Gravity Rush könnte als toller Exklusivtitel zu einem Systemseller für die PS Vita werden. Wir haben uns das japanische Actionspiel angeschaut und getestet.
Das Internet liebt Katzen. Mit einem miauenden Hauptcharakter liegt Sony Japan also nicht verkehrt. In Gravity Rush spielt man nämlich die hübsche, aber leicht verwirrte Shifterin Kat. Sie erwacht mit einer magischen Katze an ihrer Seite, Dusty, in einer Stadt, die über den Wolken schwebt. Erinnerungen daran, wer sie ist und was sie an diesem Ort, Hekseville, überhaupt macht, hat sie keine mehr. Doch recht schnell stellt sich heraus: Sie hat besondere Fähigkeiten! Als eine von ganz wenigen kann sie die Gravitation beeinflussen und damit fast wie ein Superheld durch die Luft fliegen.
Diese Fähigkeit stellt sich schnell als ein Segen für den ganzen Ort heraus. Denn das schwebende Hekseville hat ein Problem: Ein Zeitsturm fegt mitten durch die kleine Steampunk-Stadt hindurch und zerreißt sie in mehrere Dimensionen, zwischen denen man nicht ohne weiteres hin- und herspringen kann. Zu allem Überfluss tauchen aus den Dimensionslöchern auch immer wieder Monster auf, die Einwohner terrorisieren. Sie sehen geleeartig und ziemlich wabbelig aus und haben es für gewöhnlich nicht so faustdick hinter den Ohren. Die kleinen, hundeartigen Viecher bekommt man meist mit der einzigen Angriffstaste platt (Kick), für die größeren muss man einen kombinierten Gravitationskick machen.
Gelungen ist die Art wie Sonys Japan Studio die packende Geschichte rund um Kat und Dusty erzählt. Die Charaktere bleiben durchgehend irgendwie kindisch-naiv, was zur hübschen Comic-Grafik im Cel-Shading-Look passt. Unter den Kommentaren, die unsere Protagonistin da ab und an mal von sich gibt, sind viele lustige dabei, am meisten lachen mussten wir aber über ihren Begleiter. Denn Kat spricht im Spiel permanent mit ihrer Katze, die aber nur "Miau?" antwortet. Trotz der Sprachbarriere wird aber schnell klar, dass Kats magische Fähigkeiten mit dem Auftauchen von Dusty zu tun haben. Was genau erfährt der Spieler in tollen Comic-Strips, die die Geschichte erzählen. Vertonung gibt es nur an ganz wenigen Stellen, beispielsweise wenn Kat in einer Zwischensequenz den NPC Syd anquatscht. Gravity Rush ist dadurch zwar ziemlich textlastig, die ganze Geschichte und Atmosphäre in der Stadt hat es uns aber total angetan.
Schneller, höher, weiter
Quelle: Sony
Kat kann schweben und die Gravitation manipulieren
Im Kern dreht sich die Geschichte fortan um Kats Fähigkeit, Gravitation zu beeinflussen. Dass sie fliegen kann klingt zwar einigermaßen cool, ist in Wirklichkeit aber eher ein kontrolliertes Fallen in eine gewisse Richtung. Mit Druck auf den rechten Schulterbutton löst Kat sich vom Boden ab und fängt völlig schwerelos zu schweben an. Mit einem weiteren Klick auf den Button verändert sie die Schwerkraft, sodass sie von dem Punkt angezogen wird, auf den sie gerade schaut. Mit etwas Übung wird daraus ein flüssiger Flug, Superman braucht man sich darunter aber nicht vorstellen.
Auf der Welt verteilte Kristalle, die gerne auf der Unterseite von Brücken und sonst irgendwie gravitationstechnisch möglichst ungelegen zu finden sind, dienen als Ingame-Items, mit denen man im Level aufsteigen kann. Schnell gewöhnen wir es uns an, bei jeder Sichtung erst mal alles stehen und liegen zu lassen und die Kristalle einzusammeln. Denn wer häufig die Schwerkraft ändert, verliert irgendwann die Übersicht. Wo ist oben, wo ist unten? Nach einigen Momenten schon weiß man nicht mehr, wo man eben noch wahr – nach einigen Minuten wiederkommen und Kristalle einsammeln ist dadurch fast unmöglich. Das Sammeln wird also schnell zur allgegenwärtigen Nebenbeschäftigung, die allein wegen des Selbstzwecks Spaß macht. Durch die Luft schweben kann man nämlich nicht ewig, die Zeit ist durch eine Art Manavorrat begrenzt. Wer bis zum Ablauf der Zeit nicht auf einer Ebene steht, fällt mit Pech in den Zeitsturm.
Quelle: Sony
Gravity Rush nutzt neben Sticks und Toucscreen auch den Neigesensor der PS Vita
Hekseville ist eine offene Welt, die man selbstständig erkunden kann. Sie ist in vier Stadtteile aufgeteilt, immer wieder kann man seine lila Kristalle auch einsetzen, um Gerätschaften in der Stadt zum Laufen zu bringen. Wenn man mit einem Lift oder einer Brücke zwei Stadtteile verbindet, freut's die Einwohner und man steigt in deren Beliebtheit. Außerdem schaltet man so Nebenmissionen frei – meist Zeitrennen, die aber nichts zum Hauptspiel beitragen. Woran es uns mangelt sind Gesprächspartner in der Stadt und richtige Sidequests. Die Missionen sind zwar toll gemacht und durch die Motion Comics hübsch inszeniert und in der offenen Welt gibt es auch immer wieder Gesprächswillige, doch oft sprechen diese nur einen Monolog auf.
Vita-Features gut umgesetzt
Gravity Rush setzt bei der Steuerung auf die beiden Sticks und immer wieder auch auf die Neigetechnik der PS Vita. So kann man sich im Schwebeflug umschauen, indem man seine Vita zur Seite neigt und auch die tollen Manga-artigen Motion-Comics lassen sich durch Bewegung drehen und wenden. Die Zeiten, in denen in Kurven man mit dem Controller mitging, sind also vorbei, heute zählt die Eingabe wirklich! Grafisch hat Gravity Rush einiges auf dem Kasten. Der Cel-Shading-Look übertüncht zwar einige kleine Fehler, insgesamt aber sagt uns der comichafte und sehr japanisch wirkende Stil zu!