, Xbox 360 und für PC (via Steam und im Handel) (1)
Im ersten Drittel des Spiels werden wir über eine halbe Stunde lang immer wieder von einer riesigen Spinne verfolgt, die wir mit allerlei cleveren Aktionen häufig zurückschlagen, bis wir sogar noch ihren leblosen Körper für eine andere Aufgabe nutzen. Wenn sich so ein Spinnenvieh völlig lautlos und langsam aus der Dunkelheit auf uns zu bewegt und man panisch versucht zu entkommen, dann kann kein Resident Evil oder Silent Hill dieser Welt atmosphärisch mithalten. Auf der einen Seite ist man wegen dem Fehlen jeder Waffen völlig hilflos, auf der anderen Seite wird stets ein Ausweg gezeigt. Gepaart mit der Einsamkeit, denn im Grunde trifft man nur selten auf andere Bewohner dieser mysteriösen Welt, entsteht ein fast schon einschneidendes Spielerlebnis.
Soundtrack-Fans bekommen in der Special Edition die atmosphärische und ruhige Hintergrundmusik von Limbo kostenlos dazu. Auch im Humble Indie Bundle gab es die sechs Tracks dazu. Nur Steam-Spieler müssen im Zweifelsfall noch einkaufen gehen. Ebenso sind einige hübsche Artworks gedruckt beigelegt, die dem Spiel entstammen. Sie beweisen: Tatsächlich, egal zu welcher Zeit man im Spiel einen Screenshot macht, auf hübschem Papier gedruckt sieht Limbo immer aus wie ein Kunstwerk. Da verzeihen wir PlayDead auch den kleinen Ausrutscher mit der Anaglyphen 3D-Brille. Die Idee ist nett, aber der blau-rote 3D-Modus wirklich kein großer Augenschmaus.
Mit seinen vier Stunden Spielzeit ist Limbo für den Preis ein wenig zu kurz geraten. Auch der Wiederspielwert tendiert eigentlich gegen Null, da man keinerlei Highscores oder ähnliches sammelt. Ambitionierte Spieler versuchen allerdings ein Achievement zu erringen, das voraussetzt, dass man weniger als fünf Mal stirbt. Im ersten Durchgang ist dies völlig ausgeschlossen.
