Es ist eigentlich etwas verwunderlich, dass unsere Heimkonsolen und Handhelds schon seit geraumer Zeit technisch über alles Verfügen um etwas Vernünftiges in Richtung Augmented Reality anzustellen, aber bis auf eine mehr oder minder gut funktionierende Fuchtelsteuerung und ein paar animierten Monstern auf dem Schreibtisch kaum etwas Erwähnenswertes in dieser Richtung geschah. Mit Spirit Camera, einem SpinOff der Project Zero-Reihe, versucht sich Tecmo Koei Games nun genau an dem, uns ein Spiel zu bieten welches die Umgebung mit einbezieht. Ob das gelungen ist, klären wir in unserem Test.
Spirit Camera: Das verfluchte Tagebuch
Geheimnisvolle Post
Das Spiel beginnt damit, dass wir geheimnisvolle Post erhalten. Irgendjemand schickte uns ein mysteriöses Tagebuch, welches Seiten ohne Inhalte enthält, Blutflecken, Bilder auf denen die Gesichter der Charaktere ausradiert wurden und ähnlich unheimliche Zeichnungen. Mit in dem Paket das wie erhielten befindet sich ein Fotoapparat, die Camera Obscura. Dabei handelt es sich um unseren Nintendo 3DS, wohingegen das Tagebuch in gedruckter Form dem Spiel beiliegt. Damit haben wir alles, was wir brauchen um die gruselige Geschichte zu erleben, und das mitten in unserem Zimmer.
Eine Hand greift aus dem Buch nach der unsrigen
Das Spiel macht nämlich viel Gebrauch von der eingebauten 3D-Kamera des Handhelds. Zuerst müssen wir zwei Fotos unseres Zimmers machen, ein dunkles und ein helles. Auf den gemachten Fotos entdecken wir den ersten Hinweis auf das Tagebuch, welches wir mit der Camera Obscura ablichten. So entsteht ein Text auf der eigentlich unbeschriebenen Seite und das Buch zieht uns in ein unheimliches Haus. Wer bereits Project Zero gespielt hat, wird sich sofort heimisch fühlen, insofern man das in dieser unheimlichen Umgebung kann. Während unser Alter Ego sich automatisch in dem Haus bewegt, können wir uns mit dem 3DS – verzeihung - mit der Camera Obscura umsehen. Das erzeugt tatsächlich das Gefühl, sich selbst in dem Haus zu befinden. Es dauert auch nicht lange und wir begegnen Maya, einer jungen Frau in einem weißen Kleid. Sie scheint ihre Erinnerung verloren zu haben und eine Gefangene der schwarzen Frau zu sein, zumindest erzählt sie uns das. Als wir eine bestimmte Türe in dem Haus öffnen wollen, hält sie uns energisch davon ab und hilft uns zurück auf den Weg in die Realität. Dort angekommen sind wir aber nicht mehr allein, Maya ist mit uns gekommen, sie steht nun mitten bei uns im Zimmer und wir können uns per Knopfdruck mit ihr unterhalten. Doch ist sie nicht der einzige neue Gast, auch ein unheimlicher Mann ohne Gesicht taucht plötzlich in unserem Zimmer auf, worauf der erste Kampf im Spiel ausgelöst wird. Wie auch schon in Project Zero müssen wir den Geist im Fokus der Kamera halten und warten bis sich die Energie voll aufgeladen hat, um genau in diesem Moment auszulösen und ihn zu schädigen. Fotografieren wir zu früh, verpufft der Angriff. Drücken wir zu spät ab, erwischt uns der Geist und hinterlässt einen Schaden an der Linse. Nachdem wir ihn niedergerungen haben, können wir uns erneut Maya zuwenden und studieren mit der Camera Obscura die weiteren Seiten des Tagebuchs.
Augmented Reality
Maya begleitet uns durchs Spiel und erscheint in unserem Zimmer
Das faszinierende an Spirit Camera ist zweifellos der Umstand, dass das eigene Zimmer zu einem Teil der Spielwelt wird. Da steht plötzlich ein virtuelles Mädchen in den eigenen vier Wänden und man kann sie mit ihr unterhalten, oder ein gesichtsloser Geist greift einen in den eigenen vier Wänden an, das hat schon was. Dazu gibt es noch die Interaktion mit dem Tagebuch, die recht vielfältig umgesetzt wurde. Da erscheint Schrift auf leeren Seiten, Filmszenen werden gezeigt und sogar Geister entsteigen dem Buch um uns anzugreifen oder auch um mit uns zu spielen. Die einzeln angewandten Spielevarianten findet man dann auch noch im Spielmodi "Besessene Seiten".
Dahinter verbergen sich vier Einzelspiele. Vier seltsame Masken, bei dem eine Seite des Tagebuchs verwendet wird, welches vier Masken zeigt und wir ihre Blickrichtungen schnell erkennen müssen. Im Fluch der Puppen gilt es eine bestimmte der vielen im Raum um uns herum schwebenden Puppen zu erkennen. Bei "Junge im Buch" handelt es sich um ein Versteckspiel, in dem sich ein Junge auf irgendeiner Seite im Tagebuch versteckt. Im "Haus der Geister" schließlich müssen wir innerhalb eine vorgegebenen Zeitlimits eine bestimmte Anzahl Geister fotografieren.
Die dritte Funktion der Camera Obscura ist die Geisterfotografie. So als würden wir einen Geist suchen, machen wir verschiedene Aufnahmen unserer Wohnung und immer dann wenn ein unheimliches Geräusch ertönt, hat sich auch irgendetwas auf dem Bild manifestiert. Das Spektrum dessen was dabei herauskommt reicht von "nicht mal lustig" bis hin zu "durchaus gruselig". Am schlechtesten sind die Ergebnisse bei denen in das Bild einfach irgendein Geist eingeblendet wird. Erstaunlich gut hingegen funktioniert das Fotografieren von spiegelnden Oberflächen, in die die Spirit Camera dann gruselige Geister hineinprojiziert. Bei der Geisteranalyse hingegen fotografiert man sich selbst und wird dann optisch entstellt und wir bekommen einen Geist präsentiert, der sich angeblich an uns geheftet hat. Dazu gibt's auch noch lustige Tipps ihn wieder loszuwerden. Die letzte Funktion schließlich ist der Exorzismus. Wir machen ein Foto unseres Gegenübers und treiben ihm dann den erscheinenden Geist aus. Das ist zweimal witzig, dann nicht mehr.
